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Romneys Wahltaktik: Mit kollektiver Amnesie ins Oval Office?

By Herbert Bauernebel — April 26, 2012

Vize Joe Biden ist zwar ein oft hoffnungsloser Fettnapftreter, doch mitunter trifft er den Nagel auf den Kopf: “Mitt Romney vertraut auf unseren kollektiven Gedächtnisverlust”, wollte der Obama-Vertraute gegen den Republikaner-Rivalen am Donnerstag laut vorveröffentlichten Rede-Exzerpten bei einer Ansprache in New York stänkern. Auf das kann Romney wahrlich hoffen. Denn zu vergessen gibt es so einiges: Natürlich den apokalyptischen Zustand, den George W. Bush (remember?) Nachfolger Obama hinterließ: Die Weltwirtschaft über die Klippe gestützt, die Finanzmärkte tiefgefroren, Detroit vor der Pleite, 800.000 Kündigungen pro Monat, die Mittelklasse von Zwangsenteignungen bedroht, die Nation durch zwei sinnlose Kriege ausgeblutet.

Und trotz aller Obama-Fehler (Wall-Street-”Amnestie”, Verzetteln bei der Gesundheitsreform, “Quagmire” in Afghanistan, ausufernde Staatsverschuldung) samt enttäuschter “Hope”- und “Change”-Träume: Der Präsident braucht sich vor seiner Bilanz nicht zu verstecken. Auch hier hofft Romney auf Gedächtnislücken beim Wahlvolk: Denn Obama rettete die Autoindustrie, ließ Staatsfeind Osama Bin Laden töten, verhinderte eine “Great Depression”, brachte Jobs zurück in die USA, ließ die US-Streitkräfte aus dem Irak abziehen, stellte den Ruf Amerikas in der Welt wieder her.

Das alles passt natürlich nicht zu dem düsteren Bild, das Romney täglich verbreitet: Wegen Obama stehe das Land eigentlich weiter vor dem Abgrund, der Präsident sei “way over his head”, “überfordert” (was – unausgesprochen freilich – wohl auch mit seiner Hautfarbe zu tun haben muss…).

Romney hofft aber auch, dass sich im November niemand mehr an die ekelhafte GOP-Primary-Saison – und vor allem sein Abdriften weit nach rechts – erinnert: Er stellte sich auf die Seite religiöser Eiferer, die Frauen neben Abtreibungen nun sogar Empfängnisverhütung verbieten wollen. Er forderte mexikanische Omas auf, sich “selbst zu deportieren…”. Er stellte klar, dass kein Illegaler jemals US-Bürger werden könnte. Seine Popularität bei Frauen und Hispanics darf erraten werden. Blöd nur, dass er ohne die nicht Präsident werden kann.

Romney hofft nun, dass alles tatsächlich so leicht ist wie beim Kinderspielzeug “Etch a Sketch”, wo jedes Bild durch einfaches Schütteln verschwindet. Kaum sind die Vorwahl zu Ende (sogar Newt Gingrich hat nun die Realität eingeholt…), redet ein kuschelweicher Romney 2.0 über “Fairness”, Chancen für Frauen, Gnade zumindest für die Kinder von illegalen Einwanderern. Tja, einfach nur schütteln. TV-Komiker Jon Stewart illustrierte den neuen Wahlkampf mit dem Neustartgeräusch eines Mac. Reboot.

Leider ist zu befürchten, dass im Klima immer seichterer News-Zyklen das Erinnerungsvermögen tatsächlich generell abnimmt. Es liegt hier auch an Obama, sein bisheriges Wirken besser zu verkaufen. Biden machte hier bereits einen guten Anfang mit einer griffigen Simplifizierung: “Detroit ist am Leben, bin Laden ist tot!”

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Gründer des Amerika-Report ist Herbert Bauernebel, US-Korrespondent in New York seit elf Jahren.

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