Stories 2007-09

# 27. September: Bilanz einer Kanzler-Reise


Austro-Kanzler Alfred Gusenbauer schloss mit einem Frühstücks-Treffen mit vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Pazifik-Staaten seinen hochkarätigen New-York-Trip ab – und reiste ab zu zwei Vorträgen über amerikanisch-europäische Beziehungen an die Harvard-Uni in Boston und in Philadelphia. Gusenbauer blickt auf die schillerndste Woche seiner Kanzler-Karriere zurück: Mit Ex-Präsident Bill Clinton parlierte er beim Cocktail-Empfang im Kult-Museum “MoMA” einen breiten Themenreigen, vom Klimaschutz bis AIDS in Osteuropa. Dabei gleich die Überraschung: Clinton habe von Hollywoodstar Sharon Stone derart tolle Sachen über den Wiener “Live Ball” gehört, erzählte er Gusenbauer, dass er sich den Termin für 2008 “vormerken wolle”.
Mit Klima-Guru Al Gore plauderte der rasende Kanzler über den “steigenden Druck auf die USA” durch den eintätigen UN-Klimagipfels, mehr in Sachen Klima zu tun. Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger lud er zu einem Klimagipfel nach Wien ein – und sogar US-Präsident George W. Bush wurde von dem hyperaktiven Gast aus Austria belehrt, dass künftige globale Klimaschutzabkommen unter dem UN-Schirm ausverhandelt werden müssen und es “mehr Leadership” aus Washington bedürfe. Bush nickte höflich.
Während der Kanzler das Weltklima retten will, durfte sich Außenministerin Ursula Plassnik um die mögliche Aufnahme Österreichs in den UN-Sicherheitsrat bemühen. “Die Chancen dafür stehen recht gut”, sagte Plassnik nahe des UN-Hauptquartiers. Starke Konkurrenz sei vor allem durch die Türkei zu erwarten.
Als Gusenbauer bereits, sichtlich stolz über die Erfolge der letzten Tage und dem begleitenden Medien-Trommelwirbel die “Seventh Avenue” in Midtown Manhattan hinauf schlendert, zieht er Bilanz: “Die Gespräche haben gezeigt, dass trotz aller politischer Krisen die Sorge, dass eine Klima-Katastrophe droht, zur Zeit fast alles andere überschattet”.

# 25. September: Gusi zu Iran: Ahmadinedschad in Österreich verhaftet?

Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer teilte in einer Podiumsdiskussion mit Kultautor Salman Rushdie die Kritik vieler in den USA, Iran-Diktator Mahmud Ahmadinedschad hätte durch den Auftritt an der “Columbia”-Universität keine “zusätzlich Bühne” geboten werden sollen. “Der hat als Regierungschef genügend Kommunikationskanäle, um seine Ansichten zu verbreiten”, so Gusenbauer. In Österreich würde Ahmadinedschad durch sein Leugnung des Holocaust sogar Gefahr laufen, verhaftet zu werden, so der Kanzler. Gusenbauer diskutierte bei der Eröffnung der UN-Vollversammlung und einem Dinner-Empfang von US-Präsident George W. Bush weiter die künftige Strategie gegenüber den Hardlinern in Teheran. Bereits am Wochenende forderte der Austro-Kanzler eine härtere Gangart gegenüber dem Mullahstaat. Vor allem dessen Alliierte wie Syrien sollen aus dessen Einflusssphäre gerissen werden. Gusenbauers US-Trip, der in Österreich für Schlagzeilen und Häme der Opposition wegen “Show-Auftritten” sorgt, erlebt am Mittwoch mit einer Teilnahme am legendären Forum des Ex-Präsidenten Bill Clinton einen neuen Höhepunkt.

# 25. September: Showdown am East River: Bush vs. Ahmadinedschad

Die Delegationen der USA und des Irans trachteten sichtlich nervös, dass sich ihre Präsidenten, George W. Bush und Mahmud Ahmadinedschad, in den engen, verwinkelten Korridoren des UN-Headquarters am New Yorker East River nicht zufällig über den Weg liefen: Der Showdown zwischen der USA und dem von ihr zum “Achse des Bösen”-Schurkenstaat deklarierten Irans, wurde via Redner-Pult geführt: “Der beste Weg, Extremisten zu besiegen, ist, ihre dunklen Ideologie mit einer Vision der Hoffnung zu kontern”, rief Bush als Anspielung auf den Iran in den gerammelt vollen Saal der “General Assembly”.
Ahmadinedschad konterte Stunden später: Er pochte auf Irans “souveränes Recht”, ein eigens “friedliches” Atomprogramm betreiben zu können – und versuchte sich diesmal als “Friedensengel” zu zeigen, als er beteuerte, keine “aggressiven Ambitionen” gegenüber den USA oder Israel zu haben. Der sonst provokante Ahmadinedschad hatte in der Vergangenheit mehrmals zur “Auslöschung Israels” aufgerufen.
Trotz der blumigen Worte hatte Ahmadinedschads New-York-Besuch bereits vor dem UNO-Auftritt einen Sturm der Entrüstung samt dutzender Großdemos, wo er auf Plakaten als “neuer Hitler” denunziert wurde, entfacht – besonders nachdem er den 9/11-Tatort “Ground Zero” besuchen hatte wollen. “Das Böse ist gelandet” begrüßte ihn etwa das Massenblatt “Daily News”.
Zu einem fast historischen Streitgespräch kam es bei einem Vortrag an der “Columbia University”. Uni-Präsident Lee Bollinger las Ahmadinedschad knallhart die Leviten über Folterpraktiken, Exekutionen, Dissidenten im Kerker, Unterdrückung von Frauen und Schwulen sowie seine “absurden Theorien” über die Existenz des Holocaust: “Sie zeigen alle Symptome eines engstirnigen und brutalen Diktators”, donnerte der Columbia-Boss, der wegen der Einladung des kleinwüchsigen und vollbärtigen Diktators unter schweren Beschuss vor allem rechter Medien geraten war.
Zu Ahmadinedschads Leugnung des Holocaust merkte Bollinger an: “Sie sind entweder unfassbar provokant oder erstaunlich ungebildet”. Der Iran-Führer beschwerte sich über den “unfreundlichen Empfang” und die Litanei an “Beleidigungen”. Dann beharrte er auf seiner Forderung, mehr Forschung über die Existenz des Holocaust anzustellen, wunderte sich, wer wirklich für 9/11 verantwortlich ist – und behauptete in einer Aussage, die zum Zitat des Jahres werden könnte, dass es im Iran keine Homosexuellen gäbe. 700 Studenten im Columbia-Auditorium lachten da laut auf. “Böser Feigling”, urteilte die Daily News am Cover: “Zynisch, selbstherrlich, schmollend und arrogant”, sei er gewesen und hätte sich “vor jeder Fragebeantwortung gedrückt”, so die Zeitung. Und der Schuss könnte nach hinten losgegangen sein: Ahmadinedschad, dessen PR-Offensive ihm zu Hause den Rücken stärken hätte sollen, wurde von Bollinger vorgeführt, wie wohl noch nie in seiner Laufbahn.

# 25. September: Abrechnung mit Ahmadinedschad

Der Showdown um Irans Präsident Mahmoud Ahmadinedschad überschattet weiterhin die jährliche UN-Hauptversammlung – und sogar den historischen Gipfel zur Rettung des Weltklimas. Gewohnt provokant und energisch verteidigte er vor den Delegierten im Saal der “General Assembly” im UN-Hauptquartier am East River sein umstrittenes Atom-Programm und lieferte wüste Tiraden gegen den Westen im Allgemeinen – und die USA unter George W. Bush im besonderen.
Ahmadinedschads Auftritt in New York hat in der Lokalpresse ein Inferno verächtlicher Headlines ausgelöst: Mit “Das Böse ist gelandet” begrüßte etwa das Massenblatt “Daily News” den Irandiktator. Zehntausende demonstrieren an mehreren Orten New Yorks, meist mit Plakaten, die ihn als “neuen Hitler” denunzierten. Seit Ahmadinedschad in der Vorwoche anregte, den 9/11-Tatort “Ground Zero” besuchen zu wollen, dominiert der kleinwüchsige und vollbärtige Staatschef des Mullah-Staates mit seinem offenen Hemdkragen als Trademark Medien und Politik in den USA.
Zu einem fast historischen, verbalen Showdown kam es am Montag bei einem Vortrag an der “Columbia University”. Rektor Lee Bollinger las Ahmadinedschad brutal die Leviten über Folterpraktiken, Menschenrechtsverstöße, Exekutionen und seine oft glatt als verrückt klassifizierten Theorien über die Existenz des Holocaust: “Sie zeigen alle Symptome eines engstirnigen und brutalen Diktators”, so der Columbia-Boss, der wegen der Ahmadinedschad-Einladung unter schweren Beschuss vor allem rechter Medien geraten war.
Zu Ahmadinedschads Leugnung des Holocaust merkte Bollinger an: “Sie sind entweder unfassbar provokant oder erstaunlich ungebildet”.
Ahmadinedschad beschwerte sich zu Beginn seiner Rede über den “unfreundlichen Empfang” und die Litanei an “Beleidigungen”. Dann beharrte er auf seiner Forderung, mehr Forschung über die Existenz des Holocaust anzustellen, wunderte sich, wer wirklich für 9/11 verantwortlich ist – und behauptete in einer Aussage, die das Potential zum Zitat des Jahres hat, dass es im Iran keine Homosexuellen gäbe. 700 Studenten im Columbia-Auditorium lachten da laut auf. “Böser Feigling”, urteilte die Daily News am Cover: “Zynisch, selbstherrlich, schmollend und arrogant”, sei er gewesen und hätte sich “vor jeder Fragebeantwortung gedrückt”, so die Zeitung.
Neben dem öffentlichen Theater um die “Ahmadinedschad-Show” wollen vor allem die USA und Frankreich härtere Sanktionen gegen den Iran wegen der mutmaßlichen Fortsetzung seines Nuklearprogrammes zum Bau einer A-Bombe erzwingen.

# 24. September: UNO-Klimagipfel in New York II

Unzählige historische Reden wurden von dem Podium im berühmten Plenarsaal im avantgardistischem Kuppelbau des UN-Headquarters am New Yorker “East River” schon gehalten. Doch Montags appellierten der UN-General Ban Ki Moon; 80 Regierungschefs, darunter Österreichs Alfred Gusenbauer; Gurus der Klimabewegung, wie der Ex-US-Vize Al Gore sowie politische Vorreiter der Klimabewegung á la Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger so leidenschaftlich, wie es der Bau seit fast einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen hat:
# “Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Menschheit”, donnerte Arnie in seinem tiefen Trademark-Akzent;
# “Die Zeit zum Handeln ist gekommen!”, rief UN-Klimachef Rajendra Pachauri, der die Welt mit einer Serie alarmierender Reports über den drohenden Klima-GAU durch den ungehemmten Ausstoß von Treibhausgasen zuletzt wachrüttelte, fast flehentlich in den Saal;
# Politiker sollten endlich “ihre Differenzen überwinden und konkrete Pläne zur globalen CO2-Reduktion ausarbeiten”, appellierte UN-General Ki Moon an die Führer des “bedrohten Planeten”;
# “Technologische Durchbrüche würden Klimaschutz zur Chance für die Wirtschaft und nicht zur Bedrohung machen”, betonte Gusenbauer als Ko-Vorsitzender einer der vier parallelen Sessions. “Das soll Klimadeals vor allem für die Dritte Welt attraktiv machen”, so der Kanzler;
# Und Al Gore deutete auf die neuesten Alarmsignale hin, wie den dramatischen Rückgang des Polareises diesen Sommer.
Vertreter von 150 Staaten bei der größten Klima-Konferenz der Menschheitsgeschichte lauschten geduldig – doch die politischen Differenzen sind gewaltig. US-Präsident George W. Bush, der 2001 aus dem Kyoto-Protokoll ausstieg, nimmt als Staatschef des größten Klimasünder des Planeten, der USA, an der Konferenz erst gar nicht teil. Bush hält wenig von einer führend UN-Rolle in der Klimadebatte, nichts von fixen Reduktionszielen, pocht auf die “Freiwilligkeit aller Maßnahmen” und fabuliert gerne über noch nebulose Zukunfts-Technologien. Noch beängstigender: Bush hatte erst seit den letzten Monaten vorsichtig eingestanden, dass “menschliche Aktivitäten” doch das Klima verändern.
Der US-Präsident hält am Donnerstag in Washington einen eigenen Klimagipfel, “Gegengipfel”, wie aufgebrachte Delegierte in den Korridoren rund um den UN-Plenarsaal wetterten, mit 16 Top-Verschmutzer-Nationen ab. Es soll die erste Rund in einer von Bush initiierten Serie von Klimagesprächen sein. “Bush will die Debatte der UN entreißen”, kritisierten Delegierte.
Mit Ki Moons historischem Klima-Gipfel und dem “starken politischen Signal”, so der General, wollte die UNO am Montag ein Machtwort sprechen und ihre Führung bei Klimafragen einzementieren. Erste konkrete Ergebnisse soll es bei der nächsten “Abkommens”-Konferenz, die am 3. Dezember in Bali (Indonesien) beginnt, geben. Diese Rund ist dann auch der Auftakt harter Verhandlungen zur Ausarbeitung eines neuen Vertrages, wenn die Bestimmungen des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 auslaufen. Die 36 Nationen, die Kyoto ratifizierten, sollten dabei ihre CO2-Emissionen bis 2012 auf fünf Prozent unter dem Level von 1990 senken – ein Ziel von dem die europäischen Staaten, darunter auch Österreich, weit entfernt sind.
Doch auch in den USA ist es zuletzt, zumindest in der öffentlichen Meinung, zu einem Umschwung in der Klimadebatte gekommen – vor allem durch Al Gores aufrüttelnde, oskarpreisgekrönte Kultdoku “eine unbequeme Wahrheit” und Arnies strengen Klimagesetzen im 38-Millionen-Einwohner-Bundesstaat Kalifornien, die CO2-Senkungen um 25 % bis 2020 vorsehen. Die neuen Herrscher im US-Kongress, die Demokraten, diskutieren ähnliche Vorschläge auf Bundesebene. “Bis Bush 2009 abtritt, ist jedoch kein wirklicher Durchbruch in den USA zu erwarten”, warnen US-Beobachter.
Für Österreichs Gusenbauer ist jedoch die Einbindung der USA, aber auch der künftigen Top-Treibhausgasscheudern China und Indien in den internationalen Prozess unter Leitung der UNO das zentralste Element alle Bestrebungen. “So sehr wir uns in Europa auch bemühen”, so Gusenbauer: “Wir sind nur mehr für 14 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich”.
Medieninteresse generierte der Mega-Gipfel zur Rettung des Wetklimas in den USA kaum: Fast alle Schlagzeilen galten am Morgen dieses historischen Tages dem umstrittenen Auftritts von Iran-Präsident Mahmud Ahmadinedschad an der “Columbia University” in New York. Die Lokalmedien New Yorks – immerhin eine Metropole, die durch steigende Meeresspiegel in ihrer Existenz bedroht sein könnte – war hauptsächlich vom Verkehrschaos durch die Sicherheitsmaßnahmen rund um den UNO-Gipfel die Rede.

# 23. September: UN-Klimagipfel in New York I

Allein die Zahlen sind beeindruckend: Vertreter aus 150 Staaten, darunter 75 Regierungschefs, drängen sich am Montag im großen Plenarsaal des UN-Gebäudes am New Yorker “East River” – und machen den eintägigen UN-Klimagipfel zur größten Weltkonferenz über “Global Warming” aller Zeiten. Starredner sind Al Gore, der durch die oskargekrönte Kult-Doku “Eine unbequeme Wahrheit” und Organisator der “Live Earth”-Megakonzerte längst Guru der Klimaschutz-Bewegung ist, sowie Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger, der mit den strengsten Gesetzen der Welt neben dem Klima auch Amerikas Ruf retten will.
Österreichs Kanzler Alfred Gusenbauer hat eine zentrale Rolle um Klub der Weltenretter: Als Ko-Vorsitzender wird er die Debatte um nötige Reduktionen des CO2-Ausstoßes steuern. Und die könnten hitzig werden: Denn ins Visier der Klimaschützer sind neben den USA auch die aufstrebenden Wirtschaftsgiganten Asiens, China und Indien, geraten. Zeit für Gespräche sollte der Austro-Kanzler auch finden mit den Stars der Gipfels, Al Gore und Arnie. Es ist zweifellos das Highlight von Gusenbauers geschäftigen US-Trips.
Das wichtigste Ziel, so der Kanzler vor dem Gipfelstart: Es müsse ein “starkes politisches Signal” gesetzt werden, um Druck auf vor allem die Regierungen in Washington, Peking und Neu Delhi auszuüben, die sich einem Kurswechsel in der Klimapolitik bisher versagen. Gusenbauer angriffslustig: Die Zeit sei vorbei, wo ein US-Präsident sagen kann: “Das geht mich nichts an!” Konkrete Schritte zur Senkung des globalen Kohlenstoff-Ausstoßes sollen dann bei der UN-Klima-Konferenz in Bali, Indonesien, Anfang Dezember beschlossen werden.
Echte Starpower verleiht dem Gipfel aber auch Arnies Auftritt: Der grüne Gouverneur des mit 38 Millionen Einwohnern größten US-Bundesstaates ließ Gesetze zur CO2-Senkung um 25 % bis 2020 und sogar 80 % bis 2050 durchboxen. Gemeinsam mit 13 weiteren US-Bundesstaaten kämpft er um Reduktionen von Autoabgasen. US-Magazine feierten ihn als “Retter der Welt”. Für Dauerschlagzeilen sorgt der laufende Showdown mit US-Präsident George W. Bush, der strikte Gesetze zur Reduktion der Treibhausgase beharrlich ablehnt – und sogar teils die Dramatik der Erderwärmung leugnet. “Schwarzeneggers Auftritt ist ein Hit für den UN-Gipfel”, so Politologe Shaun Bowler: “Er verleiht Hollywood-Starpower”. Schwarzenegger will technologische Durchbrüche anpreisen und den Handel mit CO2-Emissionen forcieren.
Bush reagiert trotzig mit einer Art “Gegengipfel”, so Klimaschützer verächtlich: Ab Donnerstag will er mit 17 Nationen in Washington konferieren, darunter auch China und Indien. Das wenig ehrgeizige Ziel: Das Ausarbeiten von Rahmenbedingungen für weitere Gespräche in 2008.

# 22. September: Gusenbauer fordert härtere Gangart gegenüber Teheran

Beim heißesten Thema des UN-Gipfels in New York – dem Showdown um Irans Atomprogramm und den wachsenden Einfluss der Mullah-Staates in Nahost – will Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer die Gangart mit einer “Doppelstrategie”, so seine Berater, verschärfen: Zunächst müsse im Umgang mit Teherans Atom-Ambitionen eine “gemeinsame Position” gefunden werden, die bei weiterem iranischen Widerstand gegen die Wünsche der Weltgemeinschaft auch in neuen Sanktionen enden müsse.
Der Bau einer Mullah-A-Bombe sei “völlig inakzeptabel”, ist aus Gusenbauers Umfeld zu hören. Gleichzeitig – und das will vor allem der Austro-Kanzler bei seinem US-Aufenthalt herausstreichen – sollte den Bündnispartner des Irans ein Weg aus der internationalen Isolation angeboten werden. “Syrien etwa”, so der Kanzler, “sollte aus den Fängen des Irans gerissen werden”. Diese Strategie habe er auch mit UN-General Ban Ki Moon bei seinem Treffen am Freitag am East River besprochen. Ki Moon teile diese Ansichten, heißt es.
Auch die Sorge um den, durch das “Irak-Debakel”, so Berater, gewachsenen iranischen Einfluss in der Region werde von Ki Moon und führenden EU-Politikern geteilt. Wenig hält Gusenbauer von den kürzlichen, martialischen Kriegs-Drohungen aus Frankreich: “Solche Alleingänge sind entbehrlich”, stellte er klar. Insgeheim wird auch gehofft, dass letztendlich auch die USA im Umgang mit dem Iran auf “diplomatische Lösungen” setzen wird – und sich der “europäischen Taktik”, vor allem auch der “Neutralisierung” von Irans Bündnispartnern, anschließt. Dennoch: Ewig werde sich die Weltgemeinschaft – vor allem in Sachen Atom-Programm – nicht hinhalten lassen: Scharfe Sanktionen wären dann der letzte Ausweg.

# 22. September: Kanzler-Jogging im Central Park

Trotz Herbstbeginn ist Sommerwetter New York – und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ist frühmorgens um 7 Uhr im “Central Park” gut gelaunt. Aerodynamisch mit azurblauem Jogger-Trikot und dunkelblauer, enganliegender Hose wärmt er sich auf zur Laufrunde. “Ich renne jetzt nur so langsam, dass die Fotografen ein gutes Bild bekommen”, ruft er mir zu. Es soll kein Missverständnis aufkommen: Der Kanzler gibt sich topfit. Er wird die Energie brauchen bei den zahllosen Highlights seiner bisher wichtigsten Auslandsreise.
Schon am Weg zum Joggen geht es im Smalltalk um die Weltpolitik. “Der Angriff Israels auf diese Anlage in Syrien ist sehr stark am Radar der UNO”, blickt er auf das Treffen mit UN-General Ban Ki Moon im 38. Stock des UN-Hauptquartier am East River mit Prachtblick auf die Abenddämmerung über der New-York-Skyline zurück: “Das wichtigste ist, dass Syrien aus den Fängen des Irans gerissen wird”. An der Fifth Avenue springt plötzlich – typisch New York – ein Verrückter vor den Kanzler: “9/11 ist eine Verschwörung!”, ruft der. Der Personenschutz schirmt den Austro-Kanzler ab.
Weiter: Ki Moon sei ein Freund Österreichs, dass habe sich bei dem “herzlichen Meeting” gezeigt. Auch wenn Gusenbauer eine halbe Stunde länger warten hatte müssen: Alpha Oumar Konare, der Vorsitzende der “Union Afrikanischer Staaten”, der im wallenden weißen Gewand mit Ki Moon durch den Gang marschiert, hatte ebenfalls viel zu besprechen. Endlich im Sitzungssaal richtet sich Gusenbauer energisch das Sakko zurecht: Der Nahe Osten, wo Gusenbauer von seiner jüngsten Israel-Reise berichtet, wird diskutiert, Kosovo, Darfur. Dazu festes Lobbying für Österreichs Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
Den Schwung will der Kanzler in das Stakatto hochkarätiger Begegnungen am internationalen Parkett mitnehmen – darunter ein Mittagessen mit der liberalen Investor-Legende George Soros; sein Vorsitz bei der eintägigen UN-Klima-Konferenz, wo auch die Klimaretter Arnie und Al Gore erwartet werden; der Gipfel der “Clinton Global Initiative”. Reden in Boston und Philadelphia sollen die Trip abschließen. Gusenbauers wichtigstes Ziel: “Ich will zeigen, was ein kleines Land in Zentraleuropa zu leisten imstande ist”.

# 21. September: Jena 6

Über 10.000 farbige Demonstranten stürmten die Kleinstadt Jena im südlichen US-Bundesstaat Louisiana in einem wütenden Protest wegen der Anklagen gegen sechs farbige Schüler der dortigen Highschool. Während die mit Bussen angereisten Massen Symbole alter Kämpfe um Rassengleichheit in die Höhe hielten und Slogans skandierten, sprechen Beobachter bereits von einem Wiederaufleben der Bürgerrechtsbewegung, der “ersten im 21. Jahrhundert”, so Schwarzenführer Al Sharpton.
Was war passiert? Nach einer Prügelei, wo ein weißer Klassenkamerad von sechs Farbigen bewusstlos geschlagen und getreten worden war, ging die Staatsanwaltschaft mit Anklagen “wegen versuchtem Mord” überhart, so Kritiker, gegen die Studenten vor. Die wurden rasch als “Jena 6” national berühmt. Doch vor der Schlägerei war es in der Provinzschule des Südtstaaten-Ortes mit bloß 3.000 Einwohnern, davon 85% Weiße, zu massiven Rassenspannungen gekommen. Ausgelöst hatte die Schlägerei das Aufhängen einer Schlinge an einer Eiche durch drei weiße Studenten, ein klares Symbol für die Lynchmorde an Farbigen der Vergangenheit. Keiner der verantwortlichen weißen Studenten wurde angeklagt.
Mychal Bell (17) hingegen, einer der schwarzen Prügler, ist verurteilt worden – doch die zweite Instanz hob das Urteil auf. Dennoch blieb Bell in Haft. Es gäbe einen “Doppelstandard” in der Justiz für Schwarze und Weiße, protestierte Schwarzenführer Jesse Jackson: “Wir werden wieder verfolgt”, rief er in die Menge, viele selbst Studenten, die aus ganz Amerika angereist waren.
Nach dem Druck durch die Demo sollen nächste Woche Kongress-Hearings über den “rassistisch motivierten Justizskandal”, so Teilnehmer, beginnen. Im November wollen Demonstranten auf Washington marschieren. Die Bundesbehörden hatten ebenfalls eine Untersuchung des Falles “Jena 6” angeordnet.

# 20. September: Drohungen gegen Euro 08 II?

Nach Reports über das Diskutieren möglicher Selbstmord-Anschläge gegen die Fussball-EM “Euro 08” unter den kürzlich verhafteten Al-Kaida-Fans um dem mutmaßlichen Wiener Rädelsführer Mohamed Mahmoud (22) schrillen bei den Veranstaltern in Österreich und der Schweiz die Alarmglocken. In ei-nem Email an die Kanada-Zeitung “National Post”, die das mögliche Terror-Komplott der mutmaßlichen Zelle – drei Österreicher, ein Kanadier – am Mittwoch vermeldete und das ÖSTERREICH vorliegt, bestätigte der Schweizer Sprecher des dortigen EM-Austragungsarms “Euro 2008 SA”, Pascale Vögeli: “Ja, wir sind von den Behörden über die Vorfälle, die in ihrem Artikel beschrieben wurden, informiert worden”. Für die öffentliche Sicherheit wür-den die Behörden der beiden Austragungsstaaten die Verantwortung tragen, so der Sprecher weiter: “Die seien perfekt im Bild über die Vorfälle”.
Doch Ermittler in Österreich und Kanada – die nach fünfmonatiger Fahndung mit den drei Verhaftungen in Wien und einer in Quebec die mögliche Terror-Zelle neutralisierten – halten sich bisher mit der Bestätigung von Internet-Chats über Attacken gegen den Euro offiziell bedeckt.
Laut weiterem, via Internet sichergestellten Material, so Quellen in Kanada, hätten Mahmoud & Co auch über Attacken gegen UN-Gebäude, Attentate auf Politiker und mögliche Anschläge in Deutschland und Großbritannien phanta-siert. Besonders attraktiv am Euro 08 seien jedoch die “großen Menschenan-sammlungen” und “Präsenz von Politikern” gewesen, heißt es. Das “attraktivste Ziel” wäre natürlich das EM-Finale am 29. Juni in Wien gewesen.
Die Debatten, oder vielleicht auch “Träume”, so einige Experten, über An-schläge gegen den Megaevent seien, so “National Post”-Reporter Stewart Bell, in Internet-Foren zwischen dem letzte Woche in Quebec verhafteten Marokkaner Said Namouh (34) und dem Wiener Arm der “Zelle” diskutiert worden. Die US-Organisation “SITE Intelligence Group”, die intensiv Al-Kaida-Kanäle am Web überwacht, hatte über den Fall ebenfalls auf ihrer Homepage berichtet. Eine offizielle Erklärung würde sich jedoch “aus Sicher-heitsgründen”, so ein Sprecher auf Anfrage, noch verzögern.
Die Reihe an Terrorzielen sei konnte jedoch zusätzlich in Kanada “unabhän-gig bestätigt” werden, so Reporter Bell. Der Kanadier Namouh war von der dortigen Antiterror-Eliteeinheit RCMP am Mittwoch der Vorwoche aufgegrif-fen worden. Er verfasste auch sonst unter dem Kürzel “Achrafe” im radikalen Internet-Forum “Ansar”, wo gerne Terror-Kommuniqués verbreitet werden, wüste Drohungen gegen die “Infidelen” und den Krieg, den der Islam gegen sie zu führen habe, so SITE.

# 19. September: Euro 08 im Terror-Visier?

Die vier in Österreich und Kanada verhafteten Mitglieder einer mutmaßlichen Al-Kaida-Terrorzelle sollen Selbstmordanschläge auf das UN-Zentrum in Wien und Veranstaltungsorte der nächsten Fussball-Europameisterschaft “Euro 08” in Österreich und der Schweiz diskutiert haben, berichten kanadische Medien. Attraktiv hätten den Euro 08 die “großen Menschenmengen” und der Aufenthalt von “politischen Figuren” gemacht, so das angebliche Kalkül der ausgeschalteten potentiellen Terrorzelle.
Das Diskutieren der Terror-Pläne der Zelle sei von der US-Organisation “SITE Intelligence Group” (SITE steht für “Search for International Terrorist Entities”) bei der Überwachung der Al-Kaida-Kanäle am Internet mitgehört worden, so die renommierte kanadische Zeitung “National Post”. SITE genießt nach dem kürzlichen Aufspüren der jüngsten Videos von Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden zum sechsten 9/11-Jahrestag hohes Ansehen.
Die Enthüllungen stellen eine dramatische Eskalation im Fall der drei in Wien verhafteten mutmaßlichen Al-Kaida-Kämpfer um Mohammed Mahmoud dar: Bisher war die Gruppe wegen eines Drohvideos gegen Österreich und Deutschland durch den Afghanistan-Einsatz im Visier der Behörden gestanden. Ein angebliches viertes Mitglied der Zelle, Said Namouh, war letzten Mittwoch von einer kanadischen Anti-Terror-Eliteeinheit RCMP in Quebec verhaftet worden.
Das Finale des Euro 08 ist am 29. Juni 2008 in Wien: Wie weit fortgeschritten die angeblichen Komplotte gegen die Prestigeveranstaltung waren und ob weitere Zellen daran noch weiterplanen, geht laut den Informationen, die SETI mitverfolgt haben soll, nicht hervor.
Terror-Pläne des globalen Netzwerkes unter der Führung von Superterroristen Osama bin Laden gegen den Euro 08 könnten weitreichende Konsequenzen haben – inklusive einem totalen Überdenken der Sicherheits-Konzepte für die Austragungsorte der Fussballspiele sowie der gesamten Logistik und Infrastruktur des Megaevents.
“Post”-Reporter Stewart Bell, von mir kontaktiert, fügte hinzu, dass die Veranstalter des Euro 08 von den Behörden über die Drohungen gegen die EM in Kenntnis gesetzt worden waren. “Die Ermittler müssen über die Diskussion über mögliche EM-Anschlagsziele Bescheid wissen”, so Bell. Ein Sprecher der Veranstalter betont in einem Email, welches mir vorliegt, dass die “Sicherheit der Öffentlichkeit für die Behörden beider Austragungsländer oberste Priorität habe”. In dem Schreiben wird weiters betont, dass die Kenntnis über mögliche Terrorpläne “aus Sicherheitsgründen” nicht bekannt gegeben würde. Zusatzrecherchen förderten den Verdacht zu Tage, dass eines der möglichen Anschlagsziele das in Wien ausgetragenen Finale sein hätte können.
Fussballspiele sind nicht zum ersten Mal Teil von Terror-Komplotten: 1998 planten sieben Algerier, Spiele der WM in Frankreich mit Bombenanschlägen ins Visier zu nehmen. 2004 musste das “Real Madrid”-Stadium nach Drohungen der ETA geräumt werden — und im Juli starben 50 Menschen im Irak bei Jubelfeiern nach dem Einzug ins “Asien-Cup-Finale”.

# 17. September: Woche des Irakkriegswiderstandes

Nach den wüsten Straßenschlachten zwischen Anti-Irakkriegs-Demonstranten und der Polizei in Washington D.C. vom Wochenende (295 Verhaftungen) erhöht die US-Friedensbewegung mit einer “Woche des Widerstandes” den Druck auf Präsident George W. Bush. Geplant sind Aktionen vor Rekrutierungsbüros der Armee, Protestmärsche durch Kongressgebäude und weitere Demos. “Es wird die intensivste Woche an Protestaktionen seit der Krieg begann”, kündigte der Koordinator der Widerstandsgruppe “ANSWER Coalition”, Brian Becker, gegenüber der Zeitung “Washington Post” an.
Amerikas Antikriegsbewegung versucht, Bush verstärkt Paroli zu bieten: Der selbstdeklarierte “Kriegspräsident” hatte letzte Woche versucht, die nach fast 2.800 toten GIs und 480 Milliarden Dollar Kosten recht kriegsmüden Amerikaner per TV-Rede mit dem Versprechen geringer Truppenreduzierungen auf einen Langzeitkrieg “über seine Amtszeit hinaus” einzuschwören. Diese Woche wollte Bush mit der Nominierung des New Yorker Ex-Richter Michael Mukasey (66) als neuen US-Justizminister das Thema wechseln.
Doch die oppositionellen Demokraten lassen nach der Schlappe der Vorwoche, als Bush geschickt den populären Irakgeneral David Petraeus die “Erfolge” der Militäroffensive (“Surge”) preisen ließ, in Sachen Irak nicht locker: Im Kongress gerät nun Außenministerin Condoleezza Rice bei Hearings ins Sperrfeuer der Dems, die Fortschritte an der diplomatischen Front zur Stabilisierung der irakischen Bürgerkriegshölle einmahnten.
Die Kriegsgegner im Kongress wollen nun auch durch “die Hintertüre”, so Beobachter, eine raschere Reduzierung der Truppenstärken erreichen: Ein Gesetzesentwurf sieht längere “Erholungspausen” zwischen den Irak-Einsätzen (“Tours”) vor, die automatisch geringere Truppenzahlen im Irak erzwingen würden. Verteidigungsminister Robert Gates protestierte bereits heftig gegen diese Maßnahme und riet Bush, das Gesetz notfalls per Veto zu verhindern. Für eine turbulente Woche für Bush & Co dürfte auch die Enthüllung des Ex-Notenbankchefs Alan Greenspan sorgen, der als erster Republikaner klipp und klar feststellte: Der Irakkrieg war wegen dem Öl. “Die Hauptsorge war”, führte der Ex-”Fed” in einem TV-Interview mit der “Today Show” weiter aus, dass Iraks Diktator Saddam Hussein den Ölnachschub aus Nahost “kappen” hätte können – mit verheerenden Folgen für die US-Wirtschaft. Greenspans Buch schlägt auch wegen seiner ätzenden Kritik an Bushs Finanz- und Steuerpolitik wie eine Bombe ein: Bush und die Republikaner hätten ihre Prinzipien bloßen Machtgelüsten geopfert, so der hochangesehene Greenspan.

# 15. September: Prime Time: Bushs Durchhalteparolen

Die in einer 18 Minuten langen TV-Rede dargelegte Absicht von US-Präsident George W. Bush, den Irakkrieg seiner Nachfolgerin oder Nachfolger im Oval Office weitervererben zu wollen, hat wütende Proste seitens der oppositionellen Demokraten provoziert. Bush kündigte zwar moderate Truppenreduktionen an: 5.700 GIs sollen bis Weihnachten abziehen, der Rest jener zusätzlich für die Militäroffensive (“Surge”) entsandten 30.000 Truppen bis Juli 2008. Bush gab zu, dass die Irakregierung bisher versagt hat. Doch er stellte klar, dass als Teil von Amerikas Interessen im Nahen Osten und dem Kampf gegen Al-Kaida der Irak wirtschaftlicher, politischer und militärischer Hilfe bedürfe, die “über meine Amtszeit hinausgeht”, so Bush.
Im Klartext: Wenn Bush im Jänner 2009 das Oval Office räumt, dürften noch 100.000 GIs im Irak kämpfen. “Bush hat den Krieg gestartet”, brachte es TV-Kommentator Tim Russert auf den Punkt: “Andere sollen ihn beenden”. Die Dems, die einen kompletten Truppenabzug fordern, protestierten: Bushs Reduktionen seien “zu wenig, zu spät”, tobte Senatorin Hillary Clinton, die das tödliche Irakdebakel 2009 leicht erben könnte. Es ginge längst nur mehr ums “Zeitschinden” in einem “Krieg ohne Ende”, ausgetragen am Rücken junger GIs, wetterten andere.
Bushs Durchhalteparolen in seiner achten große Irak-Rede seit Kriegsbeginn im März 2003, wo erstmals nicht mehr vom “Sieg” sondern nur mehr “Erfolgen” die Rede war, wird an der Kriegsmüdigkeit der Amerikaner wenig ändern: Nach viereinhalb Jahren zermürbenden Guerillakrieg, fast 3.800 toten GIs und 480 Milliarden Dollar Kosten fordern über 60 % eine prompte Heimkehr der GIs.
Doch Bush hat die Hauptverantwortlichkeit für die künftige Strategie Irak-General David Petraeus übertragen. Ein “brillanter Schachzug”, so Politologen: Petraeus ist nach standfesten Auftritten vor dem US-Kongress hochpopulär – und als General für Kriegskritiker schwer angreifbar. Eine offene Revolte in Bushs Republikaner-Partei scheint dank seiner Rückendeckung abgewendet: Den Dems fehlt damit weiter eine Zweidrittelmehrheit im Senat, um Bush zur Kursänderung zu zwingen.

# 15. September: Der Tod der Kriegskritiker

Eine verzweifelte US-Soldatenmutter will wissen, wie und warum ihr Sohn im Irak starb. “Die Wahrheit muss ans Licht kommen”, forderte Olga Carpetillo, nachdem ihr Sohn, Sergeant Omar Mora (28), bei einem Verkehrsunfall in Bagdad am Montag ums Leben kam. Beim Sturz eines LKW von einer Brücke kamen insgesamt sieben GIs und zwei Iraker ums Leben, darunter auch Seargant Yance Gray (26).
Zweifel der Hinterbliebenen an der offiziellen Version des Todes von Mora und Gray kamen auf, da die beiden mutigen GIs im August mit fünf weiteren Kameraden einen Kommentar für die “New York Times” verfasst hatten, der im klaren Widerspruch zu den sonnigen Prognosen von US-Präsident George W. Bush stand. Unter dem Titel “Der Krieg, wie wir ihn sehen”, bezeichneten die sieben Bushs Hoffnung, der Irak könne stabilisieret werden, als “weit hergeholt”.
Kritik an der Armeeführung gilt in den USA als Sakrileg. Und Carpetillo, eine Einwandererin aus Ecuador, hatte ein schlimme Vorahnung. “Mein Sohn”, habe sie zu ihm gesagt: “Ich will nicht, dass du deshalb Probleme bekommst, ich hoffe, es wird dir nichts passieren”. Beim letzten Telefonat mit seiner Mutter vergangenen Freitag hätte Mora ungewöhnlich deprimiert geklungen: “Er sprach ganz leise, als wollte er vermeiden, dass ihn andere hören”. Und dann setzt sie unter Tränen nach: “Vielleicht hatte er eine Vorahnung, dass er nicht mehr lebend aus dem Irak heimkommen wird”.
Ein dritter Soldat der Gruppe kriegskritischer GIs war bereits vor der Veröffentlichung des Kommentars durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden. Demokraten-Senator Max Baucus hat inzwischen ebenfalls Details über den Tod der Soldaten angefordert.

# 14. September: “Truppenabzug”

Teils heftige Reaktionen löst der via TV-Ansprache verkündete, neue Irakplan von US-Präsident George W. Bush aus: Bis zu 30.000 Truppen sollen demnach bis Juli 2008 aus dem Irak abziehen. Bush folgt damit den Empfehlungen des Irak-Generals David Petraeus. Der ohnehin limitierte Truppenabzug soll zusätzlich laut Bush von “weiteren Fortschritten” abhängig gemacht werden. Für die oppositionellen Demokraten sind die Reduktionen zu wenig – und kommen zu spät. Die Dems fordern seit ihrer Machtübernahme im Kongress vehement einen Zeitplan für den kompletten Abzug. Nur 24 % der US-Bürger halten laut Umfragen Bush in Sachen Irak noch für glaubwürdig.

# 12. September: Petraeus-Report

Teils heftige Reaktionen löste der Auftritt von Irak-General David Petraeus vor dem US-Kongress aus. Der hatte die Erfolge der im Jänner von US-Präsident George W. Bush befohlenen Militäroffensive (“Surge”) gepriesen – und einen Zeitplan für moderate Truppenreduktionen vorgelegt. Demnach sollen bereits dieses Monat 2.000 Marines abziehen, bis Sommer 2008 nur mehr 130.000 GIs stationiert sein. Petraeus pries Erfolge in der Sunni-Provinz al-Anbar, wo lokale Milizen mit US-Hilfe gegen Al-Kaida-Terroristen kämpfen. Mit Farbtafeln demonstrierte Bushs Irak-General, dass die Gewalt signifikant zurückgegangen sei (55 % etwa bei ethnisch motivierten Tötungen). Kriegskritiker warfen Petraeus vor, der General sei bloß der Wasserträger für Bushs “verfehlte Irak-Strategie”, so oppositionelle Demokraten. “Er befindet sich auf einem tödlichen Holzweg”, so Senator Joe Biden. Trotz militärischer Teilerfolge gab es keinerlei politische Fortschritte zur Eindämmung des Bürgerkrieges. 60 % der US-Bürger verlangen einen prompten Truppenabzug. Doch Bush scheint ein Etappensieg gelungen zu sein: “Er hat eine Republikanerrevolte abgewendet”, so TV-Kommentator Tim Russert: “Dem Demokraten fehlt die Mehrheit im Senat, um den Krieg zu stoppen”.

# 12. September: Osamas Video-Spiele

Während tausende Angehörige im “Zuccotti Park” Nahe “Ground Zero” am sechsten 9/11-Jahrestag dem Verlesen der Namen der fast 2.750 Opfer des New Yorker Twin-Tower-Infernos lauschten, sorgt eine zweites Video des Drahtziehers der Attacke, Al-Kaida-Führer Osama bin Laden, für blanke Wut in den USA. Nach einer, am Wochenende veröffentlichten Tirade gegen den Irak-Krieg und Amerikas Kapitalismus, preist der Superterrorist nun in Video II die Jumbo-Entführer des 11. September.
In dem 47-Minuten langem Video mit dem schwülstigen Titel “Das Vermächtnis der Helden der Attacken auf New York und Washington”, liest Bin Laden die Einleitung des Testaments des Entführers Abu Musab Waleed al-Sheheri, der an Bord des Fluges “American Airlines, Flug 11” Todespiloten Mohammed Atta unterstützte. AA 11 krachte um 8:45 Uhr in den Nordturm des World Trade Centers (WTC). Es war der Auftakt des 9/11-Infernos.
Es ist diesmal jedoch nur die Stimme Bin Ladens zu hören, dazu ist ein Foto montiert. Es gibt keine Referenzen zu aktuellen Ereignissen. US-Geheimdienste, die die Stimme als authentisch bezeichnen, können deshalb nicht beurteilen, wann es aufgenommen wurde.
Selbstmord-Attentäter al-Sheheri drohte in seinem Vermächtnis, das er vor dem Anschlag aufzeichnete: “Wir werden von hinten, von vorne, von links und von recht kommen”. Al-Kaida hatte bereits bei früheren Jahrestagen ähnliche Videos mit Testamenten von weiteren der insgesamt 19 9/11-Terroristen veröffentlicht.
In die Trauerfeiern in New York – die traditionell mit vier Gedenkminuten, Glockengeläute und einer Parade der Hinterbliebenen in die Baugrube von “Ground Zero” begangen wurde – mischt sich auch Optimismus über das Comeback des damals komplett devastierten Lower Manhattan. Der 16 Milliarden Dollar teure Wiederaufbau ist uns Rollen gekommen und wird New York ab 2011 mit fünf Riesentürmen eine neue Skyline verleihen, inklusive dem 541 Meter hohen “Freedom Tower”.

# 11. September: 9/11 +6

Sechs Jahren sind bereits verstrichenen. Dazu gibt es einen Tatort, wo die rauchende Trümmerhalde längst einer turbulenten Baustelle für den Wiederaufbau gewichen ist. Doch für die Hinterbliebenen der 2.993 9/11-Todesopfer, die bei den Attacken von vier, von 19 Al-Kaida-Terroristen entführten Jumbos auf die Twin Towers und das Pentagon umkamen, sind die Emotionen so roh, als wäre es gestern gewesen.
Das schwer getroffene New York begeht daher den Trauertag mit einem gewohnten Ritual: Vier Gedenkminuten sind vorgesehen, je eine zum Zeitpunkt des Crashes von American Airlines, Flug 11 in den WTC-Nordturm (8:46 Uhr), dem von United 175 in den Südturm (9:03), dem Kollaps des Südturms (9:59) und des Nordturms (10:29). Dazu werden wieder die Namen der Toten verlesen, heuer von 240 Vertretern der Einsatzkräfte. Die Zeremonie passiert wegen der angelaufenen Bauarbeiten erstmals nicht auf “Ground Zero”, sondern dem nahen “Zucotti Park”. Am Abend erscheinen wieder die zwei Lichtstrahlen des Projektes “Tribute of Light”, die an die gefallenen Türme erinnern sollen.
Eine politische Debatte ging dem Jahrestag voran: Besonders der geplante Auftritt des damaligen Bürgermeisters Rudy Giuliani wurde kritisiert. Giuliani, der als angeblicher 9/11-Held für das Oval Office kandidiert, könnte aus der Tragödie politisches Kleingeld schlagen, protestierten Familienvertreter. Aber auch die demokratische Favoritin zur Bush-Nachfolge, Hillary Clinton, wird nahe Ground Zero erwartet.

# 11. September: So erlebte ich den Horrortag

Es ist wieder ein Dienstag! Dienstag, der 11. September, wie damals vor sechs Jahren. Das plötzliche Röhren von Jumbo-Triebwerken riss mich an diesem strahlenden Spätsommermorgen aus der Morgenroutine in meinem nahen Apartment. Ein dumpfer Knall: Fassungslos starre ich in das Flammeninferno einer gewaltigen Explosion hoch oben im WTC-Nordturm. Das Echo hallt durch die Hochhausschluchten, Papier fliegt durch die Luft, als hätte man einen Federpolster aufgestochen. Alle reden über einen Unfall. Dann wieder diese Triebwerke! Ich weiß was kommt: Bummm! Der Südturm. Ich erstarre: Das sind Terror-Attacken! Krieg! Ich laufe zu den brennenden Twin Towers. Menschenmassen starren mit offenem Mund nach oben. Eingeschlossene springen aus 400 Metern in den Tod. Plötzlich ein Grollen: Ich drehe mich um, sehe die Fassade des Südturms fallen. Menschen schreien, versuchen panikartig zu flüchten. Die Staubwolke rast auf mich zu, ich hechte unter einen Lieferwagen. “Film aus”, denke ich mir: Es ist pechschwarz, totenstill. Ich atme Staub. Todesangst. Der Staub verzieht sich. Ich laufe zu meiner Frau Estee, die, schwanger mit Baby Nr. 1, dachte, ich sei in dem Inferno umgekommen. Ein Happy-End für uns – für tausende andere jedoch nicht.

# 9. September: Osamas Videostar

Superterrorist Osama Bin Laden hat wenige Tage vor dem sechsten Jahrestag der von ihm orchestrierten 9/11-Attacke (2.995 Tote) mit einem 30-Minuten-Video weltweit für Aufregung – und Terrorpanik in den USA gesorgt. Es ist Bin Ladens erster “Lebensbeweis” seit drei Jahren: US-Geheimdienste stuften das Tape prompt als authentisch ein. Trotz 50-Millionen-Kopfgeld hält er die Zügel der Al-Kaida-Terrororganisation offenbar weiter fest in der Hand. Vor einem neutralen, rotbraunen Hintergrund ist der 50-Jährige mit einem “durch örtlich hergestelltes Henna-Mittel”, so US-Medien, schwarz gefärbten Vollbart, weißem Turban und Hemd, samt chremefarbenen Umhang zu sehen. Die Aufzeichnung erfolgte diesen Sommer: Bin Laden erwähnt Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie aktuelle Details des Hiroshima-Jahrestages am 6. August – “vor wenigen Tagen”, wie er sagt.
Anstatt früherer wüster Drohungen gegen Amerika – wie etwa bei seinem letzten Video 2004 – versucht Bin Laden diesmal mit “logischen Argumenten”, so US-Terror-Experte Roger Cressey, die US-Bürger für seinen “islamischen Weg” zu begeistern. Die Rede berührt, fast als würde er seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahlen 2008 ankündigen, weitgestreute Themenbereiche – von Hollywood, dem Holocaust, Global Warming, JFK und sogar die aktuelle Hypothekenkrise an der Wall Street.
US-Medien reagierten nicht ohne Hohn: Im Frühstücks-TV machten sich Kommentatoren über seinen gefärbten Bart lustig, wonach das Haarmittel “Just for Men” nun offenbar auch dort erhältlich sei. “Bin Blah, blah, blah”, verspottete ihn die New Yorker “Daily News” für die wirre Tirade. Es gäbe zwei Wege, den Irakkrieg zu stoppen, so Bin Laden: “Wir können noch mehr von euch töten dort” oder “ihr werdet eine islamische Nation”. Ein weiterer Vorteil: Im Islam “gebe es keine Steuern”, so der Terrorzar. Auch der Holocaust wäre in einem islamischen Land nicht möglich gewesen. Bin Laden, der sich als Fan des linken Kultautors Noam Chomsky outet, wettert gegen die “kriegslüsternde Großfirmen”, die bereits Ex-Präsident John F. Kennedy am Gewissen hätten und den Vietnamkrieg am Leben hielten: Die Knechtschaft durch den Kapitalismus würde den Bürgern Schulden bescheren, “irre Zinszahlungen” sowie Hypotheken auf ihren Häusern und die Auswirkungen der Klimaerwärmung. Auch die Demokraten gerieten ins Sperrfeuer: Die wären im Kongress an die Macht gewählt worden, doch hätten “nichts erwähnenswertes unternommen”, um den Irakkrieg zu stoppen.
US-Präsident George W. Bush, der im Herbst 2001 nach dem Twin-Tower-Inferno vollmundig das rasche Aufgreifen Bin Ladens “tot oder lebendig” versprach, reagierte kleinlaut: Das Video sei ein Beweis, “dass wir nach wie vor in einer gefährlichen Welt leben”, so Bush.

# 9. September: Bushs durch OBL-Video blamiert

Der Auftritt von Amerikas Staatsfeind Nr. 1, Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden, sechs Jahre nach dem Beginn des “Krieges gegen den Terror” ist für US-Präsident George W. Bush eine Riesenblamage. “Tod oder lebendig” werde er Bin Laden fangen, hatte Bush nach dem Terror-Horror von 9/11 gepoltert. Doch jetzt glaubt erstmals laut einer aktuellen Meinungsumfrage eine Mehrheit der US-Bürger, dass Bin Laden wohl niemals erwischt werden würde. Dazu platzt das Video mitten in den Showdown im US-Kongress um den weiteren Kurs im Irak – und verdeutlicht dramatisch, dass hier “der falsche Krieg geführt wird”, so Kriegsgegner.
In einer gewundenen Reaktion versuchte Bush, das Video für seine eigene Argumentation zu verwenden: Dass Bin Laden den Irak so prominent erwähne, beweise, so Bush am Rande seines so pannenreichen Aufenthaltes beim APEC-Gipfel in Sydney, Australien, dass der Irak eben doch “eine zentrale Front im Kampf gegen Al-Kaida ist”. Das sei jedoch eine klassische “selbsterfüllende Prophezeiung”, reagierten US-Kommentatoren: Erst nach der Irak-Invasion habe Al-Kaida dort Fuss gefasst.
Bushs Berater versicherten, dass nach wie vor “alles unternommen” werde, um Bin Laden in seinen vermuteten Bergversteck in Nordpakistan zu erwischen. Terror-Experten halten das Video als mögliches Signal für eine neue Attacke: Die CIA hatte zuletzt eindringlich gewarnt, dass Bin Laden an einem neuen 9/11 in den USA werke. “Wir sind uns fast sicher”, sagte CIA-Boss Michael Hayden kürzlich, dass “die Planungen für eine folgenschwere Attacke” auf Hochtouren laufen. Prompt wurden die Sicherheitsvorkehrungen in New York verschärft.

# 8. September: “Terror-SETI”

Als erste schlug die Organisation “SITE Intelligence Group” über die neue Bin-Laden-Video-Ankündigung Alarm: Das US-Institut fahndet weltweit nach gefährlichen Botschaften auf den Websites extremistischer Gruppen, vor allem den hunderten Internet-Sites des von Al-Kaida inspirierten “elektronischen Dschihad”. SITE ist die Abkürzung für “Search for International Terrorist Entities”. Die Gruppe versucht das Info-Vakuum innerhalb der Geheimdienste aufzufüllen, die vor dem 11. September den Online-Aktivitäten von Bin Laden & Co wegen Rivalität zwischen den Behörden und lähmender Bürokratie zu wenig Augenmerk schenkten. SITE hat seither Trainingsbroschüren für künftige Terroristen ausgehoben und überwacht rund um die Uhr den “Chatter”, das “Geschwätz” unter den Terrorgruppen, das oft Indizien über bevorstehende Attacken liefert.

# 8. September: Bin Ladens Propaganda-Abteilung

Al-Kaida hat für seine weltweite Propaganda eine eigene “Produktionsfirma” eingerichtet: “As Sahab”, übersetzt “Die Wolke”, vertreibt via Web die Botschaften der Terror-Organisation. Zuletzt kündigte As Sahab die Veröffentlichung des neuen Videos von Superterroristen Osama Bin Laden an. Anfangs produzierte die Organisation noch extrem amateurhafte Videos zur Verbreitung des “Heiligen Krieges”. Zuletzt wurde jedoch ein Standard erreicht, der dem Fernsehen vor etwa zehn Jahren entspricht, so Medienexperten. Früher hatte As-Sahab seine Videos noch persönlich vor TV-Station zur Ausstrahlung abgeladen. Nach einer US-Razzia 2005 in Pakistan werden die Tapes seither fast ausschließlich via Internet verbreitet.

# 8. September: Bin-Laden-Video im Anrollen

Eine mögliche neue Videobotschaft das Al-Kaida-Terroranführers Osama Bin-Laden hat wenige Tage vor dem sechsten Jahrestag des 9/11-Terror-Horrors in den USA wie eine Bombe eingeschlagen. Nach der Ankündigung von Bin Ladens “Propaganda-Abteilung”, der “Löwe” (Bin Laden) werde sich in Kürze via Video an die US-Bürger wenden, bestätigte die US-Regierung gegenüber US-Medien den Erhalt eines derartigen Videos. In der aktuell angefertigten Aufzeichnung, dessen Authentizität von Geheimdiensten geprüft wird, ist der 50-Jährige Superterrorist mit pechschwarzen, kürzeren Vollbart zu sehen. Es scheint auch, als hätte er zugenommen. Bei früheren Auftritten schien der Terror-Zar komplett ergraut und abgemagert.
Ist das Video echt, wäre es das erste Lebenszeichen seit drei Jahren von Amerikas Staatsfeind Nr. 1, auf den ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar ausgesetzt ist und der seit den Jumbo-Attacken des 11. September 2001 (2.993 Tote) in dem von US-Präsidenten George W. Bush ausgerufenen “Krieg gegen den Terror” erfolglos gejagt wird. Die letzen Bin-Laden-Bilder stammen von einem Video-Auftritt im Oktober 2004, wenige Tage vor den US-Präsidentschaftswahlen, wo er “indirekt” Bush zum Wahlsieg verhalf. Eingeschüchterte Bürger hatten damals im letzten Moment doch noch von einer Abwahl des “Kriegspräsidenten” zurückgeschreckt.
Nach jahrelangen Gerüchten über das mögliche Ableben Bin Ladens durch Krankheit oder Erdbeben, wäre durch das neue Tape bewiesen, dass er sich weiter in der schroffen Bergwelt zwischen Pakistan und Afghanistan versteckt hält. Bin-Laden-Videos gelten auch oft als Signal für neue Terror-Attacken. Alarm schlugen zuletzt US-Geheimdienste, wonach Al-Kaida vor einem “Comeback” stehe. Die globale Terror-Panik stieg weiter, als in Deutschland und Dänemark potentiellen Al-Kaida-Bomber verhaftet wurden.

# 8. September: Wo steckt OBL?

Bush wolle ihn tot oder lebendig. Und bis heute ist es die Kernfrage: Ist Osama Bin Laden am Leben? Und hält er die Zügel des global derzeit gefürchtetsten Terror-Netzwerkes fest in Händen? Terror-Experten bejahen beide Fragen. Sie vermuten, dass sich Bin Laden in der Bergregion Pakistans an der Grenze zu Afghanistan versteckt hält, wo sympathisierende “Stämme” einen weitgehend autonomen Status genießen. Bin Laden entkam US-Bombardements in den Bergen Tora Boras vier Monate nach dem New Yorker Twin-Tower-Inferno 2001 nur knapp. Seither kursierten immer wieder Gerüchte über seinen Tod: Einmal sei er seiner chronischen Nierenerkrankung erlegen, dann an Typhus gestorben oder beim Horror-Beben der Stärke 7,6 in Pakistan 2005 umgekommen. Wahrscheinlicher ist, so US-Terror-Experte Roger Cressey, dass er sich – gesundheitlich in “nicht schlechter Verfassung” – recht geschickt versteckt hält. Er reise mit meist nur wenigen seiner treuesten Helfer. Nach der jüngsten Video-Ankündigung wurde in den USA und besonders New York die Installierung verschärfter Sicherheitsmaßnahmen überprüft.

# 7. September: Fred Thompson steigt in den Ring

Nach monatelangem Trommelwirbel ist es fix: Der Ex-Senator und Star in der TV-Hitserie “Law and Order”, Fred Thompson (65), ist nun offizieller Kandidat für das “Oval Office”. “Wir können besser”, sagte der politisch rechte, großgewachsene Südstaatler – wegen seiner Karriere als Schauspieler der B-Klasse auch “Reagan aus der Retorte” getauft – in einer Web-Botschaft.
Zuvor hatte er sein Antreten, wie einst Arnie, bei Talkmaster Jay Leno angekündigt. Thompson schwänzte eine TV-Debatte seiner künftigen Rivalen in den Republikaner-Vorwahlen in New Hampshire. In einer Debattenpause schaltete er, ganz gerissener Showmann, seinen ersten, 30 Sekunden langen TV-Werbespot. Thompson, verheiratet mit einer recht jungen Blondine, liegt im Republikaner-Rennen mit 19 % an zweiter Stelle hinter Frontrunner Rudy Giuliani (29%). Nun muss er jedoch statt populistischer Plattitüden konkrete Programme präsentieren. Thompson versprach, der einzige zu sein, der den Einzug von Hillary Clinton ins White House noch verhindern könne.

# 6. September: Petraeus optimistisch

Irak-General David Petraeus dürfte bei seinem nächste Woche, mit Hochspannung erwarteten Report über die Effektivität der von US-Präsident George W. Bush im Jänner angeordneten Militäroffensive (“Surge”) eine Reduktion der US-Truppenzahlen von derzeit 162.000 empfehlen. Vor seinem Auftritt im US-Kongress lamentierte Petraeus in TV-Interviews über die “enorme Belastung für die US-Streitkräfte”, die die Langzeitstationierungen in Iraks Bürgerkriegshölle verursachen (3.742 US-Soldaten starben bisher).
Der Truppenabbau könnte bereits im Dezember beginnen, so Pentagon-Planer: Im Frühjahr, wenn die Wahlschlacht um das Oval Office so richtig ins Rollen kommt, dürften nur mehr 130.000 GIs im Irak stationiert sein. Trotz Kriegsrhetorik hat auch Bush zuletzt mögliche Truppenreduktionen angedeutet. Der Teilabzug soll mit “Erfolgen” in der sunnitischen Al-Anbar-Provinz gerechtfertigt werden, wo Deals mit lokalen Milizen Fortschritte im Kampf gegen Al-Kaida-Terroristen brachten. Doch insgesamt ist die “Surge”-Bilanz verheerend: Der US-Rechnungshof (GAO) publizierte am Tag nach Bushs Irak-Visite einen ernüchternden Report, wonach die Irakregierung von 18 geforderten Meilensteinen bloß drei zufriedenstellend erfüllt habe.

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