Exakt 3516 Tage, fast zehn Jahre, hatte die USA auf diesen Tag gewartet, seit von Al-Kaida-Terroristen gekaperte Jets in die New Yorker Zwillingstürme und das Pentagon rasten, den 11. September 2001 zum mit 3.000 Toten schwärzesten Tag der US-Geschichte machten und den Weltlauf nachhaltig veränderten. Gegen 9/11-Drahtzieher Osama Bin Laden (†54) wurden 50 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Ex-Präsident George Bush wollte ihn “tot oder lebendig”, zwei, 1,5 Billionen Dollar teure “Kriege gegen den Terror” mit 45.000 verletzten oder toten US-Soldaten wurden gestartet.
Sonntag Abends, 23:34 Ortszeit (5:34 MEZ), marschierte Barack Obama zum Rednerpult im White House. Sein Gesicht entschlossen, erleichtert, stolz: “Guten Abend…”, began Obama”, mit tiefer Stimme: “Ich kann den Amerikanern und der Welt mitteilen, dass die USA eine Operation durchführte, bei der Osama Bin Laden, der Führer von Al-Kaida und Terrorist, der für den Mord tausender, unschuldiger Männer, Frauen und Kinder verantwortlich ist, getötet wurde”.

Sofort versank die USA im Freundentaumel: Hunderte zogen vor das White House, schwangen Fahnen, jubelten frenetisch. Bei einem Baseball-Spiel in Philadelphia skandierten die Massen: „U-S-A! U-S-A!“. Soziale Medien via Facebook glühten mit Freuden-Botschaften und euphorischen Kommentaren über den Tod des Terrormonsters.

Am bewegendsten die Szenen auf „Grund Zero“ in Lower Manhatten, dem 64.749 Quadratmeter großen Tatort der Twin-Tower-Attacke (2.752 Opfer): Menschen fielen sich in die Arme, auf 2.000 Feiernde schwoll die Masse an. Bald knatterten News-Helikopter über dem Jubel-Ort. Am größten die Freude bei den Angehörigen der Opfer: „Das ist Gerechtigkeit für ganz Amerika“, sagte das „Tränenmädchen“ Rachel Uchitel, deren Verlobter Andy O´Grady im Südturm starb: „Andy feiert im Himmel mit all den Opfern – und das macht mich so glücklich…“.
Andere in New York, das vor fast zehn Jahren an dem strahlenden Spätsommertag plötzlich im Albtraum zweier Jumbo-Treffer und den kollabierenden, 417 Meter hohen WTC-Türmen versank, sprach gar von ihrem „D-Day“, wie einst der Sieg über Nazi-Deutschland. An Zäunen wurden spontan Flaggen und Blumen angebracht.

Deftig die Zeitungen: „Verrotte in der Hölle“, wünschte dem toten Bin Laden die „Daily News“. „Wir haben ihn!“, tönte die „New York Post“. Untertitel: „Endlich Rache – US nagelt den Bastard nieder!“

„Gott preise unser Militär“, ruft der fahnenschwingende Verkäufer James Vigliature (51) beim Lokalaugenschein an der Riesenbaustelle, wo der bereits 60 Stockwerke hohe, neue WTC-Turm empor ragt: „Dieses Monster hat endlich bekommen, was er verdient“. Seit Sonntag Nacht wird hier gefeiert, als hätte die USA die Fußball-WM gewonnen. Doch vor der Station der lokalen „PATH“-Nahverkehrszüge steht ein Trupp mit MPs bewaffneter Elitepolizisten. Auch die Angst vor Vergeltung ist bereits spürbar.