Stories 2008-01

# 31. Jänner: “Big Mac”


Sie nennen ihn in Amerika nur “Lazarus”, der von den Toten Auferstandene: Nun hat der vor Monaten noch komplett abgeschriebene Vietnam-Held John McCain plötzlich beste Chancen, Kandidat der Republikaner für die Schlacht ums Oval Office am 4. November zu werden. In Florida, dem bisher größten Primaries-Staat, räumte der mit 71 Jahren älteste, jemals ums White House kämpfende Kandidat bei Pensionisten, Militärs, Hispanics und Moderaten ab – und rang Mormonen-Millionär Mitt Romney, der viermal so viele TV-Spots schaltete, mit 36 zu 31 Prozent nieder. Damit erhält McCain enormen Auftrieb für den “Super Tuesday”, wenn beide Parteien in 22 Staaten die Hälfte der zur Kandidaten-Kür entscheidenden Delegierten-Stimmen vergeben.
In Kalifornien, dem größten Preis dieses historischen Megawahltages, wird “Mac”, so der Spitzname des “Comeback Kid”, von Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterstützt – zwar noch nicht offiziell, dafür mit herzlichen Worten: McCain sei am ehesten gerüstet, “die Menschen zusammenzubringen”, so Arnie, der am Tag nach der Florida-Schlacht Gastgeber bei der großen Republikaner-TV-Debatte in der “Reagan Library” spielt. In New York dürfte McCain die Wahlempfehlung des bereits ausgeschiedenen Ex-Favoriten Rudy Giuliani helfen. “McCain hat nächsten Dienstag alle Chancen eine Vorentscheidung zu erzwingen”, so TV-Analyst Chuck Todd: “Bis auf 300 Delegierte könnte er an die magische Siegermarke von 1.191 herankommen”. “Big Mac”, titelte der Internet-”Drudge Report”.
Doch gegen wen tritt der Haudegen an? Trotz ihres jüngsten Waterloos in South Carolina ist Ex-First-Lady Hillary Clinton Favoritin in vielen der delegiertenreichsten Super-Tuesday-Staaten. Kontrahent Barack Obama konzentriert sich auf seinen “Heimatstaat” Illinois, den Süden und einige Kleinstaaten. In Connecticut etwa zog er, nun mit den Kennedys im Rücken (ÖSTERREICH berichtete), laut Rasmussen-Umfrage mit je 40 Prozent mit Hillary gleich. Bei den “Dems” könnten Hillary und Obama auch nach dem nächsten Dienstag weniger als 100 Delegierten-Stimmen trennen und “die Schlacht weitergehen”, so TV-Kommentator Tim Russert. Doch vielleicht drückt am Ende doch schiere Frauen-Power Hillary über die Ziellinie, die 2.025 zum Sieg nötigen Stimmen. Aufgeregt wird in US-Medien diskutiert, ob Obama bei Bushs “State of the Union” im Kongress Hillary absichtlich den Händedruck verwehrte. Auf einem Foto stehen Obama und Ted Kennedy wie Kumpel zusammen und schauen Hillary herablassend an. “Das Foto, das Frauen zum Kochen bringt”, titelte prompt das Massenblatt “New York Post”.

# 31. Jänner: Giulianis Ende

50 Millionen Dollar hatte er gesammelt und ausgegeben, ein ganzes Jahr lang war er Republikaner-Favorit der Präsidentschaftsvorwahlen – am Ende reichte es nur zu einer einzigen (!) Delegierten-Stimme. Jahrelang würden Politologen die einzigartige Blamage des ehemaligen New York-Bürgermeisters und selbstdeklarierten 9/11-Helden Rudy Giuliani studieren, so Kommentatoren fassungslos. Als Giuliani, der alle Karten auf die Florida-Primaries gesetzt hatte, dort weit abgeschlagen auf Rang Drei landete, warf er prompt das Handtuch. Was ist schiefgelaufen? Seine Strategie, frühe Primaries zu schwänzen, geriet zum Rohrkrepierer, sein Leibthema 9/11 und Al-Kaida-Terror zum Ladenhüter. Der Skandal um hunderttausende Steuerdollar für seine Eskapaden mit der damaligen Mätresse Judith Nathan brach ihm das Genick. “Je mehr die Wähler über Giuliani erfuhren, desto weniger konnten sie ihn leiden”, schlossen Beobachter trocken.

# 30. Jänner: Bamalot

Demokraten-Senkrechtstarter Barack Obama versucht nach der historischen Wahlempfehlung der Top-Kennedys, JFK-Bruder Ted und JFK-Tochter Caroline, sowie dem Auftrieb durch seinen Wahltriumph in South Carolina, am “Super Tuesday” in weniger als einer Woche die nächste Sensation zu schaffen: Nächsten Dienstag werden in 22 Staaten 52 Prozent der die parteiinterne Kandidaten-Kür entscheidenden Delegierten ermittelt. Und Kontrahentin Hillary Clinton liegt in Megastaaten voran, in Kalifornien mit 49 zu 32 (L.A. Times) und in New York mit 56 zu 28 Prozent (USA Today/Gallup).
Doch Obamas umjubelter Auftritt mit den Fackelträgern von Amerikas berühmtester Polit-Dynastie löste eine neue Welle an “Obamamania” aus. “Barack Obama wird das Kapitel einer gestrigen Politik schließen, wo Rassen, Geschlechter, oder ethnische Gruppen gegenanderen aufgebracht werden”, rief Ted Kennedy, der als “Löwe des Senats” legendäre Politiker. “Bamalot”, titelte die “New York Post” prompt, eine Anspielung auf den Spitznamen des Kennedy-Clans “Camelot”, die nun den schwarzen Hoffnungsträger in den Kreis ihrer legendären Familie aufnahmen.
Für einen Republikaner erstaunlich warme Worte kamen auch von Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger: Obama sei am richtigen Weg, so Arnie, “Menschen über Parteigrenzen hinweg zusammenzubringen”, ein zentrale Mantra seines eigenen Regierungsstil. Spekuliert wird: Unterstützt Obama nun auch Arnies Gattin, JFK-Nichte Maria Shriver?
Für die Clintons ist Obamas Kennedy-Coup ein Schlag ins Gesicht: Doch Kennedy hatte Ex-Präsidenten Bill Clinton in wütenden Telefonaten erfolglos gewarnt, die wüsten Attacken gegen Obama einzustellen. TV-Bilder verdeutlichten den Kontrast der Stimmungen in beiden Camps: Obama mit den Kennedys, umjubelt von meist jungen Fans wie ein Rockstar; Hillary währenddessen dozieren bei einem Auftritt in Massachusetts, die Audienz, meist ältere Weiße, versteinert lauschend. “Wie bei einem Begräbnis”, ätzte “Daily News”-Kolumnist Michael Goodwin.

# 29. Februar: Showdown im Sunshine State

Die Favoriten der Republikaner zur Kür ihres Oval-Office-Kandidaten, Vietnam-Held John McCain und Mormonen-Millionär Mitt Romney, liegen Stunden vor der Primary in Florida laut Reuters/Zogby-Umfrage mit je 30 Prozent gleichauf. Ein Sieg dort würde eine Poleposition für den “Super Tuesday” bringen, wenn 22 Staaten wählen. Das Duell wurde zuletzt hitzig: McCain beschuldigte Romney, er würde fixe Abzugsfristen aus dem Irak unterstützen und so Al-Kaida-Terroristen zum “Sieg verhelfen”. Abgeschlagen liegt “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani auf Rang vier mit bloß 13 Prozent. Giuliani hatte alle Karten auf ein Comeback in Florida gesetzt. “Verliert er hier, ist er erledigt”, so TV-Kommentator Tim Russert. Bei den “Dems” wurde Florida von der Bundespartei wegen der unautorisierten Vorverlegung bestraft: In dem “Schönheitswettbewerb” werden keine Delegiertenstimmen vergeben. Pech für Hillary Clinton: Sie liegt dort deutlich vor Barack Obama.

# 28. Jänner: Obamamania II

Nach dem triumphalen Sieg des “schwarzen JFK” Barack Obama (46) bei den Demokraten-Primaries in South Carolina, als er Kontrahentin, Ex-First-Lady Hillary Clinton mit 55 zu 27 Prozent regelrecht überrollte, fragt Amerika wieder aufgeregt: Trägt die neu entfachte Euphoriewelle, “Obamamania” getauft, die wieder Dimension wie nach seinem dramatischen Iowa-Sieg zum Auftakt der Primaries-Saison erreicht, den charismatischen Visionär einer “neuen Ära” in der US-Politik zu einer Siegesserie am “Super Tuesday”? Wie eine “neue Trägerrakete”, so Politologen, könnte der Medienhype wirken, wenn am 5. Februar in 22 Staaten abgestimmt wird und über die Hälfte der 4.049 bei der Kandidatenkür vergebenen Delegierten-Stimmen ermittelt werden.
Doch die Hürden sind trotz allem Jubel hoch für Obama – jetzt, wo der Wahlkampf eine nationale Millionenschlacht ist: Hillary führt in US-weiten Umfragen im Schnitt mit acht Prozent (“RealClearPolitics.com”) und liegt in den delegiertenreichen Riesenstaaten Kalifornien und New York, den größten Preisen des Megawahltages, noch deutlicher voran. Doch in dem größten Vorwahlthriller der jüngeren US-Polit-Geschichte, wo es nun 2 : 2 zwischen Obama (Iowa, South Carolina) und Hillary (New Hampshire, Nevada) steht, können sich Umfragen rasch ändern.
Es ist vor allem die Macht der TV-Bilder: Da stand Obama vor einer tosenden Menge, die mit Plakaten mit dem Slogan “Wandel”, an den wir glauben können!” herumfuchtelten und skandierten “Yes we can!”. Er versuchte sich als neuer Frontrunner zu präsentieren: “Wir haben die meisten Stimmen und die bunteste Koalition, die Amerika seit langem gesehen hat”, rief er. Tatsächlich führt Obama jetzt mit 67 Delegierten vor Hillary mit 48. Zeitgleich stellte sich die Tochter jenes Idols, mit dem Obama so gerne verglichen wird, Caroline Kennedy, hinter ihn: Der könne “ein Präsident wie mein Vater” werden, schrieb sie in der “New York Times”. Und: “Manchmal dauert es ein wenig, bis wir realisieren, dass wir hier jemanden mit einer besonderen Gabe sehen, jemand der uns motiviert, wieder an uns selbst zu glauben”.
Zu Hillarys “Sieger Party” kamen gerade mal 20 Fans. Die Ex-First-Lady hatte da den Südstaat bereits verlassen. Die Taktik der Clintons, brutal exekutiert vor allem von Hillarys oft entfesseltem Ex-Präsidenten-Gatten Bill, offen die Rassenkarte auszuspielen, geriet in Southh Carolina zum Rohrkrepierer und könnte langfristig schweren Schaden hinterlassen (siehe Story ??). Nur 17 Prozent der Schwarzen, die dort die Hälfte der Wähler ausmachten, stimmten für Hillary – ein brutale Abfuhr für die einst unter Afroamerikanern hochpopulären Clintons.
Doch auch Obama muss sein Wählerspektrum wieder so verbreitern wie in Iowa, als er bei Frauen wie Weißen, Unabhängigen wie Republikanern, abräumte. Nur 24 Prozent der Weißen stimmten in South Carolina für Obama. Die Jungen hatte er hingegen auf seiner Seite. Es sei kein Match zwischen schwarz und weiß”, rief er prompt in seiner Siegerrede: “Sondern zwischen der Vergangenheit und der Zukunft”.

# 28. Jänner: Wild Bill!

Niemand kann Bill Clinton einen Mangel an Unterstützung seiner Kandidaten-Gattin Hillary vorwerfen – doch der innerhalb der Demokraten hochpopuläre Ex-Präsident hatte in South Carolina “eindeutig über die Stränge gehaut”, so Experten. Zuerst machte er Hillary-Gegner Barack Obama als “netten jungen Mann” herunter, für Afroamerikaner ein Codewort, dass sie letztendlich niemals ganz ernst genommen werden würden. Dann verglich er Obama sogar mit Bürgerrechtler und Pastor Jesse Jackson, der 1984 und 1988 in dem Südstaat mit einer Mehrheit an schwarzen Wählern gewann. Übersetzung: Schwarze wählen Schwarze!
Doch die Wähler präsentierten “Billary”, wie das aggressive Polit-Duo getauft wurde, nun die Rechnung: Sechs von zehn, so Umfragen über Wählermotive, sagten, Bills Aktivitäten hätten ihre “Entscheidung beeinflusst”. Und das mehrheitlich nicht im Sinne des Ex-Präsidenten: 48 Prozent in dieser Gruppe stimmten für Obama, nur 37 für Hillary. Drei Viertel sagten, Obama wäre “unfair behandelt” worden. Und 90 Prozent der Wähler votierten, dass Amerika bereit für einen Afro-Amerikaner im Oval Office sei. Hillary habe zwar mehrheitlich die Unterstützung von Weißen und Latinos, so Politologen: Doch das Wegbrechen der Afroamerikaner könnte ihr in der erwarteten langen Vorwahlschlacht “massiv schaden”. Und Obamas erdrutschartiger Vorsprung von 28 Prozent kann nur als Abfuhr für die Clintons gedeutet werden.
Noch desaströser könnte für die Clintons jedoch die Abrechnung mit den miesen Taktiken innerhalb der Demokratenpartei sein: Größen wie Legende Ted Kennedy, Ex-Oval-Office-Kandidat John Kerry und Senatsführer Tom Daschle hatten Mr. Clinton bereits in schrillen Tönen gewarnt, seine “Politik der Hautfarbe”, die die “Dems” zerreißen könnte, einzustellen. Auch die US-Medien schießen sich ein: “Seine Taktik hat in South Carolina versagt”, so Newsweek-Kolumnist Howard Fineman: “Sein Einfluss bei den Demokraten schrumpft”.

# 27. Jänner: Countdwon zum Super Tuesday

Nach der letzten “Vorrunde” der US-Primaries-Saison zur parteiinternen Kür der Oval-Office-Kandidaten in South Carolina rüsten die Demokraten-Stars Hillary Clinton und Barack Obama nun voll für die vielleicht entscheidende Schlacht am “Super Tuesday”. Denn bisher sind gerade erst vier Prozent der insgesamt der 2.025 zum Sieg benötigten Delegierten-Stimmen ermittelt. Es ist ein “Vorgeplänkel”, so Beobachter, wo es eher um den Medien-Hype und das Abtesten effizienter Wahlkampftaktiken geht. 54 Prozent (!) der Delegierten hingegen sind nach dem, auch als “Tsunami Tuesday” gehypten Großkampftag gewählt.
Obama hatte in South Carolina – Match Vier nach Iowa, New Hampshire und Nevada und dem ersten “Südstaaten-Test” – hart um ein Comeback gekämpft: Mit 50 Prozent Wahlbeteiligung von Afroamerikanern und bis zu 16 Prozent Vorsprung in den Umfragen war er klarer Favorit. 1,1 Millionen Dollar gab Obama für Werbung dort aus.
Bitter benötigt der charismatische Senator allen erdenklichen Schwung. Denn wie in US-weiten Umfragen führt Hillary in vielen Super-Tuesday-Staaten – recht deutlich in den größten Preisen des, wegen der Rekordanzahl gleichzeitiger Primaries historischen Vorwahltages: In Kalifornien (441 Delegierte) liegt sie im Umfragenschnitt laut “ClearPolitics.com” mit 43,5 zu 31,5 Prozent voran, im “Heimatstaat” New York (281), den sie als Senatorin vertritt, sogar mit 50,2 zu 27,5 Prozent. Obama fokusiert auf “sein” Illinois (181) sowie Südstaaten mit vielen farbigen Wählern á la Georgia (103).
Die Vorwahlschlacht tritt dazu in eine neue Phase: Das Abklappern kleiner Nester und der Kampf um jeden Wähler ist zu Ende. In dem nun nationalen Wahlkampf düsen Hillary und Obama per Jet durchs Land – und geben bis zu zwei Millionen Dollar pro Wochen allein für TV-Werbung aus. Bereits jetzt laufen TV-Spots auf nationalen Kabelkanälen wie CNN, ”so früh wie noch nie”, so die “New York Times”. Beide haben prall gefüllte Kriegskassen und einen “langem Atem”, so Experten: Hillary und Obama sammelten allein im Vorjahr 110 Millionen Dollar.
Doch die “Rassenunruhen” innerhalb der “Dems” nach Wochen an Stänkereien zwischen Obama und Team Hillary, besonders angriffig der die Drecksarbeit verrichtende Gatte Bill, könnten Obama demolieren: Zwar solidarisierten sich laut NBC/Wall Street Journal-Umfrage mit 63 zu 23 Prozent Schwarze mit dem angegriffenen “Brother”. Doch Obamas Gegenoffensive, vor allem die scharfen Töne gegen den parteiintern hochpopulären Ex-Präsidenten Nr. 42, dürfte Weiße vergrämt haben: 53 zu 24 Prozent unterstützen jetzt Hillary (ÖSTERREICH berichtete). Der Glanz nach Iowa, als Obama als “schwarzer Kennedy” in einem Midweststaat, bevölkert von fast ausschließlich weißen Wählern, triumphierte und alle Rassendiskussionen hinter sich zu lassen schien, ist in den jetzigen Niederungen einer deftigen “Politik der Hauptfarbe”, so Beobachter, verblasst.

# 27. Jänner: Dreamteam?

Bereits vor einem Jahr hatte Barack Obama in der David-Letterman-Talkshow die Frage, ob er gemeinsam mit Hillary Clinton nicht ein “Dreamteam” für die Oval-Office-Schlacht 2008 bilden könnte, scherzhaft beantwortet. “In welcher Reihenfolge?”, so Obama schlagfertig. Jetzt, im spannendsten Vorwahlkrimi seit Generationen, ist die Demokratenbasis hin- und hergerissen zwischen zwei bahnbrechenden Kandidaten – der ersten Frau im Oval Office, oder dem ersten Afroamerikaner. Doch laut Umfragen wünscht sich ein satte Mehrheit letztendlich beide als ultimativ historisches Duo: Sollte sich Hillary durchsetzen, soll sie Obama zum “Running Mate” machen, so der Wunsch der Parteibasis. Bis zu 16 Jahre demokratischer Herrschaft im White House könnte das bedeuten, der erst 46 Jahre alte Obama als Hillarys Vize heranreifen – und sie nach zwei Amtsperioden ablösen, so die Hoffnungen. Umgekehrt ist das Szenario unwahrscheinlicher: Sollte Obama siegen, dürfte Hillary wenig Interesse am Vizeposten zeigen. Nr. 2 im White House war sie bereits acht Jahre unter Präsidentengatten Bill.
Doch nach dem harten Bandagen der letzten Wochen stellt sich eine weitere Kernfrage: Können die beiden überhaupt noch miteinander? In der wüsten TV-Debatte zu Wochenbeginn, als sich Hillary und Obama fast anbrüllten, wurde deutlich: “Die gegenseitige Abneigung ist unübersehbar”, urteilten Beobachter. Sie starrte in eisig an, mitunter ein süfisantes Lächeln im Gesicht. Er schüttelt oft wütend den Kopf. Obamas Berater drohten unverholen, dass wegen der “unfairen Attacken” von Bill und Hillary Clinton, Obama, sollte sie ihn besiegen, ihr letztendlich komplett die Gefolgschaft verweigern könnte. Ein Horrorszenario für Hillary angesichts Obamas Popularität unter Schwarzen. Und genau hier liegt für Hillary die größte Motivation, sagen Politologen, mit ihrem erbitterten Kontrahenten Frieden zu schließen: Als ihr Vizekandidat, könnte Obama dieses, für die Dems wichtige Wählersegment abdecken.

# 26. Jänner: Showdown in Dixie

Die Turnhalle der Highschool in der Kleinstadt Sumter, South Caroliona, ist vollgerammelt. Die Menge, über zwei Drittel Schwarze, hängt an den Lippen von Barack Obama, dem charismatischen Sensationsaufsteiger der US-Präsidentschaftsvorwahlen 2008. “Ein neuer Ton, ein neues Teamwork muss in Washington gefunden werden”, doziert Obama in sein Funkmikro, dreht sich geschmeidig im Kreis, um mit den rund um ihm gebannt laschenden Fans auf Holztribünen Augenkontakt zu halten: “Damit der Wandel Wirklichkeit werden kann! Und hört nicht auf die, die mich mit Lügen mundtot machen wollen!” “Yeahh”, hallt es zurück. Offensichtlich ist, warum Obama (46) wegen seines mitreißenden Redestils mit Bürgerrechtslegende Martin Luther King verglichen wird. Der Jubel erinnern auch an “Obamamania”, dem Sturm der Euphorie über den “Schwarzen Kennedy” nach seinem Triumph beim Auftakt der Vorwahlen.
Und Obama hat in dem Südstaat allen Grund zum Optimismus: In einer jüngsten NBC/Wall Street Journal-Umfrage führt er mit acht Prozent Vorsprung deutlich vor der einstigen Demokraten-Favoritin, Ex-First-Lady Hillary Clinton (60). Mit einem Sieg in South Carolina könnte er in dem historischen Match zwischen der ersten Frau und dem ersten Afroamerikaner mit Chancen aufs Oval Office mit 2 : 2 den Ausgleich erzielen: Obama hätte dann Iowa und South Carolina gewonnen, Hillary New Hampshire und Nevada. Doch noch wichtiger: Der neuerliche, garantierte Medienhype könnte Obama bitter benötigten Schwung für den vorentscheidenden “Super Tuesday”, oder “Tsunami Tuesday”, wie sich TV-Sender überschlagen, bringen, wenn bei den “Dems” am 5. Februar 22 Staaten Vorwahlen abhalten.
Denn auf diesen Tag hoffen Hillarys Strategen: Denn sie führt in US-weiten Umfragen. Auftrieb verlieh auch die Wahlempfehlung der einflussreichen “New York Times”. Per Jet düst sie durch die USA, spult Auftritte in Super-Tuesday-Staaten von Kalifornien, Arizona bis New Jersey ab.
In South Carolina hingegen kämpfte einsam Gatte Bill für sie. Drei Stunden lang beantwortete er geduldig Fragen in Myrtle Beach, 500 waren gekommen. “Es wird spät, sogar für mich”, scherzte der 61-Jährige, sichtlich abgekämpft. Doch Bills Attacken, der für seine Gattin die “Drecksarbeit” verrichtet, gegen Obama sorgen weiter für Unruhe: Hillary habe in South Carolina “kaum Chancen”, da die Hälfte der Wähler Schwarze seien, sagte er zuletzt. Parteigrößen forderten Bill auf, sich einzubremsen: Sein Benehmen sei “unangebracht” für einen Ex-Präsidenten, meckerte Senatsführer Tom Daschle.
Seit die Zeichen auf Krieg stehen zwischen “Billary”, dem Duo Hillary und Bill Clinton, und Obama, teilt sich die Demokraten-Partei nach Rassenlinien: Obama führt laut einer Umfragen mit 63 zu 23 Prozent bei den Schwarzen, Hillary mit 53 zu 24 Prozent bei Weißen. Von einer “Massenumwälzung” sprechen Umfrage-Experten, nachdem Hillary noch im Herbst auch unter Afroamerikanern deutlich führte. Der Schaden durch das immer bitterere Duell dürfte für die spätere Schlacht gegen den Republikaner-Kandidaten gewaltig sein, befürchten Politologen. Egal wer die Vorwahl gewinnt.

# 24. Jänner: Obama Favorit in South Carolina

Wirft Oval-Office-Kandidatin Hillary Clinton in der Demokraten-Schlacht gegen den “farbigen Kennedy” Barack Obama bei den ersten Primaries im Süden in South Carolina am Samstag frühzeitig das Handtuch? Obama reitet dort auf einer Welle euphorischer Unterstützung unter schwarzen Wählern, die bis zu 50 Prozent des Wähleranteils ausmachen. Laut einer jüngsten “Zogby-Reuters”-Umfrage liegt der charismatische Hillary-Herausforderer mit 43 zu 24 Prozent voran, im Umfragen-Schnitt ist der Vorsprung 12,2 Prozent. Hillary hat South Carolina vorübergehend verlassen – und ließ den einst unter Schwarzen höchst populären Gatten Bill, Spitzname “Black President”, als einsamen Wahlkämpfer zurück. Sie tourte durch Kalifornien und Nevada, wo am 5. Februar, dem “Super Tuesday”, gemeinsam mit 20 anderen Staaten gewählt wird.
Die Taktik illustriert, dass die “Rassenunruhen” durch die brutalen Wortgefechte zwischen Obama sowie Bill und Hillary Clinton, “Billary” als Duo, die Demokraten entlang ethnischer und Geschlechts-Linien “fast gespalten haben”, so Beobachter: Hillary konzentriert sich auf Frauen, Weiße und Hispanics, die ihr in New Hampshire und Nevada Siege bescherten; Obama setzt auf Schwarze, die er nach Hillarys Angriffen nun fast vollständig in seinem Lager hat (83 Prozent etwa in Nevada).
Nach dem explosiven TV-Duell gehen die wilden Wortgefechte weiter: Hillary erklärte, Obama attackiere sie, da er “frustriert” über die letzten Niederlagen sei. Obama konterte, dass die miesen Taktiken der Clintons jene “politics as usual” repräsentieren, nach deren Ende sich die Amerikaner herbeisehnen.

# 23. Jänner: Obama vs. “Billary”

Es herrscht Krieg bei den Demokraten – und es kämpft der schwarze Senkrechtstarter Barack Obama gleich gegen zwei Clintons, dem als “Billary” gefürchteten Polt-Powerpaar der für das White House kandidierenden Hillary und ihres Gatten Bill. Nach wochenlangen Attacken vor allem von Mr. Clinton, der für Hillary die “Drecksarbeit”, so TV-Kommentator Tim Russert, verrichtet und dadurch seiner Gattin zwei Vorwahl-Siege in New Hampshire bescherte, platzte Obama der Kragen: In wüsten Attacken in TV-Interviews bezeichnete er den populären Ex-Präsidenten Nr. 42 indirekt als Lügner, der ihm das Wort im Mund verdrehe und seine Positionen etwa zum Irakkrieg nicht wahrheitsgemäß wiedergebe.
Bill war da bereits innerhalb der Partei gewarnt worden: Seine aggressiven Taktiken schaden den, bei der heurigen Schlacht ums Oval Office favorisierten “Dems”, beschwerte sich Ikone Ted Kennedy laut “Newsweek”. Schwarzenführer präzisierten ihren Unmut gegenüber dem “Out-of-Control”-Hillary-Helfer: “Lass Obama in Ruhe!”
Beim TV-Duell auf am Newskanal CNN fünf Tage vor dem Vorwahl-Showdown in South Carolina – wo Obama aufgrund 50 Prozent schwarzer Wähler stark favorisieret wird und seinen Rückstand von 1 : 2 gegen Clinton aufholen könnte – explodierte die Bitterkeit in teilweisen Schreiduellen: Obama ließ Hillary wissen, dass er es satt habe, wenn sie oder ihr Gatte seine Polit-Bilanz oder Postionen mit unfairen Mitteln diskreditieren würden. “Ich weiß ja oft nicht einmal”, schnappte Obama, “gegen wen ich eigentlich antrete?” Hillary attackierte den Illinois-Senator, er hätte als Lokalpolitiker dort wichtige Abstimmungen geschwänzt. “Als ich in den Straßen von Chicago für Gerechtigkeit kämpfte”, retournierte Obama das Feuer, sei sie im Aufsichtsrat von “Wal Mart”, dem wegen umstrittenen US-Supermarktreisen, gesessen. Hillary starrte Obama eisig an. Und wehrte sich: Als sie gegen Ronald Reagans “verheerende Politik ankämpfte”, hätte Obama als Anwalt einen “fiesen Hauseigentümer” vertreten, der Menschen in Slum-ähnlichen Konditionen leben ließ. Das Duell artete teilweise derart aus, dass Obama mit seinen langen Armen in Richtung Hillary fuchtelte: “Lassen Sie mich ausreden! Sie hatten Ihre Redezeit!”
Die “Bitterkeit” und “unübersehbare Abneigung”, die beide Kontrahenten voreinander haben, schockierte die Nation, so Russert. In South Carolina, wo am Samstag gewählt wird, führt Obama im Umfragenschnitt mit fast zehn Prozent Vorsprung.

# 21. Jänner: McCain

Vietnam-Kriegsheld John McCain hatte tatsächlich allen Grund zum hämischen Grinsen nach seinem Triumph mit 33 zu 30 Prozent im Südstaat South Carolina gegen Christen-Fundi Mike Huckabee. Genau dort war im Jahr 2000 nach einer üblen Rufmordkampagne durch die Helfer des damaligen Kontrahenten George W. Bush sein Traum vom Oval Office geplatzt. “Es hat eine Weile gedauert”, rief McCain bei seiner Siegerrede in die tosende Menge: “Aber was sind acht Jahre unter Freunden?”
Im chaotischen Republikaner-Rennen zur Kür ihres Oval-Office-Kandidaten zementierte McCain, durch Sieg Nr. 2 nach New Hampshire, seine Rolle als Frontrunner ein: Er setzte sich in einem Staat durch, wo fromme Evangelikale mit 60 Prozent Wahlbeteiligung eine entscheidende Rolle spielen – obwohl sich die mit dem “liberalen”, zum dritten Mal verheirateten McCain nie anfreunden hatten können. “McCain hat jetzt bewiesen, dass er auch im konservativen Süden siegen kann”, so Beobachter. Deshalb ist die Niederlage für Prediger Huckabee so verheerend, der zuletzt die US-Verfassung dem “Willen Gottes” unterstellen wollte, um sich bei der “Religious Right” anzubiedern. Den Sieg kostete ihm auch der erzkonservative “Law & Order”-TV-Serienstar Fred Thompson, der fromme Stimmen abzog.
Plötzlich kristallisiert sich ein Duell der Totgesagten heraus: McCain, dem vergangenen Sommer fast das Geld ausging, heißt längst “Lazerus”, der von den Toten Auferstandene. Aber auch Mormonen-Millionär Mitt Romney, der nun nach Nevada mit drei Siegen die meisten Vorwahlen gewann, war wegen bitterer Niederlagen in Iowa und New Hampshire wohl frühzeitig abgeschrieben worden. McCain führt im US-weiten Umfrageschnitt mit 28,6 Prozent deutlich vor Mike Huckabee (19,1 %) und Romney (15,3 %). Bei der letzten Station vor dem Super Tuesday in Florida am 29. Jänner will aber auch noch Ex-Frontrunner Rudy Giuliani ein Comeback versuchen.

# 21. Jänner: Rüsten zur Schlammschlacht

Nach dem Sieg von Ex-First-Lady Hillary Clinton mit 51 zu 45 Prozent bei den US-Vorwahlen im Kasino-Staat Nevada über den “schwarzen JFK” Barack Obama folgt nun die Schlacht um schwarze Wähler: Bei den Demokraten ist nächsten Samstag in ihrer parteiinternen Kandidaten-Kür für den Kampf um die Bush-Nachfolge die nächste Station South Carolina. Der Südstaat gilt als “Ground Zero” für politische Rufmordkampagnen – und Experten erwarten, dass Hillary den durch die erwartete Teilnahme von 50 Prozent Schwarzen favorisierten Obama voll attackieren dürfte.
Dass die Clintons – vor allem Gatte Bill, der meist die “Drecksarbeit” verrichtet, als er etwa in Las Vegas höchstpersönlich als Aufpasser in Abstimmungslokalen fungierte – dabei nicht zimperlich sind, bewies die bisherige Schlammschlacht: Obama wurde als “angreifbar” wegen früheren Drogenkonsums und als dem Oval Office unwürdiger “Grünschnabel” denunziert. Zu Spannungen in der Schwarzen-Gemeinde führten Hillarys herabwürdigende Kommentare über Bürgerrechtler Martin Luther King, an den Obamas mitreißender Redestil erinnert. “Das wird die brutalste Woche“, so TV-Kommentator Tim Russert. Schon gibt es Schmähanrufe, wo die Lüge einer Islam-Verbindung von Barack “Hussein” Obama, wie sein Mittelname hervorgekehrt wird, wiederholt wird. Doch Obama will zurückschlagen, hieß es.
Wie sehr die “Dems” bereits gespalten sind, zeigte Nevada: Dort stimmten bei einer Rekordbeteiligung von 120.000 59 Prozent Frauen ab, die Mehrheit für Hilllary. Sie räumte auch 65 Prozent der Latino-Stimmen ab. Doch für Obama stimmten 83 Prozent (!) der Schwarzen. Im Umfragenschnitt führt Obama daher in South Carolina deutlich mit 43 zu 34 Prozent. Für Obama wäre ein Triumph dort ein Sprungbrett für den vielleicht entscheidenden “Super Tuesday”, wo 24 Staaten wählen. Kurios in Nevada: Trotz Hillarys Vorsprung von sechs Prozent könnte Obama aufgrund der komplizierten Wahlarithmetik, wo manche Bezirke als gewichtiger bewertet werden, mit 13 zu 12 mehr Delegiertenstimmen erhalten haben

# 20. Jänner: Vegas, Baby!

Ex-First-Lady Hillary Clinton hat beim “Caucus” in Nevada den zweiten Sieg gegen ihren erbitterten Kontrahenten, Senkrechtstarter Barack Obama errungen. Mit einem Großteil der Wahlbezirke ausgezählt, bezwang sie Obama knapp mit über fünf Prozent Vorsprung. Obwohl nur 25 der insgesamt zur parteiinterne Kür als Präsidentschaftskandidat erforderlichen 2.026 Delegierten in Nevada vergeben worden waren, war der Kasino-Staat rund um Las Vegas heiß umkämpft: Obama gab eine Millionen Dollar für Werbung aus, Hillary 700.000 Dollar.
Hillarys Sieg ist der zweite Triumph in einem beachtlichen Comeback. Nach einem Waterloo in Iowa und Riesenrückständen in den Umfragen in New Hampshire wäre ihre historische Kandidatur durch “Obamamania”, der Welle Begeisterung für den charismatischen “schwarzen Kennedy” Obama, fast bereits entgleist. In South Carolina, wo nächsten Samstag bei den “Dems” gewählt wird, ist jedoch Obama mit erwarteten 50 Prozent schwarzen Wählern Favorit.
Der Wüstenstaat Nevada (2,5 Millionen Einwohner ) galt als erster Vorwahl-Test im Westen der USA und bei der politisch an Bedeutung gewinnenden Gruppe der “Hispanics”. Der Showdown zwischen Hillary und Obama war, trotz Beteuerungen eines “Waffenstillstandes”, zu einer echten Schlammschlacht ausgeartet: Obama-Helfer hatten zuletzt sogar Anspielungen auf den Jahrhundertsexskandal “Monicagate” gemacht, als sich die Affäre von Hillary-Gatten Bill mit der Praktikantin Monica Lewinsky zum zehnten Mal jährte. Camp Hillary thematisierte neuerlich Obamas “Angreifbarkeit” wegen seinem Drogenkonsum als Teenager.
Bei den Republikanern gewann Mormonen-Millionär Mitt Romney den GOP-Caucus, sein insgesamt dritter Sieg in der Vorwahlen. Die weit wichtigere Schlacht fand bei den Konservativen jedoch zeitgleich in South Carolina statt, wo sich Kriegsheld John McCain und Prediger Mike Huckabee ein knallhartes Duell lieferten.

# 20. Jänner: Bush, 365 Tage left

Der Countdown zum Ende der Bush-Ära tickt: In exakt einem Jahr muss US-Präsident George W. Bush das Oval Office räumen. Während Demokraten in Nevada und Republikaner in South Carolina in den nächsten Runden des US-Vorwahl-Krimis um seine Nachfolge kämpfen, werkt Bush in seinem letzten Jahr verbissen an seiner “Legacy”, seinem Erbe als US-Präsident Nr. 43. Doch mit nur 29 Prozent Popularität (CBS/New York Times) und weltweit verachtet ist er politisch längst eine “lahme Ente”:
# Als er mit der Bekanntgabe eines 150 Milliarden Dollar schweren Stimulus-Pakets für die rezessionsbedrohte US-Wirtschaft die nervösen Finanzmärkte kalmieren wollte, stürzte der Aktien-Index “Dow Jones” prompt 100 Punkte. Investoren bekrittelten, dass Bush, trotz der monatelangen Eskalation der “Subprime”-Hypothekenkrise, unvorbereitet schien.
# Auch seine kürzliche Nahost-Mission geriet zum Rohrkrepierer: “Frieden zwischen Israelis und Palästinensern” sei innerhalb eines Jahres möglich, sagte Bush vollmundig. Doch prompt eskalierte der Konflikt: 33 Palästinenser starben allein diese Woche In Gaza. Dann bettelte er die Saudis auch noch um “billigeres Öl” an. “Peinlich”, lauteten die Reaktionen.
Mit der nun kollabierenden Wirtschaft ist Bushs Bilanz nach sieben Jahren verheerend: Superterrorist Osama Bin Laden ist auf freiem Fuß; der Irakkrieg hinterließ “einen unstabilen Nahen Osten”, so Kritiker, und könnte über zwei Billionen Dollar kosten. Bush will, dass Historiker seine Ära beurteilen sollten. Ex-Außenministerin Madeleine Albright wollte so lange nicht warten: “Er ist einer der schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten”, sagte sie.

# 20. Jänner: Go Bloomy, go?

Die Spekulationen, dass New Yorks Milliardärs-Bürgermeister Michael Bloomberg als Unabhängiger die US-Präsidentenwahlen 2008 aufmischen könnte, eskalieren weiter: Neuerlich trifft “Bloomy”, so sein Spitzname, Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger. Beide sind gute Freunde – und Arnie, der aus Verfassungsgründen weder als Präsident noch Vize kandidieren darf, könnte Bloomberg beraten, so Insider. Bloomberg beteuert noch: “Ich habe keine Pläne für eine Kandidatur”. Doch er trifft weiter Vorbereitungen: In Texas traf er den Ex-Wahlkampfmanager von Ross Perot, der 1992 als Dritter Kandidat für Furore sorgte. Mit Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong unterhielt er sich über das US-Krankenwesen. Bloomy-Berater deuteten an, dass eine Entscheidung “in Kürze” fallen könnte.

# 19. Jänner: Thriller am Vegas-Strip

Nächste Runde in den Demokraten-Vorwahlen, nächster Thriller: Am Tag vor dem “Caucus” in Nevada führt Ex-First-Lady Hillary Clinton laut “American Research Institute” mit 35 zu 32 Prozent vor ihrem erbitterten Kontrahenten, den farbigen Senkrechtstarter Barack Obama. Laut der Lokalzeitung “Reno Gazette Journal” liegt jedoch Obama mit 32 zu 30 Prozent knapp vor Hillary. In dem erbitterten Gerangel zwischen den Demokraten-Stars geht es in dem Kasino-Wüstenstaat (2,5 Millionen Einwohner) und in South Carolina eine Woche später darum, wer mehr Schwung in den vielleicht entscheidenden “Super Tuesday” am 5. Februar mit Primaries in 24 Staaten von New York bis Kalifornien mitnimmt.
Nevada ist aber auch der erste echte Test, wer bei Latino-Wählern punkten kann. Die Hürden liegen hier höher für Obama: Deren Verhältnis zu Afroamerikanern ist “angespannt”, so TV-Kommentator Tim Russert. Besonders nachdem Zuwanderer aus Lateinamerika mit nun 15 Prozent Bevölkerungsanteil die größte Minoritätengruppe Amerikas sind. Prompt führt Hillary bei Lations deutlich mit 50 zu 28 Prozent. Obama versuchte mit Parolen in spanisch á la “Si Se Puede” (Wenn ich kann!) bis zuletzt, aufzuholen.
Doch verliert Obama in Nevada, hat er beste Chancen auf ein Comeback in South Carolina mit bis zu 50 Prozent schwarzen “Dems”-Wählern. Die mit Rassentönen unterlegte Schlammschlacht zwischen Hillary und Obama geht trotz offiziellem “Waffenstillstand” weiter. Ein Obama-Unterstützer brachte sogar die Sexaffäre “Monicagate” ihres Gatten Bill ins Spiel. Hillarys Helfer deuten postwendend auf Obamas Drogenkonsum als Teenager hin, der ihn “angreifbar” mache.
Die Republikaner lassen in ihrer chaotischen Kandidatenkür Nevada links liegen und konzentrieren sich auf ihre Primaries in South Carolina am gleichen Tag: Kriegsheld John McCain führt hier laut letzter Umfrage knapp mit 27 zu 25 Prozent vor Christen-Fundi Mike Huckabee, der zuletzt sogar die US-Verfassung dem “Willen Gottes” unterordnen hatte wollen. Gegen McCain laufen üble “Flüsterkampagnen” – wie vor acht Jahren, als ihn George Bush mit “dirty tricks” aus dem Rennen warf. McCain habe, wird behauptet, als Kriegsgefangener in der Dschungelhölle Vietnams Kameraden verpfiffen, um freizukommen.

# 19. Jänner: Spendenqueen Melinda Gates

Melinda Gates (43) geht strikt eine Liste von Fragen durch. Sie will diszipliniert sein, analytisch. Es geht um Milliarden Dollar. Der Geldstrom soll in Richtung der Armen, Kranken, Hoffnungslosen und Unterprivilegierten dieser Erde dirigiert werden. Aber an wen genau? “Wir durchforsten die Daten akribisch, suchen nach den größten Ungerechtigkeiten und wie größtmöglichste Veränderungen erzielt werden können”, sagt die attraktive Brünette, ihr Gesichtsausdruck entschlossen. Mit “wir” meint sie Gatten Bill Gates (51), “Microsoft”-Gründer und 56 Milliarden Dollar Privatvermögen (“Forbes”) reichster Mann der Erde. Seit seinem kürzlichen Microsoft-Exit unterstützt er Melinda nun Full-Time als globaler Wohltäter.
Es bleibt nicht beim Herumtüffteln brillanter Strategie in klimatisierten Büros: Einen halben Tag verbrachte Melinda 2004 in einem von Mutter Teresa gegründeten “Haus der Sterbenden”, so das US-Magazin “Fortune” im indischen Kalkutta. Eine von AIDS- und Tuberkulose bis auf die Knochen Abgemagerte starrte sie an wie ein “Zombie”. “Melinda marschierte auf sie zu”, erinnert sich ein Begleiter, schob einen Sessel vor sie, hielt ihre Hände und sagte mit fester Stimme: “Sie haben AIDS! Es ist nicht ihre Schuld!”. Tränen liefen der Frau von den Wangen. Die augenblickliche Verbindung zwischen den beiden sei erstaunlich gewesen. Und seit Melinda Gatten Bill ein AIDS-Baby mit vollen Hosen überreichte, taute auch der “Geek” in Sachen Nächstenliebe auf.
Hillary Clinton hat am möglichen Sprung ins Oval Office politische Macht, Angelina Jolie Glamour und die britische Queen Kronjuwelen — doch keine Frau vergibt mehr Geld an die Bedürftigen dieser Erde wie Melinda Gates: Die “Bill & Melinda Gates Foundation”, das philanthropische Vehikel der Gates-Familie, hat 37 Milliarden angehäuft. Freund und Investoren-Legende Warren Buffett will 41 weitere in den nächsten Jahren überweisen. 100 Milliarden Dollar könnten Bill und Melinda in ihrer Lebenszeit spenden, rechnete Fortune vor. Dabei haben sie mit 14,4 Milliarden schon bisher mehr gegeben als die “Rockefeller Foundation” seit 1913, inflationsbereinigt.
Ihre Projekte, oft in enger Zusammenarbeite konzipiert mit Ex-Präsident Bill Clinton und Rockstar Bono, reichen von der Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose oder Malaria, Umweltschutz-Programme sowie Mikrokredite für Arme in der Dritten Welt bis zu Geldspritzen für marode, öffentliche Schulen in den USA oder Förderungen bei der Entwicklung neuer Impfstoffe. Es hagelt Anerkennungen: Am Mittwoch etwa holen sie sich höchstpersönlich in Stockholm Ehrendoktorhüte des “Karolinska Institut” ab, das alljährlich den Medizinnobelpreis vergibt.
Dabei wuchs Melinda French abseits der starbeladenen Cocktailempfänge spendabler Superreicher auf. Ihr Dad, ein Ingenieur, startete sein eigenes Familien-Business, wo sie und ihre drei Geschwister “den Boden aufwischten und den Rasen mähten”, so Melinda zu “Fortune”. Mit einem akademischen Doppeltitel der “Duke”-Uni begann sie, 22-jährig bei der einer aufstrebenden Software-Firma namens “Microsoft”. Vier Monate später trifft sie den Boss bei einer Expo in New York. “Er war weit humorvoller als ich ihn mir vorstellte”, erinnert sie sich. Gates war gerade per Börsengang Milliardär geworden. Doch Geld spielte für Melinda keine Rolle. Sie sorgte sich eher, “dass unsere Beziehung meine Arbeit in keinster Weise beeinflussen durfte”. Noch sichtlich erheitert erzählt sie die Anekdote, als Bill-Freund Buffett sie nach Omaha, Nebraska, einlud, und durchblicken ließ, dass er einst sechs Prozent seines Privatvermögens für den Ehering seiner Frau ausgab. Nur: Bei Bill, damals 1993 7,4 Milliarden Dollar schwer, wären das 438 Millionen gewesen. Melinda suchte eine schlichten Diamantring aus.
Nach ihrer Heirat kam der große Schock: Sie zog in einen 3,700 Quadratmeter großen, technologisch hochgerüstete “Studentenbude” am Lake Washington bei Seattle ein. Sechs Monate später heuerte sei einen Innenarchitekten an: “Wenn ich hier einziehen soll”, hatte sie Bill erklärt, “dann will ich ein Heim für unser Familienleben haben”. Heute habe der Ort eine magische Ausstrahlung, eine “Zen-ähnliche Stille”, wie Freund Bono schwärmt. Genauso soll sie auch den einst skrupellosen und knallharten Mr. Microsoft “aufgeweicht” haben.
Denn als globale Wohltäter sind Bill und Medlinda heute ein Dreamteam: Er schmiedet zur Entwicklung neuer Impfstoffe für Tetanus, Hepatitis B oder Geldfieber mächtige Koalitionen; sie werkt etwa an Bildungsprojekten in 1.800 US-Highschools mit Direktoren, Bürgermeistern und Gouverneuren. Sie studiert 99 Prozent der jährlich 6.000 Anfragen für Subventionen. Und Melinda, schwärmt Clinton, bohrt, vor allem bei Erkundungstouren wie etwa 2005 durch Afrika, immer mit den präzisesten Fragen nach – “nachdem wir Männer endlich die Klappe halten”: “Wie sieht es aus mit der Bildung?”, fragt sie: “Was wird getan zur Vorsorge? Wie viele verwenden Kondome?”
Die zwei älteren ihrer drei eigenen Kinder (zwei Töchter, elf und fünf Jahre, sowie einen achtjährigen Sohn) “sollen nicht in einem Bubble aufwachsen”, sagt sie. 2006 zeigte sie ihnen einen Slum in Südafrika. Es ist nicht immer leicht, so Melinda: “Als sie einmal in einem Film ein poliokranken, verkrüppelten Buben sahen, fragten sie: Warum habt ihr ihm nicht geholfen?”

# 17. Jänner: Romney?

Lange hatte Mitt Romney, einst einer der Top-Favoriten in den Republikaner-Vorwahlen, auf Jubel-Rufe warten müssen: In Iowa geschlagen vom obskuren Südstaaten-Prediger Mike Huckabee mit bloß einem Zwanzigstel an Ausgaben, in New Hampshire überrollt vom “Straight Talk Express” des Vietnamhelden John McCain. Doch nun hallte in Detroit das Stakkato seiner Fans durch Romneys Hauptquartier: “Mitt! Mitt! Mitt!”. Romney hatte McCain mit 39 zu 30 Prozent bei den Michigan-Primaries niedergerungen, Huckabee landete auf Rang Drei. Wähler in dem durch die angeschlagene US-Autoindustrie maroden Staat, wo 300.000 Jobs seit 2000 verloren gingen, glaubten Romneys Wahlversprechen, er werde als Präsident 20 Milliarden Dollar pro Jahr an Subventionen dorthin pumpen.
Romney war als tüchtiger Olympia-Organisator (Salte Lake City 2000), moderater Massachusetts-Gouverneur und brillanter Investor mit Multi-Millionenvermögen mit viel Vorschusslorbeeren in die Primaries-Saison gegangen: Doch sein Mormonen-Glauben wurde zur Hürde bei frommen Evangelisten, dazu hängte er sein Fähnchen nach dem Wind, als er sich als Schwulenhetzer und plötzlich strenger Abtreibungsgegner bei den Sozialkonservativen anbiederte.
Immerhin schaffte Romney nun in Michigan, wo er geboren ist und sein Vater in den Sechzigern Gouverneur war, seinen “Pflichtsieg” – und stürzte das Rennen der Republikaner zur Kür ihres Kandidaten für die Schlacht ums Oval Office nun durch sein “Comeback”, wie er sich freute, ins totale Chaos: “Drei Wahlen, drei Sieger”, schüttelte TV-Kommentator Tim Russert den Kopf: “Kein Favorit in Sicht!” Huckabee, McCain und Romney rangeln nun am Samstag neben Nevada vor allem bei der ersten, wichtigen Südstaaten-Vorwahl in South Carolina um eine Poleposition vor dem “Super Tuesday” am 5. Februar, wenn 24 Staaten wählen. Dort ist aber auch noch mit TV-Star Fred Thompson zu rechen – und Ex-Frontrunner Rudy Giuliani wartet in Florida auf sein Comeback. Selbst die rechte “New York Post” schrieb resignierend: “Sie haben nur eines gemeinsam – sie sind alle Loser”.

# 17. Jänner: Hillary über Monica…

Es ist ein Gedenktag, auf den Hillary Clinton – ausgerechnet mitten im heißen Vorwahlkampf gegen Barack Obama – lieber gerne verzichtet hätte: Am 17. Jänner 1998, vor exakt zehn Jahren, tauchten erste Details der Oralsex-Affäre von Gatten Bill mit der Praktikantin Monica Lewinsky auf. Der “Jahrhundertskandal” kostete Clinton fast das Amts und hielt die Nation durch die Flut pornographischer Details monatelang in Atem. Jetzt wurde Hillary prompt in einem Interview mit der flotten TV-Tratsch-Tante Tyra Banks über Bills damalige Beichte gefragt: “Ich hatte einen Tiefpunkt erreicht”, sagte Hillary leise, während ihr Banks Taschentücher reicht: “Es war hart, lange musste ich darüber nachdenken, was für mich und vor allem meine Familie das beste war”, sagte die Ex-First-Lady: Doch sie hätte nie einen “Zweifel an Bills Liebe” gehabt: ”Und auch nicht daran, dass es für unsere Familie zu spät sein könnte”. Hillary ließ aber auch ihre “blanke Wut” und “tiefe Verzweiflung” von damals durchblicken. Und sie verstehe, dass viele Frauen der Meinung sind, sie hätte ihm den Laufpass geben sollen.

# 16. Jänner: Schlammschlacht um Schwarze

Die Demokraten-Star Barack Obama und Hillary Clinton riefen in ihren brutalen Krieg der Worte um schwarze Wähler jetzt zum Waffenstillstand auf: “Ich will nicht, dass wir in diesem Hick-Hack die Sicht auf die wichtigen Dinge verlieren”, gab sich Obama “präsidial”. Er verteidigte sogar Hillary: “Die Clintons haben sich stets in der Vergangenheit für die Rechte von Schwarzen eingesetzt”. Der Showdown begann, als Hillary die Leistungen des legendären Bürgerrechtlers Martin Luther King herabzuwürdigen schien: Erst Präsident Lyndon Johnson hätte “Bürgerrechte zum Gesetz gemacht”, sagt sie. Dass es eines Weißen bedurfte, Kings “Träume” zu verwirklichen, führte zu wüsten Protesten von Schwarzenführern (ÖSTERREICH berichtete).
Doch trotz Obamas Aufruf zur Besonnenheit, droht die Schlammschlacht zwischen den Oval-Office-Favoriten die Demokraten-Partei zu zerreißen – entlang von Rassenlinien: Hillary führt laut “Rasmussen”-Umfrage mit 41 zu 27 Prozent unter weißen Wählern, Obama mit 66 zu 16 Prozent unter Afroamerikanern. Bei der ersten TV-Debatte in Nevada, wo am Samstag bei den “Dems” die Vorwahlen weitergehen, wollen beide weiter versuchen, die Wogen innerhalb der Partei zu glätten.
Obama hat laut einer jüngsten Umfrage der Zeitung “Reno Gazette-Journal” im Kasino-Wüstenstaat mit 32 zu 30 Prozent knapp die Führung übernommen. Auch in South Carolina (26. 1.) wird Obama – mit bis zu 50 Prozent erwarteten schwarzen Wählern – favorisiert. Doch Hillary will am “Super Tuesday”, wenn am 5. Februar 22 Staaten Primaries abhalten, alles klar machen: In Kalifornien, dem größten Preis dieses Megawahltages, führt sie deutlich mit 47 zu 31 Prozent.
Bei den Primaries am Dienstag im “Autostaat” Michigan zählten wegen eines Streits um die Vorverlegung der Primaries nur die Republikaner-Resultate (siehe Info-Box). Mormonen-Millionär Mitt Romney, der dort geboren wurde, hatte nach zwei bitteren Niederlagen in Iowa und New Hampshire gegen den aufsteigenden Vietnam-Kriegshelden John McCain bis zuletzt um den Fortbestand seiner Kandidatur gekämpft.

# 15. Jänner: Michigan: Mustwin für Romney

Einst galt er als Republikaner-Favorit im Kampf um das White House: Mitt Romney, bravouröser Olympia-Organisator, effizienter Ex-Massachusetts-Gouverneur, Investmentbanker, Multimillionär. Doch nun kämpft Romney nach zwei bitteren Niederlagen (Iowa, New Hampshire) in Michigan, der nächsten Station der US-Vorwahlen am Dienstag, ums Überleben: Es wäre ein “Must win!”, ein Pflichtsieg, so Beobachter. Besonders da Romney in dem durch den Verlust von 300.000 Jobs seit 2000 maroden “Midwest”-Staat geboren wurde und sein Vater Gouverneur war. “Eine Niederlage hier – und es ist vorbei”, so TV-Analyst Mark Halperin.
Romney führt laut der Lokalzeitung “Detroit Free Press” knapp mit 27 zu 22 Prozent vor dem nach seinen Sensationssieg in New Hampshire “Comeback Kid” getauften Vietnam-Kriegshelden John McCain. McCain, letzten Sommer noch komplett abgeschrieben, ist plötzlich wieder Favorit bei den Konservativen: Laut jüngster “ABC/Washington-Post”-Umfrage führt er US-weit mit 28 Prozent vor dem frommen Südstaaten-Prediger und Iowa-Triumphator Mike Huckabee (20 %) und Romney (19 %). Huckabee hofft vor allem auf South Carolina am Samstag. Es wird letztendlich auf ein Duell McCain vs. Huckabee um die GOP-Nominierung getippt, ausgefochten am “Super Tuesday” mit Primaries in 24 Staaten am 5. Februar. Ex-Frontrunner, “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani setzt auf ein Comeback in Florida am 29. Jänner. Doch die Strategie wird zum Rohrkrepierer: In den Umfragen stürzte er auf zehn Prozent ab, seine Kriegskasse ist leergeräumt.
Bei den Demokraten kommt es erst am Samstag zum nächste Vorwahl-Showdown im Kasino-Wüstenstaat Nevada. Die Michigan-Resultat zählen nicht, da die Bundespartei den Staat wegen der “unautorisierten Vorverlegung” der Primaries boykottiert. Zwischen den Frontrunnern Hillary Clinton und Barack Obama fliegen die Fetzen: Es geht um schwarze Wähler, die die nach Nevada nächsten wichtigen Vorwahlen in South Carolina (26. 1.) mit einem Wähleranteil von bis zu 50 Prozent entscheiden dürften. Zuerst protestierte Camp Obama, als Hillary die Leistungen des legendären Schwarzenführers Martin Luther King herabzuwürdigen schien: Es hätte Präsident Lyndon Johnson bedurft, um Kings Träume zu verwirklichen. Illustriert sollte werden, dass schöne Reden – ein Seitenhieb auf den mit King verglichenen Obama – eine Sache sind, Taten eine andere. Nach vehementen Protesten von Schwarzenführern beschuldigte Hillary Obama, er wolle eine Rassendebatte in die Wahlschlacht injizieren. “Jetzt ist es persönlich”, titelte der Internetdienst “Drudge Report”. Obama liegt national mit 37 zu 42 Prozent fast gleichauf mit Hillary. 14 Punkte holte er auf – in nur einem Monat.

# 13. Jänner: It´s the economy, stupid!

Die Zeichen in der US-Wirtschaft stehen auf Sturm: Fast tägliche Talfahrten des Aktien-Index “Dow Jones” (Freitag minus 246,78 Punkte), massenhafte Privatpleiten von Bürgern und Milliardenspritzen für wankende US-Großbanken. Prompt wurde die Rezessions-Angst zum Top-Thema im US-Vorwahlkampf: Demokratenstar Hillary Clinton schlug ein Notprogramm vor, wo per Steuersenkungen 100 Milliarden Dollar als Stimulus in die darniederliegende Wirtschaft gepumpt werden sollen. Profitieren sollen weniger Betuchte, Arme und Arbeitslose. Hauptfokus ist die schlimmste Hypothekenkrise seit der “Great Depression”. Kontrahent Barack Obama schlug Steuererleichterungen von 500 Dollar pro Arbeiter vor.
Rechte Massenblätter denunzierten die “Dems” prompt wieder als “Big Spender”: “Hillary bleibt schuldig, wie sie das bezahlen will”, mahnte die “New York Post”. Dabei übertreffen sich auch die Republikaner-Kandidaten mit Ideen für tiefe Griffe in die Staatskasse: Kriegsheld John McCain will Bushs Steuersenkungen für Superreiche weiterlaufen lassen, Mormonen-Millionär Mitt Romney schielt auf die Mittelklasse.
Klar ist: Die Wirtschaftsmisere löste bei den Dems das Irakdebakel als Wahlkampfschlager ab. Die Ironie: Bereits vor 16 Jahren hatte Bill Clinton mit dem Slogan “It´s the economy, stupid” wegen fauler Wirtschaftslage Bush Senior im Oval Office abgelöst. Auch Hillarys Chancen steigen in einem “Wirtschaftswahlkampf”, so Beobachter. Hillary führt nach ihrem New-Hampshire-Wunder in US-weiten Umfragen wieder recht solide: Laut CNN mit 49 zu 36 Prozent vor Obama. Bei den Republikanern übernahm McCain mit 34 zu 21 Prozent vor Prediger Mike Huckabee das Ruder. In nur einem Monat schoss McCain 21 Prozent (!) in die Höhe.

# 12. Jänner: Mrs. Obama

Michelle Obama (43), Karriereanwältin, Spitals-Top-Managerin und Frau von Oval-Office-Stürmer Barack Obama (46), wird, sollten die Obamas die Schlacht ums White House diesen November tatsächlich gewinnen, keine First Lady “Nancy Reagan”-Style sein. Biedere Blumentapeten im Ostflügel dürfte es ebensowenig geben, wie untertanes “Cheerleading” für ihren Präsidentengatten. Barack schnarche wie ein Holzfäller und “rieche am Morgen oft nicht unbedingt anregend”, verbreitet hingegen Michelle wenig Schmeichelhaftes über ihren Mann, der am Sprung ist, mächtigster Politiker der Erde zu werden. Außerdem: Einmal habe er das Haus verlassen, “als das Klo noch verstopft war”. Die bedingungslose Gattenbewunderung sei “nicht ihre Sache”, stellte Mrs. Obama in einem ausführlichen Interview mit dem US-Kultmagazin “Vanity Fair” klar: “Ich liebe meinen Mann, ich denke, er ist der brillanteste Mann, den ich je getroffen habe – und er weiß das…” Doch: “Er ist nicht perfekt, und ich will nicht, dass die Welt von ihm Perfektion fordert”.
Der kometenhafte Aufstieg von Barack Obama als charismatischer “Multikulti-JFK” – sein Vater Afrikaner aus Kenia, seine Mutter eine Weiße aus dem US-Staat Kansas – zieht die Welt in den Bann. Doch nichts wäre er, wie er selbst bei seiner umjubelten Siegerrede nach seinem Iowa-Vorwahltriumph zugab, ohne Michelle, dem Felsen des “Obama-Haushaltes”. Amerika verliebte sich prompt in die mögliche First Family: Da stand Michelle, großgewachsen, attraktiv, selbstbewusst mit elegantem, dunkelblauen Kostüm und dezenter Perlenkette auf der Bühne, flankiert von den bildhübschen Töchtern, Malia (9) und Sasha (6). Ein faszinierendes Bild: Für Amerika und die Welt hätte nach dem Einzug der “farbigen Kennedies” ins White House wahrlich eine neue Ära begonnen – besonders natürlich im Kontrast zu seinen derzeitigen Bewohnern, den weltweit weitgehend verachteten Texaner George W. Bush und seiner biederen Gattin Laura.
Michelle, geboren und aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Chicago und gerade akademische Titel der Elite-Unis Princeton und Harvard in der Tasche, traf Barack zum Beginn ihrer beider Anwaltskarrieren. In der Kanzlei “Sidley Austin” war sie ihm als “Mentorin” zugeteilt worden. Er, obwohl drei Jahre älter, studierte da immer noch. Doch beide jungen Anwälte verzichteten auf Top-Gehälter in renommierten Kanzleien: Sie entschied sich für eine Karriere im öffentlichen Dienst, er arbeitete gratis für Opfer von Rassendiskriminierung und als Organisator von Bürgerinitiativen in desolaten Chicagoer Schwarzenvierteln. Trotz horrend hoher, ausstehender Studienkredite, “die abbezahlt werden mussten”, wie Freunde den Idealismus der Beiden bewundern.
Dann kamen die Kids, und als ihr Gatte seine Politik-Karriere startete und letztendlich nach einer Traumrede am Demokratenparteitag in Boston 2004 zum einzigen farbigen Senator des 100-köpfigen Kongress-Oberhauses gewählt wurde, flogen die Fetzen: “Die Wut meiner Frau auf mich”, schrieb Obama selbst in seiner Bio “Hoffnung Wagen”, “schien streckenweise kaum unter Kontrolle”. Mit langen Perioden des Wahlkämpfens oder in Washington schnaufte Michelle oftmals: “Ich dachte nie, dass ich meine Kids alleine großziehen würde”. Doch eines Tages, erinnerte sich Mrs. Obama, hätte sie realisiert: “Ich kann mein Leben nicht so verbringen, dauernd gekränkt und irritiert zu sein”. Sie hätte sich Hilfe von ihrem Gatten erwartet. Doch die blieb wegen seiner politischen Ambitionen aus. “Nicht, dass ihm das alles egal war”, sagt sie: “Er war einfach selten da”. So organisierte sie sich kurzerhand ihr eigenes Unterstützungsnetzwerk: Familienangehörige, Nannies, Putzkräfte. Deshalb verweigerte sie auch, nach Obamas Einzug ins Kapitol, ebenfalls nach Washington zu ziehen. Als Vizedirektorin des Spitals “University of Chicago Medical Center” hatte auch sie längst Karriere gemacht. Doch immer noch legt sie großem Wert darauf, dass er nach seiner Rückkehr die Mist vor die Türe trägt und das Geschirr in den Spüler stellt. Oder die Betten macht für die Girls, damit “sie das sehen”, besteht Michelle auf zumindest symbolische Akte der Hausarbeit durch ihren Senatoren-Gatten, mit dem sie heute 15 Jahre verheiratet ist.
“Uffff…”, wäre ihre erste Reaktion gewesen, als er erstmals die Möglichkeit einer Kandidatur fürs Oval Office mit ihr besprach: “Machst du Witze? Jetzt? Du bist doch gerade erst Senator geworden, unser Leben begann sich zu stabilisieren?” Heute hat sie sich nicht nur damit angefreundet, sie sprüht förmlich vor Begeisterung. Obwohl Berater und Freunde Obama abrieten, “zu früh und unerfahren” in den Ring um den Top-Job der Supermacht einzusteigen, will die mögliche, künftige First Lady davon nichts wissen: “Jetzt oder nie”, sagt sie knapp. Und weiter: “Jetzt sind wir frisch, offen, furchtlos und mutig – wir werden sicher nicht endlos immer wieder antreten, weil irgendwann alles lebendige aus dir draußen ist…”.
Michelle ist wichtige Wahlkampfstütze, auch wenn sie es aus nervlichen Gründen bisher nicht schaffte, sich die TV-Debatten anzusehen. “Das würde sie nicht aushalten”, erzählte Obama kürzlich fröhlich im US-Frühstücksfernsehen: “Sie schaut sich stattdessen den Kochkanal an – und lässt sich von Freunden über meine Performance berichten”. Ihre Karriere hat sie während des brutalen Vorwahlkampfes längst auf 20 Prozent reduziert. Und sie macht sich nichts vor, dass sie mit dem Einzug ins White House vorübergehend zu Ende wäre. Dass Präsident Obama eine kampfstarke Partnerin an seiner Seite haben wird, bewies Michelle einst mit einem eiskalten Angriff gegen die attackierende Rivalin ihres Mannes, Hillary Clinton: Wenigstens hätte es in ihrer Ehe keine Seitensprünge gegeben, ließ sie durchblicken.

# 12. Jänner: Arnie Budget-Buster

Zumindest Kaliforniens Gauner lieben zur Zeit “Governator” Arnold Schwarzenegger ganz besonders, exakt 22.000 von ihnen. Arnie will sie aus den mit 172.000 Häftlingen vollgestopften Gefängnissen freilassen, um Geld zu sparen. Denn der Mega-Staat Kalifornien (38 Millionen Einwohner) steckt vor allem durch die US-Immobilienkrise vor einem neuerlichen Budget-GAU: Ein Loch von 14 Milliarden Dollar klafft, das größte seit den 38 Milliarden, wegen dem Arnie Vorgänger Gray Davis in den “Recall”-Wahlen 2003 aus dem Amt jagte.
Nun verordnet Arnie den Bürgern, ihren Gürtel enger zu schnallen – und die Liste der Kürzungen ist lange und voll an politischem Sprengstoff: Neben der Öffnung der Knasttore (darunter nur Häftlinge, die keine Gewalt- oder Sexualverbrechen begingen) will Arnie zehn Prozent des Bildungsbudgets (4,8 Milliarden Dollar) kürzen, höhere Studiengebühren einheben, 48 Parkanlagen schließen (jede fünfte des Staates), Subventionen für Alte, Blinde und Behinderte teilweise eliminieren und eine Milliarden Dollar bei der “Armen-Krankenversicherung” Medi-Cal einsparen.
Steuererhöhungen hat der Republikaner ausgeschlossen. Massiver Widerstand von Gewerkschaften und Interessensgruppen sowie ein Welle kritischer Medienberichte wird erwartet. Ausgerechnet in einem Jahr, wo Arnie als Klimaretter das Treibhaus-Thema “zum Schlager in der Schlacht ums Oval Office machen hatte wollen”, so Beobachter. Arnie, der 2003 mit einem Besen in der Hand die “Schuldenmacher-Kapitale” Sacramento ausmisten wollte, habe selbst die Budgetmisere nur notdürftig mit Riesenkrediten geflickt, beanstanden Kritiker: Jetzt habe er “weit weniger Optionen”.
“Das ist der Tag der Abrechnung”, polterte der demokratische Parlamentspräsident Fabian Nunez bereits: “Und die Sache wird für Kaliforniens Bürger schmerzhaft…” Arnies demokratische Opposition verlangte einen Mix aus Steuererhöhungen und Einsparungen.

# 11. Jänner: Hillary und Obama graben sich ein

Die Demokratenstars Hillary Clinton und Barack Obama graben sich ein für eine epische Schlacht in den Demokraten-Vorwahlen: Tritt die erfahrene Kandidatin des Polit-Establishments um die Bush-Nachfolge an? Oder doch der “schwarze Kennedy”, dessen leidenschaftliche Versprechen einer “neuen Ära des Wandels” eine ganze Generation Kopf stehen lässt? Nach Hillarys überraschendem Comeback in New Hampshire stellen sich die Kontrahenten auf einen langen, teuren und brutalen Primaries-Thriller ein. Die nächste Station: Nevada, der Kasino-Wüstenstaat, wo am 19. Jänner abgestimmt wird. Michigan, das am Dienstag wählt, ist unbedeutend, da als “Bestrafung” des Staates wegen der Vorverlegung der Primaries die Ergebnisse nicht zählen.
Am wichtigsten für Hillary und Obama: Geldsammeln für einen teuren, “nationalen Wahlkampf”, so Experten, wo die Kandidaten vor dem “Super Tuesday” am 5. Februar mit Wahlen in 24 Staaten durch die USA jetten und Millionen für TV-Werbungen ausgeben. Der Obama-Hype hatte nach seinen Iowa-Triumph acht Millionen in die Wahlkampfkasse gespült. Hillary sammelte heuer drei Millionen, 1,1 Millionen allein in den 24 Stunden nach New Hampshire. Obama wagte sich zum Abschöpfen der Reichen ausgerechnet in Hillarys New York. Das “Grand Hyatt Hotel” in Midtwon Manhattan war mit 700 Big Spenders gerammelt voll. Obama gab zu, dass er regelrecht “baff” über Hillarys Comeback war: “Ich dachte mir schon, dass das alles zu leicht geht”. Obama versprach, zu kämpfen: Notfalls werde er das Image des “Mr. Sunshine” ablegen und in einer möglichen “rauen Wahlschlacht” Krallen zeigen.
In Nervada landete Obama den ersten Coup: Die mit 60.000 Mitglieder mächtige Gewerkschaft der Hotel- und Kasino-Arbeiter empfahl ihn zu Wahl. Hillary nützte ihr Comeback, das viele auf ihren tränenreichen Emotionsausbruch zurückführen, sich in einer Serie an TV-Interviews als “menschliche Kandidatin” zu präsentieren. Hillarys wichtigster nächster Schritt: Der Aufbau schlagkräftiger Organisationen in Nevada und South Carolina (26. Jänner). Denn vor ihrem plötzlichen Comeback waren diese Staaten bereits aufgegeben worden.
Obama-Fans machten sich bereits über Hillarys “Tränen-Offensive” lustig. Als Obama über die Strapazen des Wahlkampfes erzählte, rief jemand: “Bitte, weinen sie nicht!”

# 11. Jänner: Bloomy?

Mischt New Yorks Milliardär-Bürgermeister Michael Bloomberg mit einer Kandidatur als Unabhängiger die Wahlschlacht 2008 ums Oval Office doch noch auf? Die Indizien verdichten sich: Zuletzt hatte “Bloomy”, so sein Spitzname, als Starredner bei einer Konferenz moderater Politiker in Oklahoma, wo eine Rückkehr “parteiübergreifender Politik” gefordert wurde, für Headlines gesorgt. Jetzt wurde bekannt, dass er seine Chancen von Meinungsforschern in 50 Staaten “genau prüfen” lasse, so Berater. Eine endgültige Entscheidung wird im März erwartet. Bloomberg könnte mit seinem Privatvermögen von 12 Milliarden Dollar locker eine Kandidatur aus eigener Tasche bezahlen – und “Dems” und Republikanern gleichermaßen Stimmen wegnehmen. Bloomberg ist gut befreundet mit Kalifornien-Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Arnie, der als in Österreich Geborener weder als Präsident noch Vize kandidieren darf, könnte ihn beraten, wird spekuliert. “Schwarzenegger ist ein großartiger, talentierter Politiker”, schwärmte Bloomberg kürzlich.

# 10. Jänner: Comback Kid II

Durch einem Sensationssieg bei den gewichtigen “Primaries” in New Hampshire konnte Hillary Clinton (60) ihren Wahlkampf, der Stunden zuvor vor dem Abgrund stand, herumreißen. Sie hat nun im Vorwahl-Thriller gegen den farbigen Senkrechtstarter Barack Obama (46) intakte Chancen, als Demokraten-Kandidatin für die Schlacht um das White House gekürt zu werden. “Ich habe hier meine Stimme gefunden”, rief sie bei ihrer Siegerrede den enthusiastischen Fans zu. Mit 39,16 zu 36,44 Prozent hatte sie Favoriten Obama knapp niedergerungen.
Die blamierten US-Medien, die falschen Meinungsumfragen aufsaßen und bereits Nachrufe auf Hillarys Kampf, erste Frau im Oval Office zu werden, verfassten, feiern sie nun als “Comeback Kid” – wie ihr Gatte Bill vor 16 Jahren, als der haarscharf den “Gennifer Flowers”-Sexskandal überstand. “Auferstanden”, staunte nun das Massenblatt “New York Post”. Zwei Tage davor prangte dort noch “PANIK!” über einer ausgemergelten Hillary, als sie in Umfragen zwischen vier und 13 Prozent deutlich hinter Obama zurücklag.
Doch in den letzten Stunden vor der Vorwahl kam es zu einer überraschenden Wende, so dramatisch, dass Politologen hilflos nach Vergleichen suchten. Das Schlüsselereignis: Tränen! “Es ist alles sehr schwer”, schossen Hillary bei einem Auftritt Tränen in die Augen. Es wirkte echt. Plötzlich war aus der kalkulierenden “Eisprinzessin” in den Augen der Wähler eine verletzliche Bürgerin geworden – und vor allem Frau. In der TV-Debatte hatten Obama und John Edwards im Team auch noch die Ex-First-Lady attackiert. Als Obama dann eisig sagte, sie sei “nett genug”, platzte vielen Frauen der Kragen. Ein wirrer Matcho brüllte bei einem Hillary-Auftritt: “Bügle meine Hemden!” New Hampshires Frauen begann sich, zu solidarisieren. “Sie sahen plötzlich die Frau, ein starke, aber eine mit Herz”, sagte eine Wählerin im US-TV.
“Plötzlich war alles anders”, berichtet Wahlhelfer, Ex-General Wesley Clark: “Die Massen strömten zu Hillarys Auftritten, die Euphorie kehrte zurück, die Sensation lag in der Luft”. Doch als am Wahltag die ersten Stimmzettel ausgingen und eine Rekordzahl von über 500.000 zu den Urnen strömte, glaubte Amerika noch, Obama habe – wie in Iwoa fünf Tage zuvor – Junge und Unabhängige mobilisiert. Aufgeregt stürmten dann plötzlich Helfer in Hillarys Hauptquartier mit dem ersten “Exit Polls”, Bürgerbefragungen, die nach der Stimmabgabe erfolgen: “Sie kommen! Frauen! Unglaublich!” Fassungslos starrten engste Hillary-Berater auf die Zahlenkolonnen.
Frauen bildeten mit 57 Prozent ein klare Mehrheit in den Wahllokalen – und sie votierten mit 47 zu 34 Prozent überwältigend für Hillary. Und mehr als die Hälfte der New-Hampshire-Wähler entschied sich am letzten Wahlkampftag (!), viele sogar erst am Weg zum Wahllokal.

# 10. Jänner: Hillary, 2.0

Monatelang hatte das Beraterteam von Hillary Clinton krampfhaft versucht, die als kühl und kalkulierend verschrieene Ex-First-Lady “aufzuweichen”: Sie kleidete sich in warme Erdtöne, blödelte mit Basketball-Legende Magic Johnson, ließ Hollywood-Reporter in den Wahlkampfbus. Der gekünstelte Versuch, Hillary im Kampf gegen Charisma-Bombe Barack Obama umzuprogrammieren, geriet zunächst zum Rohrkrepierer.
Doch nun schaffte Hillary es selbst, durch den Druck, ihr Lebenstraum vom Oval Office könnte zerplatzen: Hillary, “Version 2.0”, lacht, weint, argumentiert mit Feuer in den Augen. “Weil es wichtig ist”, zeigte sie bei einer TV-Debatte plötzlich Emotionen, schlug fast mit der Faust auf den Tisch: “Die Wähler sollen erfahren, wer wirklich das Rüstzeug hat, die Nation durch diese schweren Zeiten zu lenken”. Während TV-Kritiker einen “Wutausbruch” mit möglichen devastierende Konsequenzen attestierten, spürten die Wähler plötzlich: Hillary ist doch “real”.
In New Hampshire brach sie auch aus dem engen Korsett kontrollwütiger Top-Strategen aus: Geduldig beantwortet sie endlos Bürgerfragen, einmal gezählte 23. Sie stapfte durch Schneehaufen von Tür zu Tür. Tochter Chelsea, die in Iowa stumm wie ein Stück Dekoration hinter ihr saß, durfte diesmal ihre Meinung kundtun. Eine völlig neues Bühnenbild gab es auch bei Hillarys Siegerrede: Nicht die grimmige Ex-Außenministerin Madeleine Albright stand wie in Iowa hinter ihr, die “Erfahrung” repräsentieren hätte sollen, sondern Jugendliche, die Aufbruchstimmung signalisieren.
Gatte und Geheimwaffe Bill Clinton war es zudem gelungen, mit harten Attacken Zweifel an Obamas “Märchen” zu schüren. Nach einer Runde an Interviews im Frühstücks-TV, wo sie mit heiserer Stimme aber überglücklich ihr Comeback erläuterte, wollen Hillary, Bill und Berater am ersten wahlkampffreien Tag seit Wochen an der weiteren Siegerstrategie feilen. Auch das Team wird verstärkt: Der wortgewaltige, ehemalige “Bill-Kettenhund” und Politguru James Carville soll als Top-Stratege aushelfen.
Hillary muss vor allem nervösen “Big Spender” beruhigen, um mit einer prallen Wahlkampfkasse am 5. Februar, am “Super Tuesday” mit Primaries in 23 Staaten, Obama endgültig niederringen zu können. Denn in den Primaries davor liegen die Hürden hoch: In Nevada, wo Samstag nächster Woche gewählt wird, ist Obama Favorit. Und in South Carolina am 26. Jänner mit 40 Prozent schwarzen Wählern ebenso. Doch: “Wer die Clintons zu früh abschreibt, kennt sie einfach nicht”, so Ex-Berater Dick Morris.

# 10. Jänner: Kein Kid, aber ein Comeback

Totgesagte leben länger – das gilt in New Hampshire auch für Ex-Vietnam-Kriegshelden John McCain. Noch vor Monaten war der 71-Jährige Haudegen als Loser abgestempelt worden: Stur verteidigte er die Offensive des unpopulären US-Präsidenten George W. Bush im Irakkrieg, sein Wahlkampf fast pleite. Ich bin zu alt, um als “Comeback KID” bezeichnet zu werden, scherzte er jetzt nach seinem Triumph über Ex-Favoriten Mitt Romney (37,19 zu 31,62 %): “Aber ihr habt allen gezeigt, wie ein Comeback aussieht”, rief er seinen jubelnden Fans zu.
Als “Lazarus” bezeichneten ihn TV-Kommentatoren, nach jener biblischen Figur, die von Jesus von den Toten geweckt wird. McCain ließ prompt mit martialischen Tönen aufhorchen: “Ich werde Amerika gegen Heilige Krieger verteidigen”, versprach er eine Fortsetzung von Bushs “Krieg gegen den Terror”: “Wir werden uns niemals ergeben!” Den Erfolg verdankt McCain über 100 Wahlkampfauftritten, wo er sich als schlagkräftiger Oberbefehlshaber präsentierte. Der Neuenglandstaat mit seinen eigenwilligen Bürgern schätzt McCain: Dort hatte er 2000 Bush eine bittere Niederlage zufügt.
McCains Triumph hat das Republikaner-Rennen, wer gegen die Demokratenstars Hillary Clinton oder Barack Obama antreten kann, ”noch unübersichtlicher gemacht”, so Politologen: Mormonen-Millionär Romney, der Unsummen aus seiner eigene Tasche in den Wahlkampf pumpte, ist durch die zweite peinlichen Niederlage nach Iowa, wo er dem frömmelnden Aufsteiger Mike Huckabee unterlag, schwer angeschlagen. Auch 9/11-Held Rudy Giuliani, bisheriger Frontrunner in USA-weiten Umfragen, ist durch einen enttäuschenden Rang Vier in New Hampshire schwer unter Druck geraten. “Es dürfte ein Duell zwischen McCain und Huckabee werden”, tippt der konservative Kommentator Pat Buchanan.

# 9. Jänner: “Obamamania”

“Obamamania”, die Welle der Euphorie über den farbigen Demokraten-Senkrechtstarter Barack Obama (46), erreichte bei den berühmten “Primaries” in New Hampshire immer schrillere Dimensionen: 2000 Menschen jubelten Obama in der Turnhalle einer Highschool in Concord zu, 700 warteten draußen in eisige Kälte. Der von dem Medien als “neuer Kennedy” gehypte Oval-Office-Stürmer wandte sich an beide Massen: “Gemeinsam werden wir Geschichte schreien”, rief er. Es ist da bereits fast Mitternacht. Es sind Bilder einer Massenhypnose: Das Foto der vor Rührung weinenden Danielle Arlow ging durch die US-Presse. Andere zeigten sich überglücklich, diese “historischen Stunden” hautnah miterleben zu dürfen.
Es ist eine Tsunami an Aufbruchstimmung und politischer Begeisterung, wie sie Amerika seit der Kandidatur des JFK-Bruder Robert Kennedy (RFK) nicht mehr erlebte, staunt selbst der erzkonservative Kolumnist Robert Novak. Prompt wurde Obamas Personenschutz verstärkt: 12 “Secret Service”-Agenten stehen nun in schwarzen Anzügen um ihn. Robert Kennedy war 1968 knapp nach seinen Triumph in den “Dems”-Vorwahlen erschossen wor-den.
Was ist Obamas Zauberformel?
# Seine Gabe als mitreißendster Redner seit Schwarzenführer Martin Luther King hat eine ganze Generation inspiriert: Junge, Unabhängige, Politverdrossene und sogar Republikaner stürmen seine rockkonzert-ähnlichen Auftritte;
# Nach 19 Jahren an Bush- oder Clinton-Familien im White House, und einer miesen Dreckschleuderpolitik, die die USA in zwei verfeindete Lager spaltete, sind viele hungrig nach Obamas Vision eines hoffnungsfrohen, geeinten A-merikas;
# Die Nation verliebte sich prompt in ihr mögliche neue, attraktive “First Family”, mit der attraktiven Topanwältin Michelle (43), sowie den bildhübschen Töchtern Malia (9) und Sasha (6).
# Die US-Medien, die den heurigen Vorwahlen so viel Sendezeit widmen, wie den letzten vier zusammen, machen Quoten mit Obamas mitreißender “Cin-derella”-Story. Ex-Favoritin Hillary Clinton wird als potentielle “Loserin” gna-denlos fallengelassen.
# Der dicht gedrängte Vorwahl-Kalender führt zu einem “Schneeball-Effekt”, der Kandidaten mit dem meisten Schwung, Obama, favorisiert. Dazu liebt die auch im täglichen Leben wettbewerbsorientierte USA Siegertypen.
Die Aussichten sind für Obama auch nach New Hampshire rosig: Für die nächste Station im Vorwahl-Zirkus – wo “Dems” und Republikaner ihre Kandidaten für die finale Schlacht um die Bush-Nachfolge auswählen – in Neva-da erhielt er bereits die Unterstützung der mächtigsten Gewerkschaft. In South Carolina, wo kurz vor dem “Super Tuesday” am 5. Februar (Primaries in 23 Staaten), abgestimmt wird, wartet auf Obama mit über 40 Prozent schwarzen Demokraten fast ein Heimspiel.
Hillary dementierte Gerüchte, sie könnte bald das Handtuch werfen. Doch das US-Magazin “Time” berichtet bereits von einer “massiven Spenderflucht” und “Geldengpässen” innerhalb ihrer einst mächtigen Wahlkampfmaschinerie. Mögliche Republikaner-Gegner haben sie ebenfalls bereits abgeschrieben: Die Attacken von Mitt Romney, John McCain, Mike Huckabee & Co gelten nur mehr Obama.

# 9. Jänner: Mrs. Obama

Im Jubel um Barack Obama schielt Amerika bereits auch auf seine mögliche neue “First Lady”, Michelle. Mit der 43-Jährigen Karriereanwältin und “Fels im Obama Haushalt” (so der stolze Gatte) dürfte nach der untertanen und biederen Laura Bush auch im Ostflügel des White House, dem Reich der Präsidentengattinnen, eine völlig neue Ära anbrechen. Michelle, seit 15 Jahren glücklich mit dem Demokratenstar verheiratet und Mutter deren süßer Töchter Malia (9) und Sasha (6), ist wortgewaltige Stütze im Obama-Wahlkampft, nachdem sie ihren Job als Spitalsleiterin auf 20 Prozent reduzierte. “Wir sehen uns nach einem Wechsel”, ruft sie bei Wahlkampfstopps: “Die Zeit ist gekommen”. Doch leicht fiel Mrs. Obama der Umgang mit den Polit-Ambitionen ihres Gatten anfangs nicht: “Ihr Ärger war oft kaum im Zaum zu halten”, schrieb er selbst in seiner Bio. Und Michelle wird nicht Baracks blinde “Cheerleaderin” sein, soviel verriet sie bereits: Er schnarche und stinke mitunter, scherzte sie offenherzig.

# 8. Jänner: Obama reitet Sympathie-Tsunami

Mit dem Selbstbewusstsein eines Frontrunners erduldet der neue Demokratenstar Barack Obama (46) gelassen die wüsten Attacken seiner Top-Rivalin Hillary Clinton (60). Mit seiner sympathischen, sonoren Stimme wehrte er sich in ruhigem Ton in der großen TV-Debatte gegen Hillarys Großangriff, wonach er bloß ein Dampfplauderer und Heuchler sei. Obama cool: “Hören Sie bitte auf, meine Bilanz zu verfälschen”. Wenn sie ihm vorwerfe, er würde den Leuten “falsche Hoffnungen” machen, bemühte Obama in einem ABC-Interview gleich jenes historische Idol, mit dem ihn alle vergleichen: “Als Kennedy sagte, wir werden auf den Mond fliegen – waren das falsche Hoffnungen?” Attacken, er sei ein Heuchler, da er gegen Lobbyisten wetterte und selbst einen in New Hampshire beschäftige, wischte er vom Tisch: “Das kommt von Leuten, die sich ihre Wahlkampfkasse von Lobbyisten füllen ließen”, ätzte er in Richtung Hillary. Insgesamt portraitierte Obama seine strauchelnde Rivalin als “zynische Neinsagerin”, die Bürgern ihre Hoffnung auf eine neue Ära nehmen wolle.
Größere Probleme bereitet Obama der Schlafentzug: Die sonst feurigen Reden des “schwarzer Kennedy” aus Illinois trägt er nun langsamer und stoischer vor. Trotzdem toben die Massen: Wieder 3.000 Menschen zwängten sich in eine Turnhalle in Manchester, New Hampshire, der zweiten Station der US-Präsidentschaftsvorwahlen 2008 am Dienstag. Stundenlang stellten sie sich in eisiger Kälte an, die Menschenschlange reicht um einen ganzen Häuserblock. Sie halten die Obama-Tafeln mit dem Slogan “Stand vor Change” (Erhebt euch zur Veränderung!) in Händen und berichten TV-Teams über die neue “Aufbruchsstimmung”, die Obama verbreite.
“Operation Obama”, wie US-Medien sein schlagkräftiges Team tauften, wundert sich selbst, wie leicht plötzlich alles ist: “Wir reiten einfach die Welle”, so ein Obama-Stratege schelmisch grinsend. Mit jeder neuen Umfrage scheint sich sein Vorsprung zu vergrößern: Zwischen drei und 13 Prozent lag er 24 Stunden vor Öffnung der Wahllokale in dem kleinen Neuenglandstaat voran. Fast mehr duelliert sich Obama bereits mit dem, dortigen Republikaner-Favoriten John McCain: Es geht um 45 Prozent Parteiunabhängige, die in New Hampshire entweder bei den Demokraten- oder Republikaner-Primaries wählen dürfen. Gewinnt Obama New Hampshire wartet eine echtes “Heimspiel” auf ihn: In South Carolina, wo knapp vor dem entscheidenden “Super Tuesday” (Vorwahlen in 23 Staaten) gewählt wird, sind 40 Prozent der Demokraten Schwarze.
Nur durch einen kleinen Faux-Pass hatte der sonst hochprofessionelle Obama Erklärungsbedarf: “Hillary, ich mag Sie – ausreichend”, hatte er in der TV-Diskussion mit süfisantem Lächeln gesagt. Der Kommentar führt zu höchst negativen Reaktionen bei Test-Audienzen, ein Hauch von Frauenfeindlichkeit klang durch. “Das kam nicht gut rüber”, gibt Obama zu: “Als Mensch mag ich Hillary, Punkt!”

8. Jänner: Panik in Camp Hillary

Dreizehn Prozentpunkte Rückstand zu Demokraten-Senkrechtstarter Barack Obama (46); Attacken, die eher an einen letzten Verzweiflungsakt erinnern; schwindende Massen bei den Wahlkampfauftritten und “fliehende Spender” (“Time”-Magazin) vor den “Primaries” in New Hampshire am Dienstag. Die Stimmung im Team der ehemaligen Favoritin für das Oval Office, Ex-First-Lady Hillary Clinton (60), fassten US-Massenblätter á la “New York Post” mit einem Wort zusammen: “PANIK!” Laut der hochangesehenen “USA Today/Gallup”-Umfrage liegt Hillary mit 34 zu 45 Prozent zurück – im Dezember noch war mit ihrer überlegenen Führung von 47 zu 26 Prozent spekuliert worden, wie sicher sie die Nominierung als demokratischer White-House-Kandidatin schon in der Tasche hat.
Mit aller Kraft bäumt sie sich auf, will nach dem Iowa-Waterloo in New Hampshire zum “Comeback Kid” werden, wie 1992 Gatte Bill: Sie stapft mit Tochter Chelsea durch den Schneematsch von Haustür zu Haustür, gibt TV-Interviews in Serie. Immer verzweifelter ruft sie in die Mengen, ihre versagende Stimme sich überschlagend. Sie preist ihre Erfahrenheit und schießt aus vollen Rohren auf “Grünschnabel Obama”, erst seit drei Jahren Senator. “Ich packe an, er redet bloß”, ruft sie.
Dann rattert sie ein Liste herunter, wo Obama als “Flip-Flopper” (einer, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt) und Heuchler denunziert wird: Er habe sich gegen den Irakkrieg ausgesprochen und dann im Senat 350 Milliarden Dollar dafür genehmigt. Er wettere gegen Lobbyisten, während sein Top-Wahlkampfmanager selbst einer ist. “Das ist keine Veränderung”, machen sich nach jedem Punkt die Hillary-Fans über Obamas erfolgreichen Kampfschrei nach “Change” per Sprechchor lustig.
Doch es ist ein “Negativ-Wahlkampf”, und je mehr sie attackiert, desto schneller treibt sie Wähler ins Lager Obamas, dessen Höhenflug auf dem Versprechen nach Beendigung derartiger mieser Polittaktiken basiert, so Beobachter. Team Hillary ist angesichts der Erfolgswelle, auf der Obama mühelos reitet, völlig ratlos: TV-Werbespots, wo Obama frontal attackiert hätten werden sollen, blieben in der Schublade. Zu hoch wäre “das Risiko eines Eigentores”, so Hillary-Insider. Offen wird zugegeben, dass sie nach Iowa auch New Hampshire verlieren könnte. Ihr neuer, fast hilflos wirkender Slogan, um Differenzen zu Obama herauszuarbeiten: “Rhetorik vs Resultate; Gerede vs. Aktionen”. Auch die bisherige Geheimwaffe Bill scheint stumpf: Sichtlich ermüdet, preist er Hillarys Errungenschaften. Doch die Euphorie, die den Aufstieg der Clintons zum Polit-Powerpaar hier 1992 auslöste, gilt längst Rivalen Obama. Die Clintons “versprühen diesmal keine Funken”, schrieb die “New York Times” trocken.

# 7. Jänner: Thriller in New Hampshire

Wieder ein Thriller im Vorwahl-Showdown zwischen dem umjubelten Senkrechtstarter Barack Obama (46) und der wankenden Ex-Favoritin fürs Oval Office, Hillary Clinton (60): Laut CNN-Umfrage liegen Hillary und Obama mit je 33 Prozent in New Hampshire, wo Dienstag gewählt wird, Kopf an Kopf. Eine “Rasmussen Poll” hat jedoch Obama mit 37 zu 27 Prozent schon deutlich voran. Der Trend ist klar: Obama hat den Schwung aus Iowa voll mitgenommen.
Nach seinem Triumph beim Auftakt der US-Präsidentschafts-Vorwahlen 2008 dort, wo er Hillary mit neun Punkten Vorsprung ein Waterloo bescherte und für die größte Politsensation seit Generationen sorgte, hält die Euphorie über den neuen, schwarzen Kennedy ungebrochen an: Obamas Träume einer “neuen Ära”, vorgetragen so mitreißend wie Schwarzenführerlegende Martin Luther King, hypnotisiert Amerika. Nun erreicht “Obamamania” New Hampshire: 2.500 zwängten sich in ein Gymnasium in Nashua, das Gebäude so gerammelt voll, dass die Feuerwehr Hunderte abwies.
“Iowa war nur der Start”, rief Obama in die tosende Menge: “Wenn wir zusammenkommen, können wir das Weiße Haus erobern und unser Land verändern”. “O-BAM-A”-Sprechchöre halten durch die Turnhalle. Mit einem neuerlichen Sieg könnte Obama durch den Iowa/New Hampshire-Doppelschlag endgültig zum Top-Favoriten werden. Denn die legendären “Primaries” in dem frostigen Neuenglandstaat gelten als ein weit bedeutender Indikator als Iowa: Dort dürfen Parteiunabhängige mitmachen, ihr Anteil 45 Prozent erreichen. Diese Wechselwähler entscheiden stets den finalen Kampf ums White House.
In der großen TV-Debatte am Samstag kämpfte Hillary mit heftigen Attacken gegen Oabma fast bereits um ihr politisches Überleben. “Schöne Worte” würden keine Veränderung bringen, “sondern Taten”, schnappte sie. Einmal zog sie sich ruckartig die Kostümjacke zu, “wie ein General, der in die Schlacht zieht”, schrieb die “New York Times”. Sie verglich indirekt Obama sogar mit dem amtierenden Präsidenten George W. Bush: “Bei dem hat es auch geheißen, mangelnde Erfahrung würden gute Berater ausgleichen”. Innerhalb Hillarys einst so gut geölter Wahlkampfmaschinerie mache sich jedoch schon “Panik breit”, so das US-Magazin “Time”. Von internen Machtkämpfen ist die Rede, einer komplette Neukalibrierung ihrer Botschaft.
Die Bush-Nachfolge könnte, so Politologen, am ehesten schon jetzt in den “Dems”-Primaries entschieden werden. Die Republikaner befinden sich durch die jüngste Wirtschaftsmisere und Bushs Unpopularität in einem äußerst “desolaten Zustand”: In Iowa strömten etwa mit 239.000 Demokraten doppelt so viele zu den Abstimmungen wie die 115.000 Republikaner. Und Obamas Triumph im zu 94 Prozent “weißen Iowa” demonstrierte, dass Amerika bereit ist für seinen ersten schwarzen Präsidenten.
Deshalb sorgt das Republikaner-Rennen für weit weniger Headlines. Auch wegen seiner Unübersichtlichkeit: Der fromme Iowa-Triumphator Mike Huckabee liegt nun im weltlicheren New Hampshire weit abgeschlagen hinter den dortigen Favoriten, Ex-Kriegsheld John McCain und Mormonen-Millionär Mitt Romney zurück. Laut CNN führt McCain mit 33 Prozent vor Romney (27 %). Romney gewann unterdessen den Mini-”Caucus” in Wyoming. Ein erster Auftrieb nach seinem Untergang in Iowa. Alle vier Top-Republikaner – Romney, McCain, Huckabee und Giuliani – haben aber noch Chancen, die Vorwahlen zu gewinnen.

# 6. Jänner: Who is Barack?

“Ein Sohn eines moslemischen Vaters aus Kenia und einer Mutter aus Kansas als Präsidentschaftskandidat, aufgewachsen in Indonesien und Hawaii, dazu der Mittelname Hussein”, wundert sich Barack Obama (46) bei einem seiner umjubelten Wahlkampfauftritte selbst über seine eigene bunte Bio: “So etwas gibt es nur in Amerika”. Und genau diese Supermacht steht nach Obamas ersten Vorwahltriumph in Iowa Kopf: “Mr. President?”, titelten US-Medien über einem Foto der jubelnden Obama-Familie mit Gattin Michelle und den bildhübschen Töchtern Malia (9) und Sasha (6). Ein Hauch von Geschichte liegt in der Luft: “Von kleinen Dörfern bis großen Städten seid ihr zusammengekommen und habt erklärt: Wir sind eine Nation, ein Volk – und die Zeit zur Veränderung ist gekommen!”, rief Obama bei seiner Siegesfeier in Des Moines, Iowa.
Doch wer ist Barack Obama? Wer sind seine Freunde? Was macht ihn zum faszinierendsten Politiker seit JFK und Bill Clinton? Wegen seines weltumspannenden Lebenslaufes sprechen US-Beobachter von einer “neuen Ära”, sollte Obama tatsächlich “Nr. 44” im White House werden: “Der sieht die Welt nicht rein durch eine US-Brille”, schwärmte etwa TV-Kommentator Chris Matthews: “Er ist aufgrund seiner Erfahrung Bürger dieser Erde”. Tatsächlich: Er ist Sohn einer weißen Amerikanerin aus Kansas und einem Ziegenhirten aus Kenia. Geboren wird er 1961 auf der sonnigen Multikulti-Insel Hawaii. Obamas Eltern trennen sich. Sechsjährig zieht er mit seiner Mutter und neuem Stiefvater, einem Ölmanager, nach Jakarta, Indonesien. Vier Jahre geht er dort zur Schule, jedoch in keine der berüchtigten Indoktrinierungsstätten für radikale Moslems, wie US-Rechte anfänglich behaupteten.
Obama kehrt nach Hawaii zurück. Als Teenager konsumiert er Alkohol, Marihuana und Kokain in recht stattlichen Mengen, wie er selbst zugibt. Obama studiert Jus an der New Yorker “Columbia University”, doch schlägt nach seiner Anwaltsprüfung “Millionenangebote aus der Privatindustrie” aus, um gegen Rassendiskriminierung zu kämpfen und als “Aktivist” Probleme in desolaten Schwarzenvierteln Chicagos zu lösen, wie die ebenfalls recht wortgewaltige Gattin, Karriereanwältin Michelle, seine “Charakterstärke” preist.
Der nationale Durchbruch kam 2004, als Obama, in die Lokalpolitik gewechselt, beim Parteitag des damaligen Demokraten-Kandidaten John Kerry in Boston mit einer aufwühlenden Rede als “größte politische Nachwuchshoffnung seit Generationen” gefeiert wurde. Er landete im Senat. Die mit nur drei Jahren kurze Zeit in der A-Liga der US-Politik ist die größte Hürde, die er bei seinem Sturmlauf aufs White House nehmen muss.
Doch er hat gewichtige Freunde: Als größten Wahlkampf-Coup der Saison füllte er zuletzt mit der hochpopulären, schwarzen Talkqueen Oprah Winfrey Football-Stadien mit 80.000 Plätzen. Millionen Frauen sehen täglich Oprah im TV. Dass Obama Hillary in Iowa sogar unter Wählerinnen schlug, könnte Oprahs Verdienst sein. Die “Obamamania” grassiert längst auch in Hollywood: Zum Spendensammeln drückten sich Topstars, darunter George Clooney, Will Smith, Brad Pittt und Scarlett Johansson, die Türschnallen in die Hand. 100 Millionen Dollar sammelte er im Vorjahr.
Für Furore sorgte Obama mit zwei Bestseller: In “Dreams from my Father” (1995), wo er seine multikulturelle “Identitätsverwirrung” beschrieb, überraschte er Kritiker mit einem ähnlich packenden Schreibstil wie seine mitreißende Rhetorik jetzt beim Wahlkämpfen. In “The Audicity of Hope” (“Hoffnung wagen”) legte er 2006 ein brillantes Polit-Manifest vor. Obama punktet auch mit seiner Familie: Gattin Michelle, mit der seit 15 Jahren glücklich verheiratet ist, preist er als “Fels des Obama-Clans”. Rührend beschreibt er, wie die beiden mit den Herausforderungen als junge Eltern zurecht kommen. Obama hat noch wenige echte Feine: Rechtsaußen hatten anfangs erfolglos versucht, ihn wegen seines Namens, ähnlich dem von Superterroristen Osama bin Laden, als Radikalmoslem zu denunzieren. Sie scheiterten damit vorerst. Dennoch musste sich Obama prompt als braver Christ und Kirchengänger präsentieren.

# 6. Jänner: Völkerwanderung nach New Hampshire

Hillary Clinton (60), durch ihre Wahlschlappe in Iowa schwer ramponiert, versucht in New Hampshire – den nächsten “Primaries” im Vorwahlkampf ums Oval Office 2008 am Dienstag – fast schon mit der Kraft der Verzweiflung ein Comeback. Freitag, 4 Uhr Früh, landete ihr Jet in dem tiefgefrorenen Neuenglandstaat. Und die Ex-First-Lady eröffnete sofort das Feuer aus vollen Rohren auf Iowa-Triumphator Barack Obama, der auf einer Welle der Euphorie leicht zum nächsten Sieg reiten könnte. “Unser Vertrauen sollten jene erhalten, die Veränderungen bereits erreicht haben – und nicht darauf hoffen”, spielte sie auf Obamas Siegerslogans “Change” und “Hope” an.
Schrill warnte sie: “Wer letztendlich um das White House antritt wird ein glühendes Inferno geworfen – nur ich bin bereits durch diese Feuer gegangen”, argumentierte sie bei einer Demokraten-Veranstaltung, Obama im Hintergrund gespannt lauschend. Ihr Hauptargument, das bereits in Iowa von den “Dems” ignorierte worden war: Sie hätte die Erfahrung, brauche kein “Job-Training”, sei “ready am Tag Eins im Oval Office” und abgebrüht genug, um gegen die republikanische Dreckschleuder-Maschinerie zu bestehen.
Doch wie groß die Hürden für Hillary bereits sind, verdeutlichte die Reaktion der Demokratenbasis: Laute Buh-Rufe bei jeder Obama-Attacke. Als Hillary fragte “Wer ist der beste Präsident?” skandierte die Menge: “O-BAM-A! O-BAM-A!” Sonst bekam die Ex-Favoritin maximal höflichen Applaus. Bei Obama sprangen hingegen alle von den Stühlen.
Obama war ebenfalls in der Nacht gekommen – als Amerika wegen seiner Chance, erster schwarzer Präsident der US-Geschichte zu werden, noch Kopf stand: Seine mitreißende Siegerrede in Iowa, wo sein Sprachstil erstmals mit dem legendären Schwarzenführer Martin Luther King verglichen wurde, wurde millionfach vom Internet geladen. Operation Obama reportierte eine Flut neuer Spenden. Trotz heiserer Stimme und sichtlich erschöpft brachte der charismatische Massenmagnet 3.000 Fans derart zum Kochen, dass Organisatoren die tosende Menge aus “Sicherheitsgründen” zur Beruhigung aufforderten.
Mit der Iowa-Trägerrakete am Rücken will Obama an Hillary auch hier vorbeirasen. “Der dichte Vorwahlkalender favorisiert jenen mit dem meisten Schwung”, analysiert die “New York Times”. Laut einer “Zogby/Reuters”-Umfrage führt Hillary noch mit 32 zu 26 Prozent. Doch ihr Vorsprung schmilzt: Einen Tag zuvor hatte sie noch mit 12 Prozent Vorsprung geführt. Ihr Team propagiert den Slogan “Comeback Kid” in Anspielung auf Bill Clintons legendäre Aufholjagd in New Hampshire 1992, Stoff des Polit-Thrillers und Bestsellers “Primary Colors”. Genau der soll nun auch die Kampagne seiner Frau retten: Es soll “mehr über die Zukunft als die Vergangenheit”, so Insider, geredet werden. Hillary hatte Samstag bei der großen TV-Debatte eine Chance, effektiv zurückzuschlagen.
Wie Obama landete auch der fromme Republikaner-Senkrechtstarter Mike Huckabee mit enormen Auftrieb in New Hampshire: Mit Bassgitarre unterhielt er die Menge. Doch Huckabees Hürden sind hoch: Die Favoriten Mitt Romney und John McCain liegen hier weit voran. “Die Republikaner-Vorwahlen sind nach wie vor völlig offen”, so Politologen.

# 6. Jänner: Britneys Stockholm Syndrom

Den Medien verdankt sie ihren Höhenflug, Ruhm und Millionen. Und den Medien verdankt sie auch ihren Untergang. Von der globalen Klatschpresse wurde Popprinzessin Britney Spears (26) am Beginn ihrer Karriere geliebt und gehypt: Die blonde Unschuld vom Land, die von der Jungfräulichkeit träumte, stürmte Pop-Charts und Tabloids-Cover. Geschickt nützte sie bei ihrem kometenhaften Aufstieg die Medien auch aus: Der Verkauf von 83 Millionen CDs weltweit machte sie zur Multimillionärin.
Britney, schwanger und letztendlich als Mutter der Babies Sean Preston und Jayden James, sorgte auch noch für Wellen durchaus wohlwollender Reports. Wenn auch bald offensichtlich schien, dass ihre Ehe zu “Deadbeat” Kevin Federline (“K-Fed”) zum ersten Frontalunfall ihres Lebens geworden war.
Als wirkliche Goldgrube erwies sich für die Paparazzi aber erst Britneys Absturz nach der Scheidung von K-Fed: Ihre Luder-Gelage mit Paris Hilton und Lindsay Lohan, ihre verzweifelten “Hilfeschreie”, so Psychologen, beim Kahlscheren ihres Kopfs, das juristische Gerangel um die Kids.
Plötzlich ist die belagerte Britney eher Opfer, auch von Amerikas explodierender Unterhaltungs-Medienlandschaft: Die rasant wachsenden Horden an Foto- und Videoreportern beliefern heute gleich fünf große Tabloids, InTouch, OK!, Star, US Weekly und Life & Style mit Millionen-Auflagen, die populäre Klatschadresse Nr. 1 am Internet, “tmz.com” sowie mehrere Stunden an TV-Unterhaltungssendungen á la “Entertainment Tonight”.
Was sich bei Britneys Spitals-Einlieferung abspielte, schockierte aber selbst die abgebrühte Entertainment-Metropole L. A.: Dutzende Fotografen behinderten Notärzte, verfolgten die Ambulanz, belagerten das “Mount Sinai”-Spital. Es gab Live-TV-Einstiege, Live-Blogs und minütlich Neues auf tmz.com. Britneys Leben scheint durch den Medienandrang nun zerstört: “50 bis 60 Paparazzi verfolgen sie jeden Tag”, so Veteran Frank Griffin zur “L.A. Times”: “Und die ganze Nacht über sind es immer noch zehn Leute”.
“Britney lebt nur mehr in einer Welt, wo sie jede Minute des Tages belagert wird und alle Fehltritte rund um die Welt gehen”, so eine Szenebeobachter: “Es ist fast wie ein Geiselhaft”. Längst spielt sie auch mit: Bei einer jüngsten Ausfahrt lieferte sie den Fotografen eine regelrechte Show, wechselte Outfits samt pinker Perücke. Dann lud sie Paparazzi Adnan Ghalib ins Hotel – heute ist er ihr Boyfriend. Einige sprechen sogar schon vom “Stockholm Syndrom”, wo sich Geiseln in ihre Entführer verlieben.

# 5. Jänner: Obama Superstar!

Da stand Barack Obama (46) vor einer tosenden Menge in Des Moines, Iowa – und Amerika hielt den Atem an: “Das ist ein prägender Moment in unserer Geschichte”, rief er euphorisch, sein jugendliches Gesicht nach den monatelangen Strapazen entspannt. Und weiter: “Wir sind eine Nation, ein Volk – und die Zeit zur Veränderung ist gekommen!” Der Jubel um den “schwarzen JFK” mit seiner attraktiven Frau Michelle (43) und den süßen Töchtern Maila (9) und Sasha (6) an der Seite versetzte Demokraten und sogar einige Republikaner in einen historischen Freudentaumel. “BAM!”, plärrte die New Yorker “Daily News”.
Amerika fragt staunend, nachdem der erst seit drei Jahren im Senat tätige Polit-Senkrechtstarter Demokratenstar Hillary Clinton samt Legende Bill als “Geheimwaffe” zum Auftakt der US-Präsidentschaftswahlen 2008 mit 38 zu 29 Prozent demolierte: Präsident Obama? Der erste Afroamerikaner im White House? Sein Vater Moslem aus Kenia, aufgewachsen in Indonesien und Hawaii, ein ehemaliger Bürgerinitiativen-Organisator in Chicago? Schon kündigte er Pläne als potentielle Nr. 44 im Oval Office an: Irakkrieg beenden, Truppen heimholen, Amerikas ramponierten Ruf retten!
Obama hat durch den Iowa-Triumph in weiteren Vorwahl-Schlachten, vor allem in New Hampshire am Dienstag, gegen Hillary “eine Trägerrakete umgeschnallt”, so US-Beobachter. In der Nacht flog er per Privatjet an die Ostküste. Sein erster Auftritt dort: 8:45 Uhr früh in Portsmouth. Obama ist gut positioniert für die nächste Sensation: Laut CNN lag er mit 30 zu 34 Prozent knapp hinter Hillary. “Ein Sieg in New Hampshire – und Obama hat die Nominierungen fast in der Tasche”, so Politologen.
Obamas verdankt seinen ersten Triumph Frauen, Jungwählern und sogar Republikanern. “Obamamania”, wie sich US-Medien überschlagen, lockte eine Rekordzahl von 239.000 “Caucus”-Teilnehmer (fast doppelt so viele wie 2004) an. Unter Iowa-Frauen schlug er selbst die erste mögliche Frau im Oval Office, Hillary, mit 35 zu 30 Prozent. Stolz berichtete im US-TV eine Ex-Bush-Wählerin, wie sie “Obama überzeugte”. Doch schlägt er die Republikaner? “Operation Obama” hofft auf “Jausengegner”, Baptistenprediger Mike Huckabee (52), der als Sensation Nr 2. Frontrunner Mitt Romney mit 34 zu 25 Prozent aushebelte. Für TV-Kommentator Chris Matthews könnte mit Obama eine neue Ära anbrechen: “Er ist Sohn Afrikas, Sohn Amerikas, er ist ein kompromissfähiger Erdenbürger, kein sturer Alleingänger wie Bush”.

# 5. Jänner: Hucka-Boom!

Der Triumph des Baptisten-Predigers Mike Huckabee gegen Frontrunner Mitt Romney komplettierte die sensationelle “Nacht der Außenseiter” in Iowa: Der Ex-Gouverneur aus Arkansas triumphierte, trotz Ausgaben von 400.000 Dollar über seinen steifen Amtskollegen aus Massachusetts, Mormonen-Millionär Mitt Romney mit 34 zu 25 Prozent, der sieben Millionen in die Schlacht pumpte. “Bettel-Prediger schlägt reichen Romney”, titelte die “New York Post”. Huckabee, der mit frommer Rhetorik zum Liebling strammer Evangelisten wurde, bemühte prompt den biblischen Vergleich von “David gegen Goliath”.
Huckabee (52) ist die Senkrechtstarter-Sensation der 2008-Wahlschlacht: Bei drei Prozent dümpelte er im noch im Sommer in den Umfragen dahin. Während Kontrahenten im Privatjet herumdüsten, zwängte er sich in die “Economy Class” dauerverspäteter Linienflüge. Doch die Parteibasis der Republikaner war höchst unzufrieden mit ihrem Kandidatenfeld – und “Huck” füllt das Vakuum: Mit Bassgitarre spielte er cool auf, mit Leinwandraufbold Chuck Norris an der Seite wollte er Illegale stoppen, mit frommen Sprüchen punktete er bei der “Christian Right”.
Doch hat Huckabee national eine Chance? Seine Ansichten sind extrem: Er glaubt nicht an Darwins Evolutionstheorie, hetzt gegen Schwule und will US-Bürger bewaffnen. Im Wahlkampf entpuppte er sich obendrein als uninformierter Tölpel: Er wollte etwa nach Benazir Bhuttos Ermordung an der US-mexikanischen Grenze potentielle Terroristen aus Pakistan stoppen. In New Hampshire liegt er weit hinter dem dortigen Favoriten John McCain zurück. Huckabee muss in Rekordzeit seine Kriegskasse füllen, um in den großen Staaten am “Super Tuesday” Anfang Februar eine Chance zu haben. Die “Dems” halten ihm die Daumen: Obama & Co betrachten den bisher wenig sattelfesten Provinzpolitiker als “Traumgegner”.

# 5. Jänner: Giulianis Crash

Rudy Giuliani, New Yorks martialischer , ehemaliger “9/11”-Bürgermeister und Republikaner-Favorit, verfolgt das Drama der geschlagenen Wahlschlacht in Iowa und der kommenden New Hampshire unter Palmen: Giuliani, der wenig Chancen sah, in beiden dieser frühen Vorwahlstaaten zu punkten, hofft auf ein Comeback im bevölkerungsreichen Urlauber- und Pensionisten-Staat Florida bei den dortigen Primaries am 29. Jänner. Er will Florida als Trampolin für ein massives Comeback am “Super Tuesday” am 5. Februar nützen, wo 23 Staaten Primaries abhalten, darunter die Giganten Kalifornien und New York.
Doch Experten halten Giulianis Taktik für Harakiri: Das enorme Medienecho in Iowa und New Hampshire dürfte letztendlich zu einem ultimativen Duell zwischen Iowa-Triumphator Mike Huckabee und “Comeback Kid” John McCain führen, rechnet der rechte Kommentator Pat Buchanan. Sogar in US-weiten Umfragen liegt Giuliani nur mehr maximal Kopf an Kopf mit Huckabee und McCain, oft sogar dahinter. Vor Monaten hatte der rechte Haudegen aus New York noch deutlich geführt — und mit 50 Millionen Dollar Spenden die prall gefüllteste Kriegskasse. Giulinai hatte etwa Iowa nur wenige Blitzbesuche abgestattet. Dennoch ist das Ergebnis dort blamabel: Drei Prozent, weit weniger als selbst der kuriose “Don Quichote” Ron Paul.
Doch Giulianis Stab beteuert: Er führe noch in 16 bis 18 der “Super Tuesday”-Staaten. Aber auch Giulianis Leibthema wird zum Ladenhüter: Fast verzweifelt schaltete er eine 9/11-Werbung im TV. Sogar bei den Republikanern sind jedoch die einstigen Top-Themen Krieg und Terror Wirtschaftssorgen und der Einwandungsproblematik gewichen.

# 4. Jänner: Obama fast am Ziel

Barack Obama (46) verlor fast seine Stimme: “Es ist kalt hier draußen”, krächzte er in eine der typisch tosenden Mengen bei seinen Rockkonzert-ähnlichen Wahlkampfauftritten: “Ich bin bereit, ich bin hungrig — lets go!” Obama hatte in all den Wochen des Nonstop-Wahlkampfes zu den US-Vorwahlen 2008 als charismatischer “schwarzer JFK” Nation und Medien in den Bann gezogen: Jetzt appellierte er, abgekämpft und mit tiefen Ringen unter den Augen, nochmals: “Es ist Zeit für eine neue Ära in Washington!” Zuletzt holt er noch seiner attraktive Gattin, die Karriereanwältin Michelle (43) und die beiden süßen Töchter Malia (9) und Sasha (6) auf die Bühne.
Ähnlich groß wie in Iowa ist die “Obamamania”, wie US-Medien die Begeisterung für den Jungsenator aus Illinois tauften, auch in New Hamshire, wo die Vorrunde in der Schlacht ums Oval Office in fünf Tagen weitergeht. Jetzt, wo Obama den Fuß als erster Farbiger halb in der Türe zum Oval Office hat, wird vor allem seine “Erfahrenheit” – und auch sein bunter Background durchleuchtet: Geboren als Sohn einer weißen Mutter aus Kansas und einem Afrikaner aus Kenia, wuchs er auf in Indonesien und Hawaii. Als Anwalt setzte er sich für Bürgerrechte ein, vor seinem nationalen Durchbruch als Starredner beim Kerry-Parteitag 2004 war er Aktivist und Lokalpolitiker. Kritik wegen seiner, für den höchsten Politposten der USA “mangelnden Erfahrung” kontert er elegant. Süfisant zitiert er ausgerechnet Bill Clinton, als der sich gegen gleichlautende Attacken 1992 wehren musste: Nicht die “Menge” an Erfahrung sei entscheidend, sondern die “Qualität”.
Umjubelt wird Obama vor allem von jüngeren Wählern. “Nach 19 Jahren Bush/Clinton ist es Zeit für einen Neubeginn”, argumentieren seine Fans. Zentral für Obamas Erfolg in den Vorwahlen ist daher die Wahlbeteiligung: Obamas Stab bombardierte potentielle Wähler mit Emails und SMS-Nachrichten aufs Handy. Der Kontrast zu Kontrahentin Hillary könnte größer nicht sein: Ihr Team organisierte in Iowa 537 Mietautos, um Pensionisten zur Abstimmung zu karren.
Obama verzichtete auf einen Auftritt beim Comeback der US-Talkmaster (Hillary war bei Letterman, Republikanerstar Mike Huckabee bei Jay Leno). Immerhin hatte er tagelang mit der farbigen Talkqueen Oprah Winfrey an der Seite Zehntausende in Football-Stadien gelockt.

# 4. Jänner: Hillarys Kampf

Stets galt Demokratenstar Hillary Clinton (60) als etwas reserviert, kühl, kalkulierend, fast ein wenig schüchtern. Kurz: Blass – vor allem an der Seite Bills, ihres gewinnenden Energiebündels an Gatten. Doch plötzlich stand sie vor einer tosenden Menge Tausender in einer Sporthalle in der Iowa-Kapitale Des Moines und ließ sich von der Euphorie mitreißen: “Lass uns gemeinsam Geschichte schreiben”, rief sie, ihre Stimme sich leicht überschlagend, strapaziert vom monatelangen Marathon-Wahlkampf im ersten “Vorwahlstaat” Iowa. Die Menge klatsche rhythmisch, Bill wenige Meter hinter ihr lächelte zufrieden. So locker sollte sie immer sein, könnte er sich gedacht haben.
Das Prozedere der US-Vorwahlen, wo Demokraten und Republikaner ihre Oval-Office-Kandidaten ermitteln, ist langwierig, teuer und oft kompliziert: Bereits am Tag nach dem Auftakt in Iowa jetteten Kandidaten und ihre oft hundertköpfigen Teams nach New Hampshire, wo am Dienstag die berühmten Primaries stattfinden. US-Medien sprachen von einer “Völkerwanderung”. Hillary hat in Iowa gekämpft fast bis zum Umfallen: An einem der typisch endlosen Wahlkampftage rollte sie mit ihrem, mit Slogans á la “Entscheidet auch für die Präsidentschaft” bepinselten Kampagnenbus in fünf Kleinstädte. Totale Reisezeit: Sechs Stunden. Zurückgelegte Distanz: 482 Kilometer.
Hillarys Stab versuchte fast verzweifelt, die mit dem Image als “Eisprinzessin” behaftete Ex-First Lady “aufzuwärmen”: Rührend erzählte sie um US-Frühstücksfernsehen, wie ein giftgrüner, hufeisenförmiger Kopfpolster ihr bei den endlosen Stunden im Bus bei Nickerchen hilft. Mit Tochter Chelsea an der Seite marschierte sie mit prall gefüllten Einkaufstaschen in das Kampagnenhauptquartier in Des Moines: Unter dem Applaus der meist jungen Freiwilligen verteilte sie Kaffee und “Bagel”. Bei Wahlkampfstopps ließ sie Jungendfreunde auftreten, die nette Annekdoten über eine lustige und einfühlsame Hillary erzählten. Doch ihre beste Geheimwaffen ist Bill: Sein “Parallelwahlkampf” zieht noch mehr Fans an wie der der lobgepriesenen Hillary.
Ihr Motto, das sie nun nach New Hampshire trägt: “Wer ist bereit, Präsident zu sein vom Tag Eins im Oval Office, um Amerikas große Herausforderungen zu lösen”, fragte sie das Wahlvolk in einer TV-Einschaltung.

# 4. Jänner: Arnie klagt Bush

Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger platzt nun endgültig der Kragen mit der klimafeindlichen Politik von Republikaner-Parteikollegen George W. Bush: Arnie verklagte die Bush-Regierung, nachdem die US-Umweltbehörde EPA dem als Klimaretter posierenden Chef des US-Riesenbundesstaaten (38 Millionen Einwohner) die Implementierung strenger Abgasnormen für PKWs und LKWs verboten hatte.
Bereits 2006 hatte Arnie ein Gesetz verabschiedet, das den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr um 30 Prozent bis in Jahr 2016 senken soll. Die Beamten der EPA in der US-Kapitale Washington verzögerten zunächst die Erteilung der benötigten “Ausnahme-Genehmigung”, ohne die Arnies Klimaschutzgesetzte – die 19 zusätzliche Bundesstaaten, darunter New York, ebenfalls adaptierten – nicht rechtskräftig werden können. Im Dezember des Vorjahres lehnte die EPA glattweg ab. Die Begründung: Der US-Kongress hätte ohnehin gerade Gesetze zur Durchsetzung von geringerem Spritverbrauch in Kraftfahrzeugen beschlossen.
“Es ist unbegreiflich”, tobte nun Arnie nach Einbringen seiner Monsterklage gegen Bush & Co, “dass der Wille von Millionen Menschen ignoriert wird, die von ihren Regierungen erwarten, gegen den Klimawandel anzukämpfen”. Arnies Autoabgasregel war Herzstück von einem der weltweit strengsten Klimagesetze: Bis ins Jahr 2020 sollen in Kalifornien, der sechsgrößten Volkswirtschaft der Erde, die CO2-Emissionen um 25 Prozent gesenkt werden. Die strengen Abgasgesetze hätten den gleichen Effekt gehabt, als würden 6,5 Millionen Autos weniger auf den Highways herumkurven.
Bush und seine Umweltbehörde hatten sich, so Insider in Washington, dem Druck der strauchelnden US-Autoindustrie gebeugt. Die Gesetze von Kalifornien & Co hätten die Entwicklung völlig neuer Modellserien bedurft. Kalifornien sei seit 40 Jahren führend an der Front beim Kampf um eine saubere Umwelt – und niemals zuvor hätte sich die Bundesregierung derart massiv in den Weg gestellt, polterte Arnies Top-Staatsanwalt Jerry Brown. Und weiter: “Nicht nur hat diese Behörde nichts in Sachen Klimaschutz vorzuweisen, nun verbietet sie ihn anderen auch noch”.

# 3. Jänner: Obama vs Hillary im Kornfeld

Die Demokratenstars im Kampf um das Oval Office 2008 kamen sich am Rollfeld des Flughafens der Iowa-Kapitale Des Moines sehr nahe: Die Jets von Hillary Clinton und Barack Obama rollten knapp aneinander vorbei – am Weg zur letzten Offensive in einem fast schon hysterischen Wahlkampffinale. Die Uhr tickt 24 Stunden vor der ersten Stimmenabgabe der heurigen US-Präsidentschaftswahlen, dem “Iowa Caucus” Donnerstag abends. Hillary und Obama düsen nun lieber durch die Luft in dutzende Iowa-Kleinstädte – mit ihren mit Slogans bemalten Kampagnenbussen kamen sie auf den eisglatten Landstraßen nicht mehr schnell genug voran. Geld spielt keine Rolle: Obama und Hillary sitzen durch eine Rekordspendenflut von je 100 Millionen Dollar auf prall gefüllten Kriegskassen.
Der Totaleinsatz gilt jeder Stimme, weniger als 1.000 könnten entscheiden, so die “New York Times”. Neben dem “Duell der Giganten”, wie sich US-Medien überschlagen, zwischen Ex-First-Lady Hillary Clinton (60) sowie dem charismatischen, “schwarzen JFK” Barack Obama (46) hat auch noch Feschak John Edwards (54) Chancen auf eine Überraschung. Der Medienhype eskaliert stündlich um die “spannendsten Vorwahlen aller Zeiten”, in denen Demokraten und Republikaner ihre Kandidaten für die finale Schlacht ums White House ermitteln. Obama erhielt zuletzt mächtig Auftrieb durch eine Umfrage der einflussreichen Lokalzeitung “Des Moines Register”, wo er mit 32 zu 25 Prozent erstmals deutlich sieben Punkte vor Hillary liegt.
Obama warnte bei einem seiner, wegen des enormen Zustromes und ausgelassener Stimmung “Rockkonzert-ähnlichen” Wahlkampfauftritten vor verfrühtem Siegestaumel: “Umfragen sind nicht genug – nehmt teil, überredet andere!” Obama punktet mit dem Versprechen einer “neue Ära in Washington” primär bei Jungwählern, Politverdrossenen und Unabhängigen. Die Kernfrage: Erscheinen die auch tatsächlich bei angesagter, klirrender Kälte und einem Football-Schlager im TV zur Abstimmung? “Das sind meist nicht die traditionellen Caucus-Geher”, warnt auch TV-Kommentator Tim Russert davor, Obama vorschnell zum Sieger zu erklären.
“Gewinnt Obama, wäre das die größte Sensation vielleicht aller Zeiten”, so der Starmoderator des TV-Newskanals MSNBC, Chris Matthews, aufgeregt: Der erste Farbige mit dem Fuß halb im Oval Office? Ein Jungsensator, der das Politpower-Duo von Hilary und Bill Clinton bezwingt? Der Iowa-Thriller zieht Amerikas Medien in den Bann: Bis zu 40 Reporter begleiten die Kandidaten nonstop, CNN zeigte den ganzen Neujahrstag über “Live” Obama, Hillary & Co beim Wahlkämpfen. “Wir haben keine Zeit zu verlieren”, fleht Hillary, deren Traum, als erste Frau ins Oval Office einzuziehen, in letzter Sekunde in Gefahr ist, fast schon verzweifelt: Durch ihre acht Jahre an der Seite Bills im White House und sieben im Senat habe nur sie ausreichende “Erfahrung”, die USA durch eine “brandgefährliche Epoche” zu dirigieren.
Knapp dürfte es auch bei den Republikanern werden: Der Mormone und Ex-Massachusetts-Gouverneur Mitt Romney (60) liefert sich ein brutales Duell mit dem Baptisten-Prediger und Amtskollegen aus Arkansas, Mike Huckabee (52). Was sind die Top-Themen? Während die Demokraten den Irakkrieg rasch beenden wollen und sich für die Mittelklasse einsetzen, versprechen die Konservativen mit Teils schriller Rhetorik, illegale Einwanderer zu stoppen.
Ein Trend ist in der unübersichtlichen Wahlschlacht klar erkennbar: Die Amerikaner haben genug von “politics as usual”, sowohl Präsident George W. Bush als auch der von Demokraten kontrollierte Kongress sind mit weniger als 30 Prozent Zustimmung unpopulärer denn je. “Davon profitieren die Outsider”, schrieb das “Wall Steet Journal”. Im Klartext: Barack Obama und Mike Huckabee.

# 2. Jänner: Countdown in Iowa

Der “Iowa Caucus” ist der Auftakt zur turbulenten US-Vorwahlsaison: In den nächsten 33 Tagen wollen Parteigänger der Demokraten und Republikaner das angetretene Feld an Präsidentschaftskandidaten aussortieren, bevor am “Super Tuesday” letztendlich die Entscheidung fallen dürfte, wer für die Wahlschlacht am 4. November zur Nachfolge von George W. Bush antreten soll. Doch zuerst müssen Hillary, Obama & Co bei den “Dems”, sowie Romney und Huckabee bei den Republikanern in Iowa punkten.
Es ist ein kompliziertes Unterfangen, eine “verrückte Abstimmung”, wie vor allem Beobachter aus Übersee den Kopf schütteln. Um 19 Uhr Ortszeit am Donnerstag werden bei Partei-Versammlungen (“Caucuses”) in insgesamt 1.784 Wahlbezirken 130.000 Demokraten und 80.000 Republikaner erwartet. Die Treffen finden in Schulen, Feuerwehr- oder Gemeindehäusern statt. Die Bürger müssen, anders als bei anonymen Wahlen, offen ihre Kandidatenpräferenz bekunden. Sogar die Methoden sind nicht einheitlich: An einigen Orten stellen sich die Bürger je nach Kandidaten-Vorliebe in verschiedenen Ecken auf, anderswo werden Strohhalme gezogen, wieder woanders Stimmzettel ausgefüllt. Mitunter wird in den teils turbulenten Treffen versucht, Teilnehmer umzustimmen, so Iowa-Veteranen: “Da wird oft argumentiert, gestritten, gebrüllt – und Unentschlossene mitunter sogar an den Armen gezogen”.
Die Kampagnen arbeiteten fieberhaft daran, ihre jeweiligen Fans zu den Abstimmungen zu locken: Camp Hillary etwa organisierte Schneeschaufeln, um Älteren den Weg freizumachen. Sogar freies “Babysitting” wurde angeboten. Seit Wochen wurden Iowas Bürger mit TV-Spots (36 Millionen Dollar Gesamtausgaben, 2004 war es nur zehn Millionen) und Telefonanrufen bombardiert – tausende Freiwillige klopften an Haustüren.
Iowa scheint längst New Hampshire als wichtigste, erste Testwahl den Rang abgelaufen zu haben: Der gewaltige Medienhype um den Iowa-Sieger könnte leicht den Weg zu einer Siegesserie in weiteren frühen Vorwahlstaaten ebnen. Schon fünf Tage nach Iowa folgen die ersten “Primaries” in New Hampshire, wo in Wahllokalen abgestimmt wird und auch Nichtparteimitglieder (“Independents”) teilnehmen können. Gewinnen etwa Hillary oder Obama beide dieser ersten Tests, könnte bereits ein Vorentscheidung gefallen sein, spekulieren Beobachter im US-TV. Denn dann geht es Schlag auf Schlag: Bereits am 15. Jänner wird in Michigan gewählt, am 19. in Nevada und bei den Republikanern auch in South Carolina, am 26. stimmen die Demokraten in South Carolina ab, am 29. folgt Florida. Nach dem “Super Tuesday” am 5. Februar, mit Primaries in 23 Staaten, darunter die Giganten Kalifornien und New York, dürften alles entschieden sein.

# 2. Jänner: Obama: “Etwas unglaubliches…”

Noch nie hatte sich Senkrechtstarter Barack Obama so siegessicher gegeben. “In nur wenigen Tagen könnten wir etwas schaffen, das den Kurs diesen Landes für immer ändert”, rief Obama in eine mit enthusiastischen Fans vollgepferchte Halle in Jefferson, Iowa. New Yorks Massenblätter brachten prompt Obamas unbändigen Optimismus auf den Punkt: “Das White House gehört mir”, plärrte die “Daily News”. Michelle Obama, die attraktive Gattin des wegen Charisma und Jugendlichkeit “schwarzer JFK” getauften, 46-Jährige Senators, legte nach: “Wir spüren, dass wir kurz vor etwas Unglaublichem stehen!”
Camp Obama hat Grund zum Jubel. In der Silvesternacht sorgte die letzte große Umfrage der einflussreichen Lokalzeitung “Des Moines Register” für ein Politbeben im Demokraten-Thriller: Obama führt demnach mit 32 Prozent erstmals deutlich – und außerhalb der statistischen Schwankungsbreite – vor der bisherigen Favoritin Hillary Clinton mit 25 Prozent und dem populistischen Feschak John Edwards (24 %). Obamas Umfragen-Höhenflug verdarb den Festgästen von Hillary und Bill Clinton, die pompös im “Hotel Fort Des Moines” mit drei Live-Bands feierten, die Laune. Es bleibt kaum mehr Zeit: Schon am Donnerstag geben Bürger in Parteiversammlungen (“Caucus”) in Iowas 1784 Wahlbezirken die ersten Stimmen für die Schlacht ums Oval Office 2008 ab.
Ein Triumph in Iowa könnte Obama den Weg für eine “Siegesserie in weiteren Vorwahl-Staaten ebenen”, am wichtigsten New Hampshire, wo fünf Tage nach Iowa abgestimmt wird, analysiert TV-Kommentator Tim Russert. Die US-Medien überschlagen sich bereits: Außenseiter Obama könnte den Traum der Ex-First-Lady Hillary von einer Rückkehr ins White House, für den sie seit dem Start ihrer Solo-Politkarriere in New York in 2000 zielstrebig rackerte, frühzeitig beenden. Obama, dessen Kriegskasse durch einen Spendenfluss im Vorjahr von 100 Millionen Dollar prall gefüllt ist, hat mit 37 Büros, 200 Fixangestellten und Tausenden Freiwilligen in Iowa die effektivste Wahlkampfmaschinerie aufgebaut. Dazu ist er Massenmagnet: In der Stadt Davenport sprach Obama vor 900 Bürgern, Edwards bloß vor 300.
Hillary stemmt sich fast bereits verzweifelt gegen ein mögliches Iowa-Waterloo: Edwards bezichtigte sie, “Taten” und nicht “zornige Tiraden” gegen Amerikas Reiche seien gefragt. Und Obama sei, so Hillary, mit bloß drei Jahren im Senat zu “unerfahren”.

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