Wohl jeder, der diese Story hörte, hatte wohl spontan die gleichen Gedanken: Zum Glück war ich nicht an Bord dieses Fluges! Dieses blieb natürlich den 135 Passagieren von „JetBlue“-Flug 191 am Dienstag von New York nach Las Vegas verwehrt. Sie wurden Zeugen einer der absurdesten Luftverkehrszwischenfälle vielleicht aller Zeiten – dem totalen Nervenzusammenbruch eines Piloten.

Auf halber Flugstrecke flog Captain Clayton Osbon (49) plötzlich erratische Kurven, drückte wirr Knöpfe, manipulierte die Leitklappen. Der Kopilot bewegte ihn dazu, aufs Klo zu gehen, verriegelte die Türe, änderte den Code. Ausgesperrt rastete der Pilot aus, schrie „Al-Kaida“, „Bomben“, “Terrorismus” „Irak“ und „Wir werden abstürzen“. Den entsetzten Passagieren riet er, zu “beten“. Wie von Sinnen trommelte der mit über 1,90 Meter riesige und 110 Kilo schwere Kerl gegen die Cockpit-Türe. Laut Zeugen hätte er – Schaum vorm Mund – auch versucht, den Notausstieg zu öffnen.

Eine Stewardess rief über die Intercom: „Bändigt ihn!“ Das Glück im Unglück: An Bord befanden sich einige ehemalige Polizisten am Weg zu einer Sicherheitskonferenz. Paul Gonzales (50), ein Ex-Gefägniswärter, wurde zum Helden, als er Osbon in den Würgegriff nahm. Mit der Hilfe weiterer Passagiere wurde er mit einem Gürtel gefesselt, bis der Jet in Amarillo, Texas, notlandete. Osbon wurde aus dem Jumbo getragen, landete in der Psychiatrie. Die Fluglinie sprach von einem „medizinischen Vorfall“.

Angesichts des Dramas kommen Erinnerungen an frühere Ausraster hoch: Anfang des Monat etwa drehte eine Stewardess vor einem “American Airlines”-Flug durch. “Ich bin nicht verantwortlich, wenn diese Maschine abstürzt”, brüllte die Frau. 15 Minuten lang hatte sie eine wirre Tirade über die Sprechanlage losgelassen, behauptete, einen Freund im 9/11-Terrorhorror verloren zu haben. Schreiend wurde auch sie überwältigt, zum Glück war der Jet noch nicht in der Luft und kehrte zum Gate am Dallas-Flughafen zurück.

Und immer noch fast legendär ist “JetBlue”-Steward Steven Slater, der 2010 nach der Landung am JFK ausflippte, eine Bierdose schnappte und damit über die von ihm ausgefahrene Notrutsche den Jumbo verließ. Der dramatische Abgang war zumindest nicht unwitzig: Slater wurde kurzfristig zum Helden geknechteter Airline-Arbeiter.

Sicherheitsexperten rätseln bereits, was zu der unheimlichen Serie an Nervenzusammenbrüchen führt: Ist es der Stress oder Burnout durch immer dichtere Flugpläne? Ignorieren die Fluglinien mentale Probleme ihres Personals? Arbeiten viele wegen der sinkenden Entlohnung gar in Zweitjobs? Die Häufung der Vorfälle lässt jedenfalls auf eine eskalierende Krise schließen.

Und der zunehmende Irrsinn in den Lüften beschränkt sich nicht nur aufs Flugpersonal: Auch immer mehr Passagiere drehen durch. Nur Stunden nach dem “JetBlue”-Pilotendrama attackierte ein Mann in einem “US Airways”-Jumbo am Weg von North Carolina nach Florida eine Stewardess. Auch er musste überwältigt werden.