Stories 2008-02

# 29. Februar: Immer prallere Kriegskassen

Die Euphorie über den Demokraten-Vorwahlthriller füllt die Kriegskassen von Frontrunner Barack Obama und Ex-First-Lady Hillary Clinton im Rekordtempo: Hillary überraschte mit der Mitteilung, 35 Millionen Dollar im Monat Februar gesammelt zu haben. Für sie ist es ein Comeback – zumindest an der Spenden-Front: Im Jänner waren ihre Gönner mit 13,5 Millionen an Zuwendungen so knausrig, dass sie fünf Millionen aus ihrer Privatkasse zuschießen hatte müssen. Doch den Jackpot dürfte wieder Obama geknackt haben: Über 50 Millionen Dollar soll er im Februar gesammelt haben. “Das wäre halb so viel wie ganz 2007”, staunen Beobachter über die Rekordwerte: Insgesamt könnten die Top-Kandidaten im Kampf ums Oval Office heuer locker eine Milliarde Dollar ausgeben. Obama nützt den Geldsegen für eine Werbeoffensive in Texas und Ohio, wo er bei den Primaries am Dienstag alles klar machen könnte: Er schaltet etwa doppelt so viele TV-Spots wie Hillary. Laut “Zogby/Reuters”-Umfrage führt Obama in Texas mit 48 zu 42 Prozent, in Ohio hat er mit 42 zu 44 Prozent fast mit Hillary gleichgezogen.

# 27. Februar: Letztes TV-Duell?

Es könnte Hillary Clintons letzte TV-Debatte im epischen Demokraten-Vorwahlkrimi gewesen sein: Im Showdown in Cleveland, Ohio, hatte die Ex-First-Lady 90 Minuten lang gegen den neuen Frontrunner Barack Obama um ihr politisches Überleben in der historischen Primaries-Schlacht gekämpft. Doch die “Touchdowns”, so US-Medien, die sie für ein Comeback so bitter benötigt hätte, blieben aus.
Hillary präsentierte sich zwar als “Kämpferin”, sah sich weit schlagkräftiger im Duell um das Oval Office im Herbst gegen den Republikaner-Kandidaten, Kriegshelden John McCain. Doch Obama parierte jede Attacke bravourös und wirkte “präsidial”, so etwa New York Post-Kolmunist Charles Hurt:
# Hillary kritisierte Obama vehement, er hätte ihre Ideen zur Gesundheitsreform falsch dargestellt und sein Plan würde 15 Millionen Unversicherte zurücklassen. Obama konterte cool, er würde von Team Hillary seit Wochen mit Dreck beworfen und würde deshalb auch nicht bei jeder Gelegenheit “winseln”.
# Hillary, die Obama kürzlich als “außenpolitisches Risiko” brandmarkte, präsentiert sich als solidere Wahl für den Posten der Oberkommandierenden in Kriegs- und Krisenzeiten. Doch Obama konterte, dass er bessere “Urteilskraft” zeigte, als er von Anfang an gegen den Irakkrieg wetterte – während Hillary im Senat für eine Kriegsautorisation stimmte.
# Hillary wirkte auch noch bei dem Stakatto knallharter Fragen durch den aggressiven NBC-Moderator Tim Russert genervt und irritiert, während Obama gelassen blieb.
Es sei wie in der 15. Runde in einem Boxkampf, bemühte NBC-Star Matt Lauer Vergleiche aus dem Sport: Die Richter hätten Obama nach Punkten weit voran, “Hillary hätte ihn KO-Schlagen müssen, was ihr nicht gelang”. Wenige Tage vor der vielleicht entscheidenden Vorwahlrunde nächsten Dienstag – dem “Mini Super Tuesday” mit Vorwahlen in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont, wo 441 Delegiertenstimmen vergeben werden – führt Obama in der Delegiertenzählung mit 1.377 zu 1.279 deutlich (laut “RealClearPolitics”). In Texas, für Hillary selbst laut Gatten Bill ein “Pflichtsieg”, liegt Obama im Umfragenschnitt mit 47,7 zu 46,5 bereits knapp voran. In Ohio ist Hillarys einst gewaltiger Vorsprung bereits auf 49,3 zu 42,5 Prozent geschrumpft.
Nach elf Vorwahlsiegen in Serie, der nationalen Euphorie um den “schwarzen JFK” und dem gewaltigen Schwung wirkt der Obama-Express inzwischen unaufhaltbar. Er rede und agiere bereits wie ein Kandidat, der das Demokraten-Ticket für dem Kampf ums Oval Office bereist “fast in der Tasche hat”, so Russert.

# 26. Februar: Hillarys Panik-Button

Stunden vor dem großen TV-Duell zwischen den “Dems”-Titanen Barack Obama und Hillary Clinton artete deren Vorwahl-Thriller endgültig zur totalen Schlammschlacht aus: Oval-Office-Favorit Obama bezichtigte Team Hillary, ein Foto – das ihn bei einem Afrika-Trip 2006 in somalischer Tracht samt Turban zeigt – dem Internet-“Drudge Report” zugespielt zu haben. Eine “miese Taktik”, so Obama, die schon die Rechten zuvor versuchten: Obama, seit Jahrzehnten gläubiger Christ, soll dabei als Moslem denunziert werden.
Im wachsenden Sturm der Entrüstung geriet Hillary prompt in die Defensive: Sie ließ halbherzig dementieren, ihr Team hätte den “Turban-Krieg” (New York Post) losgetreten. Solche “Dirty Tricks” setzten Kampagnen ein, die “in ihren letzten Zügen liegen”, tobte Operation Obama.
In einer US-weiten “CBS/New York Times”-Umfrage führt Obama jetzt mit 54 zu 38 Prozent überlegen. In Texas und Ohio, wo Hillary nach einer 0 : 11-Niederlagenserie ihr vielleicht “letztes Gefecht” kommenden Dienstag führen könnte, schwingt das Pendel auch zu Obama: In Texas liegt er bereits knapp mit 50 zu 46 Prozent voran, in Ohio ist Hillarys einst gewaltiger Vorsprung geschrumpft.
Keine ihrer verzweifelten Taktiken funktioniert:
# Um Wärme zu zeigen, fühlte sei sich in der letzten TV-Debatte “geehrt”, mit Obama die Bühne zu teilen. Doch viele hörten bereits “Abschiedsworte”;
# Dann setzte es scharfe Töne: “Schande über dich!”, wütete sie gegen Obama wegen dessen angriffiger Werbebroschüren. Doch sie wirkte wie eine Furie, eine Mutter, die ein freches Kind zurechtweist;
# Es folgte Sarkasmus: “Himmlische Chöre” würden singen, und alles “werde gut” machte sie sich über Obamas hoffnungsfrohe Botschaften lustig. Doch damit beleidigte sie seine Anhänger.
Jemand sollte ihr schonend beibringen, dass es “vorbei ist”, ätzte bereits der konservative Kolumnist Bob Novak.

# 24. Februar: Hill-Attack!!

Die angeschlagene Ex-First-Lady Hillary Clinton eröffnet im Vorwahlkrimi der Demokraten das Feuer aus allen Rohren auf Frontrunner Barack Obama: Sie verglich ihn sogar mit Ex-Präsdienten George Bush, da auch bei dem 2000 alle Mahnungen über “fehlende Erfahrung”, so Hillary, vom Tisch gewischt worden waren. Wegen einer Obama-Broschüre – wo angeblich ihre Ideen zur Gesundheitsreform und ihre Position zum Beitritt zur Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA falsch dargestellt worden wären – wütete sie wie noch nie: “Schande über dich, Barack Obama”, rief sie zornig bei einer Pressekonferenz im Staat Ohio. Dort und im Riesenstaat Texas (228 Delegierte) kämpft sie vor den Primaries am 4. März verzweifelt um ein Comeback. Viele sagen bereits: Es könnte “Hillarys letztes Gefecht sein”. In ihren Tiraden beschuldigte Hillary Obama sogar, sich der miesen Methoden des Bush-”Kettenhundes” Karl Rove zu bedienen.
Obama schoss zurück: Er nannten Hillarys Aufregung “taktisch”, da dieses Werbematerial seit Wochen im Umlauf sei und es nie Beschwerden gab. Das Getöse könnte der Auftakt für die letzte große TV-Debatte in Cleveland, Ohio, am Dienstag sein.
Hillary hat allen Grund zur Panik – nachdem sie in Texas und Ohio in den Umfragen zurückfällt: Im Schnitt ist ihr einst gewaltiger Vorsprung etwa in Texas auf 2,8 Prozent geschrumpft. Dort lockt Obama Rekordmassen an: 30.000 lauschten bei eisiger Kälte zuletzt vor dem Kapitol der Texas-Hauptstadt Austin der Rede des charismatischen “schwarzen JFK”. Obama greift vor allem nach Hillarys letzter verlässlicher Wählerbastion: Den Hispanics! “Si Se Puede”, die spanische Version seines legendären Schlachtrufes “Yes we can!”, ruft er.
Total liegt Obama bei der Delegierten-Zählung mit 1.368 zu 1.271 laut “RealClearPolitics” deutlich voran. Sogar Gatte Bill erachtet Texas als Hillarys “letzte Chance”. Ihr Problem: “Fast überall, wo Obama beginnt wahlzukämpfen, pulverisiert er Hillary am Ende”, sagt TV-Kommentator Pat Buchnanan: “Sie tritt gegen eine ganze Bewegung an”. Es gibt weiter Indizien, dass sie bereits zu resignieren beginnt: Alten Freunden verspreche sie Besuche, so US-Medien, “wenn das alles hier vorbei ist”. Je weiter Obama seinen Fuß im Oval Office hat, desto größer wird die Sorge um seine Sicherheit: In Dallas hatte etwa die zu seinem Schutz abgestellte Elitetruppe des “Secret Service” die Waffenkontrollen eingestellt, um den Zustrom von 17.000 Fans “zu beschleunigen”. Vor allem Afroamerikaner befürchten, Fanatiker könnten Obamas Triumphzug gewaltsam stoppen wollen.

# 22. Februar: Der Moment…

US-Medien nennen die Szene in der CNN-TV-Debatte in Texas zwischen den “Dems”-Duellanten Hillary Clinton und Barack Obama bereits “den Moment”: Hillary, fast wieder zu Tränen gerührt, spielte auf ihre bitteren Stunden während der Sex-Affäre ihres Gatten an, was jedoch “gar nichts” wäre, gegen die Leiden verkrüppelter Irakveteranen. Doch dann: “Was immer passiert in dieser Kampagne, wir werden OK sein”. Sie drehte sich zu Obama: “Es ist für mich eine Ehre, mit dir, Barack, hier zu sitzen”. Politologen rätseln: War es bereits der Beginn eines ehrenvollen Rückzuges? Oder ein Wendepunkt, wo sie sich den Wählern erstmals als Kandidatin mit Herz präsentieren konnte? Verbale Scharmützel gab es bei Hillarys neuerlichem Vorwurf, Obama hätte Redetexte abgekupfert: “Wandel aus der Xerox-Maschine”, ätzte sie. Doch die Attacke floppte: Es folgten Buh-Rufe! Hillary, so Beobachter, hätte echte KO-Schläge gebraucht, um Frontrunner Obama noch ins Wanken zu bringen. Doch der wirkte “präsidialer” als in früheren Debatten, so einige Beobachter. Hillary muss in Texas und Ohio am 4. März gewinnen: Sonst könnte es “vorbei sein”, sagte selbst Gatte Bill. Laut Washington Post/ABC-Umfrage ist Texas ein Thriller: 48 Prozent Hillary, 47 Obama.

# 21. Februar: Viagra-McCain?

Hat die Wahlschlacht 2008 ums Oval Office ihren ersten Sex-Skandal? Der Defakto-Kandidat der Republikaner, John McCain (71), soll vor acht Jahren während seines letzten Wahlkampfes eine “romantische Beziehung” zu einer Lobbyistin gehabt haben. Das hätten laut einem explosiven Report der “New York Times” engste Mitarbeiter des Vietnam-Kriegshelden befürchtet – und versucht, der Blondine Vicki Iseman, heute 40, den Zutritt zu McCain zu verwehren. Man wollte ihn “vor sich selbst retten”, so das Dossier.
Die Story schlug wie eine Bombe ein: Die ganze Schlacht um das White House könnte “auf den Kopf gestellt werden”, so Beobachter im US-TV aufgeregt. Denn es geht nicht nur um möglichen Sex, den beide heftig dementierten: Iseman, die mit McCain sogar im Privatjet flog, betrieb Lobbying für Telekomm-Giganten. McCain leitete ein für diese Firmen wichtiges Senats-Komitee und schrieb freundliche Briefe für Isemans Klienten.
Die Anschuldigen könnten den zentralen Pfeiler der McCain-Kampagne treffen: Der wollte als Saubermann im durch Lobbyisten korrumpierten Washington ausmisten. Doch die “Times” nennt weitere Beispiele, wo sich McCain kaum selbst an die von ihm propaqierten Ethik-Regeln hielt. Bereits in den späten Achtzigern hatte ein Ethikskandal McCains Karriere beinahe beendet.
Der Medien-Feuersturm erinnert bereits fast an Bill Clintons Jahrhundert-Sexskandal mit der Praktikantin Monica Lewinsky: “Kein Kommentar”, flüchtete McCain zunächst vor Reporterfragen in seinen Privatjet. Isemans Villa bei D.C. wurde von Reporter-Horden belagert. McCain heuerte Top-Anwalt Robert Bennett, der – ausgerechnet! – damals auch Clinton vertrat. Bringt die Affäre McCains ”Straight Talk Express” noch zum Entgleisen? Es drohe eine Rebellion am rechten Parteirand, so TV-Kommentator Tim Russert: “Er muss die Story im Keim ersticken”. Einige witzelten bereits, das Image eines fidelen “Viagra”-Kandidaten könnte ihm sogar helfen: Es lasse ihm definitiv jünger aussehen, so der Tenor.

# 20. Februar: US-193 im Visier

Stunden vor dem versuchten Abschuss des außer Kontrolle geratenen US-Spionagesatelliten “USA-193” hatte die Luftfahrtbehörde FAA im Pazifik hektisch eine Flugverbotszone eingerichtet. Alle Jumbos wurden gewarnt, einem 2.250 mal 1.126 Kilometer großem Gebiet westlich der Hawaii-Inseln fern zu bleiben. Dort ist die US-Navy mit dem Zerstörer “USS Lake Erie” in Stellung gegangen: Eine speziell modifizierte SM-3-Rakete, Kosten zehn Millionen Dollar pro Stück, soll den 2.267 Kilo schweren, busgroßen Satelliten in 241 Kilometer Flughöhe treffen. Dabei löst sich im letzten Moment das “Kill-Vehikel” von der Rakete – und wird mit Infrarotsensoren zum Zielobjekt dirigiert. “Das Ziel ist größer wie bei früheren Testversuchen”, sagt der Sicherheitsexperte John Pike: “Dafür fliegt das Ding mit 27.350 Stundenkilometer weit schneller”. Pentagon-Sprecher hatte die Erfolgschancen der 76 Millionen Dollar teuren Mission mit “80 bis 90 Prozent” beziffert. Der Großteil der Trümmer des getroffenen Satelliten dürfte in der Erdatmosphäre verglühen – doch einige Teile könnten ins Meer stürzen. Oder auf die Miniinsel Midway, die in der Einschlagszone liegt: 70 Menschen leben dort. Der Satellit hatte sich unmittelbar nach dem Launch 2006 nicht mehr steuern lassen. Der Großteil des hochgiftigen Treibstoffes “Hydrazine”, 453 Kilo gesamt, ist noch an Bord. Doch nicht die Sorge um die Bevölkerung dürfte für die US-Militärs das Hauptmotiv für den Abschuss gewesen sein: Es herrsche Panik, so Pike, dass Teile der Top-Secret-Technologie Russen oder Chinesen in die Hände fallen könnten.

# 20. Februar: Tausende Strategien, keine klappt

Barack Obama (46), der als “schwarzer JFK” für Furore sorgt, wird derart frenetisch gefeiert, als hätte er seine Rivalin Hillary Clinton (60) in dem epischen Demokraten-Vorwahlthriller bereits endgültig niedergerungen. Immerhin: Mit neuen Triumphen in Wisconsin und Hawaii stellte er in seiner unheimlichen Siegesserie seit dem Super Tuesday auf 10 : 0. US-Experten sagen fast unisono: Der Obama-Express ist kaum mehr zu stoppen.
Hillary hat zwar geschworen, am “Mini Super Tuesday” mit Primaries in Texas und Ohio am 4. März ihr “großes Comeback” zu versuchen. Doch die Hürden scheinen nun fast unüberwindbar: Mit 1.319 zu 1.245 zieht Obama bei der Delegierten-Zählung davon. In den 16 verbleibenden Vorwahlen müsste Hillary in sieben jener Staaten, wo ihr überhaupt Chancen eingeräumt werden, mit über 70 Prozent triumphieren, um auszugleichen. “Praktisch ausgeschlossen”, schüttelte Kommentator Tim Russert im TV den Kopf.
Obama dirigiert auch inzwischen cool die Dramaturgie der Wahlschlacht: Nach nur sechs Minuten Hillary-Redezeit, in denen sie Durchhalteparolen verbreitete, begann er seine eigene Ansprache. Die Kabelkanäle schalteten prompt um: Obama hatte 47 Minuten lang Zeit, in der “TV Primetime” seine Oval-Office-Pläne auszurollen.
Wegen der “Exit Polls” in Wisconsin schrillen bei Hillary die Alarmglocken. Obama brach massiv in Hillarys Kernwählerschicht ein: Er lag bei weißen Frauen nur mehr knapp zurück, triumphierte bei weißen Männern mit 59 zu 38 Prozent, besiegte Hillary auch bei Niedrigverdienern. Mit 58 zu 41 Prozent fiel ihre Schlappe weit höher aus, als erwartet. Dabei war der Midwest-Staat mit 90 Prozent Weißen und starkem Arbeiteranteil zunächst als “Hillary-freundlich” klassifiziert worden.
Hillary hofft, dass ihr nun “Hispanics” in Texas zum Sieg verhelfen: Doch auch hier hat Obama in einer Umfrage gleichgezogen. Dazu eröffnete er laut “Zogby/Reuters” US-weit mit 52 zu 38 Prozent einen 14-Punkte-Vorsprung (!).
Hillary testete in Wisconsin zahllose Taktiken gegen Obama – alle wurden zu Rohrkrepierern:
# Da attackiert sie Obama scharf: Doch 54 Prozent beschwerten sich prompt über “unfaire Methoden”;
# Da präsentierte sie sich als erfahrene Oberbefehlshaberin in Krisenzeiten: Doch 51 Prozent trauten “Greenhorn” Obama effektivere Leadership zu.
Hillary könnte nun mit einer Welle verzweifelter Attacken eine Schlammschlacht beginnen, wird befürchtet.
Republikaner-Kandidat John McCain (71) hält das “Dems”-Duell offenbar für entschieden: Er schoss sich voll auf Obama ein, als er den “zwar eloquent vorgetragenen, doch leeren Wunsch nach Wandel” anprangerte und Obamas Unerfahrenheit bemängelte. Obama konterte: McCain repräsentiere das “Gestern”, rief er unter dem Gejohle seiner Fans.

# 19. Februar: Krieg um Worte!

Das knallharte Demokraten-Duell zwischen Ex-First-Lady Hillary Clinton und dem schwarzen Polit-Rockstar Barack Obama war Stunden vor der nächsten Runde in dem Vorwahl-Thriller – den “Primaries” in Wisconsin und dem “Caucus” in Hawaii – massiv eskaliert. Hillary attackierte Obama scharf, er hätte Phrasen von Massachusetts-Gouverneur Deval Patrick “entwendet”, ein “klarer Fall von Plagiarismus”, so ein Clinton-Sprecher angriffig.
“Ich habe einen Traum… Nur Worte?”, hatte Obama mit einer Anspielung auf Martin Luther Kings legendärer Rede Angriffen des Hillary-Camps gekontert, wonach er nur blumige Rhetorik aber keine praktischen Lösungen biete. Patrick hatte die exakt gleiche Pointe bei einer Rede 2006 verwendet. Obama konterte: Beide seien gute Freunde und tauschten untereinander “Redepassagen” aus. Und: Hillary hätte selbst seine Phrasen geklaut, darunter seinen Hauptslogan “Change” (Wandel), sowie “I am fired up!” (“Ich habe Feuer unter dem…”).
Der “Krieg der Worte” (New York Post) illustriert, dass das Jahrhundertduell leicht zur Schlammschlacht ausarten könnte. Beide Teams fokussieren nun voll auf eine mögliche Vorentscheidung am “Mini Super Tuesday”, wenn am 4. März in vier Staaten, darunter die Riesen Texas und Ohio, 441 Delegierten-Stimmen (von insgesamt 4.049) vergeben werden. Hillary, die zuletzt hinter Obama zurückfiel, will dort zu ihrem großen Comeback ansetzen. Doch ihre frühere Führung in Texas ist pfutsch: Laut CNN-Umfrage ist es mit 50 zu 48 Prozent ein “totes Rennen”.

# 18. Februar: 10 : 0?

Setzt der charismatische Senkrechtstarter Barack Obama im Demokraten-Vorwahlthriller seine unheimliche Siegesserie seit dem “Super Tuesday” mit zwei weiteren Triumphen in den US-Staaten Wisconsin und Hawaii fort? Die Chancen bestehen, dass er gegen seine erbitterte Kontrahentin, Ex-First-Lady Hillary Clinton, auf 10 : 0 stellt: In Wisconsin führt Obama zuletzt in Umfragen. Und Hawaii ist der Staat, in dem er geboren wurde.
Hillary hat Wisconsin bereits fast aufgegeben. Einen Tag früher als geplant reiste sie zum Wahlkämpfen nach Texas, wo sie – wie auch in Ohio – am 4. März ihr großes Comeback versuchen will. Doch ihre Chancen scheinen zu schwinden. So zumindest Top-Experten, die in die Zeitung “Daily News” ihre Möglichkeiten, Obama noch auszuhebeln, mit “unter 50 Prozent” angaben: “Die Räder sind von ihrem Kampagnenwagen gefallen”, so Politologe Don Kettle. Doch niemand will sie ganz abschreiben: “Sie hat bereits mit mehreren Comebacks überrascht”.
Die Delegierten-Zählung sieht jedoch täglich trister aus: Laut “RealClearPolitics” führt Obama mit 1.302 zu 1.235 bereits recht deutlich. Dennoch ist auch er weit entfernt von der Siegermarke von 2.025. Laut Gallup-Umfrage führt Obama US-weit mit 49 zu 42 Prozent. Inzwischen ist ein heftiges Ringen um die noch zirka 300 undeklarierten “Superdelegierten” ausgebrochen, Partei-Funktionäre, die unabhängig vom Wahlresultat abstimmen können. Die “Dems” fürchten bereits den Super-GAU: Ein Gerangel um diese Stimmen bis zum Parteitag in den Sommer hinein. Partei-Weise, wie etwa Ex-Vize Al Gore, bleiben absichtlich neutral, um den Konflikt schlichten zu können, heißt es. Für Aufregung sorgte auch ein Geheimtreffen zwischen Obama und dem bereits ausgeschiedenen “Dritten Mann”, John Edwards: News-Helikopter filmten die beiden Politiker vor Edwards Villa in North Carolina. Der unter Arbeitern hochpopuläre Edwards könnte mit einer Wahlempfehlung zum “Königsmacher” werden.

# 18. Februar: Hochmut kommt vor dem Fall…

Hillary Clintons Absturz aus ihrer haushohen Favoritenrolle wird verstärkt der katastrophalen Kampagnenführung zugeschrieben: Nach der Absetzung der ehemaligen Leiterin Patti Solis Doyle und der Ernennung der knallharten Clinton-Getreuin Maggie Williams wird zwar künftig eine weit effektivere Exekution der Wahlkampfoperation erwartet. Doch es könnte “zu spät sein”, so Beobachter. Der wichtigste Grund für das Debakel: Arroganz! Hillary hatte Gegner Barack Obama einfach unterschätzt. Ihr Chefstratege Mark Penn ließ sie im Vorjahr bereits wie im Wahlkampffinale gegen die Republikaner argumentieren, mit einer konservativeren, Wechselwählern angepassten Linie, mit der jedoch der linke Parteirand vergrämt wurde. “Penn hat keine Ahnung, wie man Primaries gewinnt”, zitiert das Magazin “Time” einen Insider.
Dann wurde vor dem Primaries-Auftakt in Iowa und New Hampshire zu viel Geld verprasst: Allein im Vorjahr gab Team Hillary, das 2007 immerhin staatliche 107 Millionen Dollar einnahm, 3,6 Millionen Dollar für Essen, 2,1 Millionen für Briefsendungen, 15 Millionen für Gehälter und 7,5 Millionen für Reisen aus. Mitten in der Wahlschlacht vor dem Super Tuesday ging plötzlich das Geld zur Neige – Hillary musste fünf Millionen aus ihrem Privatbesitz zuschießen. Dazu hatten Hillary & Co fest damit gerechnet, spätestens am Super Tuesday die Nominierung in der Tasche zu haben: “Für danach gab es keinen Plan”, gibt ein Helfer zu. Erst jetzt beginnt ihr Kampagnen-Team, Büros in den verbleibenden Vorwahlstaaten aufzusperren. Dort operiert Obama oft bereits seit mehr als einem Jahr – und hat deshalb Startvorteile.

# 16. Februar: Obama, Polit-Rockstar!

Die USA könnten vor ihrer größten Polit-Sensation stehen, zumindest seit John F. Kennedy vor über 40 Jahren die Welt verzauberte: Wird der erst 46-Jährige Barack Obama, Sohn einer weißen Mutter aus Kansas und einem Ziegenhirten aus Kenia, aufgewachsen in Hawaii und Indonesien, US-Präsident Nr. 44? Zwingt der ehemalige Gemeindeorganisator und Bürgerrechtsanwalt in Chicago, mit seinen erst drei Jahren als Senator in der A-Liga der US-Politik, eine der erfahrensten Ikonen der Demokraten-Partei, Hillary Clinton, in die Knie? Und das ohne Vermögen, ohne Rückhalt einer Polit-Dynastie, ohne Hausmacht?
Das Phänomen Obama lässt Amerika Kopf stehen – und hält die Welt in Atem. Seine Reden sind wie Symphonien mit elegantem Tempowechsel: Mal laut, mal leise; mal bedächtig, mal stakattoartig; mal anklagend, mal aufmunternd. Immer inspirierend. Jeder, der Obama jemals “live” erlebte, spricht von einer “Gänsehaut”, dem Gefühl, den “Hauch der Geschichte” gespürt zu haben. Bei einem Lokalaugenschein hängen seine Fans, die meisten unter 30 Jahre alt sind, an seinen Lippen. Sie halten ihre Handies für Fotos in die Höhe. Pärchen umarmen sich, anderen kullern Tränen über die Wangen. Sie strecken ihm die Hände entgegen, wollen ihn berühren. Einige kreischen verzückt.
“He is the one”, bemüht Quillon Hall (33) sogar den Kultstreifen “The Matrix”. Mit Martin Luther King wurde Obama schon verglichen, JFK sowieso und auch dem wortgewaltigen Robert Kennedy. Obama redet vom Wandel, einer “neuen Ära”, einem Ausbruch aus dem korrumpierten Politsystems in der US-Kapitale D.C.. Er trifft genau den Nerv einer “nach sieben Jahren Bush ausgebrannten Nation”, so der Politologe Shaun Bowler.
Kaum in ihrer Geschichte waren die Amerikaner so unhappy über den politischen Status Quo: Bush dümpelt bei 27 % “Popularität” herum (CBS News), der von Demokraten kontrollierte US-Kongress bei sogar bei bloß 22 Prozent (AP/Ipsos). Nach den zermürbenden Kriegen im Irak und Afghanistan, explodierenden Kosten bei Krankenversicherungen und Uni-Ausbildung, stotternder Wirtschaft, Immobilienkrise und Amerikas verheerendem Ruf als Folter- und Aggressor-Staat in der Welt schürt Obama vor allem eines: Hoffnung! “Nach seiner Rede fühlt es sich plötzlich wieder gut an, Amerikanerin zu sein”, sagt Freyja Stoltz (36). Es herrscht Aufbruchstimmung, wenn oft 20.000 in Sporthallen zusammenkommen und ihren neuen “Messias der US.-Politik” (Der Spiegel”) feiern.
Seinen Siegeszug, der ihn nach Vorwahlen in 34 Staaten zum Frontrunner macht, verdankte er vor allem der Geburt der eindrucksvollsten Bewegung, die Amerika seit Generationen gesehen hat. Er punkte, so Bowler, vor allem bei Jungen unter Dreißig: “Die können mit den erbitterten ideologischen Duellen der Baby-Boom-Generationen nichts mehr anfangen – all die Codewörter wie Vietnam, Woodstock, die brutalen Scharmützel unter Bill Clinton und George Bush, die die Nation auseinanderrissen”. Auch wenn es ein wenig naiv klingt, verspricht Obama, die Vereinigten Staaten, nach all den Jahren widerlichster Dreckschleuder-Politik – von Karl Rove, dem Ex-”Consiglierie” des amtierenden Präsidenten George W. Bush, in unrühmliche Niederungen getrieben – wieder “vereinigen zu wollen”. Bowler: “Die Jungen haben genug von jener Negativ-Politik, wo anstatt eines fairen Wettstreits der Ideen Gegner bloß zerstört werden sollen”.
Unter den Jungen ist Obama längst ein Polit-Rockstar. “Er hat es geschafft, die Kids wieder für Politik zu begeistern”, sagt der Österreicher Günter Bischof, Politologe an der Uni in New Orleans. Bischof sei sogar verblüfft über seine eigenen zwei 13- und 15-jährigen Jungen, sowie der 16-jährigen Tochter: Sie fieberten jeden Wahlabend mit, so Bischof. Wie eine elektronische Tsunami schwappt “Obamamania” durchs Internet: Seine legendäre Siegerrede in Iowa wurde allein auf der Amateurvideo-Website “YouTube” über eine Million mal gesehen. Das mit Hollywood-Stars á la Scarlett Johansson gespickte Musikvideo “Yes we can” von “Black Eyed Peas”-Hip-Hopper “will.i.am” wurde 6,49 Millionen mal gesehen. Obama-Fans opfern ihre Freizeit. Der austro-amerikanische Art-Direktor Richard Koscher, der in Kalifornien für die “George Lucas Educational Foundation” werkt, kreierte gleich zwei separate Blogs, über die er Obama-Videos verbreitet: “Ich möchte mir nicht selbst einmal vorwerfen müssen, in dieser historischen Stunde nicht alles versucht zu haben”, sagt er. Von einer “Revolution” spricht gar Ex-Demokratenkandidat Gary Hart: “In seltenen Momenten unsere Geschichte reichen alte Arrangements und politischer Hausverstand nicht mehr”. Das Alte mache dann dem Neuen Platz, so Hart: “Genau das scheinen wir jetzt zu erleben!”
Für Obama füllt die Euphorie auch die Kriegskasse: 102 Millionen Dollar waren es 2007, 32 Millionen allein im Jänner. Und sollte er am 20. Jänner 2009 tatsächlich Bush die Hand im Oval Office bei der Amtsübergabe schütteln, hat er das auch einem ganz banalen Kultur-Phänomen Amerikas zu verdanken, so Bischof: “Hier liebt man einfach Superstars!”

# 15. Februar: In Hillaryland fliegen die Fetzen!

Nach der schmerzhaften Vorwahl-Niederlagenserie von Hillary Clinton gegen ihren Widersacher Barack Obama fliegen in ihrem Kampagnen-Hauptquartier nun die Fetzen. Es soll sogar zu wüsten Schreiduellen zwischen Chef-Strategen Mark Penn und der TV-Spot-Produzentin Mandy Grundwald gekommen sein, flüsterten In­sider dem Wall Street Journal. Nach der Absetzung von Kampagnen-Chefin Patti Solis Doyle proben Mitarbeiter den Aufstand.
„Das Team hat sich in verfeindete Lager gespalten“, berichtet der TV-Sender ABC: „Die Moral ist an einem Tiefpunkt angelangt.“ Der Bürgerkrieg in „Hillaryland“, wie ihre Wahlkampfmaschinerie genannt wird, kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt: Hinter Obama zurückgefallen will Hillary bei den Vorwahlen in Texas und Ohio am 4. März zum großen Comeback ansetzen. Doch obwohl die New York Post warnt, frühzeitig Hillary-Nachrufe zu schreiben, schrillen auch in Texas die Alarmglocken: In einer neuen Umfrage liegt sie mit 42 zu 48 Prozent zurück. Rückendeckung erhält sie aus New Mexiko: Dort wurde nach zehntägiger Zählung bekannt gegeben, dass sie den am „Super Tuesday“ abgehaltenen Caucus knapp gewonnen hat.

# 15. Februar: Massaker an der NIU

Schock und Trauer in Amerika über eine neues Uni-Massaker: Ein mit einer Skimaske vermummter, weißer, dünner, großgewachsener Mann erschoss im “Audi Max” der “Northern Illinois University” (NIU) in DeKalb 100 Kilometer westlich von Chicago fünf Studenten, bevor er sich selbst richtete. 15 wurden verletzt. Der Amokläufer war bewaffnet mit einem Gewehr (12 Runden), einer “Glock”-Pistole und einer weiteren, kleinkalibrigen Schusswaffe.
160 Studenten waren anwesend, die Geologie-Vorlesung sollte in fünf Minuten zu Ende sein. Es ist exakt 14:50 Uhr. Plötzlich tritt der Täter den Notausgang neben dem Rednerpult ein. Er blickt in die Menge. “Als würde er sich die Opfer aussuchen”, so Zeuge Edward Robinson. Andere dachten an eine Übung. “Es war wie in einem Film, völlig unreal”, so John Giovanni. Doch der Täter feuert in die Menge. Studenten fallen, laufen, hechten unter die Bänke. Schreie hallen durch das Auditorium: Die Schmerzen der Getroffenen, Panik bei den Flüchtenden. Bei den Exit-Türen kommt es zum lebensbedrohlichen Gedränge.
Eine Studentin wird zu Heldin. Sie brüllt: “Er lädt nach! Jetzt! Lauft! Lauft verdammt! Lauft um euer Leben!” Dutzende Studenten, viele blutend, nützen die wenigen Sekunden, um bessere Verstecke zu finden. “Sie hat vielen das Leben gerettet”, so Augenzeuge Shane Pope in der NBC-”Today Show”.
Den Rettern bietet sich ein Bild des Grauens: Drei Opfer liegen bereits tot unter den Stühlen, daneben Schwerverletzte übereinander, wimmernd. Die meisten erlitten Kopfschüsse. “Bleib bei mir”, fleht eine Ambulanz-Helferin eine Studentin an, als sie auf einer Bare rausgerollt wird. “Ich werde es versuchen”, flüstert die zurück.
Die Polizei hält die Identität des Täters noch zurück. Es soll sich um einen Ex-Studenten der NIU handeln. Im Dezember waren Warnungen vor einem Massaker wie an der “Virginia Tech”-Uni letztes Frühjahr (33 Tote) an einer Klotüre gefunden worden.

# 14. Februar: “Hillary kann kaum mehr aufholen…”

White-House-Favorit Barack Obama hat nach seiner jüngsten 8 : 0-Siegesserie den Wind im Rücken – und er appelliert an die Demokraten-Partei, auf den “Obama-Express” aufzuspringen. Während der “schwarze Kennedy” im US-Staat Wisconsin, wo Dienstag die nächsten Primaries stattfinden, seine frohe Botschaft nach “politischem Wandel” in, mit 20.000 Fans vollgepferchte Sporthallen ruft, versuchte sein Kampagnenleiter David Plouffe, eine Obama-Nominierung als “gegeben” darzustellen. Mit bereits 136 “gewählten Delegierten” (die aufgrund der Wahlergebnisse zugeteilt werden) führe Obama vor Ex-First-Lady Hillary Clinton. Es sei “praktisch mathematisch unmöglich”, so Plouffe, dass sie das noch aufholen könne: Sie müsste in allen ausstehenden Vorwahlen Obama regelrecht in den Boden stampfen.
Neue Zahlen zeigen, dass Obama nun nach praktisch allen Kriterien “Frontrunner” ist: Mit 1.272 zu 1.231 liegt er bei der Delegiertenzählung (“RealClearPolitics”) voran, insgesamt erhielt er in allen 34 Vorwahlen 9.347.707 Stimmen, Hillary 8.648.897. Der Appell von “Operation Obama” richtet sich auch an die fast 800 “Superdelegierten”, Parteiinsider, die unabhängig vom Wählerwillen abstimmen können: Gehofft wird, dass die, die bisher Hillary unterstützten, ins Lager des Frontrunners wechseln könnten.
Hillarys versucht verzweifelt, Obamas Schwung zu bremsen: Sie bereitet sich auf eine Schlacht in Texas und Ohio am 4. März vor. Als “letztes Gefecht” bezeichnen Experten die riskante Taktik bereits. Sogar Clinton-Helfer James Carville, ehemals “Kettenhund” von Gatten Bill, analysiert trocken: “Eine Niederlage in Texas oder Ohio – und alles ist aus!” In jüngsten Umfragen führt Hillary mit 56 zu 39 in Ohio, mit 48 zu 38 Prozent in Texas. “Man hat mich schon zweimal abgeschrieben”, sagte sie trotzig. Und schaltete ihren ersten negativen TV-Spot gegen Obama. Der Titanen-Thriller droht nun, zur Schlammschlacht zu werden.

# 13. Februar: 8 : 0!

Der farbige Senkrechtstarter Barack Obama ist fortan der Mann, den es im Demokraten-Vorwahlkrimi zu schlagen gilt: “Frontrunner” (Führender) titelte die renommierte Zeitung “L.A Times” nach einer neuerlichen, rauschenden Siegernacht. Er demolierte seine wankende Kontrahentin, Ex-First-Lady Hillary Clintion, in der US-Kapitale D.C., sowie den angrenzenden Staaten Maryland und Virginia. “Diese Bewegung ist nicht zu stoppen”, jubelte Obama bei einem seiner rockkonzert-ähnlichen Auftritte in Wisconsin, dem Schauplatz der nächsten Primaries kommenden Dienstag.
Obama will nun Hillarys letzten Comeback-Versuch in knapp drei Wochen bei den Vorwahlen in den Riesenstaaten Texas (228 Delegierte) und Ohio (161) am 4. März im Keim ersticken: Hundertausende Dollar wurden bereits in ein Inferno an Radio- und TV-Werbespots gepumpt. Und Obama setzt auf den unglaublichen Schwung durch seine 8:0-Siegesserie seit Super Tuesday.
“Doch es ist vor allen nicht, DASS Obama siegte – sondern WIE”, so TV-Kommentator Tim Russert:
# Mit Riesenvorsprüngen von 64 zu 35 Prozent in Virginia, 60 zu 36 in Maryland und sogar 75 zu 24 in D.C. lässt er Hillary auch bei den proportional zum Wahlergebnis vergebenen Delegierten-Stimmen immer rascher zurück.
# Dazu brach Obama erstmals massiv in Hillarys bisher verlässlichste Kernwählerschichten ein: Er siegte unter Frauen (50 zu 40 Prozent!), bei Arbeitern, bei Weißen und Pensionisten, in Virginia sogar bei Latinos.
Obama führt in dem Titanen-Thriller nun nach praktisch allen Kriterien:
# Selbst mit den umstrittenen “Super-Delegierten” hinzugerechnet liegt er mit 1.259 zu 1.210 in der Delegierten-Zählung voran (“RealClearPolitics”);
# Er gewann 23 Staaten (Hillary zehn);
# Er führt in vielen US-weiten Umfragen – wie jener von “Gallup/USA Today”, wo er mit 47 zu 43 Prozent voran liegt.
# Dazu spült die Euphorie “Obamamania” mehr als eine Million Dollar Spenden pro Tag in seine Kriegskasse.
Hillarys Hürden werden immer höher: Gewinnt Obama nächsten Dienstag wie erwartet Wisconsin und Hawaii, würde Hillary mit einer völlig demoralisierenden 0 : 10-Niederlagenserie in Texas und Ohio antreten. Und fortan müsste sie jede der 17 bis Anfang Juni noch ausstehenden Primaries mit 55 Prozent im Schnitt gewinnen, um mit Obama gleichzuziehen, errechnete Experte Russert. Sie hofft noch auf zwei TV-Debatten: Dort könnte sie Obama massiv attackieren, um seine Krönung noch zu vereiteln. Doch auch diese Taktik war bei früheren Primaries schon zum Eigentor geworden.

# 13. Februar: Obama McCain – wer gewinnt?

Immer mehr zeichnet sich eine Schlacht um die Bush-Nachfolge zwischen Charismabombe Barack Obama (D) und Vietnam-Helden John McCain (R) ab. Die Kontrahenten nehmen sich ins Visier: McCain verkörpere die “Vergangenheit” und wolle Bushs Katastrophenkurs fortsetzen, ätzte Obama. McCain tat Obama als Feigling ab, der sich den “Terroristen ergeben” wolle. Im Umfragen-Schnitt liegt Obama mit 47,4 zu 43,7 Prozent vor McCain. Deutlich besser als Hillary, gegen die McCain mit einem Prozent Vorsprung führt. Warum?
# Obama hat höhere Sympathiewerte als Hillary. Noch: Denn McCain und sein Team aus Ex-Bush-Schergen wollen ihn mit Dreck bewerfen;
# Obama ist auch für Unabhängige, die bei Wahlen zwischen Republikanern und “Dems” hin- und hergerissen werden, attraktiver.
Hillarys Pus: Sie hätte mehr Erfahrung – vor allem im Umgang mit den Schmutzkübelkampagnen der Rechten.

# 12. Februar: Obamas nächster Hat-trick?

Polit-Rockstar Barack Obama beginnt nach den “Potomac”-Primaries in der US-Hauptstadt D.C., Maryland und Virginia mit dem Sturm auf die “letzte Bastion” (US-Medien) seiner Kontrahentin Hillary Clinton: Texas (228 Delegierte) und Ohio (161), wo in drei Wochen gewählt wird. Dort hofft Hillary nach der jüngsten Obama-Siegesserie auf ihr ultimatives Comeback.
Obama, dessen Kampagne zuletzt immer massiver in Schwung kam (17.000 Menschen jubelten ihm etwa in der Maryland-Uni zu), greift bereits tief in seine prall gefüllte Kriegskasse für eine Gegen-Werbeoffensive in Texas und Ohio: Ein Spot zeigt Obama, wie er sich an den Krebstod seiner 53-jährigen Mutter erinnert und Lücken im US-Gesundheitswesen anprangert. Zuletzt verfeinerte er seinen zentralen Wahlkampf-Slogan nach Wandel: “Die Größe unserer Herausforderungen übersteigt die Kapazitäten unseres kaputten Politsystems”, rief er in die Menge: “Wir brauchen etwas neues!”
Der Obama-Express scheint unaufhaltsam: Laut dem Webdienst “RealClearPolitics” führt er nach Delegiertenstimmen, die letztlich die Kandidatenkür der “Dems” entscheiden, knapp mit 1.143 vor Hillary mit 1.138. Und erstmals hat er Hillary in einer US-weiten “Gallup”-Umfrage mit 47 zu 44 Prozent überrundet. Am Montag war ein geplantes Treffen mit dem ausgestiegenen “Dritten Mann”, John Edwards, wegen “Medienhysterie” abgesagt worden: Hunderte Reporter hatten Edwards Villa belagert, sogar News-Helikopter kreisten drüber. Eine Wahlempfehlung durch den bei Weißen populären Edwards könnte Obama weiter beflügeln.
Die massiv unter Druck geratene Hillary versucht, eine Panik unter Fans und Gönnern zu vermeiden. Befürchtet wird, dass sie eine neue Welle an Obama-Hype nicht durchsteht bis zu ihren “Rettungsankern” in Texas und Ohio. In einem fast hilflos wirkenden Strategie-Memo wurde argumentiert, dass nur Hillary der republikanischen Schmutzkübel-Maschinerie widerstehen könne (Obama ätzte postwendend: “Ich bin zwar schlacksig, aber hart!”). In einem hektischen Konferenz-Telefonat mit Superdelegierten und Spendern versuchte Hillary, leidenschaftlich Gerüchte zu dementieren, wonach ihr die Wahlkampagne “entgleitet”, schrieb die “New York Times”. Hillary hätte dazu etwas müde und deprimiert geklungen, so Teilnehmer. Laut den Wettbüros ist ihre Stimmung verständlich: Dort setzten bereist 70 Prozent auf Obama.

# 11. Februar: Hillary im Schleudern!

Der schwarze Senkrechtstarter Barack Obama hat nach der jüngsten Siegesserie in Louisiana, Nebraska, Washington State und Maine am Wochenende Kontrahentin Hillary Clinton erstmals auch bei Delegierten-Stimmen mit 1.139 zu 1.135 überholt. Hillary wirkt angeschlagen – besonders nachdem sie ihre glücklose Kampagnenchefin Patti Solis Doyle durch die knallharte Langzeitgetreue Maggie Williams ersetzte. Dabei geht es weiter Schlag auf Schlag im Titanen-Thriller, der die ganze Welt in Atem hält: Obama kann bei der nächsten Primaries-Runde in der US-Kapitale D.C., sowie dem angrenzenden Virginia und Maryland (total 238 Delegierte) Hillary am Dienstag endgültig schwer ins Wanken bringen. “Potomac Tuesday” wurde der Vorwahltag nach dem durch Washington fließenden Fluss benannt. Obama ist Favorit: In Virginia führte er zuletzt laut Umfragen mit 53 zu 27 Prozent. “Nach Dienstag könnte Obama endgültig Frontrunner sein”, wird im US-TV spekuliert. Seine Bilanz ist beeindruckend: Der Massenmagnet, der 20.000 Fans in Arenen lockt, gewann bisher in 20 Bundesstaaten und mit 1.000 zu 922 mehr jener Delegierten, die aufgrund des Wahlergebnisses vergeben werden. Am Sonntag erhielt Obama sogar einen “Grammy” für die Audioversion seines Bestsellers “The Audicity of Hope” (und schlug ausgerechnet Hillary-Gatten Bill…).
Hillary, die bisher nur in der Kategorie der “Super-Delegierten” (“Ehren-Delegierte” des Partei-Establishments) führt, setzt auf ein Comeback am kleinen “Super Tuesday” Anfang März, wenn in vier Staaten 444 Delegierte ermittelt werden, darunter Texas und Ohio. “Als letztes Aufbäumen”, wird die Taktik bereits bezeichnet. Immer stärker greift sie in die Trickkiste: Die wegen der unerlaubten Primaries-Vorverlegung ungültigen Delegiertenstimmen in Michigan und Florida sollen zählen, forderte sie. Hillary spielt auch die Entgleisung eines MSNBC-Reporters, der Tochter Chelsea auf “den Strich geschickt” sah beim Lobbying von Super-Delegierten, weiter als “Mega-Skandal” auf.

# 10. Februar: Super-Delegierte?

Die Debatte eskaliert in den USA, ob am Ende nicht die Wähler sondern Parteifunktionäre den Vorwahlkrimi zwischen Hillary Clinton und Barack Obama entscheiden könnten. Es geht um “Super Delegierte”: Von den 4.049 Delegierten, die am Parteitag der Demokraten in Denver Ende August ihren Oval-Office-Kandidaten, oder ihre Kandidatin küren, gehören 796 in diese Kategorie. Ehrenhalber berufen werden Parteigrößen wie Ex-Präsident Bill Clinton oder Senats-Führer Tom Daschle, hinzu kommen alle Kongressmitglieder und Gouverneure. Doch die Masse sind Parteifunktionäre. Anders als normale Delegierte, die an Wahlergebnisse gebunden sind, sind sie wie Jolly Joker: Sie können wählen, wen sie wollen! Das kuriose Prozedere wurde eingeführt 1982, da die Parteiführung damals fürchtete, komplett ihren Einfluss auf die Selektion ihrer Oval-Office-Kandidaten zu verlieren. Doch jetzt könnte ein Aufstand der Basis drohen: Immer mehr glauben, dass die Superdelegierten letztlich entscheiden könnten. Und die favorisieren mehrheitlich Hillary. Obamas meist junge Bewegung könnte sich von “Parteiapparatschiks”, der “alten Garde”, um den “Sieg geprellt” fühlen, die “Convention”, meist ein buntes Spektakel an Eintracht, in einem brutalen Showdown enden. Komplettes Chaos herrscht auch an der Auszählfront: Denn jedes US-Medien-Unternehmen – von der New York Times, der Agentur AP, Kabelkanälen wie CNN oder den TV-Networks CBS und NBC – präsentiert andere Zahlen. Der Grund: Bei den “gewählten” Delegierten werden jene in den Caucus-Staaten erst bei späteren Versammlungen exakt verteilt. Einige lassen diese Staaten aus ihren Zählungen draußen, andere verwenden Prognosen. Klar ist nur: Der Welt erlebt wieder eine Episode aus Amerikas grotesk antiquiertem Wahlsystem.

# 10. Februar: Obama-Express

Demokraten-Senkrechtstarter Barack Obama (46) überrollte Kontrahentin Hillary Clinton (61) erwartungsgemäß in weiteren drei Vorwahlen in den Bundesstaaten Louisiana (57 zu 36 Prozent), Nebraska (68 zu 32 Prozent) und Washington State (68 zu 31). Doch das historische Titanen-Duell bleibt ein totes Rennen: Bei den Delegierten, die entscheiden, wer gegen den Republikaner John McCain ins Finale der US-Präsidentschaftswahlen zieht, trennen beide selbst nach 30 Vorwahlrunden nur wenige Stimmen: Hillary führt laut dem Internet-Dienst “RealClearPolitics” mit 1.112 knapp vor Obama mit 1.096. Die Delegiertenzählung ist ein byzantinisches Prozedere. Und 20 Prozent sind “Super-Delegierte”, Parteigrößen und -funktionäre, die ungebunden vom Wählerwillen abstimmen können.
Während Insider an den Nummern tüffteln, müssen die “Dems”-Stars Fanbasis und potentiellen Gönnern demonstrieren, wer den längeren Atem hat:
# Obama nimmt mit der Siegesserie vom Wochenende den Schwung mit in die nächste Runde: Schon am Dienstag wird in der US-Kapitale D.C., sowie die angrenzenden Staaten Maryland und Virginia gewählt. 238 Delegierte stehen hier am Spiel.
# Hillary plant ihr großes Comeback am “Mini Super Tuesday” Anfang März mit Primaries in Texas und Ohio – oder sogar Pennsylvania am 22. April (!).
Doch Obama, der ehemalige, krasse Außenseiter, hat Hillary an mehreren Fronten bereits übertrumpht:
# Laut Newsweek-Umfrage liegt er US-weit erstmals mit 42 zu 41 Prozent voran;
# Er gewann knapp mehr jener Delegierten, die aufgrund der Wahlergebnisse zugeordnet werden;
# er siegte in 19 Staaten (Hillary zehn),
# die durch den Hype um den als “Messias der US-Politik” (Der Spiegel) gefeierten “schwarzen JFK” ausgelöste Spendenflut ebbt kaum ab: Auch im Februar könnte er über 30 Millionen Dollar lukrieren.
Hillary vergoss währenddessen bei einer Rede in Virginia neuerlich Tränen. Während sie für viele dadurch menschlicher wirkt, illustrierten ihre regelmäßigen Ausbrüche roher Emotionen eher den Zustand ihrer Wahlkampfoperation, wo Beobachter ätzten: Durch massives Spendenaufkommen ist der Fast-Bankrott zwar vorerst abgewendet. Doch sie kann an der Geldfront weiter schwer mit Obama mithalten. Peinliche Stories über krasse Geldvergeudung kursieren: Umfragekönig Mark Penn kassierte 4,3 Millionen, 150.000 Dollar wären allein fürs Parken ausgegeben worden. Und die Clintons führen Krieg gegen die Medien: Ein Reporter des Newskanals MSNBC wurde suspendiert, nachdem er anklingen ließ, die Clintons hätten Tochter Chelsea “auf den Strich” geschickt, um um Super-Delegierte zu werben.

# 10. Februar: Sieger sehen anders aus…

Vietnam-Held John McCain (71), der Defakto-Kandidat der Republikaner in der Schlacht ums Oval Office, hätte lieber seine Zeit damit verbracht, die Parteibasis hinter sich zu vereinen – und vor allem den, gegen ihn rebellierenden, ultrarechten GOP-Flügel zu befrieden. Währenddessen muss McCain eine peinliche Niederlage nach der anderen durch seinen einsamen Herausforderer, Christen-Fundi Mike Huckabee (52), einstecken: Am Wochenende siegte Huckabee in Kansas und Louisiana. Selbst im wohlhabenden und weltlichem Washington State mühte sich McCain mit einem knappen 26 zu 24 Prozent-Sieg ab. Huckabee hätte “mathematisch betrachtet” mit seinen 234 Delegierten, so TV-Politguru Tim Russert, keine Chance, McCain mit 724 noch abzufangen (1.191 sind für den Sieg erforderlich). Doch Huckabee – anders als Mormonen-Millionär Mitt Romney, der kürzlich das Handtuch warf – will weitermachen: Der Gottesmann bete, wie er sagte, um ein “Wunder”. Doch am ehesten dürfte sich Huckabee um das Amt des Vize bewerben: Mit ihm ein der Seite, könnte McCain zumindest die Religiöse Rechte zufriedenstellen.

# 9. Februar: Bushs Kiss of Death!

US-Präsident George W. Bush steigt erstmals massiv in die Schlacht um seine Nachfolge am 4. November ein – und er versucht die Republikaner-Partei GOP rund um den Defakto-Kandidaten, Vietnam-Helden John McCain, zu einen. Die Demokraten Hillary Clinton und Barack Obama würden “Frieden und Prosperität” gefährden, tönte Bush bei einer Konservativen-Konferenz. Bush will für McCain vor allem den Rechtsaußen-Flügel der GOP mobilisieren. Die rechten Recken hatten dem für sie in etwa Einwanderungsfragen “zu moderaten” McCain mit einer offenen Revolte gedroht. Bush scheint mit dem Schlachtruf “Vier weitere Jahre!”, den Fans bei der Konferenz skandierten, auch die Stoßrichtung von McCains Kampf gegen die “Dems” vorzugeben: Es soll, wie 2004, massiv die Angstkarte gezückt werden! Sogar Bushs Medien-Berater und Werbespot-Produzenten werken bereits für McCain. Ein Sieg der Demokraten, haute McCain selbst auf die Bush-Trommel, käme “einem sich den Terroristen Ergeben gleich”. Die Doppelstrategie des 71-jährigen cholerischen Arizona-Senator nimmt Konturen an: Er will sich als großer Beschützer der USA vor mörderischen Terrornetzen á la Al-Kaida und Retter der Bürger vor einem, Steuergelder verschlingenden “Big Government” aufspielen. Dazu natürlich ein Kurshalten im Irak: 100 Jahre könnten US-GIs dort noch stationiert sein, sagt er zuletzt. Die “Dems”, deren Kandidat John Kerry 2004 in einem Angstwahlkampf knapp unterlag, schossen zurück: “Das ist die gleiche alte Panikmache”, sagte etwa Obama ruhig: “Sie wird nicht mehr funktionieren”.

# 8. Februar: Dems rangeln weiter…

Der Vorwahlkrimi der “Dems”-Stars Hillary Clinton und Barack Obama geht in die nächste Runde: Bei der Primary im “New Orleans”-Staat Louisiana wird Obama wegen dem erwartet hohen Anteil an afroamerikanischen Wählern als Favorit gewertet. Ebenso bei den gleichzeitig abgehaltenen “Caucuses” (Parteiversammlungen) im Staat Washington und Nebraska: Obama hat fünf der bisher sechs Caucuses dank exzellenter “Bodenoperationen” gewonnen. Auch in Maine wird am Sonntag ein Caucus abgehalten.
Obama hat bei dieser neuen Runde die Chance, Hillary auch nach Delegiertenstimmen überrunden zu können: Mit 1.148 Stimmen liegt sie nach dem großen Unentschieden am “Super Tuesday” nur knapp vor Obamas 1.072 (NBC-News). Dennoch zeigt Hillary Lebenszeichen: In den nationalen Umfragen konnte sie vor allem durch den überzeugenden Triumph im Riesenstaat Kalifornien ihre Werte nach gewaltigem Abrutschen stabilisieren, sie führt im Schnitt mit 3,3 Prozent Vorsprung. Auch Gatte Bill meldete sich nach der vehementen Kritik an seinen Obama-Attacken erstmals zerknirscht zu Wort: “Ich werde Hillary nur mehr loben, aber nicht mehr verteidigen”, erzählte er einer TV-Station: “Das kann sie selbst besser”.
Totale Verwirrung herrscht an der Geldfront: Zuerst gab Hillary das Zuschießen von fünf Millionen aus ihrem Privatvermögen zu, verlautete, Top-Strategen würden “gratis” arbeiten und stellte die Möglichkeit einer privaten 15-Millionen-Dollar-Geldspritze in Aussicht. Doch Stunden später jubelte ihr Team: Seit Dienstag wären über 6,4 Millionen in den leere Kriegskasse geflossen, fast so viel wie Obamas 7,2 Millionen. US-Medien bezeichneten das Drama prompt als “Stunt”, um Hillary als “Underdog” zu positionieren.
Die Rekordspenden-Flut ist jedenfalls ein Indikator, wie sehr sich die Amerikaner auch nach einem Ende der Ära des amtierenden Präsidenten George W. Bush sehnen: Mit den Rezessionsängsten in den USA erreichte Bushs “Popularität” mit 31 Prozent (Ipsos) neue Tiefststände.

# 8. Februar: 30 Autorinnen, 30 Hillarys

Während Hillary um die ihre Kür als Demokraten-Kandidatin kämpft, diskutiert ganz Amerika weiter aufgeregt die Perspektive der ersten Frau im Oval Office. Und oft am härtesten gehen Frauen mit ihrer Geschlechtsgenossin um, obwohl sie die “ultimative Hürde der Gleichberechtigung” nehmen könnte. Gleich 30 Top-US-Autorinnen nehmen Hillary in dem jüngsten Bestseller “30 Ways of Looking at Hillary”, herausgegeben von “Vanity Fair”-Autorin Susan Morrison ins Visier. “Warum wissen wir immer noch so wenig über die berühmteste Frau der Welt”, erläuterte Morrison ihr Motive: Und das, obwohl man sie in Amerika mehr als acht Jahre im White House beobachten hatte können, sieben Jahre im Senat – und dank der Arbeit des “Lewinsky-Gate”-Sonderermittlers Kenneth Starr ihre “Eheprobleme besser dokumentiert sind, als uns recht ist…”.
Es würde nicht mehr lange dauern, so die Verlegerin weiter, bis die erste Uni ein eigenes Fach “Hillary-Wesen” einrichtet: Sie bezieht sich auf die Litanei immer neuer Hillary Bios (Diana-Autorin Tina Brown etwa werkt bereits an ihren “Hillary Chronicles”) und der Grellheit des Rampenlichtes, unter dem Hillarys Leben seziert wird: “Ihre Ehe, ihr Haare, ihre Hosenanzüge, ihre Stimme, ihr Lachen – alles wichtiger als ihr Abstimmungsverhalten vor dem Irakkrieg”, meckert die Kult-Buchkritikerin Michiko Kakutani von der “New York Times”.
Die Autorinnen des neuen, provokanten Hillary-Buches machen sich teils mit Häme, Humor aber auch blankem Zynismus ans Werk beim Erstellen der Kapitel eines komplexen Hillary-Psychograms: “Ich glaube dass hinter der Fassade noch die alte Hillary, die vor ihrem Einzug ins White House als First Lady steckt”, heißt es: “Die offensichtlich gefärbten Haare, das Haarband, die Riesenbrillen. Nun, hätte sie sich maskariert, für dem Sturm ins Oval Office: “Ich wundere mich, wie viel Forschungsarbeit, wie viele Umfragentests abgehalten wurden, um sie in diesen gelben Hosenanzug zu stecken?” Die Tragik: Die US-Politik verbiete offenbar, dass Hillary in einer femininen Rolle reüsieren könne.
Als kalt und kalkulierend wird Hillary aber auch beschrieben, sogar ihre größten Demütigungen ausnützend: “Als 1992 Bills Affären seine Kandidatur gefährdeten, rettete sie ihn – und erhielt prompt eine führende Rolle in seinem Kabinett, wo sie dann das Debakel um die Gesundheitsreform zu verantworten hatte”. Als der Megaskandal “Monicagate” absurde Details von Bills Oralsexverkehr mit der Praktikantin Monica Lewinsky zu Tage förderte, hätte Hillary ihre hohen “Mitleids”-Popularitätswerte prompt für den Start ihrer Solo-Politkarriere benützt.
Ausgeleuchtet wird auch das Phänomen des puren Hillary-Hasses: “Die Internet-Suchmaschine Google fördert etwa bei der Begriffskombination “Hillary +Schlampe” 208.000 Resultate zu Tage”, testete eine Autorin: Mit dem Stigma als “grantige, liberale, alte, frustrierte und lesbische Xantippe soll sie als unwählbar denunziert werden. Es sei die Urform der Frauenfeindlichkeit: Und der Beweis, wie hoch die Hürden immer noch sind für die erste mögliche Mrs. President.
Hillary sei Bill emotionell ausgeliefert, wird ein Erklärungsmodell für den Fortbestand des mysteriösesten Ehebund des Planeten geliefert: Sie sei “süchtig nach ihm”, wird Clinton-Helfer Dick Morris zitiert, und er brauche sie “als Retterin”. Sie wiederum blühe auf, wenn sie ihm “aus der Patsche helfen” könne. Dabei versuche sie, die bittere Wahrheit über ihren Serienehebrecher-Gatten zu verdrängen: Die erste Eheberatung gab es erst 1998 am Höhepunkt des Lewinsky-Dramas, niemals ließ sie durchblicken, wie viel sie über Gennifer Flowers, Paula Jones und dutzende andere Bill-Mätressen wusste. “Immer scheint sie zielstrebig auf den Weg, der vor ihr liegt, zu konzentrieren”, heißt es.
Ihre mögliche Rückkehr ins White House wird sogar mit einer Monarchie verglichen: “Der Eindruck entstehe, dass sie letztendlich nur im Schlepptau des Ex-Präsidentengatten Bill ihr Ziel erreicht habe”, so ein weiterer Beitrag: Hillary Clinton alleine? Ohne Bill? Ohne die Jahre als First Lady? Unmöglich schließt die Autorin provokant. In einer Buchpassage wird zugespitzt zusammengefasst, welchen Spagat Hillary auf ihren möglichen Weg als erste Frau ins Oval Office hinlegen müsse: “Ihre Weiblichkeit hängt wie eine Last an ihrer Kampagne, die Schwierigkeit, eine Frau zu sein ohne untertan zu wirken, feminin ohne häuslich zu sein, sexuell attraktiv ohne Fragen über den Intellekt zu provozieren”. Dabei versuche es Hillary einfach zu verkrampft, und wirke auch deshalb oft nicht authentisch.
Das Werk endet mit der These, dass Hillary – wie andere berühmte Blondinen á la Marilyn, Madonna und Diana – zum Lieblingsobjekt des regelrechten Zerpflügens ihrer Eigenschaften durch akademisch gebildete Frauen geworden ist”. Klar werde auch, “dass ihre eigentliche Bilanz als Politikerin immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird”, so Kritikern Kakutani.

# 7. Februar: Hillary wird selbst zum ihrem besten Gönner

Erst jetzt werden Details bekannt, wie knapp die Kampagne von Ex-First-Lady Hillary Clinton in den Tagen vor dem “Super Tuesday” an einer Katastrophe vorbeischlitterte: Fünf Millionen Dollar ihres Privatvermögens musste die einst souveräne Frontrunnerin zuschießen, gestand sie jetzt ein. Sie wollte angesichts der Rekordspendenflut (32 Millionen Dollar im Jänner) für ihren Kontrahenten Barack Obama “wettbewerbsfähig” bleiben. Hillary sprach angesichts des “Unentschieden” von einem “guten Investment”. Die Geldprobleme begannen in Iowa: Drei Millionen etwa bezahlte Hillary Meinungsforscher Mark Penn für seine meist falschen Prognosen. Danach reiste sie im Presseflieger, da kein Geld für Privatjets da war. Fragen über die künftige Schlagkraft von Hillarys Wahlkampfmaschinerie werden laut: Top-Strategen arbeiten ohne Bezahlung. Hillary hat ihre Spender bereits abgeschöpft, weitere Zuschüsse aus der Clinton-Kassa wurden angedeutet. Geld haben sie: Das Privatvermögen der Clintons wird auf 50 Millionen Dollar geschätzt. Laut einer Delegierten-Hochrechnung des TV-Senders NBC führt Hillary knapp mit 1.148 zu 1.072 Stimmen. Doch in den nächsten sieben Vorwahlen bis Dienstag wird Obama favorisiert. Leicht könnte er sie überholen.

# 7. Februar: Romney OUT!

Vietnam-Held John McCain ist praktisch der Republikaner-Kandidat in der Schlacht ums Oval Office – nachdem sein Hauptkontrahent, Mormonen-Millionär Mitt Romeny, überraschend das Handtuch warf. “Ich will nicht durch einen prolongierten Kampf die Chancen unseres Kandidaten verringern”, so Romney in einem Statement. Der Olympia-Organisierer der “Salt Lake”-Spiele 2002 und Ex-Gouverneur von Massachusetts verfehlte am Super Tuesday seine letzte Chance, Favoriten McCain Paroli bieten zu können: Mit 256 Delegiertenstimmen liegt er gegen McCains 720 hoffnungslos zurück. Besonders, nachdem ihm Ex-Prediger Mike Huckabee seine Rolle als “sozialkonservative Alternative” zum, beim rechten Republikaner-Flügel verhassten McCain, streitig machte. Romney beendete seine glücklose Kampagne, in die er 35 Millionen Dollar seines Privatvermögens pumpte, mit brutalem Sperrfeuer gegen die möglichen “Dems”-Gegner, Hillary Clinton oder Barack Obama: “Ich werde alles tun, um deren Sieg zu verhindern, da die sich den Terroristen ergeben würden!”

# 6. Februar: Super-Unentschieden

Eigentlich hätte der “Super Tuesday” jener Tag sein sollen, wo entweder die Ex-First-Lady Hillary Clinton oder der farbige Senkrechtstarter Barack Obama die finale Siegerrede hätten halten sollen. Mit der Hälfte der 4.049 Delegiertenstimmen ermittelt, sahen Politexperten zu diesem Zeitpunkt die Kür des Demokraten-Kandidaten oder der Kandidatin für die Schlacht ums Oval Office fixiert. Doch in diesem “unglaublichen Primaries-Ringkampf”, so TV-Kommentator Tim Russert, gibt es keine frühen KO-Schläge.
“Wir brauchen eine Präsidentin, die bereit ist, die USA von Tag Eins an zu führen”, rief Hillary im “Manhattan Center Studio” ihre Mantra in die Menge. “Ich habe die Gabe, die Nation zu vereinen”, munterte Chrismabombe Obama seine Fans in Chicago auf. Es waren keine Siegerreden, sondern Kampfschreie für Runde II des Titanen-Thrillers – nach dem “großen Unentschieden” (Russert) des historischen Megawahltages:
# Hillary siegte in acht Staaten, darunter die Giganten New York und Kalifornien;
# Obama holte 14 Siege, neben seinem “Heimatstaat” Illinois, einige Südstaaten á la Georgia und eine Serie an Staaten rund um die “Rockies”.
Bei den Delegierten ist es ebenfalls fast ein Gleichstand: Hillary hat 825, Obama 732 – ein weiter Weg bis zur magischen Siegermarke von 2.025.
Und auch zum Ausspannen gibt es keine Zeit für die beiden erschöpfen Stars (Hillary etwa musste ein TV-Interview wegen einem Hustenanfall abbrechen): Bereits am Samstag geht es in Louisiana, Nebraska und Washington um 195 weitere Delegierte, nächsten Dienstag in D.C., Maryland und Virginia um 238 und Anfang März, dem “Super Tuesday II”, in vier Staaten, drunter die Riesen Texas und Ohio, um 441 Stimmen.
Doch wer gewinnt den zermürbenden Vorwahlkrimi letztendlich?
# Viele US-Politologen sehen “Vorteil Obama” je länger das Match dauert: “Seine Bewegung kommt immer mehr in Schwung”, so “Daily News”-Kommentator Errol Louis: “Die Uhr tickt für Obama!” Ermutigend sind die “Exit Polls”, das Barometer über Wählermotive: Er gewinnt alle Altersgruppen bis 50 Jahre. Und Obama schnitt mit 43 Prozent wieder überraschend stark unter Weißen ab, wie die Siege von Utah bis Kansas illustrieren. Dazu sticht sein Ruf nach “Change” (Wandel) Hillarys Erfahrung fast 2 : 1 aus. Und Obama schwimmt in Geld: Mit 32 Millionen Dollar sammelte er im Jänner mehr als doppelt so viel wie Hillarys 13,5 Millionen.
# Hillary hält dagegen mit Frauen-Power: Mit 51 zu 46 Prozent liegt sie bei Wählerinnen voran, wie auch bei Latinos. Dazu hilft Hillary, dass sie trotz dem konstanten Hype um Obamas Armee an Celebrities mit stetigen Siegen Delegierte sammelt und ihren Frontrunner-Status stoisch verteidigt.
Am Ende könnten sogar nicht die US-Wähler sondern das Demokraten-Parteiestablishment entscheiden: Die 796 “Superdelegierten”, Parteigrößen, die abstimmen können wie sie wollen.

# 5. Februar: Super Tuesday

Der Medien-Hype, die Euphorie Zehntausender und die Schärfe der Attacken erinnerte eher schon an das Wahlkampf-Finale um die Nachfolge von US-Präsident George W. Bush im November – dabei geht es erst um die parteiinterne Vorausscheidung zur Kür der Demokraten- und Republikaner-Kandidaten fürs Oval Office. Bis zum Umfallen kämpfen die Stars der spannendsten Vorwahl-Saison der US-Geschichte – und der Primaries-Thriller der “Dems” zwischen Ex-First-Lady Hillary Clinton und dem schwarzen Senkrechtstarter Barack Obama geht nach dem “Tsunami Tuesday”-Megawahltag (Primaries in 24 Staaten) in die nächste Phase.
Mit den Kriegskassen beider Camps prall gefüllt und einem Spendenaufkommen auf konstantem Rekordniveau (Obama lukrierte allein im Jänner 32 Millionen Dollar, Hillary 13,5 Millionen) wird in weiteren US-Staaten in den nächsten 30 Tagen um 1.029 weitere, der total 4.049 “Dems”-Delegierten, die letztendlich die Nominierung entscheiden, gerangelt: Bereits am Samstag geht es in Louisiana, Nebraska und Washington um 195 Delegierte, Tage später folgt die US-Kapitale D.C., Maryland und Virginia – und schließlich Anfang März die delegiertenreichen Riesen Texas und Ohio.
Für einen rascheren Durchbruch war zuletzt Republikaner-Frontrunner, Vietnam-Kriegsheld John McCain, gegen seinen Top-Kontrahenten, Mormonen-Millionär Mitt Romney, favorisiert worden. Und McCain zeigt auch in ersten Umfragen eines hypothetischen Duells gegen die Dems-Stars Stärke: Gegen Hillary führt er im Schnitt mit 46,3 zu 44,5 Prozent, gegen Obama liegt er haarscharf mit 44,4 zu 45,1 Prozent zurück. Bereits jetzt wurde das Feuer eröffnet: McCain wolle Bushs Katastrophenkurs prolongieren und US-GIs “gleich 100 Jahre im Irak belassen”, tobte Hillary.
Doch vor allem das historische Demokraten-Duell zwischen einer Frau und einem Afro-Amerikaner zieht die USA, und die Welt in den Bann:
# Massenmagnet Obama lockte bei seinen vier letzten Auftritten vor dem Super Tuesday insgesamt 76.000 Menschen in die Arenen. “Unsere Zeit ist jetzt”, rief Obama, dessen Bewegung “Obamamania” über Amerika schwappt, mit heiserer Stimme. Eine ganze Armee an Celebrities marschiert hinter dem Senkrechtstarter, darunter der Kennedy-Clan, Hollywood-Stars von George Clooney bis Scarlett Johansson, sowie Musikgrößen á la Steve Wonder und “Black Eyed Peas”-Rapper “will.i.am”.
# Hillary punktet mit Erfahrung und setzt auf Frauen-Power: Eine halbe Million gab sie für eine ganze Stunde Werbezeit am “Hallmark”-Hausfrauenkanal aus. Bei einem Auftritt an der Elituni Yale kamen ihr prompt am Vorabend der Primaries-Schlacht wieder die Tränen – eine “Taktik”, wie nun alle glauben, die sie bereits in New Hampshire vor dem Untergang gerettet hatte. Beruhigen wollte sie die Amerikaner jedoch, welche Rolle ihr zuletzt angriffiger Gatte Bill spielen könnte. “In meinem White House habe ich die Hosen an”, sagte sie.

# 4. Februar: Super Tuesday -1

Es waren leidenschaftliche Schlussplädoyers, die Ex-First Lady Hillary Clinton und der farbige Senkrechtstarter Barack Obama im turbulenten Finale des Wahlkampfmarathons vor dem “Super Tuesday”-Thriller hielten. “Sie haben uns alle abgeschrieben”, rief Obama, seine Stimme strapaziert, in die Menge tausender, tobender Fans in East Rutherford, New Jersey: “Wir beenden den Krieg im Irak, wir bringen Krankenversicherungen für alle – die Zeit für den Wandel ist jetzt!” “Yes we can!” (Ja, das können wir!) skandierten die Fans den Schlachtruf der “Obamamania”, der Welle an Euphorie, die über Amerika schwappt. Obama erhielt massiven Auftrieb durch eine Welle spektakulärer Coups an Wahlempfehlungen: Zuletzt gesellte sich auch noch Arnie-Gattin Maria Shriver in den Riege des nun Obama huldigenden Kennedy-Clans.
Der Kontrast der rockkonzertähnlichen Obama-Feste zu den sachlich-traditionellen Wahlveranstaltungen Hillarys ist unübersehbar: “Nur ich kann den Attacken der Republikaner widerstehen”, argumentierte sie in New Haven, Connecticut, ihre Zuhörer deutlich getrennt von der Bühne. Hillarys Argument: Sie habe das “Know-How”, Bushs Karren von Tag Eins im Oval Office an aus dem Dreck zu fahren.
Und dann kamen ihr fast wieder die Tränen: Im kleineren Rahmen bei einer Diskussion in New Haven, Connecticut, wurden ihre Augen wieder feucht, berichteten Augenzeugen. Dann stockte nach einer Frage über “Health Care” ihre Stimme, fast eine Minute lang. Sichtlich erschöpft deutete die einst souveräne Demokraten-Frontrunnerin, dass sie ein Glas Wasser möchte.
Hillarys Nervosität ist angesichts der Intensität des neuerlichen Obama-Frontalangriffes verständlich: Laut “Gallup” hat er in US-weiten Umfragen ihren einst gewaltigen Vorsprung mit 44 zu 45 Prozent bereits fast ausradiert. Dramatische Kopf-an-Kopf-Rennen werden in den großen Schlachtfeld-Staaten des Riesenwahltages mit Demokraten-Primaries in 22 Staaten erwartet, allen voran Kalifornien. Lange galt Hillary dort mit bis zu 30 Prozent Vorsprung in den Umfragen als Top-Favoritin — doch Obama hat plötzlich nach einer dramatischen Aufholjagd im Umfragenschnitt mit 40 zu 41 Prozent gleichgezogen. Heiß umkämpft sind inzwischen auch New Jersey, Massachusetts oder Connecticut, einst klare Hillary-Hochburgen.
“Wird das sein ihr Tag?”, titelte bereits der Internet-”Drudge Report” über einem Jubelbild von Obama mit seiner Gattin Michelle.
Und auch die Medien haben wieder Blut geleckt: Hillary habe bei ihrer Behauptung, “35 Jahre Erfahrung im Dienste der Bürger” zu haben, übertrieben, enthüllte eine Lokalzeitung in Kalifornien. Wegen ihres Vorschlages, alle Bürger müssten eine verpflichtende Krankenversicherung haben, könnten Teile des Gehaltes einbehalten werden, schürte die “New York Times” eine Panik unter Geringverdienern.
Das Wahlsystem bei den Dems könnte für eine Vorwahl-Odyssee weit über Dienstag hinaus sorgen: Die letztendlich die Kandidatenkür entscheidenden Delegierten-Stimmen werden proportional vergeben. Nach dem Kampf um 2.073 Delegierte am Super Tuesday, könnten weniger als 100 Stimmen Hillary und Obama trennen, so Experten: Die magische Siegermarke von 2.025 wäre für beide dann immer noch weit entfernt.

# 4. Februar: Big Mac

Während die USA und die Welt wegen dem Demokraten-Thriller den Atem anhält, könnte bei den Republikanern Vietnam-Held John McCain am Super Tuesday seine Kür zum Oval-Office-Kandidaten fixieren. Stunden vor dem Riesenwahltag (21 Staaten bei den Konservativen) führte McCain mit einem Riesenvorsprung in US-weiten Umfragen laut Gallup von 42 zu 24 Prozent vor Mormonen-Millionär Mitt Romney. McCain dürfte davon profitieren, dass die Republikaner nach dem System “Winner takes it all” alle Delegiertenstimmen, die letztendlich über die Nominierung entscheiden, dem Sieger in einem Staat zuordnen. Doch McCain, der mit 71-Jahren älteste, mögliche Vorwahlengewinner, warnte seine Fans vor frühzeitigem Jubel: “Es geht um jede Stimme”, rief er bei einem Auftritt. Besonders ultrarechte Republikaner des sozialkonservativen Flügels machten bis zur letzten Minute gegen den, ihrer Ansicht nach, in Sachen Abtreibung oder Immigration zu “moderaten” McCain mobil.

# 4. Februar: Obamas Celebrity-Armee

Als hätte der glamouröse Event noch einer Draufgabe bedurft: Da stand die bei Frauen hochpopuläre Talk-Queen Oprah Winfrey vor über 10.000 Fans in einer Halle der “UCLA”-Uni in der Kalifornien-Metropole Los Angeles, neben ihr Caroline Kennedy-Schlossberg, Tochter der 1963 ermordeten Präsidentenlegende JFK und Michelle Obama, Gattin des farbigen Höhenfliegers Barack. Doch die große Überraschung sollte erst folgen: Plötzlich betrat Maria Shriver, die Nichte JFKs und Gattin von “Governator” Arnold Schwarzenegger, unter tosendem Beifall die Bühne. “Mein Auftritt war nicht geplant”, sagte sie: “Als ich heute in der Früh aufwachte, wusste sich – mein Platz ist hier!”
Der Obama-Hype ist längst zur Bewegung geworden, sie zieht Celebrities in Hollywood bis Politstars wie den Kennedy-Clan in ihren Bann – und sie geht oft quer durch Familien: Shrivers Gatte Arnie etwa, hatte sich noch vor Tagen für Republikaner-Favoriten John McCain ausgesprochen. Doch Maria – und am ehesten seine beiden Teenager-Töchter Katherine und Christina – dürften sichergestellt haben, dass er auch warme Worte für Obama fand: Der habe die Gabe, “Menschen zusammenzubringen”, lobte Arnie kürzlich den charismatischen Hoffnungsträger, Spitzname “schwarzer Kennedy”.
Vor allem Oprah, deren tägliche Talkshow sieben Millionen vor die TV-Schirme lockt, soll Obama helfen, seinen Rückstand gegenüber Hillary an der Frauenfront zu verringern. Obama baut dazu in Hollywood seine Fanbasis aus: Filmschönheit Scarlett Johansson scherzte kürzlich, sie sei mit Obama “verlobt”, George Clooney zählt ebenso zu den enthusiastischen Obama-Fans wie Musiklegende Steve Wonder. Dazu sorgt ein mit Stars vollgepacktes Musikvideo für Aufsehen, produziert von der Hip Hop-Kultgruppe “Black Eyed Peas”. Titel: “Yes we can!”, Obamas Schlachtruf. Geradezu bieder wirkt da Hillarys Promi-Fangruppe, inklusive Regisseurlegende Steven Spielberg oder Schauspielerin Jamie Lee Curtis. Und Hillary setzt auf Hausfrauen-Power: Sie kaufte eine Stunde an Werbezeit am “Hallmark Channel”.

# 4. Februar: Maria Shriver: “Obama ist wie Kalifornien”

Tausende in der Halle schrieen auf, als Kaliforniens First Lady, Arnie-Gattin und JFK-Nichte beim Obama-Frauen-”Fest” mit Talkqueen Oprah Winfrey, JFK-Tochter Caroline Kennedy und Michelle Obama völlig überraschend auftauchte. Sie sei dem Motto der Ex-First Lady Eleanor Roosevelt gefolgt, erläuterte sie: “Traue dich, jeden Tag etwas zu tun, das dir Angst einflößt”. Es sei tatsächlich oft “furchteinflößend”, wenn man seiner eigenen inneren Stimme folge und sich nicht beirren ließe. Aber wer sich selbst treu bleibe habe keine andere Wahl, so Shriver: “Und deshalb stehe ich hier! Nicht weil ich mit Caroline verwandt oder mit Oprah befreundet bin – sondern weil ich hier sein wollte!” Die Entscheidung sei völlig spontan gewesen: Als sie am Morgen aufwachte, rief Shriver in der tosende Menge, wäre ihr klar geworden: “Ich muss Obama unterstützen!” Tochter Katherine, eine “Erstwählerin” hätte ihr geholfen: “Mommy, wenn du glaubst, dass du eine einige Stimme bringen kannst, dann tue es”. Shriver glaube, dass Wahlen wie das Leben sind, es geht um Momente”. Und je mehr sie darüber nachdachte, desto klarer wurde alles: “Hier ist wieder solch ein Moment”. Und: “Wenn Barack Obama ein Staat wäre, wäre er Kalifornien – divers, offen, smart, unabhängig, innovativ, inspirierend, träumend und ein Leader”. Shriver weiter, die Halle längst am Kochen: “Und es geht bei ihm nicht um ihn selbst, sondern um uns – und ich weiß wie schwer es ist, Menschen zusammenzubringen”. Es ginge um unsere Macht: Was könnten wir zustandebringen, so Shriver, wenn wir gemeinsam zupacken? Shriver: “Obama inspiriert uns alle, macht uns Hoffnung, wieder träumen zu können, alles trennende – politisches, ethnisches oder altersmäßiges – zu überwinden”. Poetischer Nachsatz: “Wir sind die, auf die wir gewartet haben!” Und in “diesem Moment” könnte Amerikas Zukunft entschieden werden, schloss Shriver.

# 3. Februar: The final hours…

Ex-First-Lady Hillary Clinton und Charismabombe Barack Obama kämpften die letzte Stunden vor dem größten Vorwahl-Thriller seit Generationen fast bis zum Umfallen um jeden Stimme: Die Hälfte der 4.049 Delegiertenstimmen – die entscheiden, ob “Hil” oder “Bam” am 4. November für die Demokraten um die Bush-Nachfolge kämpfen dürfen – stehen in 22 Staaten am “Tsunami”-Dienstag am Spiel. Der Showdown zwischen der Pragmatikerin und dem Hoffnungsträger eskaliert in den “Schlachtfeldstaaten”:
# In Kalifornien, den mit 441 Delegierten größten Preis des historischen Megawahltages, holt Obama mächtig auf: Mit Hollywoods Star-Elite, der unter Frauen hochpopulären Talkqueen Oprah Winfrey und dem Kennedy-Clan im Rücken liegt er laut “Zogby/Reuters”-Umfrage erstmals mit 45 zu 41 Prozent voran. Andere Umfragen zeigen ihn knapp hinter Hillary. Hillary musste prompt ihre “Krisenfeuerwehr”, den neuerdings charmanteren Gatten Bill, entsenden.
# In Hillarys “Heimatstaat” New York (280 Delegierte) liegt die erste Frau mit Chancen aufs Oval Office laut einer “Marist”-Umfrage mit 54 % zu 38 % noch deutlich vor dem “schwarzen JFK”, trotz einem Totaleinsatz meist junger Obama-Fans, die die Metropole mit Werbematerial überschwemmen.
# Das grassierende Obama-Fieber sorgt für sensationelle Umfragen-Resultate auch in New Jersey (127) und Missouri (88), wo Obama plötzlich knapp die Nase vorne hat. Seine Führungen im “Heimatstadt” Illinois (185), sowie dem Südstaat Georgia (104), konnte er klar verteidigen.
Laut “Washington Post” liegt Hillary US-weit ebenfalls nur mehr haarscharf mit 47 zu 43 Prozent vor Obama. US-Experten ist klar: Durch den Thriller dürfte der Super Tuesday kaum eine Entscheidung bringen.

# 3. Februar: Big Mac vor dem Sieg?

Mormonen-Millionär Mitt Romney ließ sich nach seinem “Caucus”-Sieg mit 52 zu 21 Prozent vor Vietnam-Helden John McCain im Neu-England-Zwergstaat Maine nochmals feiern. Es könnte des letzte Mal sein, dass sich ein derart strahlender Romney den TV-Kameras präsentiert. Denn McCain führt US-weit laut “Washington Post” Stunden vor dem Super Tuesday mit Republikaner-Vorwahlen in 21 Staaten deutlich mit 48 zu 24 Prozent vor Romney, in Kalifornien und New York liegt “Big Mac”, so der neue Spitzname des Republikaner-”Comeback Kid”, ebenfalls klar voran. Kaum ein US-Politologe bezweifelt, dass McCain nach dem Riesenwahltag die Nominierung bereits fix in der Tasche haben könnte. Letzter massiver Widerstand kommt vom rechten, sozialkonservativen Flügel, der den zweifach geschiedenen, in Sozialfragen moderaten McCain nicht ausstehen kann. In seiner Radioshow wirbt der rechte Hetzer Rush Limbaugh für Romney, die provokante, ultrarechte Autorin Ann Coulter polterte, sie würde sogar lieber Hillary als McCain wählen.

# 2. Februar: Die Schlacht um Kalifornien!

Der “schwarze Kennedy” Barack Oabma will nun auch die größte Schlacht des kommenden Super Tuesday, wenn die “Dems” in 22 Staaten Primaries abhalten, in einen Thriller verwandeln: Noch führt Kontrahentin Hillary Clinton im Megastaat Kalifornien (38 Millionen Einwohnern) im Umfrageschnitt mit 11,7 Prozent. Doch Operation Obama dampft auf allen Zylindern: Am Sonntag wirft sich Obamas Geheimwaffe bei Wählerinnen, die Talkqueen Oprah Winfrey, deren Show täglich sieben Millionen, meist Frauen sehen, wieder in die Schlacht. Gemeinsam mit der feurigen Obama-Gattin Michelle und JFK-Tochter Caroline Kennedy tritt sie in L.A. auf. Die Werbetrommel in Hollywood rührt auch Megastar George Clooney. Dazu erhielt Obama die Wahlempfehlung der mit 650.000 Mitgliedern größten Kalifornien-Gewerkschaften SEIU. Der als Einwanderungsreformer hochpopuläre Sentor Ted Kennedy kämpft für Obama um die wichtige Latino-Wählergruppe. Obama, der im Jänner über seine Website die Rekordsumme von 32 Millionen Dollar lukrierte, schaltet bereits in 24 Staaten TV-Spots, in doppelt so vielen wie Hillary. Doch die Zeit werde für ihn “knapp”, analysiert die “Washington Post”. Obamas Strategie: Den Rückstand gegen Hillary am Super Tuesday gering halten — und sie dann in späteren Primaries überholen.

# 1. Februar: Schmusekurs im TV-Duell

Die USA hatte einem neuen Krieg der Worte beim großen TV-Duell zwischen Ex-First-Lady Hillary Clinton und dem farbigen Illinois-Senator Barack Obama in Hollywood entgegengefiebert – doch die Demokraten-Stars setzten auf Schmusekurs. Vier Tag vor dem “Tsunami Tuesday”, dem Megawahltag mit Primaries in 22 Staaten von Kalifornien bis New York, wollten beide “einen positiven Eindruck” hinterlassen, so TV-Kommentator Tim Russert.
Schärfere Töne gab es im glamourösen “Kodak Theatre”, wo sonst die Oscars vergeben werden und Stars von Stevie Wonder bis Steven Spielberg lauschten, nur zum Irakkrieg: Obama kritisierte Hillary neuerlich massiv für ihr “OK” zu Bushs Irakkrieg im Senat in 2002. “Wichtig ist, richtig zu liegen am ersten Tag”, spielte Obamas auf Hillarys Slogan an, durch ihre Erfahrung sei nur sie bereit an Tag Eins im Oval Office. Die Bilanz der Experten: Hillary dominierte mit Detailwissen, Obama hielt mit cooler Gelassenheit und Humor dagegen.
Mehr als die Kontraste untereinander, präsentierten sich die “Dems”-Stars als klare Alternative zu, wie sie suggerierten “Kriegstreiber” John McCain, den Republikaner-Favoriten. Als sie sich am Ende auch auch noch freundliche Worte ins Ohr flüsterten, hoffte die Demokratenbasis bereits auf ein “Dreamteam”.
Hillary dürfte ihre leichte Favoriten-Rolle am Dienstag mit der soliden Debatten-Performance bestätigt haben: Sie führt laut Umfragen in den meisten Staaten. Doch viele der lokalen “Polls” reflektieren Obamas dramatische Aufholjagd nach seinem South-Carolina-Triumph und der Kennedy-Wahlempfehlung noch nicht ganz: Denn US-weit liegt er laut “Gallup” mit 39 zu 43 Prozent nur mehr vier Prozent hinter Hillary, ein Sprung von elf Prozent in nur einer Woche. Die neue Welle an “Obamamania” spülte 32 Millionen Dollar von 170.000 Spendern in seine Kriegskasse, mit einer Million pro Tag ein einsamer Spendenrekord. Nun schaltet er mit TV-Spots in 24 Staaten, Hillary bloß in 12. Wenn Obama am Super Tuesday trotz einer Niederlage den Eindruck erweckt, er hole weiter auf, so Russert, “geht die Schlacht weiter”.

# 1. Februar: Der gefolterte McCain

Einen “Amerikanischen Helden” hatte Rudy Giuliani seinen Freund John McCain bezeichnet. Keine Übertreibung: Bei einem Bombenflug über die zentrale Heizanlage Hanois wurde McCains Kampfjet “A-4 Shyhawk” 1967 von einer “SA-2”-Luftabwehrrakte russischer Bauart abgeschossen. Der Einschlag zertrümmerte seine Arme und Beine, fast ertrank er nach der Fallschirmlandung im “Truc Bach”-See. Ein aufgebrachter Mob malträtierte ihn mit Tritten, Bajonettstichen. Die Kleider wurden ihm vom Leib gerissen, die Schulter ausgerenkt. Seine schweren Verletzungen unbehandelt landete McCain als Kriegsgefangener (POW) im “Hanoi Hilton”. Zwei weitere POWs glaubten nicht, dass er eine Woche lang überleben werde: McCain hatte 23 Kilo verloren, seine Haare schneeweiß. Zwei Jahre verbrachte er in Isolationshaft. Immer wieder Folter. Das Angebot einer Freilassung lehnt McCain ab: Nur mit allen Kameraden werde er gehen! 1973 kehrte er nach fünfeinhalb Jahren in der Dschungelhölle in die USA zurück, wurde zum Star, als er auf Krücken Nixon begrüßte. Das Katapult für den Beginn seiner Politikerkarriere.

# 1. Februar: “Krönungszeremonie” für McCain?

Vietnam-Held John McCain könnte nach einer Welle an Primaries-Siegen und hochkarätiger Wahlempfehlungen zur Kür als Kandidat der Republikaner in der Schlacht ums Oval Office segeln. Zuletzt stellte sich Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger, der mit über 60 Prozent Zustimmung populärste Republikaner des Landes, hinter den 71-Jährigen Senator. McCain sei ein “Leader im Kampf gegen den Klimawandel”, sagt Arnie nach einer Tour mit McCain durch einer Solarfabrik. Dazu habe McCain die Gabe, Menschen zusammenzubringen, um parteiübergreifend die USA zu regieren.
Bereits Tage zuvor hatte Arnie zugegeben, irgendwie einen Tick für Kriegshelden, “toughe Kerle mit gutem Humor”, zu haben. Arnies Huldigung machen McCain zum Top-Favoriten in Kalifornien, dem mit 160 Delegierten größten Preis am kommenden “Super Tuesday”, wenn 21 Staaten Primaries abhalten. In fast allen der Staaten, in denen Umfragen vorliegen, führt McCain, dessen martialische Rhetorik mitunter sogar die von US-Präsident George W. Bush übertrifft als er US-GIs etwa noch 100 Jahre im Irak stationiert sah, doch im Senat als Moderater bekannt ist. Auch Rudy Giuliani pries ihn: “Wir brauchen Helden im White House”, so New Yorks Ex-Bürgermeister, der nach seinem Florida-Waterloo das Handtuch geworfen hatte.
Vor unseren Augen läuft hier eine “Krönungszeremonie” bei den Republikanern ab, so TV-Kommentator Chris Matthews: Die Partei, der sozial-konservative Flügel wegen McCains moderaten Ansichten zu Abtreibungsfragen und Einwanderern zähneknirschend, marschiert nun zusehends “im Gleichschritt” hinter McCain. Sein schärfster Kontrahent Mitt Romney, wehrte sich verbissen in der TV-Debatte: Er versucht McCain als “Liberalen” zu denunzieren.
McCains Schwarzeneggers-Coup könnte auch die Ambitionen von New Yorks Milliardär-Bürgermeister Michael Bloomberg überschatten, der sich bei seiner möglichen Kandidatur als “Independent” zu lange, so Kritiker, Zeit lasse. Busenfreund Arnie konnte nicht mehr länger zuwarten, Farbe zu bekennen. Antreten will hingegen Umwelt-Aktivist Ralph Nader, dessen Stimmen 2000 Al Gore im Florida-Thriller das Oval Office kosteten.
Beim “Dems”-Thriller zwischen Ex-First-Lady Hillary Clinton und Charismabombe Barack Obama heizte sich das nach dem Exit von John Edwards pure Zweierduell Stunden vor der großen TV-Debatte in Hollywood, L.A., weiter auf. Obama attackierte die am Super Tuesday favorisierte Hillary als eine “polarisierende Figur”, die das Land zurück in die Vergangenheit führe. Hillary konterte: Nur sie sei erfahren genug, Bushs US-Karren von Tag Eins an aus dem Dreck zu fahren.

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