Die Fischergemeinde Grand Isle, zwei Autostunden von New Orleans, wurde zu einem der grausigsten Schauplätze der Öl-Apokalypse. Von den nahen Inseln stammen jene schockierenden Fotos ölverschmierter Pelikane, die die Welt aufrüttelten. Mike (22), ein Schlosser aus der Gegend, der tagsüber für den Ölmulti BP von den Stränden die Giftbrühe einsammelt, führt mich mit einem Schnellboot hinaus über die Bucht zum „Grand Terre Island“. Aus der Distanz sieht der Strand aus wie nach einem Bobenangriff, die pechschwarzen Ölflecken wirkten wie Schmauchspuren.
So toxisch ist der Ölschlamm, dass Crews teils mit „Hazmat“-ABC-Schutzanzügen vorrücken. Es dauert nur wenige Minuten bis das Boot den ersten schwimmenden Streifen der – inzwischen weltweit so grausig vertrauten – rostbraunen, dicken Öl-Brühe erreicht. Das Rohöl aus den Tiefen des „Deepwater“-Lecks stinkt bestialisch, hat sich zu dicken Klumpen zusammengeballt. Es schaukelt inmitten des in Regenbogenfarben schimmernden, fast schaurig-schönen Ölfilms in der sanften Brandung. Ich streife mir einen Plastikhandschuh über, stecke die Hand ins Öl. Es ist klebrig, lässt sich kaum wegputzen. Es riecht wie auf einer Tankstelle.
Und tragisch: Inmitten des Infernos tauchen immer wieder Fische auf. „An einigen Tagen treiben viele tot an der Wasseroberfläche“, erzählt Mike, der auch Pelikane auf der Insel verenden sah. Möwen tauchen weiter in das vergiftete Wasser ein, das Öl wird über Dauer dem Federkleid die Wasserdichtheit rauben. Über uns fliegen plötzlich sechs Pelikane in Formation. Tierschützer lauern tagsüber mit Schreckschuss-Pistolen, um die Vögel zu vertreiben – bevor sei sich den schlimmsten Ölflecken nähern. Einsiedlerkrabben haben sich massenweise aus dem Giftwasser auf einen Schutzwall aus Felsbrocken „gerettet“.

Durch das Öl stirbt die Vegetation ab
Wir steuern den ölverpesteten Strand an, doch rasch bleibt die Bootsschraube stecken. Mike meint, dass ich an Land waten könnte. „Es ist nicht tief“, sagt er: „Bloß bis zur Brust…“ Rasch verwerfe ich die Idee angesichts des ölverseuchten Meeres. Mike will zu einem Pier fahren, wo er sonst während den Arbeitsschichten anlegt. Doch plötzlich läutet das Handy. BP-Aufpasser hatten überhört, dass er das Boot an einen Journalisten vermietete. Der Multi verhängte seinen Werkverträglern einen strikten Maulkorb. Schon vorher wollte er mir deshalb aus Sorge seinen Nachnamen nicht verraten. Jetzt zieht er panisch das blaue BP-Ölputzer-T-Shirt aus. Und rast hektisch zurück zum Hafen.
1.200 Dollar verdient Mike in der Woche. „So viele machte ich noch nie in meinem Leben“, sagt er. Zehn Stunden stehen die Trupps in der sengenden Hitze, schaufeln die Ölberge in Plastiksäcke, verkleben sie. Der Sondermüll wird zu Booten geschleppt. „Was BP dann damit macht, weiß keiner“, sagt Mike. Keine Frage: Dem Ölmulti traut hier niemand mehr.
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Gründer des Amerika-Report ist Herbert Bauernebel, US-Korrespondent in New York seit elf Jahren.
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Lisa
Reply →Ein schreckliches Szenario, dass sich da abspielt! Wie die Natur unter den Fehlern des Menschen leiden muss. Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis die letzten Auswirkungen der Katastrophe beseitigt sind. Mir tun besonders die Tiere leid, die ihren Lebensraum und ihr Leben verlieren.