Stories 2008-10

# 31. Oktober: Obama vor Triumph

Arbeiter zimmern im weitläufigen Chicagoer “Grant Park” rund um die Uhr. Sie errichten Tribünen, eine gigantische Bühne, Sektoren für Zuseher. Stimmen die Umfragen in der US-Wahlschlacht 2008 könnten Amerika die spektakulärsten Bilder seit Generation erleben: Eine Million Menschen am Ufer des Lake Michigan, die hell erleuchtete Skyline der Illinois-Metropole im Hintergrund. Dankesworte des ersten zum US-Präsidenten gewählten Afroamerikaners könnten durch das Menschenmeer hallen. Es wäre einer der historischsten Momente der 232 Jahren alten Supermacht überhaupt, eine “politische Mondlandung” ebenso – wie eine unglaubliche Story. Und das alles mit dem Namen Barack Hussein Obama.
Doch an die geschichtsträchtigen Superlativen haben sich die Amerikaner nach 21 Wahlkampfmonaten, Serien rauschender Reden und Dauerträumen von einem Neubeginns gewöhnt. Bange wird gefragt: Kann Obama im Fall eines Wahltriumphes die angeschlagene USA mit 11,3 Billionen Dollar Defizit, Rezessionsängsten und Börsenbeben sowie zwei blutigen Kriegen aus der Krise führen? Und wie würde er als Präsident regieren?
Seine schillernde Bio sowie Taktiken und Stil während des Wahlkampfmarathons lassen Konturen erahnen. Der Aufstieg des schlacksigen Polittalent mit den geschmeidigen Bewegungen verzauberte die Welt – und gibt ihr Hoffnung. “Obama ist der erste Präsident, der nicht alles nur durch die US-Brille sieht”, so TV-Kommentator Chris Matthews: “Er ist ein echter Weltbürger”. Seine DNA und Lebensstationen rund um den Globus sind dafür verantwortlich: Von seiner Mutter Ann aus Kansas erlernte er “das Wertesystem des Mittleren Westens”, wie er selbst betont. Eine Visite in der Heimat seines Vaters in Kenia “öffneten ihm die Augen”. Als Tafelklassler drückte der die Schulbank mit Moslemkindern in Jakarta, Indonesien. Die Highschool und Uni verbrachte er in der toleranten Pazifikinsel Hawaii, einem Schmelztiegel mit Fernost. Seine bunte Verwandtschaft ist in vier Kontinenten verstreut. “Durch die Euphoriewelle, die um die Erde schwappen wird”, so der Bestsellerautor mehrer Präsidentenbios Robert Dallek, “kann Obama rasch Amerikas Führungsrolle wiederherstellen”. 200.000 hatten ihm schon diesen Sommer in Berlin zugejubelt.
Angesichts immer überwältigender Probleme wie die Weltfinanzkrise, dem drohenden Klima-GAU oder der Terrorbedrohung drängt die Zeit: Ein “Weltpräsident” könne Obama werden, träumt die ehemalige US-Botschafterin in Wien, Swanee Hunt, “der nicht nur Amerika sondern auch den Planeten eint zum Anpacken der wachsenden Herausforderungen”. Doch wenn auch nicht kriegslüstern wie der amtierende George Bush wird Obama Amerikas Militärmacht einsetzen – wie bereits angekündigt in Afghanistan oder Interventionen im Fall des Völkermordes wie zuletzt in Darfur. Seine Rhetorik geriet im Wahlkampf mitunter überraschend martialisch. Er forderte etwa eine härtere Gangart gegenüber Pakistan bei der Jagd nach Superterroristen Osama bin Laden.
An der Heimatfront dürfte das unbändige Charisma des größten Polittalents seit Legende John F. Kennedy Obamas zur stärksten Waffe werden, “als Cheerleader”, so der Politologe Shaun Bowler, könnte er das Klima für ehrgeizige Reformprojekte aufbereiten”. Immerhin: Obama schuf eine jugendliche Massenbewegung, die den einsamen Rekordwert von 605 Millionen Dollar in seine Kriegskasse spülte, das Fundament seines erfolgreichen Wahlkampfes. Seine Reformprojekte sind ehrgeizig: Er will die an geschlagene Wirtschaft aus der Rezession führen, die Finanzwelt reformieren, eine Reparatur des kaputten Gesundheitssystemes angehen, den Abstieg der US-Mittelklasse stoppen und Amerikas “Öl-Sucht” beenden.
Doch eines der größten Wahlversprechen ist, das Obama die Nation – nach dem instrumentalisierten Auseinanderdividierens der Bush-Wahlkampfstrategen wie Karl Rove – wieder vereinen möchte. Obama könne hat das Zeug dazu”, ist New-Mexico-Gouverneur Bill Richardson überzeugt, durch eine inspirierende, versöhnliche Politik “das Land wieder zu heilen”. Doch einige Kritiker warnen auch, das Obamas Aura und Starpower verborgene Schwächen übertünchen könnten – und mit Obama im Oval Office Ernüchterung folgen könnte. Seine Immobilien-Geschäfte mit dem korrupten Chicago-Geschäftsmann Antoin Rezko lassen Zweifel an seiner Urteilskraft aufkommen. Mitunter laue Kompromisse im Senat wurden von einigen als Mangel an Standfestigkeit gedeutet. Mit erst dreieinhalb Jahren in der A-Liga der US-Politik fürchten Skeptiker auch eine turbulente Lernphase mit viele klassischen Anfängerfehlern. Dallek entgegnet: “Urteilskraft, die er hat, ist wichtiger als Erfahrung”.
Wie trifft Obama seine Entscheidungen? Wie könnte nach der Inauguration am 20. Jänner im White House zugehen? Anders als Bush, der Einseiten-Memos liebte, kaum Widerspruch duldete und lange Debatte ein Gräuel waren, fordert, so ein Dossier in der “New York Times”, Obama seine Stab heraus: “Er will jede Idee aus dem Raum saugen”, so eine Beraterin: “Er fasst dann die Positionen aller Teilnehmer in eigenen, oft weit präzisieren Worten zusammen – und oft ist am Ende seine Entscheidung eine Überraschung für alle”. Doch anders als Clinton, dessen Brainstormings oftmals um 4 Uhr Früh auf mit Pizzaschachteln übersäten Tischen fruchtlos endeten, legt Obama Wert auf Disziplin: Seine Kampagne führte er straff, es gab kaum Grabenkämpfe im Team, Interna drangen kaum nach außen. Obama als Boss werde so gut wie nie laut. Leichte Anflüge von Ärger sind am ehesten zu beobachten, wenn er seine Fitnessstunde verpasst, scherzt ein enger Mitarbeiter: “Nur dort finde er wirklich Zeit klar zu denken”.

# 31. Oktober: Amerika vor Linksruck

Washington. Im Sog des White-House-Favoriten Barack Obama steht Amerika vor einem Linksruck: Die Euphorie um Obama könnte für die Demokraten bei den gleichzeitig am Dienstag abgehaltenen Kongresswahlen Legionen neuer Abgeordneter in beide Kammern des Kapitols spülen. Während im Repräsentantenhaus „Speaker“ Nancy Pelosi eine satte 254-zu-181-Mehrheit erwartet, ist vor allem die Schlacht um den Senat ein Thriller: Sogar Stars der Republikaner – wie Elisabeth Dole oder Mitch McConnell – torkeln. Die Demokraten hoffen auf eine „Supermehrheit“: Mit 60 Sitzen im 100-köpfigen Senat hätten sie genug Stimmen, um Obamas Reformprojekte gegen versuchte „Filibuster“, der Taktik zur Vereitlung von Abstimmungen, durchzuboxen.
Obamas Finale. Nur Jimmy Carter 1977 konnte zuletzt auf einen derart freundlichen Kongress zählen. Obama setzt in den letzten 72 Stunden des Wahlkampfdramas alles daran, um Rivalen John McCain keine Chance mehr zu geben: Sein Kampagnenjumbo landete in wenigen Tagen in 12 US-Staaten. Er führt weiter laut einer nationalen CBS/New York Times-Umfrage mit 52 zu 41 Prozent. In Florida kämpft nun auch Demokratenstar Al Gore für Obama.

# 30. Oktober: Obama-TV

Washington. Die Schussoffensive des demokratischen Favoriten für das Weiße Haus, Barack Obama, läuft auf Hochtouren: Mit einer berührenden Belangsendung übernahm Obama 30-Minuten lang zur Hauptsendezeit gleich sieben US-TV-Kanäle. Mit Kosten von fünf Millionen Dollar verkaufte er via „Obamavision“, so die New York Daily News, gekonnt sein Versprechen eines Neubeginns für Amerikas: Obama präzisierte von einem Oval-Office-ähnlichen Büro aus Reformprojekte. Er zeigte Schicksale einfacher Bürger, die im Bush-Amerika unter die Räder kamen. Ganz im Stil Hollywoods war Obamas schillernde Multikulti-Bio eingearbeitet worden, seine tollsten Wahlkampfreden, oder privates wie das Herumtollen mit den Töchtern Malia und Sasha.
30 Sekunden McCain. Obama wollte mit dem TV-Großangriff die „letzten Unentschlossenen“ erreichen, so Experten. Rivalen John McCain, dessen Gesamtwahlbudget von 258 Millionen Dollar gegenüber Obamas 600 Millionen mickrig wirkt und dem das Geld ausgeht, blieb nur ein 30-Sekunden-Spot zum kurzen Konter: „Obama ist zu unerfahren!“ Stunden später trat Obama dann erstmals mit Parteilegende Bill Clinton auf: Es wurde ein rauschendes Fest der Versöhnung nach den Blessuren während des bitteren Vorwahlkrimis gegen Hillay. Clinton jubelte: „Obama ist Amerikas Zukunft“.
Kernschmelze. Durch die Chance der frühen Stimmabgabe grassiert das Wahlfieber: 17 Millionen strömten busher zu den Urnen. Doch die Probleme eskalieren In Florida warteten Bürger bis zu fünf Stunden, in Colorado waren 30.000 aus aus Wahlregister entfernt worden. Der durch Obamas Popularität bei Jungwählern erwartete Ansturm könnte zur „Kernschmelze” führen, warnten Experten in der L. A. Times.

# 29. Oktober: Obame stürmt zum Oval Office

Washington. Demokratenstar Barack Obama stand in der Sportarena der Widener University bei Philadelphia, Pennsylvania, im peitschenden Regen. Kein Wetter für „Präsidenten-Anzüge“: Mit Lederjacke, Bluejeans und Turnschuhen klammerte er sich patschnass ans Podium: Den 9.000 Fans, die fröstelnd bei bei 5 Grad Celsius ausharrten, heizte er ein: „Genug mit der Politik, die unsere Wirtschaft in den Abgrund reißt und Bürgern Jobs kostet”, rief er. Hinter ihm schlägt ein Blitz ein. Student Chris Barrett filmte den dramatischen Moment, ein prompter Hit auf YouTube.
Appell. Obama punktet offenbar nun auch noch mit Wetterfestigkeit: Denn Rivale John McCain sagte einen Auftritt im 100 Kilometer entfernten Quakertown „wegen schlechtem Wetters ab. Mit dem Sieg vor den Augen plagt Obama nur mehr eine Sorge, so der Politologe Shaun Bowler zu ÖSTERREICH: „Sein Millionenheer vor allem junger Fans könnte im Glauben an einen Triumph den Urnen fernbleiben“. Täglich ruft er daher in die wachsenden Menschenmeere: „Geht wählen! Nehmt eure Freunde mit! Eure Nachbarn!“ Obama hofft vor allem auf die frühzeitige Stimmabgabe, die in 34 Staaten erlaubt ist: 3,4 Millionen gingen bereits wählen, vor allem Schwarze stürmten Wahllokale.
Kampf um Florida. Entschieden wird die Schlacht um die Bush-Nachfolge in fünf Tagen durch die in den 50 US-Staaten ermittelten 538 Wahlmännerstimmen. Vor allem in den wichtigsten „Battleground“-Staaten scheint der Obama-Sieg laut Umfragen fast schon „einzementiert“, so Bowler. In Pennsylvania führt er mit 12 Prozent, in Ohio mit neun. Sogar in Kampf um Florida könnte mit sieben Prozent Vorsprung schon eine Vorentscheidung gefallen sein. Die Wahlmänner-Prognose des Webdienst „RealClearPolitics“: Obama 311 Stimmen, McCain 157. Noch umkämpft: 70. 270 sind zum Sieg nötig. McCain geben knappe, US-weite Umfragen Auftrieb: Gallup sieht den verbissen kämpfenden Haudegen nur mehr mit 47 zu 49 Prozent zurück.
Millionen-Party? Obama will kein Risiko eingehen. Eine gewaltige Schlussoffensive rollt an: Auf sieben TV-Kanälen wandte er sich in einer Sondersendung zur Hauptsendezeit an über 50 Millionen Bürger. Kosten: Über drei Millionen Dollar. Trotz aller Obama-Warnungen, der Sieg könnte in letzter Sekunde durch Überheblichkeit noch vergeigt werden, laufen in Chicago die Vorbereitungen für eine Siegerparty der Superlative: Bis zu einer Million Fans werden im Grant Park erwartet.

# 28. Oktober: Nazi bedrohen Obama

Washington. Amerika hält den Atem an wegen der Vereitelung detaillierter Attentatspläne zweier Neonazis gegen Oval-Office-Favoriten Barack Obama. Sechs Tage vor dem erwarteten Wahltriumph des „schwarzen Kennedy“ herrscht blanke Angst: Finstere Kräfte könnten, so vor allem der feste Glaube unter Afroamerikanern, Obamas historischen Aufstieg noch gewaltsam stoppen. Die Elite-Personenschutztruppe „Secret Service“ ist alarmiert: Bis zu 100.000 Fans werden nach Waffen und Bomben gescannt. Zehn bullige Bodyguards umringen Obama. Scharfschützen lauern auf Häuserdächern. Nach der Ermordung von John Kennedy, seines Bruders Robert und Schwarzenführer Martin Luther King sind Politattentate Amerikas schlimmstes Trauma.
Bizarre Details. Deshalb schreckten die bizarren Details der Verschwörung so auf: Die Skinheads Daniel Cowart (20) aus Tennessee und Paul Schlesselman (18) wollten, so eine US-Behörde, bewaffnet mit Präzisionsgewehren in einem Wagen auf Obama zurasen – und ihn aus dem Fenster heraus erschießen. Das alles in Festkleidung: Smokings, Zylinder. Die Ermordung Obamas hätte der „finale Akt”, wie das braune Duo am Internet plante, einer schlimmen Mordserie sein sollen: Exakt 102 Schwarze sollten sterben, 88 erschossen und 22 enthauptet werden. 88 steht in der Skin-Mythologie für „Heil Hitler“, zweimal H, den 8. Buchstaben im Alphabet. 14 ist die Zahl der Worte in ihrem Leitspruch: „We must secure the existence of our people and the future of our children“. Empörung über Exzesse herrscht aber auch im Camp des Republikaner-Rivalen John McCain: Ein Kalifornier hatte in seinen Garten eine Puppe der Vizekandidatin Sarah Palin an einer Schlinge aufgeknüpft.
Obama vor Sieg. Obama war vom Sceret Service nie über das makabere Komplott informiert worden. Er wirft nach dem Schock jetzt alles in das Wahlkampffinale. Vor allem sein Millionenheer an Wahlkampfhelfern will nach den Todesdrohungen noch härter kämpfen. „Zwei Worte habe ich für euch“, peitschte er am Dienstag eine tosende Menge auf: „Eine Woche!“ Obama verdammte McCain als „Bush-Klon“. 230 Millionen Dollar pumpte er in TV-Spots in den wichtigsten Schaukelstaaten. Mit im Schnitt 50,3 zu 44,1 Prozent führt er in nationalen Umfragen solide, alle Medienorganisationen tippen auf Obama.

# 27. Oktober: One week to go!

Washington. Mit exakt einer Woche im Countdown zur US-Wahl fliegen im Finale die Fetzen zwischen dem Favoriten Barack Obama und „Underdog“ John McCain. Obama präzisierte für die letzte Tage seine Wahlkampfrhetorik: „Wählt für eine Politik, die in die Mittelklasse investiert, die Jobs schafft, die allen eine Chance gibt“, trug er seine Schlussargumentation vor: „Beendet eine Politik, die Menschen auseinanderdividiert, Stadt gegen Land, Republikaner gegen Demokraten hetzt – die uns Angst einflößt in einer Zeit wo wir Hoffnung brauchen“. Das „größte Risiko“ wäre, rief er Zehntausenden in Canton, Ohio zu: „Die alte, verheerende Bush-McCain-Politik fortzuführen“.
Panikmache. Der im Umfrageschnitt mit 42,9 zu 50,5 Prozent abgeschlagene McCain setzt nur mehr auf Panikmache: Er warnt vor dem „Solzialisten Obama“, der hart arbeitende Bürger mit Steuererhöhungen das Geld aus der Tasche ziehen und an Sozialschmarotzer „umverteilen“ wolle. Die Demokraten könnten mit Obama im Oval Office und statten Mehrheiten in beiden Kongresskammern als „liberale Supermehrheit“ die USA in den Kommunismus führen, so Vize Sarah Palin schrill.
Dennoch scheint vielerorts McCains Kampf um die letztlich entscheidenden 538 Wahlmännerstimmen in den „Battleground“-Staaten aussichtslos: Obama führt laut Prognosen mit 306 zu 157 Stimmen deutlich, mit 75 noch unentschieden. Obamas Tour gleicht einem Triumphzug: 100.000 Menschen kamen etwa in Denver. McCain trat dort vor 1.000 Fans auf.

# 26. Oktober: The Big Guns

New York. Der Favorit für das Weiße Haus, Barack Obama, setzt in den letzten acht Wahlkampftagen auf die größten Kanonen der Demokraten: Am Mittwoch will er im heiß umkämpften Florida erstmals mit Parteiikone Bill Clinton auftreten. Die US-Presse rotiert: Vor Zehntausenden Fans übergibt der legendäre, alte Ex-Präsident Nr. 42 das Zepter an den umjubelten Newcomer, Präsidenten Nr. 44 – wenn die Prognosen der Experten halten. Barack und Bill nun im Doppelpack sind euch ein Zeichen, dass Clinton nach der bitteren Vorwahl-Niederlage seiner Senatorengattin Hillary nun endgültig das Kriegsbeil begraben hat. Dazu schaltet Obama in den Top-TV-Kanälen CBS, NBC und FOX zur Hauptsendezeit eine 30-minütige Werbesendung. Geschätzte Kosten: Eine Million Dollar pro Kanal.
Palin unplugged. Die Risse um Lager des Rivalen John McCain werden angesichts des Rückstandes von 42,4 zu 50,4 Prozent (Umfragenschnitt) stündlich größer: Vize Sarah Palin soll sich zusehends „verselbstständigen“, so Strategen. Palin will offenbar ihr Image retten: Sie befürchtet, McCains Manager könnten sie nach der Niederlage zum Sündenbock machen.

# 25. Oktober: Wardrobe-Gate

Washington. Immer mehr Aufregung um die Exzesse beim Rausputzen der Republikaner-Vizekandidatin Sarah Palin: Palins Visagistin Amy Strozzi, so Enthüllungen, kassierte in den ersten zwei Oktober-Wochen 22.800 Dollar, ihre Haarstylistin streifte 10.000 Dollar ein. Damit war dem Team des Republikaner-Kandidaten John McCain Palins Look wichtiger, als der Irakkrieg, die Jagd nach Superterroristen Osama bin Laden oder die Weltfinanzkrise: Denn McCains Top-Außenpolitikberater musste im Vergleich mit kargen 12.500 Dollar auskommen.
3000-Dollar-Tasche. Dabei kocht Amerika noch über Palins „Garderobe-Gate“, wo 150.000 Dollar für Kostüme, Accessoires oder Schuhe ausgegen wurden. Brisant: Tochter Piper (6) erhielt eine Louis Vuitton-Handtasche um 3.000 Dollar. Palin, die noch dazu zuletzt die Aufgaben des US-Vize falsch definierte, reißt ihren Boss McCain fast in Eigenregie in die Tiefe: Entsetzt liefen nach General Colin Powell mit Massachusetts Ex-Gouverneur Bill Weld und Bushs Ex-Sprecher Scott McClellan weitere Parteifreunde ins Lager von McCains davonstürmenden Rivalen Barack Obama über. Obama startet mit Riesenvorsprung in die letzten neun Wahlkampftage: Laut Newsweek liegt er mit 53 zu 41 Prozent vorne.

# 25. Oktober: B-Ritzer

Pittsburgh. Amerika war zunächst erschüttert: Eine junge Helferin des Republikaners John McCain sei von einem Schwarzen in Pittsburgh überfallen, ihr mit einem Messer ein „B“ für „Barack“ in die Wange geritzt worden. Als „Lektion“, da sie McCain unterstütze, wie der Täter gebrüllt haben soll.
Polit-Skandal. Doch das vermeintliche Opfer Ashley Todd (20) hatte alles erfunden. Jetzt wird der Vorfall zum Polit-Skandal: Denn McCains Wahlkampfsprecher in Pennsylvania hatte die Story ohne Überprüfung der Fakten Reportern zugespielt. Trotz vieler Ungereimtheiten. Die brisante Frage: Wollte Camp McCain uralte Rassenspannungen ausnützen und Angst vor Revanche suchenden Farbigen schüren? Eine Untersuchung wird gefordert.

# 24. Oktober: Warnung vor Siegestaumel

Washington. Mit Riesenvorsprung in den Umfragen und dem mit zehn Tagen startenden ultimativen Countdown zur Wahlschlacht am 4. November wachsen die Spekulation, mit welchen Team der mögliche US-Präsident Nr. 44, Barack Obama, die USA lenken könnte. Vor allem: Welche der größten Ikonen der US-Politik und in welcher Kapazität könnte dem 47-jährigen Newcomer beim schwierigen Start helfen, die rezessionsgebeutelte Supermacht aus der Krise zu führen?
Ikonen. Große Namen geistern herum: Ex-Rivalin Hillary Clinton hilft Obama schon jetzt bis zur Erschöpfung beim Wahlkampf. Ihre Rolle könnte sein, wird spekuliert, als Star im Senat für Obama die größten Reformprojekte durchzuboxen. Längst sind sie ein Herz und eine Seele: Bei einem Auftritt in Florida umarmten sie sich. Obama kann auf den Rat einer weiteren Legende zählen, Ex-Golfkriegsgeneral Colin Powell: „Es ist ein Privileg, ihn als Berater zu haben“, schwärmte Obama nach Powells Wahlempfehlung. Friedensnobelpreisträger Al Gore könnte dazu für Präsident Obama die globale Führungsrolle beim Kampf gegen den Klima-GAU vorantreiben.
Arnie. Für futuristische Lösungen zur Energiekrise ist auch eine stärkere Kooperation mit Kaliforniens „Governator“ Arnold Schwarzenegger zu erwarten: Der unterstützt zwar Rivalen John McCain, doch pries des öfteren Obamas „herausragende Qualitäten“. Für Obamas Regierungsbank stehen ebenfalls Hochkaräter bereit: Über John Kerry als möglichen Außenminister wird spekuliert, oder Investorenlegende Warren Buffett als Finanzminister.
Doch zuerst muss Obama gewählt werden: Trotz nationalem Vorsprung im Schnitt von 7,3 Prozent warnte er vor „verfrühtem Siegestaumel“.

# 23. Oktober: Kleider machen Palin

Amerika diskutiert weiter aufgeregt über die Einkaufsexzesse der republikanischen Vizekandidatin Sarah Palin. Die zur einfachen Mutti aus der Provinz hochstilisierte Nr. 2 des Republikaner-Kandidaten John McCain war vom Republikaner-Komitee RNC in Nobelboutiquen um 150.000 Dollar “aufgeputzt” worden. Konservative Großspender schäumten über die “Image schädigende Verschwendung” – und forderten ihr Geld zurück. Die Website “Politico.com”, die den Skandal enthüllte, lieferte exakte Zahlen: Kostüme, Kleider, Schuhe und Hüte um 75.062 Dollar erstanden die Palin-Shopper beim Luxuskaufhaus Neiman Marcus, 49.425 Dollar ließen sie beim berühmten Saks Fifth Avenue in Manhattan in der Registrierkasse.
Jede neue Erklärung in Palins eskalierendem “Gardaroben-Gate” wirkt nur mehr peinlicher: Palin, die völlig überraschend zur McCain-Vize nominiert wurde, hätte eben eine “Ausstattung für die verschiedenen Klimazonen in den 50 US-Bundesstaaten gebraucht, hieß es zuletzt. Republikaner-Strategen sind entsetzt: “Ihr ganzes Image als Frau von Nebenan ist zerstört”, schäumte Ex-Reagan-Berater Ed Rollins zur “New York Times”. Palins Rechnung macht das 70-fache aus, was normale US-Familien für Bekleidung pro Jahr ausgeben. Dazu hatte die Frau des McCain-Rivalen Barack Obama, Michelle, zuletzt mit einem bloß 148 Dollar teueren Kleid von der Stange bei einem TV-Auftritt betört. Die Affäre gilt als letzter Sargnagel für die McCain-Kampagne. Einige nennen die Megastory bereits “Oktober-Überraschung”, jenes unerwartete, für Kandidaten devastierende Ereignis kur vor der Wahl: Obama kletterte prompt in den Umfragen auf eine Durchschnittsführung von 7,4 Prozent.

# 22. Oktober: 150.000 Dollar…

Washington. Gerne verkauft sich McCain-Vize Sarah Palin als einfachgestrickte Durchschnitts-Mutti aus der „ehrlichen“ US-Provinz. Peinlich sind deshalb die Enthüllung, wie die Republikanerpartei die Landpomeranze aus Alaska mit 150.000 Dollar Ausgaben für Luxus-Garderobe, Make-up und Accessoires mit Großstadtchique aufpolierte.
Make-up. 75.062 Dollar wurden im Designerkaufhaus Neiman Marcus in Minneapolis hingeblättert, 4.716 Dollar gab sie für Friseure und Make-up-Stylisten aus, dazu tausende Dollar beim feinen Saks Fifth Avenue in New York. Brisant die Vorwürfe auch aus Alaska: Dort hatte Palin dem Staat 20.000 Dollar an Reisekosten für ihre Kinder übertragen – inklusive Übernachtungen in Fünfstern-Hotels.

# 22. Oktober: Leading…

Washington. Demokraten-Hoffnung Barack Obama ist beim Sturmlauf auf das Oval Office kaum mehr zu stoppen: In einer Amerika erfassenden Euphoriewelle über den kommenden „schwarzen Kennedy“ lässt Obama laut Pew-Umfrage Rivalen John McCain mit 52 zu 38 Prozent zurück. Tägliche Tracking-Umfragen wie die des TV-Senders NBC sehen ihn mit zehn Prozent weit deutlicher voran als vor noch vor Tagen.
Erdrutsch. „Hier könnte sich ein Erdrutsch abzeichnen“, so der Politologe Guenther Bischof von der Universität in New Orleans. Besonders dramatisch: Die letzten Daten zeigen eine gewaltige Wählerwanderung von Unabhängigen und sogar Pensionisten zu Obama. Über 20 Prozent änderten hier ihre Meinung. „Pensionisten sind die Topwahlgruppe in den größten Schaukelstaaten Florida und Ohio“, so TV-Analyst Chuck Todd.
Palin-Problem. McCains Dilemma: Seine immer verzweifelteren Attacken, Obama sei ein „Sozialist“ oder hänge „mit Terroristen herum“, verpuffen wirkungslos. Und Starvize Sarah Palin ist inzwischen ein größerer Klotz am Bein als selbst der unpopuläre Präsident George Bush. Sorge Nr. Eins möglicher McCain-Wähler: Ist Palin qualifiziert? 55 Prozent sagen „nein“. Durch peinliche Enthüllungen wie zuletzt ihrer 150.000 Dollar teuren Garderobe (siehe unten) ist die Supermum nun mit 47 zu 38 Prozent den US-Bürgern mehrheitlich unsympathisch.

# 21. Oktober: Obama pausiert wegen kranker Oma

Washington. Die Demokraten-Hoffnung für das Weiße Haus, Barack Obama, unterbricht seinen Wahlkampf für zwei Tage für einen Besuch seiner todkranken, 84-jährigen Großmutter mütterlicher Seite, Madelyn Dunham. Obwohl Polt-Strategen Obamas Kampagnen-Pause für die Langstreckenflüge nach Hawaii mitten im Wahlkampffinale für hochriskant halten, zieht Obama jetzt die Familie der Politik vor: Die aus Kansas stammende Dunham, die ihn großteils aufzog, sei die „wichtigste Person in seinem Leben“, so ein Obama-Sprecher.
Kansas-Werte. Und: Sie hätte im Werte „direkt aus dem Herzen von Kansas“ eingeimpft. Erst am Samstag will Obama seinen Wahlkampf fortsetzen. Zuvor sorgte er, gemeinsam mit Ex-Rivalin Hillary Clinton, im Schlüssel-„Schlachtfeldstaat“ Florida für Furore: Vor 50.000 rechnete das „Dreamteam“ (Time) mit den derben Untergriffen durch Rivalen John McCain ab. Obamas Führung hält: Laut CBS/New York Times-Umfrage liegt er mit 54 zu 41 Prozent deutlich voran.

# 20. Oktober: Obama-Sieg -14 Tage?

Solide Führung in nationalen Umfragen, Riesenvorsprung bei den Wahlmännern: Top-Demokrat Obama lässt Rivalen McCain im Staub zurück.
New York. Natürlich sei er „schon recht nervös“, gab Demokraten-Ikone Barack Obama gegenüber TV-Starreporter Matt Lauer zu. Vorm Einschlafen versuche der 47-Jährige sich deshalb neben den bereits durch den Kopf spukenden Bildern einer rauschenden Siegesfeier nach der Sensationswahl des ersten Afroamerikaners ins Oval Office auch ein zweites Szenario vorzustellen: Eine Niederlage in letzter Sekunde.
Auf Siegeskurs. Stimmen die Daten exakt 14 Tage vor der US-Präsidentschaftswahl kann Obama ruhig schlafen. Alle Indikatoren deuten auf einen Sieg gegen Republikaner-Rivalen John McCain (72) hin – einige sogar auf einen Erdrutsch wie ihn das durch knappe Wahlkrimis gespaltene Amerika seit Ronald Reagan 1980 nicht mehr erlebte:
# Laut nationalen Umfragen führt Obama im Schnitt solide mit 49,2 zu 43,7. Eine Welle der Euphorie mit bis zu 100.000 Fans bei Auftritten schwappt über Amerika.
# Entscheidend sind jedoch die Wahlmänner, jene in den 50 US-Bundesstaaten und D. C. ermittelten 538 Stimmen. Hier ist Obamas Vorsprung noch dramatischer: Laut Prognosen des RealClearPolitics-Webdienstes komme er bereits auf 286 (270 sind nötig). McCain dümpelt bei 155 Stimmen dahin, 97 sind in den „Battleground“-Staaten noch heiß umkämpft.
# Genau dort liegen die Fundamente für Obamas „klare Favoritenrolle“, so TV-Analyst Chuck Todd: Er führt in traditionellen „Schaukelstaaten“ wie Florida mit im Schnitt 49,2 zu 46 Prozent. Und setzt McCain sogar in klassischen Republikaner-Territorien („Red States“) wie North Carolina oder sogar dem teils rassistischen West Virginia und dem Präriestaat North Dakota zu.
# Obama schwimmt in Geld: Mit 150 Millionen Dollar sammelte er allein im September doppelt so viel, wie McCain für die finalen zwei Wahlkampfmonate zur Verfügung stehen. Im TV laufen viermal so viele Obama-Spots. Nächste Woche schaltet er auf den Top-TV-Kanälen NBC, CBS und ABC ein 30 minütige „Sondersendung“ zur Primetime.
# Mit dem Starrepublikaner Colin Powell erhielt er gerade die „Mutter aller Wahlempfehlungen“.
Hoffen auf Rufmord. Die Wahlarithmetik wird für McCain täglich makaberer: „Er muss nun alle Swing States gewinnen“, so Todd, dazu gleich mehrere der in Richtung Obama tendierenden Staaten: Minnesota, Colorado, New Mexiko und Virginia. Und McCain – dessen Vizestar Sarah Palin längst als Leichtgewicht enttarnt ist – kann nur mehr hoffen, dass seine wüsten Attacken noch genug Zweifel an Obamas Fähigkeiten säen.

# 19. Oktober: Obamamania

Washington. Über Amerika schwappt 15 Tage vor der US-Wahl eine neue „Obamamania“-Euphoriewelle. Eine Rekordmenge von 100.000 jubelte dem Demokratenstar Barack Obama in der Missouri-Metropole St. Louis Obama zu. Durch Rezessionsängste sehnen sich Wähler nach einem Kurswechsel. Und Obama hat sie durch drei Siege in den TV-Duellen überzeugt. Doch trotz 48,8-zu-43,6-Prozent-Vorsprung in Umfragen vor Rivalen John McCain warnte er vor verfrühtem Siegestaumel: „Wir haben Tradition, Niederlagen den Fängen des Sieges zu entreißen“.
„Neues Amerika“. 58 Zeitungen, darunter sogar konservative Blätter wie die Chicago Tribune, empfahlen Obama zur Wahl, bloß 16 McCain. „Nur Obama lässt auf eine Erneuerung Amerikas zu Hause und seines Images in der Welt hoffen“, schrieb die New York Daily News. Spekuliert wurde, ob selbst Republikaner-Ikone und Ex-Außenminister Colin Powell sich hinter Obama stellen könnte. Besonders offensichtlich ist der Triumphzug in den „Battleground“-Staaten: In Missouri, wo auch in Kansas City 75.000 kamen, zieht Obama an McCain vorbei. Der Staat ging 2004 mit 53 zu 46 Prozent an George Bush.
„Sozialist“. Verzweifelt wirken McCains Attacken: Obama sei ein Reichtum umverteilender „Sozialist“, giftet er. Und Vize Sarah Palin wird zum Rohrkrepierer: Bei der versuchten Imagepolitur durch einen Auftritt in der Satire-Sendung „Saturday Night Life“ – wo sie stets von Doppelgängerin Tina Fay perfekt parodiert wird – wirkte sie humorlos.

# 18. Oktober: Battle um Battlegrounds

Washington. Demokratenstar Barack Obama setzt seinem rechten Rivalen John McCain in „Battleground”-Staaten, wo die Schlacht ums Oval Office in 16 Tagen entschieden wird, enorm zu. McCain hat wegen der Verteidigung von Staaten, die 2004 an Präsidenten George Bush gingen, kaum Zeit für eine Offensive in knappen „Obama-Staaten“ wie Colorado oder New Mexiko. Die würde McCain für einen Sieg brauchen.
Red States. Obama hingegen kämpft sogar um klassische Republikanerstaaten („Red States“) wie North Carolina und North Dakota. Laut Prognosen von RealClearPolitics liege Obama mit 286 Wahlmänner-Stimmen längst über der Siegerlatte von 270. McCain komme bloß auf 155, mit 97 Stimmen unentschieden. Obama setzt seine pralle Kriegskasse voll ein: 188 Millionen Dollar pumpte er in den Wahlkampf, McCain nur 91 Millionen.

# 17. Oktober: Obamas Megafete in Chicago

New York. Oval-Office-Favorit Barack Obama plant bereits eine Riesenparty in Chicago, sollte er in 17 Tagen Republikaner-Senator John McCain bei der US-Wahlschlacht niederringen. Es könnte ein Fest der Superlative werden: Der weitläufige „Grant Park“ in Obamas Heimatmetropole Chicago bietet Platz für Hunderttausende und war 1979 Schauplatz einer Papstmesse. Doch trotz aller Euphorie mahnte Obama seine Fans vor voreiliger „Selbstzufriedenheit“: “Kämpft bis zur letzten Minute”, rief er ihnen in New Hampshire zu. Team Obama erinnert: Auch Al Gore führte im Oktober 2000 gegen den späteren Sieger George W. Bush.
Schockumfrage. Prompt lieferte Gallup eine Schockumfrage: McCain liegt da mit 47 zu 49 Prozent nur knapp zurück. Die Werte könnten ein „Ausreißer“ sein. „Doch nach McCains kämpferischem, die Parteibasis begeisternden Auftritt im TV-Duell könnte das Rennen knapper werden“, so TV-Analyst Chuck Todd.
Prügelnde Omas. Ruppig geht es inzwischen in den „Ground Zeros“ der Wahlschlacht, den umkämpften „Battleground“-Staaten zu: In New Hampshire waren zwei junge Obama-Fans bei einem Auftritt der umstrittenen Vizeknadidatin Sarah Palin von einer Horde zorniger, älterer Frauen verprügelt worden. Wutausbrüche der durch wüste Anschuldigungen gegen Obama seitens McCain und Palin aufgepeitschten Massen überschatteten den Wahlkampf – und schaden McCain. Eine Fans riefen zuletzt sogar: „Tötet Obama!“
Probleme bekam McCain auch mit seinem frischgebackenen Posterboy „Joe der Installateur“ für die Polemik in der TV-Debatte gegen Obamas Pläne zur Besteuerung von Großverdienern. Der Handwerker Joe Wurzelbacher. so peinliche Enthüllungen, hat keine Lizenz als Installateur und ist 1.185 Steuer-Dollar säumig.
Obamafan Powell? Team McCain wappnet sich dazu vor einer neuen Bombe im Wahlkampffinale: Der farbige Republikanerstar und Ex-Außenminister Colin Powell könnte sich hinter Obama stellen. Eine klare Wahlempfehlung kam bereits von der Washington Post: „Obama hat das Potential, ein wahrlich großartiger Präsident zu werden”, schrieb das Renomierblatt.

# 16. Oktober: Obama mit Turboantrieb in die Zielgeraden

Nach dem letzten TV-Duell geht Demokratenstar Barack Obama gegen seinen Republikanerrivalen als klarer Favorit in die Zielgerade der US-Präsidentschaftswahlschlacht. Nur mehr 18 Tage könnten Obama beim Countdown zur größten Politsensation der US-Geschichte fehlen: Er steht knapp davor, als erster Afroamerikaner ins Oval Office einzuziehen. “Obamamania” schwappt bereits rund um die Welt. Experten sind sich einig: McCain hatte bei der härtesten TV-Debatte vor über 60 Millionen Zusehern seine “letzte Chance verpasst”, das Ruder noch herumzureißen. Wieder zogen die Wähler Obamas gelassenem, präsidialen und steten Stil den zornigen Tiraden des Hitzkopfes McCain vor: 53 Prozent erklärten laut CBS-TV-Umfrage Obama – wie bereits in den beiden Debatte zuvor – zum Sieger, bloß 22 Prozent McCain. “Dabei hätte der ein Wunder gebracht”, so Ex-Clinton-Berater George Stephanopoulos.
McCain sieht sich weiter trotzig als “Comeback Kid”, der bereits früher vorzeitig abgeschrieben wurde. Doch vor allem die Börsenbeben und Rezessionsängste hatten Obama auf Siegeskurs gebracht. Seit dem ersten “Schwarzen Montag” an der Wall Street Ende September zog das größte Polittalent seit Legende John F. Kennedy stetig in den Umfragen davon: National führt Obama im Schnitt mit 49,6 zu 42,7 Prozent deutlich. Der Grund: Wähler schätzen Obamas besonnene Leadership während der Krise. McCain geriet hingegen wegen populistischer Polit-Stunts, wie die Forderung nach einer Verschiebung der ersten TV-Debatte, ins Kreuzfeuer der Medienkritik. Dazu wird er als “Bush-Alliierter” (Obama) mitverantwortlich gemacht.
Bei den entscheidenden Wahlmännerstimmen zeichnet sich nun sogar ein Erdrutsch ab: Laut CNN-Prognose hätte Obama bereits mit 277 Wahlmännern die Siegerlatte von 270 überquert. McCain komme in dieser Berechnung bloß auf 174 Stimmen, 87 seien in den “Battleground”-Staaten noch heiß umkämpft. Sogar in Republikaner-Territorien (“Red States”) wie Virgina ist Obama plötzlich Favorit. “McCain könnte noch ein wenig aufholen”, so TV-Analyst Chuck Todd: “Doch er müsste inzwischen alle Battlegrounds gewinnen”. Kurz: “Fast Aussichtslos”. Die begeisterten Demokraten planen bereits die Agenda der ersten 100 Tage der Obama-Administration. Panische Republikaner erteilen hingegen ihrem Spitzenmann täglich neue Ratschläge.
Obamas Siegergeheimnis:
# Seine euphorische Bewegung spült Monat für Monat Rekordsummen in seine Kriegskasse: In der zweiten Oktoberwoche schaltete Obama etwa TV-Spots in 17 Staaten um 42 Millionen Dollar. McCain gab bloß zehn Millionen in 14 Staaten aus;
# Obamas Visionen einer neuen Ära in der US-Politik begeistert vor allem Jungwählern.
# Der von Team McCain geschleuderte Dreck – von Moslem-Gerüchten bis zur Nähe zu Chicago-Gangstern – prallt von dem “Teflon-Politiker” ab.
Symptomatisch die letzte TV-Debatte: McCain wollte mit wüsten Attacken eine Wende erzwingen. Er forderte Obama auf, “das volle Ausmaß seiner Beziehung” zu dem Ex-Terroristen William Ayers zuzugeben. Er portraitierte Obama als “Klassenkämpfer”, der “hart arbeitende Bürger besteuern” und “Reichtum umverteilen” wolle. Und McCain gelang es, sich – zumindest rhetorisch – von dem unpopulären US-Präsidenten George W. Bush zu distanzieren: “Ich bin nicht George Bush”, donnerte er: “Gegen den hätten Sie vor vier Jahren antreten müssen”. Doch McCains Körpersprache, stets sichtbar in geteilten TV-Schirmen, vermasselte den Gesamteindruck: Zornig rollte er die Augen, sein Gesicht bebte. Obama brauchte sich nur zurücklehnen, kühl und gekonnt die “McAttacks” (New York Post) abwehren.

# 16. Oktober: W

Mit gewaltigem Medien-Hype startet in den USA am Wochenende “W”, die Filmbio über US-Präsidenten George W. Bush durch den Oscar-gekrönten Starregisseur Oliver Stone. Experten erwarten beim Start des Politfilm des Jahres in 2000 US-Kinos ein Blockbuster-Wochenende mit 15 Millionen Dollar Einnahmen. Die politische Sprengkraft ist größer: Gut zwei Wochen vor der Wahlentscheidung um Bushs Nachfolge zwischen den Demokraten-Favoriten Barack Obama und Republikaner-Rivalen John McCain lässt der linke Präsidenten-Bio-Veteran Stone (“Nixon”, “JFK”) packende, humorige und oft ultrapeinliche Momente aus dem unglaublichen Aufstieg des oft volltrunkenen Präsidentensöhnchen bis ins Oval Office auf das Kinopublikum los. “Bush ist ein simpel gestrickter, provinzieller Mann”, so Stone zum Kabelkanal MSNBC: “Doch es ist wichtig, ihn zu verstehen – vor allem wie es dazu kam, dass dieser politische Cowboy, dieser John Wayne zweimal gewählt wurde”. Stone: “Wenn wir die Vergangenheit nicht kapieren, wie können wir für die Zukunft lernen?” Die Fähigkeit, so Stone weiter, eigene Fehler und Realitäten komplett zu ignorieren, habe ihn bei Bush am meisten fasziniert. Brisant ist vor allem die Szene in dem Streifen mit hochkarätiger Hollywood-Besetzung, wo Vize Dick Cheney (Richard Dreyfuss) alle CIA-Zweifel an Saddam Husseins Besitz an Massenvernichtungswaffen beiseite wischt. Bush (Josh Brolin) schlägt sich in der Schlüsselszene auf Cheneys Seite, brüllt: “Wer dich einmal betrügt, dem traue nicht!” Kritiker jubeln über Stones möglichen Oscar-Favoriten: “Überraschend scheint vor allem angesichts Stones liberaler Reputation und Bushs Unbeliebtheit die Ausgewogenheit des Portraits”, so das Branchenblatt “Variety”.

# 15. Okrober: Obama zieht davon

New York. Demokratenstar Barack Obama zieht in Umfragen davon: Stunden vor dem letzten TV-Duell vor über 60 Millionen Zusehern im Staat New York gegen Republikanerrivalen John McCain lag der erste Afroamerikaner mit dem Fuß im Oval Office laut CBS/New York Times-Umfrage mit 53 zu 39 Prozent voran. Experten: Ein derart großer Vorsprung nur 19 Tage vor der Wahl sei für McCain „uneinholbar”. Der suchte im TV-Duell seine letzte Chance in herben Attacken: Zu wenig sei über Obama bekannt, „zu hoch das Risiko“.

# 13. Oktober: Letzte Chance für Big Mac

Republikaner-Kandidat John McCain hofft bei der finalen TV-Debatte am Mittwoch nahe New York auf seine letzte Chance, gegen den demokratischen Favoriten für das Weiße Haus, Barack Obama, aufzuholen. McCain gab sich kampflustig: Er werde Obama “die Peitsche geben”, donnerte der zuletzt hoffnungslos in den Umfragen abgerutschte Vietnam-Veteran vor dem 90-minütigen TV-Duell. Nicht alle wollen ihn abschreiben: McCain gilt als “Comeback Kid”, nachdem er etwa den Republikaner-Vorwahlkampf nach einer unglaublichen Aufholjagd noch gewann. Doch viele Experten glauben, dass die Uhr des Countdown exakt drei Wochen vor der Wahlschlacht am 4. November bereits zu laut für eine Wende in letzter Sekunde tickt: Obama führt trotz jüngstem “Anziehens McCains” (US-Medien) immer noch laut Gallup-Umfrage mit 50 zu 43 Prozent. Verzweifelt stemmt sich McCain gegen die politischen Nachbeben der Börsenkatastrophe: Für einen Rekordwert von 90 Prozent der Amerikaner tuckert laut dem TV-Sender ABC der Supermacht-Dampfer am “völlig falschen Kurs”, und die meisten machen McCains Republikaner dafür verantwortlich.

# 7. Oktober: Runde 2

Nashville. In Runde Zwei der insgesamt drei TV-Duelle flogen zwischen den Oval-Office-Kandidaten Barack Obama und John McCain in Nashville, Tennessee, die Fetzen. Hitzigste Streitpunkte bei der als Bürgerversammlung organisierten, neunzigminütigen Debatte: Die US-Wirtschaftskrise – und zuletzt eskalierte Rufmordversuche, besonders seitens des Republikaners McCain. Denn Stunden vor dem Duell war die Schlammschlacht massiv eskaliert.
McCain und seine bissige Vizekandidatin Sarah Palin hämmerten auf den Demokratenstar ein: Obama sei ein „Lügner“, schäumte McCain. Palin legte nach: Obama verachte Amerika, da er mit dubiosen Figuren wie den Hassprediger Jeremiah Wright („Gott verdamme Amerika!“) sowie „Terroristen“ wie den Vietnamkriegsprotestler Bill Ayers „herumhing“.
Ablenkung. „Die Bürger verlieren ihre Häuser, ihre Jobs“, konterte Obama: „Und McCain verplempert seine Zeit mit dem Rufmord an mir“. McCains Position scheint 27 Tage vor der Wahl wegen den grassierenden Rezessionsängsten düster: Inzwischen müsste er alle der neun verblieben „Schaukelstaaten“ gewinnen. Ein Stratege gab die Ablenkungsmanöver sogar zu: „Wenn wir über die Wirtschaft reden, verlieren wir”. Doch McCains Rufmordversuch komme zu spät, so TV-Experte Chris Todd: Obama habe durch seine Traumrede in Denver und solide Debatten-Auftritte Zweifel an seiner Statur beseitigt. Dazu provoziert McCain das Durchröngten seiner eignen Karriere: 1991 hatte etwa eine Ethikkommission den Senator in einem Finanzskandal zurechtgewiesen. Vorher soll er einer Gruppe angehört haben, die die ultrarechten „Contras“-Todesschwadronen in Nicaragua unterstützte.

# 6. Oktober: McAttack!

Inmitten der schlimmsten Wirtschaftskrise in den USA seit der Great Depression versinken die US-Präsidentschaftswahlen in einer immer wüsteren Schlammschlacht. 28 Tage vor dem Urnengang sucht vor allem der wegen Rezessionsängsten schwer unter Druck geratene Republikaner John McCain sein Heil in brutalen Attacken gegen den Charakter von Rivalen Barack Obama. Obama führt im Umfragenschnitt mit 49,3 zu 43,3 Prozent.
Angriffspunkt ist Obamas frühere Beziehung zum Krawallmacher Bill Ayers, der wegen “Terrorismus” in den Sechzigern und Siebzigern verurteilt worden war. Jetzt musste Camp Obama zugeben, dass er den heutigen Radikal-Professor doch besser kannte als bisher zugegeben: Obama hätte, so sein Team in einer Klarstellung, Ayers Buch 1997 beworben, bis 2002 gemeinsam diverse Kommunenausschüsse geleitet. Bis 2005 tauschten sie Emails aus. Bis vor kurzem hatte Obama-Stratege David Axelrod beteuert, Obama habe von Ayers gewalttätiger Vergangenheit nichts gewusst.
McCain griff den Ball auf: “In Zeiten wie diesen würde ich keinem Politiker aus Chicago trauen”, polterte der Haudegen in der bisher schärfsten Attacke. McCain spielt damit auch auf weitere Obama-”Freunde” an: Dem verurteilten Ex-Geschäftspartner Tony Rezko, sowie dem Hassprediger Jeremiah Wright, der in wirren Tiraden Amerika beschimpft hatte. Obama kontert: Das Letzte was die Amerikaner in diese Zeiten hören wollten, seien McCains üble “Rufmordtaktiken”. Dazu wärmte Obama McCains Korruptionsskandal aus den Achtzigern auf.

# 6. Oktober: Tödliche Wall Street

Die US-Finanzkrise fordert offenbar erste Todesopfer: In einem blutrünstigen Massaker tötete eine arbeitsloser Finanzberater in einem Suburb nahe der Millionenmetropole Los Angeles seine Frau, drei Kinder, seine Schwiegermutter und sich selbst. Die Polizei vermutet, dass die “verzweifelte Lage durch den Jobverlust” das Motiv für das Massaker gewesen sein könnte. Der Tatort liegt in einer exklusiven, “Gated Community” im San Fernando Valley.
Die getöteten Kinder sind im Alter von 19, 12 und sieben Jahren. Die Tatwaffe, eine am 16. September gekaufte Pistole, lag neben der Leiche des 45-jährigen Investmentexperten, der zuletzt für den Finanzriesen “Price Waterhouse Cooper” und die Filmfirma “Sony Pictures” arbeitete. Er hinterließ mehrere Schreiben, die als Abschiedsbriefe gedeutet werden können. Dazu mutmaßt die Polizei: “Er könnte mit seiner finanziellen Situation nicht klargekommen sein”.
An einem Tag an dem der “Dow Jones”-Aktienindex erstmals seit vier Jahren unter die 10.000-Marke stürzte, wird offensichtlich, dass die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression 1929 nun offenbar tödlich eskaliert. Vor Tagen hatte bereits ein tragischer Fall die USA erschüttert: Eine 90-jährige Frau im US-Staat Ohio hatte sich erschossen, als sie Sheriffs aus ihrer wegen fehlender Zinszahlungen zwangsversteigerten Wohnung holen wollten.

# 5. Oktober: McNasty

Washington. Die republikanische Vizekandidatin Sarah Palin, wiedererstarkt durch einen soliden Auftritt bei der TV-Debatte, wird zur Speerspitze einer regerrechten Rufmordkampagne gegen Demokratenstar Barack Obama. Der sei ein „Terroristenfreund“ ätzte die bissige Supermutti aus Alaska, Spitzname „Barrakuda“. Der Hintergrund: Obama habe als junger Mann lose Beziehungen zum gewalttätigen Krawallmacher während der Sechziger, Bill Ayers, unterhalten. „Obama sieht Amerika nicht wie wir als die stärkste Kraft für das Gute in der Welt“, fuhr Palin fort: Er stehe unserer Nation skeptisch genug gegenüber, um sogar mit „Terroristen herumzuhängen“.
Patriotenspiele. Stunden zuvor hatte Palin eine uralte Obama-Aussage zerpflügt, wonach er US-GIs in Afghanistan wegen hoher Zivilopferzahlen bei Luftschlägen kritisiert hatte: Das disqualifiziere ihn „automatisch vom Posten des Oberkommandierenden“. Auch die Hasstiraden wie „Gott verdamme Amerika“ von Obamas Ex-Pastor Jeremiah Wright werden ausgegraben. Die Botschaft ist klar: Obama sei kein Patriot.
„Härter anpacken“. Das von John McCain angeführte Republikaner-Team sucht nach dem jüngsten Umfragen-GAU sein Heil im Charaktermord als Ablenkungsmanöver von der für McCain so verheerenden Wirtschaftskrise: „Härter angepackt“ solle Obama fortan werden, hieß es. Mit 50 zu 42 Prozent führt er laut Gallup national, in vielen, die Wahl in 29 Tagen entscheidenden Schlachtfeldstaaten zog Obama noch deutlicher davon. McCain setzt voll auf Palin: Die Powerfrau polarisiert und überzeugt wenige Wechselwähler, doch sorgt für Quoten. Eine Rekordzuseherzahl von 69 Millionen sah beim TV-Duell zu, das Magazin Newsweek widmete ihr sogar eine neue Titelgeschichte.

# 4. Oktober: O.J. squeezed

Las Vegas. Ex-Footballstar O. J. Simpson (61) ist wegen „bewaffnetem Raubüberfall“ und Kidnapping an zwei Andenkenhändler in Las Vegas schuldig gesprochen worden. Das Geschworenenurteil, das ihm lebenslange Haft einbringen könnte, erging exakt 13 Jahre nach dem Freispruch im Jahrhundertprozess um den Doppelmord an seiner Frau Nicole Brown und deren Freund Ron Goldman. Vom „Heimzahlen“ sprach Simpsons Anwalt über die Motive der Geschworenen.
Handschellen. Richterin Jackie Glass ließ Simpson in Handschellen abführen. Seine Schwester Carmelita Durio schluchzte. Was war passiert? Simpson hatte am 17. September 2007 zusammen mit Gangstertypen ein Zimmer im Hotel-Kasino „Palace Stadium“ gestürmt: Dort forderte die Bande unter Androhung von Waffengewalt, so die Anklage, die Herausgabe persönlicher Andenken wie Spielbälle, Fotos und 100.000 Dollar.
Tape. In einer Audioaufzeichnung ist Simpson deutlich zu hören: „Lasst niemand in dieses Zimmer!“ Die Opfer verkauften die Tapes später um 210.000 Dollar. Das Strafausmaß wird am 4. Dezember festgesetzt. Für die Familien der beiden Mordopfer ist es späte Gerechtigkeit: Nach dem ersten Freispruch war Simpson im Zivilverfahren zu 33 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt worden. Er verweigerte alle Zahlungen.

# 4. Oktober: Rückblende Nicole-Mord

In einigen Bios wird inzwischen genau beschrieben, wie O.J. Simpson seine Frau Nicole und dessen Freund Ron getötet haben soll. Laut dem O.J.-Freund Mike Gilbert hätte sich der Footballstar in der Nacht des 12. Juni 1994 Mut angetrunken. Im Rausch und rasend vor Eifersucht wollte er Nicole in deren Villa im L.A.-Nobelsurburb Brentwood wegen ihren Freund Ron Goldman konfrontieren. Sie fühlte sich bedroht und öffnete die Türe mit einem Messer in der Hand. O.J. später zu seinem Freund Gilbert beim Marihuanarauchen: „Sie wäre noch am Leben, wenn sie kein Messer gehabt hätte“. O.J. wäre, so wird heute angenommen, ausgerastet und hätte Niocle und Ron in einem wahren Blutrausch erstochen.

# 3. Oktober: Palin-Attack!

St. Louis. Alaska-Gouverneurin Sarah Palin überlebte die Vizedebatte gegen Senats-Profi Joe Biden mit einer bissigen und selbstbewussten Performance. „Hi, darf ich dich Joe nennen?“, überraschte die Supermum im Team des Republikaner-Kandidaten John McCain kumpelhaft den reservierten Biden, Nr. 2 von Demokratenstar Barack Obama. Palin, die wegen einer Pannenserie zur Lachnummer geworden war, lenkte durch heftige Attacken gegen Obama und Biden sowie einstudierten Slogans von gravierenden Wissenslücken über Weltpolitik ab.
Harter Schlagabtausch. Es flogen die Fetzen: „Die Amerikaner sehen sich nach etwas neuem“, versuchte sie frech den Spieß umzudrehen. „Leider verstehe ich nicht als Washington-Außenseiter wie eure Welt funktioniert“, giftete sie in Anspielung auf Bidens 35 Jahre im Senat. Doch Biden blieb cool, lächelte stets freundlich, vergoss einmal sogar Tränen, als er an seine verstorbene Frau erinnerte. Befürchtete Fettnäpfe, ein Markenzeichen des wortgewaltigen Senators, blieben aus. Er attackiert Palin niemals direkt. Eher zürnte er gegen ihren Boss McCain. „Wir werden den Krieg im Irak beenden, für McCain ist dort kein Ende in Sicht“. Palin schoss zurück: „Ihr wollt euch dort mit weißer Fahne ergeben“. Wortgewaltig verdammte Biden McCains Slogan, er würde als Querdenker ausmisten: „In allen Fragen, die für einfache Bürger wichtig sind, stimmt er mit Bush überein”. Es hagelte auch Kritik an Palin: Sie fordert eine Ausweitung der Rechte des Vizepräsidenten: Nach der „Machtergreifung”, so Biden, von Dick Cheney kein populäres Ansuchen.

# 3. Oktober: Arnie pleite…

Sacramento. Die US-Finanzkrise reißt den Riesenstaat Kalifornien an den Rand der Pleite. „Governator“ Arnold Schwarzenegger musste in einer dramatischen Nacht-und-Nebel-Aktion bei der US-Bundesregierung um einen Notkredit ansuchen. Der Rahmen: Sieben Milliarden Dollar. Dem Staat, warnte Arnie in einem der „L.A. Times” zugespielten Brief an Finanzminister Henry Paulson, „könnte innerhalb weniger Wochen das Geld für tägliche Operationen ausgehen“. Auch für Zinszahlungen auf Kaliforniens Schuldenberg fehle Bares. Im Klartext: Schulen müssten geschlossen, Ämter zugesperrt werden. Es drohen Massenentlassungen von Beamten.
Wie New York 1975. Experten staunen: Noch nie hatte Kalifornien bei den „Feds“ derart betteln gehen müssen. Vergleichbar sei der Fastbankrott bloß mit dem New Yorks 1975. Damals hatte Präsident Gerald Ford beharrlich Notzahlungen verweigert. Die lokale „Daily News“ titelte legendär: „Ford to City: Drop Dead!“ New Yorks Bankrott war dann doch abgewendet worden. Das Einfrieren praktisch aller Kredite durch die Megakrise an der Wall Street trieb Kalifornien an den Rand der fiskalischen Katastrophe: Laufende Zahlungen werden, so Finanzexperten, meist mit Kurzzeitkrediten abgedeckt – die nun „völlig zugedreht sind“. Örtliche Projekte werden mit Kommunalanleihen finanziert: Auch diese Märkte sind praktisch zum Erliegen gekommen.
Kongress-Hilfe. Schwarzeneggers Appell kam am Vorabend der Abstimmung des Repräsentantenhauses über das 700-Milliarden-Rettungspaket der US-Regierung. Ein Beschluss könnte die tiefgefrorenen Kreditmärkte auftauen, so die Hoffnung. Für Arnie drängt die Zeit: Spätestens am 28. Oktober müssen drei Milliarden Dollar an 1.000 Schulbezirke an überwiesen werden.

# 2. Oktober: Palins Pannen

Washington. Vizekandidaten Sarah Palin wollte im „TV-Duell des Jahres“ (US-Medien) gegen Kontrahenten Joe Biden vor 50 Millionen Zusehern vor allem Kompetenz demonstrieren. Doch die Latte lag hoch: Palin, einst von der Republikanerbasis als Supermum aus Alaska gefeiert, hatte zuletzt durch eine Serie peinlicher Patzer ihren Boss, Präsidentschaftskandidaten John McCain, in Umfragen in die Tiefe gerissen.
Battlegrounds. Laut TV-Sender CBS zog Demokraten-Rivale Barack Obama mit 50 zu 41 Prozent davon, ein „erstes Ausbrechen“ aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen, so Meinungsforscher. Noch dramatischer sind die Ergebnisse aus den „Battlegrounds“, jenen heiß umkämpften US-Staaten, deren Wahlmännerstimmen die Schlacht ums Weiße Haus in 32 Tagen entscheiden. Obama führt in Florida und Ohio mit je acht Prozent Vorsprung. In Pennsylvania liegt er 15 Prozent voran. Signifikant ist die Führung auch in Nevada oder Virginia, sogenannten „Red States“, in denen Präsident George Bush 2004 siegte.
Vorentscheidung? Der Internet-Dienst „RealClearPolitics“ rechnet Obama bereist 171 Wahlmännerstimmen „fix“ und 88 als „wahrscheinlich“ zu: Mit diesen 259 würde er nur mehr einen Schaukelstaat zur Überquerung der Siegerlatte von 270 benötigen. Nur wegen Palin allein wollen 30 Prozent nicht mehr McCain wählen, so eine Umfrage: Nach der Offenbarung gravierender Wissenslücken zweifeln über 60 Prozent an ihren Fähigkeiten.

# 1. Oktober: Debatte des Jahres

Washington.. Beide Vize-Kandidaten verbrachten die Stunden vor der mit Hochspannung erwarteten, 90-minütigen TV-Debatte in St. Louis mit hektischen Vorbereitungen: Alaska-Gouverneurin Sarah Palin, „Running Mate“ des Republikaner-Kandidaten John McCain, wurde sogar kurzerhand kaserniert: Zwei erste Test-Duelle hatte sie komplett verhaut, so Insider. Palin übte nahe eines idyllischen Flusslaufes auf einer McCain-Ranch im sonnigen Arizona hinter einer Rednerpultattrappe. Senats-Veteran Joe Biden, Vize von Demokratenstar Barack Obama, paukte weniger Fakten: Er sucht nach einem charmanten, doch effektiven Stil, um vor allem Wählerinnen nicht als Matcho oder Besserwisser zu vergrämen.
Palins Pannen. Das Vize-Duell könnte wegen der intensiven Diskussion um die Qualifikationen der Provinzpolitikerin eine wahlentscheidende Redeschlacht werden. In Interviews mit TV-Star Katie Couric stotterte sie fast tragikomisch, warum Alaskas Nähe zu Russland ihr besondere außenpolitische Qualifikationen verleihe. Palin konnte keinen Namen von Zeitungen nennen, die sie lese. Sie sei für den Posten „nicht qualifiziert“, so sogar der rechte Kolumnist George Will. Einziger Vorteil: Die Latte an Erwartungshaltungen liege bereits so tief, dass sie fast nur mehr „positiv überraschen kann“, so Experten.
Fettnapf. Doch auch Biden sorgte für Fettnäpfe: Er suggerierte, Präsident Franklin Roosevelt hätte sich beim Aktien-Crash 1929 via TV an die Bürger gewandt. Damals reagierte jedoch Herbert Hoover – und Fernsehen war noch nicht erfunden.

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