Stories 2008-11
# 30. November: Bahn frei für Hillary
New York. Das Comeback der knapp von Obama im Vorwahlkrimi der Demokraten bezwungenen Ex-First-Lady hatte seit Wochen für einen Hillary-Hype rund um die Welt gesorgt. Ex-Präsidentengatte Bill, der bis zuletzt als Stolperstein galt, musste insgesamt neun Auflagen (!) erfüllen, um ihr die Bahn freizumachen, so die New York Times: Am brisantesten ist die Veröffentlichung von 200.000 Spendernamen für sein globales Hilfswerk Clinton Global Initiative, darunter die Saudiherrscherfamilie oder der Schwiegersohn eines ukrainischen Ex-Diktators.
Ethikkomitee. Team Obama will damit mögliche Interessenkonflikte mit Hillarys Rolle als Amerikas neuer Chefdiplomatin verhindern. Auch Bills lukrativen Vortragsreisen muss er fortan mit einem Ethikkomitee koordinieren. Für 54 Reden kassierte er etwa 2007 10,1 Millionen Dollar.
Falken. Hillarys Kür sorgt für Unruhe unter Obama-Fans: Sie wählte 2002 für eine Autorisierung des Irakkrieges, hat außenpolitisch den Ruf einer „Eisernen Lady“ und sorgt wegen ihrer vehementen Israel-Unterstützung in der Arabischen Welt für Skepsis. Dazu komplettieren zwei weitere Falken Obamas „Sicherheitsteam“: Ex-General James Jones wird Nationaler Sicherheitsberater und Bushs Irakkrieger Robert Gates bleibt Verteidigungsminister.
# 26. November: Gates goes on!
Washington. Der künftige US-Präsident Barack Obama will Bushs Verteidigungsminister Robert Gates für ein Jahr im Amt belassen, so US-Medien. Obama setze damit auf Kontinuität, besonders mit 160.000 GIs in zwei Kriegen, Irak und Afghanistan, kämpfend. Er hält damit sein Versprechen, auch Republikaner in seinem Kabinett dienen zu lassen. Kritik kommt von den Linken: Der Bush-Mann Gates könnte sich einem flotten Irak-Truppenabzug widersetzen. Auch mit der Ernennung von Ex-General James Jones als Nationalen Sicherheitsberater setzt Obama auf einen Krieger.
# 25. November: Emmy-Erfolg für Karl Markovics
Österreichs Paradeschauspieler Karl Markovics, Star in der Oscar-gekrönten Streifen “Die Fälscher, verpasste knapp eine weitere hochkarätige Trophäe in seiner Sammlung für die aufwühlende Rolle des österreichischen Briefbombers Franz Fuchs: Bei den “Internationalen Emmy Awards”, größte TV-Preis außerhalb der USA, in New York schnappt Britenstar David Suchet für seine Darstellung für den tyrannischen Medientycoons Robert Maxwell Markovics den Emmy für “besten Schauspieler” weg. Nominiert war auch ein brasilianischer TV-Kömodiant und ein chinesischer Kinderstar. Es war exakt 21:59 Uhr Ortszeit, als vor 1.200 TV-Profis und -stars die Umschläge geöffnet wurden. “Es war wieder dieser Moment der totalen Anspannung”, so Markovics. Als Suchets Name fiel klatschte Markovics voller Anerkennung. “Ich war erleichtert, dass die Spannung vorbei war”, scherzte er. Und: “Ich habe in meiner Karriere so viel erreicht, dass es befreiend ist, nicht mehr auf Preise angewiesen zu sein”. Sieger Suchet streute Rosen: “Karls Performance war so herausragend, dass ich sicher dachte, er würde Sieger werden”, saget er z im Blitzlichtgewitter der Weltpresse.
Glücklich war Markovics bereits über die Nominierung gewesen: “Die Emmys waren wie die Oscars schon als Kind ein Synonym für das Höchstmögliche”. Seine Darstellung des Franz Fuchs – die Blutspur des wirren Ausländerfeindes mit vier Toten und 15 Schwerverletzten traumatisierte Österreich zwischen 1993 und 1997 – in der ORF-Produktion (2007) wäre für Markovics für das Metier TV das gewesen, was die oscar-gekrönten “Fälscher” fürs Kino waren. Die kraftvolle Darstellung des sorgte bereits vom Emmy-Festival für Aufsehen. Glücklich ist der Filmstar auch, dass die Lektion der Fuchs-Story der Welt vermittelt zu haben: “Wie es jedes Individuum treffen kann, die kritische Masse eines Wahns überschreiten”, so Markovics: “Man glaubt, das Böse zu bekämpfen – und schafft böses”. Andere machten das mit “ganzen Armee” und erreiche “monströse Züge”, eine klare Anspielung auf die Irakinvasion durch den scheidenden US-Präsident George W. Bush im Irak. Markovics zeigt sich auch enttäuscht, dass nach der Euphorie durch den Oscar-Triumph vor fast zehn Monaten die Förderungen für österreichische Filmproduktionen nicht vom Fleck kamen. Außer dem “Trittbrettfahren der Politiker mit dem Erfolg” sie nicht viel substanzielles passiert. Er werde aber gerne mit der “neuen Regierung weiterverhandeln”. Den Ruf nach Hollywood würde Markovics – besonders nach der “tollen Imagekorrektur Amerikas” durch den Wahlsieg von Barack Obamas – jederzeit annehmen.
# 24. November: Absturz “historsches Ausmaße”
Chicago. Obama warnte bei seiner zweiten Pressekonferenz in schrillen Tönen vor dem wahren Ausmaß der Finanzkrise: Der Absturz hätte „historische Ausmaße“ erreicht. Und es werde „noch weit schlimmer, bevor es wieder aufwärts gehe“, so Obama. Mit den „besten Köpfen“ – angeführt vom Notenbanker Timothy Geithner als Finanzminister und Ökonomie-Guru Larry Summers als Topberater – will Obama mittels der „Mutter aller Konjunkturpakete“, wie Berater scherzten, die strauchelnde US-Wirtschaft wachküssen.
Jobs. Summen wollte er nicht nennen. Im Kongress wurde bereits über Kosten von bis zu einer Billion Dollar spekuliert. Ziel sei die Schaffung von 2,5 Millionen Jobs. Nach der Rettung des Bankriesen Citigroup herrscht August vor neuen Bankenpleiten: Bald könnten US-Steuerzahler für 7.760 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern geradestehen, so der Finanzdienst Bloomberg.
# 23. November: Starmania in Obama-Team
Chicago. Der gewählte US-Präsident Barack Obama vervollständigt sein Regierungsteam im Rekordtempo: Finanzguru Larry Summers soll nun Boss des mächtigen Wirtschaftsrats im Weißen Haus werden, hieß es. Summers gilt als Chefarchitekt des Wirtschaftswunders der Clinton-Ära. Gemeinsam mit der Kür des Pragmatikers Timothy Geithner als Finanzminister jubeln Medien über ein Traumteam.
Jobs. Heute will Obama in seiner zweiten Presskonferenz Details des ambitionierten Konjunkturpaketes zur Schaffung von 2,5 Millionen Jobs präsentieren, das 200 Milliarden Dollar kosten könnte. Rasch soll nun auch offiziell Ex-Rivalin Hillary Clinton zur US-Außenministerin ernannt werden. Während der Hillary-Hype um die Erde schwappt, werde sie in der Arabischen Welt jedoch als zu „Israel-freundlich“ empfunden, so die Washington Post.
# 22. November: Hillary-Time
Chicago. Der kommende US-Präsident Barack Obama stellt mit Personalentscheidungen klar, dass er mit den größten Stars die historischen Herausforderungen anpacken will: Mit Hillary Clinton macht er die berühmteste Frau der Erde zur Chefdiplomatin. Sie soll das durch Irakkrieg und Folter demolierte Image Amerikas aufpolieren. Obama will dafür sogar die permanente, die Clintons umgebende Zirkusatmosphäre, erdulden. Er müsse bei Hillarys Wahl „eingeraucht“ gewesen sein, ätzte Starreporter Bob Woodward: „Als Präsident geht es um Kontrolle – und keiner kann die Clintons kontrollieren…”.
Rücken freihalten. Doch Obamas Kalkül ist: Die in der Welt populäre und erfahrene Hillary soll ihm an der „Außenfront“ den Rücken freihalten. Denn Obama muss alle Kraft in die Rettung der untergehenden US-Wirtschaft stecken. Der Start scheint geglückt: Die Wahl des New Yorker Notenbankchefs Timothy Geithner (47) – einem brillanten, unabhängigen Saubermann – stoppte jüngste Kursrutsche: Der „Dow Jones“-Aktienindex schoss nach Bekanntwerden von Geithners Nominierung 495 Punkte nach oben. „Kann dieser Mann die Wirtschaft retten?“, fragte der Internet-Drudge Report aufgeregt.
Jobs. Einen Architekten des „Clinton Wirtschaftswunders“, Larry Summers, beförderte Obama zum Berater. Er könnte in einem Jahr den schläfrigen Ben Bernanke als US-Notenbank ersetzen. Obama platzt offenbar wegen der Stümpereien von Bush & Co der Kragen: Am Montag will er per Pressekonferenz die Finanzmärkte beruhigen – und den Rezessionsängsten mit dem Versprechen der Schaffung von 2,5 Millionen Jobs begegnen.
# 22. November: Sarah the Turkey-Slayer
Anchorage. Der Truthahn gehört traditionell auf den Festtisch der Amerikaner bei ihrem berühmtesten Feiertag „Thanksgiving“. Ebenso Tradition: Die Begnadigung selektierter Truthähne durch Politiker. Doch dieser PR-Stunt ging für Ex-Vizekandidatin Sarah Palin gründlich daneben: Als sie vor laufenden TV-Kameras einem Vogel das Leben schenkte schob dahinter ein Arbeiter einen anderen in den Schlachtapparat. Amerika lacht über die neue Palin-Blamage.
# 22. November: Tod am Internet
Miami. Schock und Trauer in Amerika über den bizarren Selbstmord eines Teenagers aus Florida – der live im Internet übertragen wurde. Abraham Biggs, ein 19-jähriger, manisch depressiver Student starb vor laufender Web-Kamera (Webcam) an einer Überdosis des Antidepressiva „Xanax“ und dem Opiat „Oxycodone“. Internet-Benützer sahen bei Biggs langsamen Sterben am Web zu. Niemand verständigte die Behörden: 12 Stunden lang.
„Tu es doch!“ Einträge aus Gesprächsforen bieten ein schockierendes Protokoll: Im Forum Bodybuilder.com hatte er bereits zuvor unter dem Codewort CandyJunkie einen Suizid angekündigt. Viele nahmen ihn nicht ernst, andere ermutigten ihn: „Tu es doch endlich, die Schwuchtel!“, schrieb einer. Die echte Tragödie beginnt Mittwoch, 3 Uhr früh. Biggs veröffentlicht einen Abschiedsbrief: Darin nennt er Liebeskummer als Hauptmotiv. Das Schreiben enthält auffällig viele „Ich“, für Experten wäre es ein klares Zeichen für die Selbstmordabsicht. Nach der Einnahme des Pillen-Cocktails startet Biggs eine Diskussion unter dem Titel: „Fragt einen Typen, der gerade an einer Überdosis stirbt!“ Er verlinkt zu Justin.tv, das Livebilder zeigt.
Tipps für Freitod. Ernst nimmt ihn niemand: „Wenn du wirklich sterben wolltest, würdest du das ganz anders angehen“, tippt einer. „Wieviel Xanax hast du genommen?“, will ein anderer wissen. „Acht Tabletten, 16 Milligramm. Dazu sieben Roxies und drei Ultram”, antwortet Biggs. Die Scherze gehen weiter: „Ich hoffe du hast einen Sack Geld vor der Türe gelassen, damit wir für dein Begräbnis bezahlen können“. Biggs liegt längst – für alle sichtbar – mit weißen Boxershorts und T-Shirt, am Bett.
Appell aus Indien. Wie viele tatsächlich zusehen ist unklar. 675.000 Besucher verzeichnete Justin.tv laut Statistik im Monat Oktober. Biggs stirbt langsam. Durch rasches Eingreifen hätte sein Leben gerettet werden können: Er hatte sogar seine Handy-Nummer publiziert. Statt der Polizei die Nummer zur Lokalisierung zu geben, rufen einige der Cyber-Voyeure selbst an. „Landete am Anrufbeantworter“, tippt einer. Immerhin wird bemerkt: „Sein Brustkorb dehnt sich nicht mehr“, schreibt jemand. Ein Zuseher aus Indien appelliert: „Bitte ruft die Cops! Lasst das nicht zu!“ Es ist 15 Uhr, als live im Web zu sehen ist, wie ein Polizist mit gezückter Dienstwaffe das Zimmer betritt, die Leiche inspiziert – und die Webcam abdreht.
Empörung. Biggs Familie macht ihrer Empörung Luft: „Ich verstehe nicht, dass niemand nur einen Finger rührte“, so seine Schwester gegenüber der New York Post. Biggs Suizid war nicht der erste Online-Freitod: In Großbritannien erhängte sich ein Mann vor laufenden Webcams, in Florida schoss sich einer in den Kopf. Vor allem Teenager hätten den Drang, so die „Popkultur“-Expertin Montana Miller zur Agentur AP, alles am Internet zu dokumentieren: Inklusive ihren Selbstmord.
# 21. November: Hillary!
Ex-First-Lady Hillary Clinton habe sich entschieden, das Angebot des gewählten Präsidenten Barack Obama für den Posten als US-Außenministerin anzunehmen. Das berichte die renommierte New York Times unter Berufung auf “zwei engste Vertraute”. Die “Breaking News”, die Freitag Nachmittag die US-TV-Kanäle dominierten, sind der Höhepunkt eines mehr als ein Woche alten Dramas mit immer stärkere Indizien für Hilarys Starrolle an Obamas Seite (ÖSTERREICH berichtete): Bestätigungen kamen nun auch aus Obamas Camp, wonach die Durchleuchtung vor allem der Cliton-Finanzen “zufriedenstellend” verlaufen sei.
Die offizielle Ankündigung der Clinton-Nominierung soll nach dem “Thanksgiving”-Feiertag nächste Woche erfolgen. In einem Telefonat zwischen Obama und Clinton – die sich in den Demokrarten-Vorwahlen im Frühjahr noch bis aufs Messer bekämpften – sollen letzte “Details” besprochen und Bedenken ausgeräumt worden sein, so Insider. Vor allem umstrittene Finanztransaktionen ihres Ex-Präsidenten-Gatten Bill galten bis zuletzt als Stolperstein: Mr. Clinton soll nun, berichtet die “New York Daily News”, eingewilligt haben, alle Spender der insgesamt gesammelten 560 Millionen Dollar für seine Präsdidentschaftsbibliothek bekanntzugeben. Team Obama hatte befürchtete, dass bei den Senats-Hearings zur Bestätigung Clintons “Leichen im Keller” gefunden werden hätten können.
Zur Beseitigung von Interessenskonflikten mit der Arbeit ihrer Gattin im “State Department”, soll Clinton auch seine bezahlten Vortragsreisen einschränken. Hillary ist als Amerikas neue Chefdiplomatin “der absolute Star” in Obamas Kabinett: Euphorische Stellungnahmen kamen von Kalifornien-Gouverneur Arnold Schwarzenegger oder Ex-Außenministerlegende Henry Kissinger. Es gab aber auch Kritik– vor allem aus Obamas eigener Bewegung: Ein Clinton-Comeback würde Obamas wichtigstes Wahlversprechen nach “Wandel” verwässern.
# 21. November: Abstieg Amerikas
Washington. Die Supermacht USA steht vor einem gewaltigen Abstieg, warnen eigene Geheimdienste in einem brisanten Report. Der Dollar könnte seinen Status als Weltwährung einbüßen, sogar Amerikas einzigartige militärische Dominanz massiv untergraben werden, so de Studie „Global Trends 2025“ des Nationalen Geheimdienstrates (NIC). „Irreguläre Kriegstaktiken“, die Verbreitung „weitreichender Präzisionsraketen“ und eskalierende Cyber-Angriffe könnte den Spielraum des US-Militärs einschränken.
Risiken. Aufsteigende Wirtschafts-Supermächte wie China oder Indien werden das globale Machtgefüge nach Osten verlagern: Zusätzliche 1,2 Milliarden Erdenbürger würden westliche Staaten mit nur mehr drei Prozent der Weltbevölkerung zurücklassen. Hinzu komme ein „historischer Transfer“ von Wohlstand und Wirtschaftsmacht von West nach Ost. Amerika würde künftig eine prominente aber nicht mehr dominierende Rolle auf der Weltbühne einnehmen. Das seit dem zweiten Weltkrieg existierende Machtgefüge werde im Jahr 2025 „nicht mehr wiederzuerkennen sein“, so der 120 Seiten lange Report. Der Transfer sei jedoch “voller Risiken”. Das organisierte Verbrechen könnte ein „osteuropäisches Land übernehmen“, heißt es.
Abstieg Al-Kaidas. Der Kampf um knappe Ressourcen wie Öl oder Trinkwasser würde neue Kriege provozieren. Hinzu kommen Konsequenzen des Klima-GAUs: Geflutete Küstenregionen, Dürren, Hungersnöte. Nur Russland und Kanada wären „Gewinner“: In deren auftauenden Norden könnten neue Ölfelder erschlossen werden. Einen Abstieg wird der Terror-Truppe Al-Kaida vorhergesagt: Wegen der Taktik des ziellosen Tötens wenden sich einstige Fans aus der Moslemwelt angewidert ab.
# 20. November: Obamas Dreamteam
Chicago. Barack Obama füllt seine Kabinettsposten Schlag auf Schlag. Er setzt auf Erfahrung, Schlagkraft und Starpower: Als ultimativer Star im Team Obama ist Ex-Rivalin Hillary Clinton im Gespräch. Zum Justizminister beförderte er den Ex-Vize im Justizministerium unter Bill Clinton, Eric Holder. Wirtschaftsministerin könnte die Milliardärin und Vertraute aus Chicago, Penny Pritzker, werden. Als Heimatschutzministerin holte Obama, der als US-Präsident Nr. 44 am 20. Jänner vor vier Millionen Menschen pompös vereidigt wird, die Arizona-Gouverneurin Janet Napolitano. Als Gesundheitsminister wählte er den Senats-Veteranen Tom Daschle.
Bills Finanzen. Mit “bedachter Eile“, so Obama kurz nach seinem Wahltriumph, hatte er sein Kabinett bilden wollen. Jetzt wurde auch wegen der eskalierenden Wirtschafts-Probleme daraus ein Rekordtempo. Das Abklopfen der Kandidaten könnte dabei zu kurz gekommen sein. Es drohen explosive Kongress-Hearings zur Bestätigung der Kandidaten: Im Fall Hillary werden die Millionengagen ihres Gatten diskutiert. Und 563 Millionen Dollar sammelte Bill für seine Präsidentschaftsbibliothek – viele Spender hielt er geheim. „Ich werde alles tun, um Hillary nicht im Weg zu stehen“, versprach er Kooperation beim Offenlegen seiner Finanzen. Obamas „Sheriff“, Justizminister Holder, der die Skandale der Bush-Ära durchleuchten soll, geriert ins Zweilicht, als er Clintons umstrittene Pardonnierung des flüchtigen Millionenjongleurs Marc Rich absegnete. Und Daschle muss sich als künftiger Reformer des kaputten US-Gesundheitswesens wegen drohender Interessenskonflikte verteidigen: Seine Frau ist Lobbyistin, Daschle sitzt im Aufsichtsrat des Elitespitals “Mayo Clinic”.
Insider. Die lauteste Kritik kommt jedoch aus Obamas eigenem Lager: Die Fülle an Top-Leuten aus der Clinton-Ära oder Washington-Insider torpediere den versprochenen Neustart. Kriegsgegner wettern gegen die Berufung von „Falken“ wie Hillary, die 2002 den Irakkrieg autorisierten.
# 19. November: Hold for Holder
Chicago. Das öffentliche Katz- und Mausspiel um die Nominierung von Hillary Clinton als US-Außenministerin eskaliert: Top-Anwälte wühlen sich durch ihre Finanzen sowie vor allem jene ihres globetrottenden Gatten Bill. Doch gerade als TV-Stationen vom „zügigen Voranschreiten“ der Nominierung berichteten, kamen Zweifel aus dem Hillary-Lager selbst: Keinesfalls sicher sei nun plötzlich, dass sie den Posten annehme, zitierte der Webdienst Politico.com Insider.
Ein möglicher Grund: Als Amerikas Chefdiplomatin wäre es Hillary unmöglich, die 7,9 Millionen Dollar Schulden aus dem Vorwahlkampf abzutragen.
Sheriff. Hillarys möglicher Präsidentenboss Barack Obama füllt inzwischen flott andere Positionen seines Kabinetts: Mit Eric Holder machte er einen knallharten New Yorker Ankläger zum Justizminister. „Obamas Sheriff“, so US-Medien, dürfte auch mögliche Verbrechen der Bush-Ära – inklusive Folter und Machtmissbrauch – untersuchen.
# 18. November: Bill als Stolperstein für Hill?
New York. Die Aufregung um Ex-First-Lady Hillary Clinton als mögliche US-Außenministerin steigt stündlich: Sie habe den vom kommenden US-Präsidenten Barack Obama angebotenen Job „angenommen“, berichtete das Britenblatt Guardian. Doch letzter Stolperstein könnte Gatte Bill werden, dessen globale Aktivitäten zu Interessenskonflikten mit einer Gattin im State Department führen. Frustriert sei das Obama-Team auch, so der Webdienst Politico.com, dass Clinton brisante Finanzinfos „nur zögerlich“ übermittle.
Bills Deals. Bills Millionen könnten zu peinlichen Enthüllungen in den Kongress-Hearings zur Bestätigung von Hillarys Posten als Amerikas Chefdiplomatin führen: 54 von Banken, Regierungen oder Lobbygruppen organisierte Vorträge hielt er im Vorjahr und scheffelte 10,1 Millionen Dollar. Sein Wohltätigkeitsimperium Clinton Global Initiative sammelte seit 2005 30 Milliarden Dollar. Dazu gibt es eine geheime Spenderliste für seine Präsidentschaftsbibliothek. Die Kernfrage: Wem schuldet Bill was? Und welchen Einfluss hätte das auf Hillarys Job? Obamas Berater bezweifeln bisher jedoch, dass er die Berufung zum Entgleisen bringt: „Obama hätte ihr den Job nicht angeboten, wenn er das glauben würde”.
# 17. November: Obama unplugged
Washington. Der designierte US-Präsident Barack Obama gab in seinem ersten Interview der Entschärfung der globalen Wirtschaftskrise oberste Priorität: „Mein erster Job als Präsident ist, das Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherzustellen“, so Obama zum TV-Sender CBS: Dabei steche das Ankurbeln der Wirtschaft Sorgen über explodierende Budgetdefizite vorerst aus. Obama will vor allem vom Bankrott bedrohten Hauseigentümern helfen – aber auch der untergehenden US-Autoindustrie: „Doch das kann kein Blankoscheck sein“, stellte er klar: Detroit müsse ökofreundliche Autos bauen.
Irak-Abzug. Obama kündigte die verstärkte Jagd auf Al-Kaida-Terrorführer Osama Bin Laden, an: „Die Festnahme oder Tötung Bin Ladens ist ein wichtiger Aspekt bei der Ausradierung Al-Kaidas“, polterte er. Ernst wird es ab dem 20. Jänner – wenn er mit Gattin Michelle und den Töchtern ins Weiße Haus einzieht (siehe unten) – mit dem Truppenabzug aus dem Irak: „Am Tag Eins werde ich meine Militärchefs mit der Exekution eines Abzugsplans beauftragen“. Obama bekräftige auch die beabsichtigte Schließung des Terrorknast auf Guantanamo Bay und ein Folterverbot: „Nur so kann Amerikas moralische Statur in der Welt wiederhergestellt werden”.
# 16. November: Fire!
Los Angeles. Immer neue Brandherde brachen zwischen dem Küstentraumort Santa Barbara bis zu Vororten der Millionenmetropole Los Angeles aus. „Mit 600 zerstörten Wohnwagen ist es das schlimmste Feuer in L.A. seit 47 Jahren“, so Bürgermeister Antonia Villaraigosa. „Kaliforniens Alptraum“, titelte der Internet-Drudgereport. Ein Dutzend explodierender Großbrände verkohlte eine Fläche von 3.400 Hektar. Zusätzlich zu der ausradierten Wohnwagensiedlung blieben 300 weitere Brandruinen zurück – 111 allein im Traumort Montecito, wo Stars von Schauspieler Rob Lowe bis Talkqueen Oprah Winfrey mit dem Schrecken davonkamen. 30.000 Menschen waren in Südkalifornien auf der Flucht vor dem Inferno, 1000 weitere Gebäude sind bedroht.
„Katastrophal“. „Governator“ Arnold Schwarzenegger rief den Notstand in vier Kalifornien-Bezirken aus: „Die Lage ist katastrophal“, so Arnie. Die extreme Wettersituation macht den Kampf der 12.000 Feuerwehrleute oft zur „Mission Impossible“, so Experten: Neben dem Föhnsturm stieg die Temperatur in L. A. auf 35 Grad Celsius. Mit nur zehn Prozent Luftfeuchtigkeit blieb die Brandgefahr hoch. Die Feuer führten auch zu „rollenden Stromausfällen“, so Villaraigosa, nachdem von Flammen bedrohte Stromleitungen stillgelegt werden mussten. Behörden warnten vor gefährlichem Smog: Kinder und Asthmapatienten sollen drinnen blieben.
Teils live im US-TV übertragen spielten sich dramatische Szenen ab: Die Flammenwalzen, die sich bis zu 30 Meter hoch auftürmten, fraßen sich durch idyllische Vororte. Mit Böen bis zu 122 Stundenkilometer bliesen die gefürchteten Santa-Ana-Winde von der Bergkette herunter. Firefighters stemmten sich hilflos in der Gluthitze gegen das Inferno. Dahinter rannten zu spät flüchtende Anrainer um ihr Leben. Glutbälle regneten wie in einem apokalyptischen Hollywoodmovie vom Himmel. Ein Mann rettete sich blutüberströmt aus einem Haus, nachdem ein Mauer auf ihn stürzte.
Drama in Spital. „Das Feuer rast schneller, als ihr laufen könnt“, hatte Fire-Chief Donald Frazor gewarnt. Am Freeway I-5 kam es fast zur Massenkarambolage, als pechschwarzer Rauch über die sechsspurige Fahrbahn wehte. Anrainer hielten völlig verstörte Pferde an den Zügeln, die durch das Flammenmeer irrten. Inmitten der sich blitzschnell entfaltenden Katastrophe blieb kaum mehr Zeit für die Evakuierung des „Olive View“-Spitals: Die Flammen loderten bereits in der Gartenanlage. Das Personal drehte das Lüftungssystem ab. Krankenschwestern liefen mit Taschenlampen durch die dunklen, verrauchten Gänge. „Feuerwehrleute verteidigten draußen mit aller Kraft des Gebäude“, so Sprecherin Carla Nino. In letzter Sekunde konnten die Patienten – darunter Säuglinge und Kinder – evakuiert werden.
Tränen. Herzzerreißende Szenen spielten sich vor dem ausgelöschten Trailerpark in Sylmar ab: „Alles ist weg“, so Augustine Reyes zu CNN: „Ich habe einen siebenjährigen, autistischen Sohn, für den jede Umstellung ohnehin sehr schwierig ist“. Dann brach er unter Tränen zusammen. „Wir haben hier totale Zerstörung“, schüttelte der Feuerwehrmann Steve Ruda angesichts der hiroshimaähnlichen Ruinenlandschaft den Kopf: „Sogar die Straßenschilder sind geschmolzen“. Mit Suchhunden durchstreifen Polizisten die Ruinen: „Wir hoffen, dass allen die Flucht gelang“, so Ruda: Nachsatz: „Wir hoffen“.
# 16. November: Obama verspricht Hilfe für Hausbeseitzer
Washington. Der kommende Präsident Barack Obama hat die Spekulationen über seine Ex-Rivalin Hillary Clinton als künftige Außenministerin weiter geschürt: Er werde den Rat seines Idols Abraham Lincoln folgen, ehemalige Rivalen in seine Team zu holen. „Er war ein sehr weiser Mann“, so Obama im US-TV. Er deutet auch an, Republikaner in sein Kabinett zu berufen.
Hillary-Hype. Schützenhilfe bekam Hillary auch vom republikanischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger: „Sie wäre eine tolle Wahl“, sagte Arnie. Obama hat im ersten TV-Interview nach dem Wahltriumph sofortige Hilfe für von der Pleite bedrohte Hausbesitzer angekündigt. „Wir müssen ihnen helfen, damit sie in ihren Häusern bleiben können“, sagte Obama mit Gattin Michelle an der Seite. Nur so könne die Talfahrt der US-Wirtschaft gestoppt werden.
Kinder in die Schule? Die künftige First Lady beschreibt den Moment, als der Sieg feststand: „Du bist der 44. Präsident der USA“, habe sie gesagt: „Was für ein großartiges Land, in dem wir leben“. Laut Obama hätte sie ihn prompt gefragt, ob er am nächsten Tag nach wie vor die Kinder zur Schule bringen werde. In Sachen Wirtschaftsrettungspakete sei Obama im Kontakt mit der Bush-Regierung, sagte er. Er kündiget explizit per „Überbrückungskredit“ eine Hilfe für die kollabierende Autoindustrie an. Fragt er sich: In was bin ich hier hineingeraten? Obama: „Die Herausforderungen sind gewaltig“.
# 15. November: Madame Secretary Hillary?
Washington. Der Hype um die mögliche Berufung der Ex-First-Lady Hillary Clinton zur US-Außenministerin unter dem nächsten Präsidenten Barack Obama eskaliert. Nach einem Treffen am Donnerstag in Chicago liefert ABC-TV neue Details aus Hillarys Umfeld: „Sie hatte den Eindruck erhalten, dass sie den Job haben könnte, falls sie wolle“. Andere widersprechen: Der Ball würde bei Obama liegen. Prompt traf sich der mit einem weiteren Kandidaten, New-Mexico-Gouverneur Bill Richardson.
Hillary 2016? Hillary könnte als Star des Obama-Kabinetts der „Karrieresackgasse“ des Senats entkommen, so TV-Kommentator Chuck Todd: Dort ist keine Führungsposition für sie in Sicht. Ihre Rolle als zentrale Figur bei Amerikas diplomatischem Neustart hingegen könnte sogar zum Sprungbrett für einen neuen Anlauf auf das Oval Office 2016 dienen.
# 14. November: Hillary!
Mit Hillary als „Madame Secretary“ hätte Präsident Obama einen Star auf der Weltbühne – und könnte die Demokratenpartei versöhnen.
Washington. Eine unmarkierte Wagenkolonne rollte aus der Garage des Hauptquartiers für die Machtübernahme des nächsten US-Präsidenten Barack Obama in Chicago. Journalisten tuschelten: „Wer war das?” Dann der nächste Puzzlestein: Ex-First-Lady Hillary Clinton wurde auf einem Linienflug nach Chicago erspäht. Und hatte sie nicht jüngst gesagt: „Ich werde alles tun, um Obamas Präsidentschaft zum Erfolg zu verhelfen.“ Für die Medien gab es kein Halten mehr. Und Obama-Berater bestätigten: “Ja! Hillary könnte Außenministerin werden!”
Coup. Damit steht Amerika wenige Tage nach Obamas historischem Triumph als gleich vor der nächsten Polit-Sensation: Hillary Clinton wäre als „Madame Secretary“ und berühmtester Frau der Erde der ultimative Star des Obama-Kabinetts – und in der US-Machtabfolge die Nr. 4 (nach Obama, Vize Joe Biden und Kongress-“Speaker” Nancy Pelosi).
Obama könnte, heißt es, gleich zweifach punkten:
# Die rund um die Welt hochpopuläre Hillary könnte die Imagepolitur der USA im Rekordtempo vollziehen – und effektiv die rapide angewachsene Liste dringender Weltprobleme anpacken. Ihr Netzwerk ist gewaltig: 51 Staaten besuchte sie als First Lady zwischen 1993 und 2001. Als Star des Außenpolitikausschusses des Senats traf sie Schlüsselfiguren explosiver Weltregion. Dazu hat sie Zugriff auf die glamouröse Liste ihres Gatten Bill: Die ist voller Weltstars á la Bono, die ihm bei karitativen Großprojekten wie dem Kampf gegen AIDS behilflich sind.
# Der erbitterte Kampf im Vorwahlkrimi zwischen Hillary und Obama hatte die Demokratenpartei fast zerrissen. Ihre Fans kochten, als Obama sie nicht zur Vizekandidatin kürte. „Der Posten könnte die Kluft in der Partei heilen“, schreibt der Washington Post-Kolumnist Al Kamen. Der Tenor, so die New York Post: „Besser die Clintons einbinden, als sie außerhalb die Messer wetzen lassen“.
Es gibt aber auch Kritiker: Mit der Berufung des Ex-Clinton-Beraters Rahm Emanuel zum Stabschef und anderer Größen aus der Clinton-Ära verwässere Obama sein Versprechen nach einem Bruch mit der Polit-Vergangenheit.
Arnie als Klimazar? Inmitten des Hillary-Hypes bastelt Obama an seinem Kabinett. Weitere Sensationen könnten in der Luft liegen: Als Verteidigungsminister war Ex-Golfkriegsgeneral Colin Powell im Gespräch. Und nach der Absage von Klimaguru Al Gore für den Posten eines Klimazar wird spekuliert, dass Kaliforniens „Governator“ Arnold Schwarzenegger einberufen werden könnte.
# 14. November: Mum-in-Chief
Washington. Mit Gattin Michelle hat Barack Obama auch eine starke Polit-Partnerin zur Seite. Die umjubeltste First Lady seit Jackie Kennedy wollte zwar ihr exakte Rolle im Obama-Team noch nicht genau definieren: „Ich kann von allen Vorgängerinnen lernen“, sagte sie zuletzt diplomatisch. Und niemand erwartet, dass Obama seiner Frau die Übernahme ganzer Politprojekte übertragen will wie Vorgänger Bill Clinton Gattin Hillary (sie scheiterte mit „ihrer“ Gesundheitsreform kläglich).
Michelle‘s Law. Doch ihre Stimme wird, so Kenner der Obama-Familie, ins Gewicht fallen. Auf niemanden höre Obama so, versichern Strategen, wie auf seine Frau. „Michelle‘s Law“, ihre Gesetze, wird gerne gescherzt. „Sie kritisiert ihm, wenn er sich im Ton vergreift oder er sich in seiner politischen Botschaft verzettelt“, so ein Insider. Um ihr OK für die Kandidatur zu erhalten, hatte er das Rauchen aufgeben müssen.
Frauen-Power. Die Karriereanwältin Michelle spielte auch im Wahlkampf eine tragende Rolle – besonders bei Frauen: Für arbeitende Mütter wurde sie zum Idol. In ihren Stab werken dazu ausschließlich Frauen. Doch zuerst konzentriert sie sich auf ihre Rolle als „First Mum“, so das Magazin People: Den Töchtern Malia (10) und Sasha (7) soll die Übersiedlung ins Weiße Haus so leicht wie möglich gemacht werden.
# 12. November: Guantanamo aus!
Washington. Während der kommende US-Präsident Barack Obama am Veteranen-Gedenktag an der Seite der beinamputierten Irakkriegsheldin Tammy Duckworth einen Kranz niederlegte, werden Konturen seiner Weltpolitik sichtbar. Mit der Schließung des weltweit verdammten Anhaltelager für Amerikas Gefangene im Krieg gegen den Terror auf der US-Basis Guantanamo Bay will er ein Signal „eines diplomatischen Neubeginns setzten“, so Beobachter. Die klare Botschaft: Die dunkle Bush-Ära der Folter und geheimer Gulags sei zu Ende.
Prozess. Den 250 Gefangenen, darunter hochkarätige Al-Kaida-Bosse wie 9/11-Mastermind Khalid Sheik Mohammed, soll in den USA der Prozess gemacht werden: Team Obama schwebt eine juristische Hybrid-Lösung aus militärischer und ziviler Aburteilung vor. Die größte Herausforderung: Die Anklage müsste ohne durch Folterpraktiken wie „Waterboarding“ (wo das Ertrinken simuliert wird) gewonnenen Geständnisse auskommen.
Abrechnung. Eine Abrechnung mit den Praktiken der Bush-Krieger wird auch auf der Geheimdienstfront erwartet: Sowohl der Nationale Sicherheitsdirektor Mike McConnell als auch CIA-Chef Michael Hyden stehen vor der Ablöse. Der Hauptgrund: Sie sollen rechtswidrige Verhörpraktiken geduldet haben.
Bei Obamas Jagd auf Superterroristen Osama Bin Laden soll der Fokus wieder „weit stärker auf den Afghanistankriegsschauplatz“ liegen, so Berater, samt Entsendung neuer Truppenkontingente.
Zeichen des versprochenen Neubeginns setzt Obama auch nach Innen: Durch neue Ethik-Regeln wurde der Zugriff spendabler Lobbyisten gestoppt.
# 12. November: ORF-Emmerich-Kritik
New York. Die Empörung über die rassistische Aussage des ORF-Kommentators Klaus Emmerich, wonach er nicht wolle, dass die westliche Welt von einem Schwarzen dirigiert werde, sorgt auch in Amerika für einen Medienwirbel. Der TV-Sender CBS platzierte auf seiner Website eine ausführliche Story über Emmerichs Entgleisung – und die anderer Europäer wie jenem polnischen Abgeordneten, der über das Ende der „weißen Zivilisation“ lamentierte und Italiens Premier Silvio Berlusconi, der über den „sonnengebräunten Obama“ scherzte.
# 11. November: “Fühl dich zu Hause”
Washington. Die Bilder von Newcomer Barack Obama und Noch-Präsidenten George W. Bush im Oval Office waren harmonisch: „Fühl dich zu Hause“, schien Bush laut New York Post zu deuten. Doch als die Fotografen weg waren, wurde hart um Pläne zur Stimulierung der kaputten US-Wirtschaft gerangelt: Obama forderte ein neues Stimuluspaket in der Höhe von 190 Milliarden Dollar – inklusive 50 Milliarden zur Rettung der kollabierenden Autoindustrie in Detroit. Bush wollte, wie Berater Teile des animierten Gespräches rekonstruierten, als Gegenzug das OK für ein Handelsabkommen mit Kolumbien, das Demokraten wegen laxer Arbeitsplatzstandards bisher blockierten.
# 10. November: Bye Bush!
Der neue US-Präsident Barack Obama dürfte seine Amtszeit in 70 Tagen mit einem „Big Bang“ starten: Amerika steht vor dem Kurswechsel.
Washington. Noch nie hatte der neue US-Präsident Barack Obama einen Fuß in das Oval Office gesetzt. Montag nach 12 Uhr saß er schließlich in Amerikas Nervenzentrale – mit dem Wappen des Präsidenten an der Decke graviert. In nur 70 Tagen wird Obama die krisengeschüttelte Supermacht von dem legendären „Resolute“-Schreibtisch (ein Geschenk von Briten-Queen Victoria aus 1880) aus lenken. Nun vermittelte ihm Noch-Präsident George W. Bush, so Stabschef Josh Bolton, einen Eindruck, „wie die wichtigsten Aufgaben an einem typischen Präsidententag zu erledigen sind“. First Lady Laura gab ihrer Nachfolgerin Michelle inzwischen eine Tour durch die Privatgemächer des Riesenkomplexes mit 100 Zimmern, 100 Angestellten und 5.100 Quadratmetern Wohnfläche.
Abrechnung. Die Machtübergabe wird bisher als eine der schnellsten und zivilisiertesten beschreiben. Bush schwärmte nach Obamas historischem Erdrutsch-Sieg letzten Dienstag über den „Triumph Amerikas“. Doch trotz aller Höflichkeitsfloskeln hat der Countdown für ein brutales und vollständiges Aufräumen mit der Bush-Ära längst begonnen: Obamas Anwälte pflügen sich in Tag- und Nachschichten durch 200 Bush-Dekrete. Als Teil des geplanten, furiosen „Big Bang“-Starts der Obama-Präsidentschaft sollen alle Bush-Gesetze über den Haufen geworfen werden, die nicht „den Interessen des Landes“ dienen, so Obamas Chef des Transition-Teams John Podesta.
Im Detail: Obama will Restriktionen bei der Forschung mit Stammzellen von Embryos aufheben. Bush hatte die als Zuckerl für Abtreibungsgegner verhängt. Aufhorchen ließ der Obama-Plan, den weltweit angeprangertem Terroristen-Knast auf der US-Basis Guantanmo Bay schließen zu wollen (siehe rechts).
Hygienetücher. Trotz aller Kontroversen drängt Obama Bush auch zu einem Stimulus-Paket für die in die Rezession schlitternde US-Wirtschaft in der Höhe von 190 Milliarden Dollar noch in seiner Amtszeit. Die Kooperation dürfte schwierig werden, so Beobachter. Denn schon das erste Treffen der beiden im Jahr 2005, verlief desaströs: Bush hatte, so Obama in seiner Bio „Hoffnung Wagen“, sich nach dem Händedruck Hygienetücher reichen lassen. Obama “revanchierte” sich: Er legt freundschaftlich seine Arm auf Bushs Schulter, fast ein Affront, der Bodyguards und Berater zusammenzucken ließ.
# 10. November: Obamas Abrechnung mit der Bush-Ära
Der neue Präsident Barack Obama plant die Revidierung zahlloser Bush-Gesetze:
# Steuern: Obama will die von Bush durchgesetzten Steuererleichterungen für Reiche revidieren. Die Mittelklasse soll dafür entlastet werden: 95 % der Einkommensbezieher könnten pro Jahr im Schnitt 1000 Dollar sparen.
# Guantanamo Bay: Die USA stand wegen dem Anhaltelager in Bushs „Krieg gegen den Terror“ am Pranger, Obama will den Knast schließen – und Häftlinge von US-Gerichten aburteilen lassen.
# Umwelt: Bush hatte gerade das Bohren nach Öl auf 1.560 Quadratkilometern an „Bundesgrundstücken“, vor allem im Staat Utah, genehmigt. Obama will die Dekrete sofort rückgängig machen: Er forciert den Ausbau alternativer Energieträger stattdessen.
# Entwicklungshilfe: Bush hatte Hilfsgruppen Fördergelder entzogen, die Beratungen für Abtreibungen vornehmen. Mit dieser „rechtsideologischen“ Politik soll nun Schluss sein.
# Finanzrettungspakete: Obama hat eine Überarbeitung des 700-Milliarden-Dollar-Rettungspakets für Wall Street angedeutet: Experten bezweifelten die Effektivität. Dazu hatten Bush eine skandalöse Steuersenkung für Banken von 140 Milliarden Dollar hineingepackt.
# 9. November; Look who is coming to the White House?
Washington. US-Präsident George W. Bush empfängt Montag seinen historischen Nachfolger Barack Obama im Weißen Haus wie einen Staatsgast. Während First Lady Laura Obama-Gattin Michelle eine erste Tour ihres neuen Heimes im Ostflügel gibt, führt Bush Obama im Oval Office in die Tücken des mächtigsten Poltjobs der Erde ein.
„Triumph“. Vor dem Treffen schwärmte Bush: Obamas Wahl sei „ein Triumph der Amerikanischen Geschichte“. Trotz freundlicher Worte tobt hinter den Kulissen der Machtübernahme, die am 20. Jänner vollzogen wird, der Showdown: Team Obama indentifizierte bereits 200 Bush-Gesetze vom Klimaschutz bis zur Stammzellenforschung, die sofort null und nichtig gemacht werden sollen. „Alles ideologische “, so Ex-Clinton-Berater Dan Mandelson zur Washington Post. Bush selbst will mit einer Lawine an Dekreten in letzter Minute sein eigenes Erbe einzementieren.
Das Gerangel schwappte auch nach Übersee: Obamas Stab stellte klar, dass es „keine fixe Zusage“ gäbe, an dem von Bush gestarteten Raketenschutzschirm mit Radaranlagen in Polen und Tschechien weiterzubauen. Das Projekt hatte zu Ärger mit Moskau geführt.
# 8. November: Palin Peinlich
Washington. Für die Basis der Republikpartei (GOP) ist Ex-Vizekandidatin Sarah Palin der Star der Zukunft: Laut Umfrage würden sie 64 Prozent wählen, sollte sie sich für die GOP-Vorwahlen zur nächsten Präsidentschaftswahl 2012 stellen. Sie hängt damit Hoffnungsträger wie Mike Huckabee und Mitt Romney deutlich ab.
Kaufrausch. Zuletzt enthüllte, blamable Wissenslücken scheinen Palins rechte Fans nicht zu stören: Sie hatte geglaubt, Afrika sei ein Staat und kein Kontinent, sich dazu wie eine Diva aufgeführt und in einem „Kaufrausch“ für sich, ihre Kids und Gatten Todd um 80.000 Dollar mehr ausgegeben als die kolportierten 150.000 Dollar. Die Hoteltüre hätte sie, so Insider, einmal halbnackt, geöffnet. Palin schoss zurück: Diese „Dreckskerle“ hätten nicht einmal den Mut, vorzutreten.
8. November: Das neue Leben der Obamas im W.H.?
Still und nachdenklich sollen Barack Obama (47) und Gattin Michelle (44) gewesen sein, als sie im Kreis der engsten Familie in einer Suite des Hyatt-Hotels in Chicago kurz vor 22 Uhr Ortszeit im TV die Verkündigung des Triumphes verfolgten. “Es war nicht wie draußen, wo Menschen jubelten und schrieen”, erzählte Schwiegermutter Marian Robinson (71) dem Magazin “People”. Nicht nur bange Gedanken über die Übernahme des kaputten Amerika dürften den Obamas durch den Kopf geschossen sein – sonder auch die Ungewissheit ihres neuen Lebens im White House.
Denn die Herausforderung sind auch an dieser Front gewaltig: Für die beiden süßen Töchter Malia (10) und Sasha (7) muss in D.C. eine neue Privatschule gesucht werden. “Sie werden ihre Freunde gewaltig vermissen”, so ein Familienfreund. Auch die geliebten “Sleepovers” (Pyjamaparties) sind in dem wie Fort Knox bewachten Nervenzentrum der Supermacht unrealistisch. Entscheidungen warten: Welche der Zimmer der Privatgemächer im Ostflügels des 1792 errichteten Gebäude beziehen die Eltern, welche die Kids? Wie werden sie eingerichtet? Wie sieht der neue Tagesablauf in der präsidialen “Isolationshaft”, so ein Historiker, aus?
Immerhin: “Für Kinder ist Anfangs jeder Tag im Weißen Haus wie Weihnachten”, erzählte Buchautor Doug Wead dem Tabloid “US Weekly”: “Berühmte Leute gehen ein und aus – Geschenke türmen sich”. Obama versüßte seinen Töchtern das bevorstehende Ende jeglicher Normalität mit dem Versprechen, einen “First Dog” anzuschaffen. Malia favorisierte zuletzt einen “Golden Retriever-Puddle”-Mischling. Trotz allem Pomp soll die strikte Erziehung fortgesetzt werden: Nur eine Stunde TV pro Tag, Bettenmachen, Lichtaus um 20:30 Uhr.
Als “Liebe meines Lebens” huldigte Obama Gattin Michelle bei der Siegerparty vor 250.000 tosenden Fans in Chicagoer. Längst ist sie in die Rolle einer natürlichen Polit-Partnerin hineingewachsen – und wird laut praktisch allen Prognosen als First Lady mit ihrer Brillanz, Eleganz und Mitgefühl als neue Jackie Kennedy für Furore sorgen. Dabei stand die Karriereanwältin den Polit-Ambitionen ihres Gatten Anfangs skeptisch gegenüber. “Du denkst immer nur an dich selbst”, hätte sie ihn laut Obama-Bio angefaucht: “Ich dachte nie, dass ich meine Familie allein großziehen muss!” Nun überlebte die Romanze sogar den 21 Monate langen Wahlkampfmarathon. Das Geheimnis: “Date-Nights”, romantische Dinners, für die sich Obama selbst im hektischen Wahlkampffinale Zeit nahm. Das künftige Leben in einem Haus mit 5.100 Quadratmetern Wohnfläche, hunderten Mitarbeitern und Bodyguards des “Secret Service” stellt jedoch die Ehe vor recht praktische Probleme: “Ich musste mir oft eine Termin mit meinem Gatten geben lassen”, verblüffte die amtierende First Lady Laura Bush zuletzt. Toll für die Obamas: Nach dem andauernden Herumjetten im Wahlkampf leben sie wenigstens nun wieder unter einem Dach.
# 7. November: Wut über Verbot der Homoehe
Los Angeles. Die wütenden Proteste von Kaliforniens Schwulen gehen nach dem verhängten Verbot der Homoehe mit unverminderter Intensität weiter. Denn als am Dienstag Millionen den historischen Wahlsieg von Barack Obama als ersten schwarzen US-Präsidenten feierten, gab es für Schwule in dem sonst progressiven Westküstenstaat eine schallende Ohrfeige: Per Volksabstimmung hatte eine knappe Mehrheit die zuvor von Gerichten legalisierten und von Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterstützten Schwulenehen als „verfassungswidrig“ erklärt.
Eheboom. In den letzten vier Monaten waren 18.000 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen worden. Euphorisch stürmten Gays aus ganz Amerika die Standesämter von San Diego bis Sacramento – darunter Hollywoodstars wie Elen DeGeneres.
Nun explodiert die Wut: In San Franzisko gab es Krawalle, in L. A. zogen 2.000 vor einen Mormonen-Tempel. Die Sekte, so Schwulen-Aktivisten, hätte Millionen Dollar in TV-Spots und Massenbriefsendungen zur Propagierung das Eheverbots gepumpt. „Amerika ist doch keine Theokratie“, tobte einer. Die Diskriminierung wird mit dem Verbot gemischtrassiger Ehen verglichen, das in Kalifornien erst 1959 aufgehoben worden war. Prompt wurden drei Klagen gegen das neue Homoeheverbot eingebracht. Die Legalität der geschlossenen Ehen wird nun in einem langwierigen Rechtsstreit entschieden.
# 7. November: Obama calling…
Chicago. Der nächste US-Präsident Barack Obama streckte der Welt die Hand mit aktiver Telefon-Diplomatie entgegen: In seinem Chicago-Büro plauderte er mit neun Staats- und Regierungschefs, darunter Deutschlands Angela Merkel, Frankreichs Nicolas Sarkozy, Israels Ehud Olmert, Großbritanniens Gordon Brown oder Japans Taro Aso. Besonders Sarkozy hat offenbar, so sein Stab, das Obama-Fieber gepackt: Er freute sich über den „brillanten“ Wahltriumph. Der italienische Premier Silvio Berlusconi stand vorerst nicht auf Obamas Schnellwahlliste: US-Medien griffen entrüstet Berlusconis Entgleisung auf, als der über den „sonnengebräunten“ Obama scberzte.
Börsenbeben. Neben Glückwünschen dominierte die Weltwirtschaftskrise und prolongierte Börsenbeben die Telefonate. Der New Yorker „Dow Jones“-Aktienindex stürzte allein in Obams ersten beiden Tage als „President-elect“ fast 1.000 Punkte oder 9,7 Prozent. Obama soll daher bei dem vom amtierenden Präsidenten George W. Bush abgehaltenen G20-Krisengipfel nächsten Freitag eingebunden werden. Obamas erste große Pressekonferenz wurde ebenfalls vom Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession dominiert. Die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher erreichte den höchsten Stand seit 25 Jahren.
Stimulus. Obama unterstützt den Demokraten-Plan, innerhalb von 30 Tagen ein weiteres Stimulus-Paket durchzuboxen. Die Höhe: 100 Milliarden Dollar. Rasch soll auch ein neuer Finanzminister nominiert werden. Favorit ist der Ex-Clinton-Mann, Finanzgenie Larry Summers.
# 6. November: Obamas Team
„President-elect“ Obama will in Eile sein neues Team küren: Spekuliert wird sogar über Arnie als Energieminister.
Chicago. Vor dem Kapitol in Washington werken Arbeiter bereits an Tribünen für die Angelobung am 20. Jänner 2009 von US-Präsident Nr. 44, Barack Obama. Im 74 Tage dauernden Countdown zur nächsten „Jahrhundertfeier“ (US-Medien) hat Obama hektische Tagesabläufe: Frühstück mit Gattin Michelle und den „First Daughters“ Malia (10) und Sasha (7), kurz in den Fitnessraum, dann Beratungen in Serie.
Erstes Ziel: Die Kür eines „Dreamteams“. Es soll ein schillernder Mix aus Politstar und knallharten Washington-Insidern werden, mit denen er den Berg an Problemen abtragen will.
„Bamelot“. Wild wurde über ein Comeback der Kennedys spekuliert: Robert Kennedy Jr., Sohn des 1968 ermordeten „Bobby“ Kennedy, könnte die Umweltbehörde EPA leiten. Die Tochter des 1963 getöteten JFK, Caroline, sei als Botschafterin im UNO-Hauptquartier in New York im Gespräch – ein zentraler Posten für den Neustart Amerikas als globale Führungsmacht. „Bamelot“, titelte die New York Post und spielte auf den Kennedy-Mythos „Camelot“ an.
Auch sonst kursieren große Namen:
# Der farbige Ex-Bush-Außenminister Colin Powell, der voller Rührung über Obams Sieg im TV weinte, könnte Verteidigungsminister werden;
# Ex-Kandidat John Kerry würde sich als Außenminister antragen, hieß es;
# Das Wall Street Journal spekulierte wird sogar über Kaliforniens „Governator“ Arnold Schwarzenegger in einer Rolle als Energieminister. Dabei hatte der wegen Klimaschutzprojekten populäre Republikaner Obama gerade als „Spagetti-Typen“ gehänselt.
Krisengipfel. „Obama hat für die Machtübernahme schon während des Wahlkampfes minutiös geplant“, so der Politologe an der Universität in New Orleans, Günter Bischof, zu ÖSTERREICH. Obamas Spagat: Er will samt seinem entstehenden Schattenkabinett dem noch amtierenden Präsidenten George Bush nicht in die Quere geraten – doch bei wichtigen Entscheidungen gehört werden. Am Rande von Bushs Krisengipfel zur Rettung der Weltfinanz am 15. November sind Obama-Treffen mit Staatschefs geplant.
CIA-Briefing. Die Uhr tickt wegen neuer Aktienkursrutsche vor allem bei der Nominierung eines neuen Finanzministers: Im Gespräch sind Stützen des legendären Wirtschaftswunder-Teams unter Präsident Bill Clinton wie Larry Summers. Brisant die „Transition“ in Sachen Nationaler Sicherheit: Obama erhielt vom Geheimdienst CIA bereits erste Briefings über globale Krisenherde. 100 seiner Mitarbeiter waren Zutrittspässe zu den Schaltstellen der Bush-Regierung ausgestellt wurden.
Zum ersten Krach mit den Republikanern könnte Obamas Wunsch nach Ex-Clinton-Berater Rahm Emanuel als Stabschef führen: Wegen dessen angriffigen Stils sei seine Nominierung „kein Zeichen der Versöhnung“, protestierten Konservative.
# 5. November: “Obama! Obama! Obama!”
Vor 240.000 Menschen in Chicago rief der gerade zum ersten schwarzen US-Präsidenten gekürte Barack Obama eine neue Ära aus: „Für alle Zweifler, die nicht mehr an ein Amerika glaubten, wo alles möglich ist: Heute Nacht war eure Antwort!“ (siehe Rede rechts). Kurz darauf zogen Hunderttausende jubelnd, grölend und tanzend Chicagos Prachtalleen hinunter – eine friedliche Eruption an Hoffnung des neuen, multikulturellen „Obama-Amerika“.
Die auch um die Welt schwappte: In New Yorks Harlem feierten Afroamerikaner. In Kenia, der Heimat von Obamas Vater, sang seine Verwandtschaft: „Wir ziehen ins Weiße Haus!“
Traum. „Amerika schreibt Geschichte – Obama siegt“, titelt USA Today. „Ein großer Schritt für die Menschheit“ bemühte die britische Sun die Mondlandung. Tatsächlich: Obama war zwei, als Bürgerrechtler Martin Luther King „träumte“, vier, als Farbige das Wahlrecht erhielten. Und die Sklaverei war überhaupt erst vor 143 Jahren abgeschafft worden. Nun fegte Obama an dem historischen Tag mit 349 zu 173 Wahlmännerstimmen Rivalen John McCain hinweg – mit erstaunlichen 47 Prozent Stimmenanteil unter Weißen.
19.05 Uhr: „Stolz auf Aemrika!“ Das dramatische Protokoll der Wahlnacht beginnt, als die ersten Fans das Areal des Grant Park stürmten. Sie rennen die Wiese hinunter, um eine Platz direkt vor der Bühne zu ergattern. „Ich will mich nicht mehr bei Auslandsreisen als Kanadier ausgeben“, scherzt der Student Dan Cote (24): „Ich will wieder stolz auf Amerika sein!” Die ersten Resultate sind noch unschlüssig. Obama nimmt sich nochmals Zeit für ein Dinner zu Hause mit Gattin Michelle und den Töchtern Malia (10) und Sasha (7).
19.40 Uhr: Ist McCain „Toast“? Obama gewinnt Pennsylvania, jenen „Battleground“-Staat, den McCain für ein Comeback in letzter Sekunde gebraucht hätte. „Zum ersten Mal durfte ich wählen“, sagt die strohblonde Schülern Shauna King (18). Ihre Freunde habe sie in den Irakkrieg ziehen sehen, sagt sie: „Obama wird sie heimholen“. Die Zählungen in weiteren entscheidenden Staaten wie Florida und Ohio schreiten voran. Obama führt – doch es ist noch „too close to call“.
20.30 Uhr: Ohio! Ohio geht an Obama, er hat es so gut wie geschafft. Die Fans brüllen vor Ekstase. Selbst mit mathematischer Akrobatik ist ein McCain-Sieg nicht mehr herbeizurechnen. Obama verfolgt im nahen Hyatt-Hotel mit seiner Familie und engsten Beratern das Eintreffen Resultate. Die Wartenden halten sich mit Huldigungen über ihr Idol bei Laune. „Obama weiß, was er tut“, sagt eine. Er habe Charakterstärke und werde wieder „positive Energie“ für den bitter benötigten Aufbruch versprühen, ergänzt die Professorin Judy Mendoza.
21.59 Uhr: Es ist geschafft. „Obama ist Präsident“, dröhnt aus den Boxen. Unbeschreibliche Szenen spielen sich ab: Fans brechen unter Tränen Zusammen, knien im Gras. Vor allem Afroamerikaner starren geschockt vor sich hin. Sie erleben einen Moment, den sie „niemals für möglich hielten“, so Anhängerin Salena Land. „Obama! Obama! Obama!” hallen spontane Sprechchöre. Die Menge wendet sich an die Phalanx an TV-Kameras der Weltpresse. Sie sind stolz: Sie haben Präsident George Bush eine Abfuhr erteilt, für Wandel votiert. „Wir sind das neue Amerika“, sagt einer. Verlierer McCain gratuliert: Es seien „schwere Zeiten”, Obama habe seine volle Unterstützung. Bush, der für Obama eine „tolle Nacht“ sah, versprach eine reibungsfreie Übergabe.
Neben all den Träumen über eine bessere Zukunft gab es von Obama dann noch ein recht praktisches Versprechen: Seine Töchtern hätten sich nach all den Strapazen des 21-monatigen Wahlkampfes die gewünschte Hundewelpe „mehr als verdient“ – und könnten sie ins Weiße Haus mitnehmen.
# 4. November: Amerika wählt Obama
Nach einem turbulenten Wahltag feierte Amerika unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen seinen nächsten Präsidenten.
Chicago. In Rekordzahlen strömten erwartete 140 Millionen US-Bürger an einem historischen Wahltag zu den Urnen. Eine Welle der Euphorie über Top-Favoriten Barack Obama, dem umjubelten „schwarzen Kennedy“, schwappte über die Nation. Um 7 Uhr früh gab Obama, festlich gekleidet mit Krawatte und Jackett und mit Gattin Michelle (44) an seiner Seite in der Hyde Park School nahe seiner 1,6 Millionen Dollar teuren Villa in der South Side Chicagos seinen Stimmzettel in die Box. Insgesamt brauchet er jedoch 15 Minuten: Prompt grassierten Gerüchte über „Probleme“ mit der Wahlmaschine.
Tränen der Helfer. Reporter aus aller Welt belagerten den von der Personenschutztruppe „Secret Service“ in eine Hochsicherheitszone verwandelten Ort. Obama war – noch sichtlich geschockt über den Krebstod seiner geliebten Großmutter Madelyn Dunham (86) – spät abends in der Illinois-Metropole gelandet. Sichtlich erleichtert über das Ende des mit 671 Tagen längsten und strapaziösesten Wahlkampfes aller Zeiten stieg er die Treppe herunter. Die Aktentasche trug er selbst. Im Kampagnenjumbo hatte sich Obama unter frenetischem Applaus und Tränen seiner Mitarbeiter für die harte Arbeit bedankt.
Dörfler für Obama. Begonnen hatte die „Obama-Revolution“, so US-Medien, im Nest Dixville Notch im Norden New Hampshires: Traditionell öffnen dort Wahllokale eine Minute nach Mitternacht – und liefern die ersten offiziellen Resultate. Die Zahl der Stimmen war gering, die Symbolkraft gewaltig: Obama kam auf 15, sein Republikaner-Rivale John McCain auf 6 Stimmen. Durch den Minierdrutsch wählten die Dorfbürger den ersten Demokraten seit 40 Jahren.
Es war der Auftakt zu einem gigantischen Ansturm quer durch die 300-Millionen-Einwohner-Supermacht: TV-Stationen filmten frühmorgens von Helikoptern aus lange Schlangen tausender Wartender in zahlreichen US-Metropolen, darunter Chicago, New York, Atlanta. „Das Warten ist zu Ende, wir schreiben Geschichte“, sagte ein Obama-Fan aufgeregt.
Wahlchaos. Bis zu 20 Millionen Bürger mehr als 2004 wurden erwartet. Dabei hatte eine einsame Rekordzahl von fast 40 Millionen bereist bei Frühwahlprogrammen in 31 US-Staaten vor dem Wahltag abgestimmt: Doch nach Wartezeiten von bis zu 12 Stunden, Wahllokalen, oder Touchscreen-Maschinen, die Stimmen nicht registrierten hatten Experten vor einem neuen Debakel gewarnt. Im Wahlskandal in Florida im Jahr 2000 begann nach 36 Tagen Auszählkrimi die Ära des amtierenden Präsidenten George W. Bush. Team Obama hatte deshalb ein Heer von Anwälten in die für potentiellen Betrug anfälligsten Vierteln mit großen Anteil an Afroamerikanern entsandt. McCain startete den Tag mit einer Klage um umstrittene Stimmen von US-GIs. In Philadelphia kam es zu Handgemengen.
Obamafest. Hunderttausende Fans waren den Tag über in den Grant Park in Chicago bei Kaiserwetter um 23 Grad Celsius geströmt: Von einer schlichten Bühne aus, doch staatstragend mit einer Reihe an US-Flaggen hinter ihm wandte sich Obama am Abend an die Massen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren total, das Rednerpult flankiert von zwei kugelsicheren Glasscheiben. Über dem Areal wurde eine Flugverbotszone eingerichtet. Die Aufregung erfasste mehrere Kontinente: Im Dorf Kogelo, Kenia, dem Geburtsort von Obamas Vater, warteten Hunderte auf die Wahlergebnisse aus Amerika. Viele trugen T-Shirts mit Obamas Wahlslogan „Change“.
Obama cool. Wenn Obama nervös war die letzten Tage vor dem von ihm verheissenen Neubeginn in Amerika, ließ er es sich kaum anmerken. In Pausen schmökerte er in den Buch „Ghost Wars: The Secret History of the CIA“, so ein Report der New York Times: Er checkte am BlackBerry interne Umfragen, studierte Briefung-Papieren. „Wilde Emotionen“ müssen durch seinen Kopf gegeistert sein, so das Blatt: Die Realisation, dass er vor dem Einzug ins Oval Office steht, das Staunen über die generierte Welle an Optimismus. „Was ist, wenn ich sie enttäusche?“, fraget er oft bange, so Berater. In letzten TV-Interviews schraubte er die Erwartungshaltungen bereits nach unten: „Ich werde nicht alles gleich verwirklichen können“, sagte er dem TV-Sender ABC.
# 3. November: Amerika wählt
In den letzten 24 Stunden gaben die Rivalen Obama und McCain alles. Obama geht laut Umfragen als Favorit in den Wahltag. Angst herrscht jedoch vor dem Wahlchaos.
Washington. Barack Obama (47) und John McCain (72), hatten die letzten 24 Stunden des mit 671 Tagen längsten und 878 Millionen Dollar teuersten US-Wahlkampfes bis zum Umfallen gekämpft: In einem furiosen Finale rief Favorit Obama in umkämpften „Battleground“-Staaten wie Florida oder Virginia in die Menschenmeere: „McCain will das Staffelholz von Bush übernehmen“, warnte er. Und: „Eigentlich ist es eine Schaufel – angesichts des tiefen Loches, das die gegraben haben”.
Tränen der Fans. Obama appellierte bei einem Auftritt mit Rockbarden Bruce Springsteen vor 80.000 in Cleveland, Ohio, an des Heer euphorischer Helfer: „Kämpft bis zuletzt! Glaubt keine Sekunde, dass die Wahl schon gewonnen ist!” Obama setzt auf seine „Bodentruppen“, die Wähler zu den Urnen treiben sollen: Durch die Spendenflut von total 605 Millionen Dollar unterhielt Obama 770 Wahlkampfbüros, McCain bloß 370. Erster Erfolg: Fast 40 Millionen Amerikaner gaben bereits ihre Stimme ab – laut Umfragen die meisten für Obama. Nur einmal rutschte ihm deshalb Vorfreude raus: „Schaut so aus, als könnten wir gewinnen?“ Viele schrien in Ekstase los, anderen kullerten Tränen über die Wangen.
Siegerparty. Die Umfragen hielten bis zuletzt für Obama: Gallup/USA Today zeigte ihn mit 53 zu 42 Prozent deutlich voran. McCain hatte in einigen Battlegrounds wie Ohio oder Virginia aufgeholt. „Doch er müsste praktisch alle der acht noch umkämpften gewinnen“, winkte TV-Experte Chuck Todd ab. Entscheidend sind bei der Kür von Präsident Nr. 44 die 538 Wahlmännerstimmen, Laut Prognose von NPR liegt Obama bequem mit 291 zu 163 Stimmen vorne. 270 sind zum Sieg nötig.
Die sich für den historischen Oval-Office-Triumph des ersten Afroamerikaners rüstenden TV-Networks hoffen sogar diesmal auf eine frühe Entscheidung: Fallen wichtige Schaukelstaaten wie Ohio und Florida für Obama, könnte bereits gegen 21 Uhr Ostküstenzeit (3 Uhr MEZ) Jubelschreie der 100.000 Fans bei Obamas Siegerparty in Chicago den Neubeginn in Amerika einleiten.
Oprahs Wahlpanne. Nervös war das Obama-Camp wegen dem drohenden Chaos in den Wahllokalen: Frühwähler berichteten von grotesken Pannen. Durch den Wähleransturm könnten Stimmzettel knapp werden, Computer crashen. Talkqueen Oprah Winfrey sagte schockiert, dass der Wahlcomputer ihre Stimme nicht registriert hatte.
Magier McCain? McCain hofft nach wie vor auf ein Wunder. Die New York Post titelte mit ihm als Magier, der ein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Mit der Kraft der Verzweiflung raste er durch 12 Staaten in 24 Stunden. Schrill warnte er vor dem Sozialisten Obama, der Steuer erhöhen werde und der Amerikas Sicherheit nicht garantieren könne.
# 2. November: One Day to go
Demokratenstar Obama lässt Rivalen McCain laut Umfragen zurück: Amerika steht Kopf vor der möglichen Wahl des „schwarzen Kennedy“.
Washington. Im Wahlkampffinale blüht Oval-Office-Favorit Barack Obama so richtig auf: „Ich werde die Welt verändern!“, ruft er in das gedrängte Köpfemeer in Indiana. Der Hype erreicht wegen dem erwarteten, historischen Moment schrille Dimensionen: In 24 Stunden könnten 130 Millionen US-Bürger den ersten Afroamerikaner ins Oval Office wählen.
Sex für Tickets. Eintrittskarten für die „Obamafest“ getaufte Siegerparty im Chicagoer „Grant Park“ mit 100.000 Fans zählen längst zu den begehrtesten Tickets der Erde: Via Internet wurde sogar Sex dafür angeboten. Der Starrummel hat voll eingesetzt: Fotografen belagern den „schwarzen Kennedy“, als er mit seinen Töchtern Sasha (7) und Maila (10) herumtollte. Dabei hat die Revolution längst begonnen: Geschätzte 30 Millionen gaben durch Frühwahlen in 31 Staaten ihre Stimme ab. Schwarze warteten bis zu 12 Stunden: „Für uns geht es um alles“, sagte einer. Laut einer ersten CBS-Umfrage führt Obama unter Frühwählern mit 57 zu 38 Prozent.
McCain überrannt. Obama jettet in einem furiosen Finale durch „Battleground“-Staaten – und trägt seine Offensive tief in Republikanergebiete: Er raste durch Colorado, New Mexiko und Missouri, alles Staaten, in denen Präsident George W. Bush 2004 bequem siegte. „Obama überrennt McCain an allen Fronten“, so Politologe Shaun Bowler: Mit 240 Millionen Dollar steckte er viermal so viel in TV-Spots. Überlegen sind auch Obamas „Bodentruppen“, ein Heer enthusiastischer Helfer, die um Unentschlossene kämpfen. Die New York Times stellt Obama in einer Prognose 291 Wahlmännerstimmen in Aussicht – bereits über der Siegerlatte von 270. McCain kann nur hoffen, dass alle Umfragen falsch sind –und durch unterschwelligen Rassismus Obama im letzten Moment wegen seiner Hautfarbe der Sieg verwehrt werden könnte.
# 1. November: Obama im Wahlkampf
US-Korrespondent Herbert Bauernebel erlebte live Obamas letzte Appelle – und die Hoffnung seiner Fans.
Highland. Barack Obama klammert sich ans Rednerpult, Adern quellen an den Schläfen hervor. Er gibt alles: Scharf sind die Attacken gegen Rivalen und „Bush-Klon“ John McCain, aufwühlend die Versprechen eines „Neubeginns in Amerika“, schrill die Warnungen an seine Fans, nicht wegen verfrühter Vorfreude nachzulassen: „Klopft für mich an Haustüren! Ruft für mich Leute an!“.
Kurswechsel. 4.000 Menschen hatten die Veranstalter im Wicker Park in Highland, Indiana, erwartet. 20.000. kamen Die Sensation liegt in der Luft: Frenetischer Jubel hallt durch den Park, als Obamas Konvoi unter grellen Blaulichtrotieren das Gelände erreicht. „Es ist Zeit für einen Kurswechsel“, sagt Mark Schilling (56), einst Republikaner. Was hat ihm bei Obama überzeugt? „Sein kühler Kopf“, sagt er. Der sei in der Megakrise nun das wichtigste. Charlen McAtee, 75, hofft auf ein neues Miteinander: „Rote Staaten, blaue Staaten“, ärgert sie sich: Die deren Taktiken der Rechten hätten die Nation gespalten. Hier hilft jeder jeden: „Wenn das ein Vorgeschmack auf eine neue Ära in der US-Politik ist, dann stehen wir vor einer historischen Wende“.
Vorurteile. Der Enthusiasmus seiner Bodentruppen ist Obamas Geheimwaffe: „Schlafen könnt ihr am 5. November“, sucht einer nach Freiwilligen. Die Verkäuferin Mandy Williams (27) hat sich als Helferin längst Urlaub genommen: „Believe!“, „Glaube daran!“ ist auf ihr T-Shirt gedruckt. Bis zuletzt kämpfte sie gegen Vorurteile: „Eine Arbeitskollegin glaubte felsenfest, Obama ist ein Moslem“.
